Bitte umdenken

Seit einiger Zeit sehe ich die Stellenanzeigen in meiner Stadt sehr gründlich durch. Und mir fällt etwas auf. Sie wiederholen sich. Es werden die gleichen Jobs immer wieder eingestellt, weil man anscheinend niemanden gefunden hat. Das beruhigt mich erst einmal, denn das heisst, dass auch ich als Mutter noch irgendwo unterkommen könnte.

Auch wenn ich mit Müttern spreche, die sich einen Job gesucht haben, dann berichten sie, dass es schneller ging als gedacht. Sie erzählen teilweise aber auch, dass sie leider doch mehr Tage arbeiten müssen als sie eigentlich ursprünglich wollten. Manche sind damit sehr unglücklich.

Wenn Arbeitgeber möchten, dass Ihnen noch mehr qualifizierte Frauen zur Verfügung stehen, dann sollten sie sich überlegen, ob sie nicht auch Stellen für zwei/drei Tage die Woche anbieten. Dann würden sie aus meiner Sicht schlagartig eine ganz neue Bewerbergruppe erschließen: Frauen, die sich davor scheuen , ein mit der heißen Nadel gestricktes Leben zu leben, bei dem in jeder Sekunde an allen Ecken und Enden das Chaos ausbrechen kann. Und sie würden außerdem Frauen, die gezwungen sind, gleich wieder zu arbeiten und wenigstens ein wenig Geld dazu zu verdienen, das gute Gefühl geben, dass sie nicht nur noch zerrissen und erschöpft sind, was sich sicher nicht negativ auf die Produktivität auswirkt.

Kita-Besichtigung mit Kleinkind

Aus verschiedenen Erwägungen heraus habe ich beschlossen, mit meinem Kleinkind eine Kita in unserer Nähe zu besichtigen.

Auf dem Weg dorthin habe ich schon gemerkt, wie nervös ich wurde. Ich habe mich gefühlt wie vor einem Vorstellungsgespräch, mit dem Unterschied, dass ich zu diesem Vorstellungsgespräch ja noch jemanden mitbrachte, mein Kind, das süße, aber unkalkulierbare Risiko.

Als mich die Leiterin der Einrichtung begrüßte, musste ich mich erst einmal kurz entschuldigen und mein Kind aus dem Kletterbaum in einem Gruppenraum nebenan herausziehen. Wir begannen den Rundgang und die Leiterin machte den „Fehler“, meinem Kind eine Sammlung toller Spielfiguren zu zeigen. Daraufhin beschloss es, in diesem Raum zu bleiben und sich durch kein Argument der Welt dort wegbewegen zu lassen. Also guckten wir uns die Nebenräume allein an. Als wir dann aber die Etage wechseln mussten, kam es zum Eklat. Mein Kind hatte beschlossen, die Figürchen mitnehmen zu wollen und drehte die Lautstärke hoch. Die Leiterin sagte, sie würde ihm eines leihen bis wir mit der Besichtigung durch seien. Wir guckten uns noch den Garten an, während mein Kind schon wieder ins Gebäude hineinlief, um sich uns kurze Zeit später wieder anzunähern, mit dem gellenden Schrei „Mama, Hilfeee, ein Krokodil“.

Anschließend nahm uns die Leiterin noch zum Gespräch mit in ihr Büro. Dieses wurde durch lautes Türenknallen unterbrochen, da mein Kind beschlossen hatte, dass es jetzt gehen wolle. Um das Ganze zu verdeutlichen, wurde das Türenknallen auch noch von einem herrischen „Mama, wir gehen jetzt!“ begleitet.

Die Leiterin sagte mir, dass ich mir keine Sorgen wegen des offenen Systems in der alten Kita machen müsse, mein Kind sei selbstbewusst genug dafür. Mmh … Die Leiterin der potenziell neuen Kita machte Werbung für meine alte Kita (an der ist eigentlich auch gar nichts auszusetzen, sie ist nur ein bisschen weit weg). Das gab mir zu denken.

Ich verabschiedete mich freundlich und den drohenden Schreianfall im Eingang, direkt vor dem Fenster des Leitungszimmers, eingeläutet mit dem Schrei „Ich will die Figuhuuuuur“, konnte ich gerade noch mit dem leisen, dezenten Hinweis „Du bekommst jetzt ein Eis“ unterdrücken. Manchmal muss man eben inkonsequent sein. 😉

Schlaf

Die ein oder andere wird sich vielleicht fragen, weshalb ich einen TED-Talk zum Thema „Schlaf“ gepostet habe, der die sehr gravierenden Folgen von dauerhaftem Schlafmangel aufzeigt.

