Kita-Wahnsinn

Bei der Kita-Suche habe ich nach kurzer Zeit alle Elterninitiativen von meiner Liste gestrichen. Was bei manchen Elterninitiativen von den Eltern an zeitlichem Engagement verlangt wird, schien mir – insbesondere vor dem Hintergrund einer Berufstätigkeit – untragbar. Da sollte regelmäßig von den Eltern gekocht, Feste und Flohmärkte organisiert, Theaterstücke aufgeführt, die Kita geputzt werden.

Als ich noch ein Kind war, hat meine Mutter einmal im Jahr einen Kuchen für das Sommerfest im Kindergarten gebacken. Das war’s. Und meine Mutter hat damals nicht gearbeitet. Das waren noch schöne Zeiten für Mütter, würde ich mal ganz unverfroren behaupten.

Heute müssen sich die Mütter/Väter, ob nun in einer Elterninitiativen- oder anderen Kita, klammheimlich davonstehlen, wenn es ihnen zuviel ist, in ihrer ohnehin kaum vorhandenen „Freizeit“, die Kita zu renovieren. Mit einem verdammt schlechten Gewissen, denn die Mutter/der Vater von XYZ packt doch – wie immer – so tatkräftig mit an. Oder sie müssen überlegen, wie sie um die Elternabende in der Krippe herumkommen, um nicht noch als Elternvertreter auserkoren zu werden.

Schon bei der Kita-Suche war ich über die detaillierten Fragen mancher Eltern sehr erstaunt. Ich dachte, wenn die das fragen, dann müssen sie die perfekten Eltern sein. Wie geht es dann wohl bei denen Zuhause zu? Ich habe mir dann als Kontrastprogramm erlaubt, den ohnehin überlasteten Erzieherinnen mitzuteilen, dass ich sie nicht jeden Tag danach fragen werde, was es zu Essen gab und wie es genau schmeckte, ob mein Kind draußen war oder eine Projektwoche geplant ist. Mir reichten auch zwei Feste im Jahr und wenn mein Kind das ganze Jahr liebevoll behandelt würde. Das klingt, ich weiss, in unserer heutigen Welt einfach unambitioniert und total daneben. Aber ich möchte da nicht mehr mitmachen. Mit in der Spirale hängen, in der sich alle immer noch weiter nach oben schrauben.

Und wenn ich mir so angucke, was insbesondere bei manchen Elterninitiativen gefordert wird, dann kann es doch sein, dass der Vorwurf, die Eltern machten sich heutzutage auch selber jede Menge Stress, irgendwie berechtigt ist.

Das Ganze könnte man auch noch einmal an den total übertriebenen Kindergeburtstagen durchdeklinieren. Ich traf mal eine Mutter, die kurz vorm Nervenzusammenbruch war, weil der Geburtstag ihres vierjährigen Sohnes am Vortag sie so fertig gemacht hatte. Nicht die Kinder, sondern die begleitenden Eltern! Und sie schwor sich, erst den zehnten Geburtstag wieder zu feiern.

Leider kann ich mich über diese Zustände beklagen soviel ich will. Für mein Kind werde ich gezwungen sein, einen Teil des Wahnsinns mitzumachen. Wenn Ihr, liebe andere Eltern, einfach mal zwei, drei Gänge runterschaltet, wäre ich sogar mit gutem Gefühl dabei.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s