Mir ist das Thema ein sehr persönliches Anliegen, weil ich meinem Kind leider viel zu lang nachts auf Wunsch die Milchflasche ans Bett gebracht habe, anstatt dann damit aufzuhören, als es für mich gesundheitlich kritisch wurde. Aber ich war sogar zu müde, meinem Kind das abzugewöhnen, denn das hätte wahrscheinlich drei noch unruhigere Nächte bedeutet und die Kraft für diese drei Nächte hatte ich da schon nicht mehr. Auch als ich morgens um 6 Uhr schon regelmäßig 150 Gramm Schokolade gegessen habe, habe ich noch nicht gemerkt, dass mein Körper ein erhebliches Problem hat.

Ich möchte andere Mütter dafür sensibilisieren, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen sollten, um irgendwann wieder zu Schlaf zu kommen (tagsüber schlafen, Partner, Oma, Freunde helfen lassen, früher ins Bett gehen … falls möglich). Es ist die Entscheidung einer jeden Frau und Familie, aber ich denke, dass viele die Folgen von Schlafmangel nicht genau kennen. Ihr könnt gern in meinen alten Beiträgen stöbern. Auch dort habe ich dieses mir so wichtige Thema aufgegriffen.

#bloggerfuerfluechtlinge #refugeeswelcome

https://schimpfmalmama.files.wordpress.com/2015/08/11898806_1004873256202292_6859965431325993622_n.jpg?w=656

#bloggerfuerfluechtlinge #refugeeswelcome

Ich möchte gern auch ein paar Zeilen zu diesem sehr wichtigen Thema schreiben.

Kein Mensch verlässt ohne große Not freiwillig seine Heimat, kappt seine Wurzeln, um im Ungewissen nach einer Zukunft für sich und seine Familie zu suchen.

Wenn Menschen die Strapazen ihrer Odyssee durch Europa überstanden haben und vor unserer Haustür ankommen, dann ist es das Mindeste, dass sie sich bei uns endlich in Sicherheit und willkommen fühlen können.

Wir können alle etwas dafür tun, dass die Menschen, die zu uns fliehen, ein anderes als ein häßliches und bedrohliches Bild von ihrer neuen Heimat haben. Wir können Zeit, dringend benötigte Dinge oder Geld spenden und wir können im alltäglichen Umgang freundliche Worte und Gesten finden. Wenn jeder Deutsche nur ein wenig dafür tut, um zu zeigen, dass ihn das Schicksal der Flüchtlinge anrührt und nicht kalt lässt, dann werden die Menschen und vor allem die vielen Kinder, die schon die schlimmsten Dinge hinter sich haben, nach Monaten der Strapazen, Verluste, Ungewissheit, Entbehrungen, Verzweiflung endlich einmal innehalten und zur Ruhe kommen können.

Auf betterplace.org wurde von engagierten Menschen mit Herz eine Spendenplattform geschaffen. Diese möchte ich hier ebenfalls bekannt machen.

Eure Mara

Man darf doch mal träumen …

Ich habe die Wahl zwischen dem Kindergartenabholservice, der mein Kind morgens mit einem Kleinbus vor unserer Haustür einsammelt, und dem Annehmservice der Kita. Diese Woche habe ich mich für den Annehmservice der Kita entschieden, der mein Kind morgens vor der Kita bei mir aus dem Auto holt, so dass ich gleich weiter fahren kann. Das In-die-Kita-Hineinbringen, Aus- und Umziehen und das Brotboxverstauen übernehmen die Erzieherinnen.

Sobald mein Kind sich mit einem Kuss und einem Winken aus dem Auto verabschiedet hat, fahre ich zum Büroservice-Pool, der in meinem Stadtteil liegt. Dort kann ich jeweils in der Vorwoche Bescheid sagen, an welchen Tagen ich wieviele Stunden in der nächsten Woche arbeiten möchte. Bei Eintritt in den Büroservicepool wurde meine Qualifikation geprüft. Ich muss im Hinblick auf meine Zusagen absolut zuverlässig sein, aber habe dafür nun auch die wunderbarste Flexibilität der Welt. Mütter haben generell kein Problem, einen kindgerechten Job zu finden. Ein- bzw. Zwei-Tage-Jobs pro Woche sind gang und gäbe.

Nach der Arbeit hole ich mein Kind ab und wir fahren auf den Mutter-Vater-Kind-Wellness-Spielplatz. Ich kann, je nach Tagesform, mein Kind begleiten und mit ihm spielen oder, während mein Kind mit den Anderen unter Aufsicht klettert, rutscht, planscht, singt, bastelt oder malt, im Elternbereich für ein, zwei Stunden ungestört schwimmen, in die Sauna gehen, lesen, einen Tee oder Kaffee trinken, mich unterhalten, mir die Augenbrauen zupfen oder Haare schneiden lassen oder Musik hören.

In stressigen Zeiten kann ich auf einen seriösen Freiwilligenservice von älteren Damen zurückgreifen, die einspringen, wenn gar nichts mehr geht, z.B. wenn alle Familienmitglieder gleichzeitig krank sind.

In der Kita gibt es für eine begrenzte Tagezahl im Jahr für jede Familie die Möglichkeit, auch mal ein krankes Kind abzugeben. Es sind sich alle einig, dass ein krankes Kind eigentlich nach Hause gehört, aber in Ausnahmefällen ist es kein Problem und das Kind wird liebevoll von einer Erzieherin umsorgt.

Der Betreuungsschlüssel der Kitas  ist generell so gestaltet, dass jede Mutter ihr Kind mit gutem Gefühl abgeben kann. Die Kitas sind ganzjährig geöffnet.

Einmal im Jahr muss es ermöglicht werden, dass sowohl der Vater als auch die Mutter sich einmal eine Woche allein erholen können. In dieser Zeit erhält der Zuhause bleibende Elternteil kompetente und dezente Unterstützung im Haushalt, damit der Daheimgebliebene nicht anschließend selbst urlaubsreif ist.

Alle diese Angebote sind kostenlos, da das Land kurz vorm Aussterben und die Politik zum Handeln gezwungen war. Keiner wollte mehr Kinder bekommen. Weshalb man sich auch entschied, den Eltern zwei Jahre Elterngeld zu zahlen, bis die Kleinsten aus dem Gröbsten raus sind und das Scheidungsrecht wieder so abänderte, dass nicht die Mutter das volle finanzielle Risiko des Kinderkriegens allein trägt.

Kein Tag wie jeder andere

Gestern passierte ich mit meinem Kind wieder den Regalabschnitt in unserem Drogeriemarkt, vor dem es sich vor ein paar Wochen auf den Boden geschmissen und eine theaterreife Szene abgeliefert hat. Ohne Erfolg, denn, obwohl ich eine total inkonsequente Mutter sein kann, wollte ich an dem Tag konsequent sein. Hatten mir doch diverse Ratgeber vor Augen geführt, dass diese Konsequenz mir viele künftige Schweißperlen auf der Stirn ersparen kann. Egal, ob mir drei Erwachsene amüsiert zusahen. Ich habe es einfach durchgezogen, da gestanden und mehrfach bekräftigt, dass ich dieses und jenes jetzt nicht kaufen möchte. Der Kassierer sagte damals, als das Geschrei aufgehört hatte und man sein eigenes Wort wieder verstehen konnte, tief beeindruckt zu mir: „Was für eine Energie so ein kleines Wesen entwickeln kann. Erstaunlich.“

Also betrat ich gestern, nach einem kurzen Briefing für mein Kind, wieder den Drogeriemarkt, meine erhöhte Adrenalinausschüttung vom letzten Mal noch lebhaft in Erinnerung. Mein Kind und ich passierten also das besagte Regal, in dem sich allerlei schrillbunter Schnickschnack findet, an dem verständlicherweise kein Kind einfach so vorbeigehen kann. Und was passierte? Mein Kind konnte. Es konnte vorbeigehen. Es ging, ohne das Regal eines Blickes zu würdigen, an ihm vorbei und als ich ihm zuraunte, dass ich beeindruckt sei, grinste es mich wissend und ganz süß an. Ich war kurz davor, ihm zur Belohnung gleich mehrere Süßigkeiten, ein Comic-Heft und neue Buntstifte zu kaufen und konnte mich gerade noch stoppen. Ein Lob musste reichen ;-).

Eines hat mir dieses Erlebnis jedoch wieder ganz deutlich vor Augen geführt. Jetzt, im Alter zwischen zwei und drei Jahren entwickelt sich mein Kind in emotionaler und sozialer Hinsicht rasant. Es überrascht mich fast jeden Tag aufs Neue. Und es ist schön, diese Veränderungen zu beobachten. Mein Mann und ich wohnen nun mit einer kleinen, eigenwilligen und sehr liebenswerten Person zusammen, die unserem Leben ganz bewusst ihren eigenen Stempel aufdrückt. Ich bin gespannt, wohin uns das führen wird.