Kind und Job – nahezu inkompatibel

Wenn man als Mutter eines Kleinkindes Stellenanzeigen durchforstet, kann man nur durchdrehen.

Bei der Eingabe seiner Jobbezeichnung in eine Suchmaschine wird man vielleicht noch freudig überrascht sein, ob der vielen Angebote. Leider hat man vergessen „Teilzeit“ als Suchkriterium einzugeben und die Ernüchterung folgt sofort. Die angezeigten Jobs verringern sich binnen einer Hundertstel-Sekunde auf ein Zwanzigstel. (Update: Von diesen übrigbleibenden Jobs, sind dann auch noch die Hälfte über Zeitarbeit zu vergeben)

Vielleicht ist man unkonventionellen Arbeitsmodellen zugeneigt, wie z.B. nur einen oder zwei oder drei Tage die Woche arbeiten. Solchen Konstruktionen, an weniger als vier Tagen die Woche arbeiten, auf Wunsch des Arbeitgebers eventuell noch zu abweichenden Zeiten, steht schon die Kita kritisch gegenüber. Sie stellt sich maximal quer, so dass man es als Mutter irgendwann aufgibt, weiter den Traum einer für einen selbst kinderkompatiblen Arbeit zu verfolgen. Man wird quasi  gezwungen, so viele Stunden privat hinzuzukaufen, dass sich das Arbeiten am Ende gar nicht mehr lohnt.

Man versucht also, sich auf diese Situation einzustellen, sich zu sagen, dass man eben die neuen Gegebenheiten hinnehmen muss. Im Klartext: Dass man als Mutter an der Arbeitsfront einpacken kann, wenn man sich nicht komplett verausgaben und noch ein wenig Energie für Kind und Familie haben möchte.

Also überlegt man vielleicht, ob man unter seiner bisherigen Qualifikation arbeitet. Aber das ist natürlich auch sehr gefährlich. Komischerweise ist es sehr verdächtig, wenn jemand ein Kind hat und nicht mehr 150% geben möchte. Da könnte die studierte Bewerberin ja ein totaler Fehlgriff sein. Wer sagt einem als Arbeitgeber, ob die überhaupt eine E-Mail schreiben oder Reisen für den Chef buchen kann. Gelernt hat sie es jedenfalls nicht.

Man sucht weiter, auch auf die Gefahr hin, dass die Bewerbung wegen „Überqualifikation“ sofort aussortiert wird. Es ist eben einfach nicht denkbar in unserer Gesellschaft, dass man irgendetwas „unter“ seiner Qualifikation ordentlich und zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten machen kann.

Als Mutter darf man jedoch nicht aufgeben. Man sucht weiter. Und immer dann, wenn man denkt, ja, das könnte passen und den Jubelschrei kaum noch unterdrücken kann, stößt man auf die kleinen Feinheiten, die einem das Leben schwer machen.

Da steht dann:

  • Wir erwarten zeitliche Flexibilität (Wie soll ich zeitlich flexibel sein, wenn es meine Kita nicht im Geringsten ist oder nur zu einem Preis, der mein Einkommen dann ganz schnell empfindlich schmälern kann?)
  • Wir erwarten Flexibilität in Bezug auf ganztägige Urlaubs- und Krankheitsvertretung (Das ist schwierig, wenn zu den Zeiten dann auch noch zufällig die Kita zu hat. Ich sage nur Kitaferien, Teamtag, Fortbildung, Streik)
  • Arbeitszeiten zwar in Teilzeit, aber nachmittags
  • Wir erwarten ein gepflegtes Aussehen (Schwierig, denn selbst bei größtem Bemühen kann man das als Mutter eines Kleinkindes nicht jeden Tag garantieren ;-))

Fazit am Ende dieses Prozesses wird vermutlich sein, dass man genau das tut, was die „Gesellschaft“ von Müttern erwartet: Sich auf möglichst viele Arbeitsstunden an möglichst vielen Tagen einlassen, damit man überhaupt eine Arbeit bekommt bzw. damit es sich überhaupt finanziell lohnt. Die Leidtragenden sind die Mütter, ihre Kinder und die Väter. Aber diese Folgekosten kalkuliert ja keiner ein.

Advertisements

9 Gedanken zu “Kind und Job – nahezu inkompatibel

    1. Deinen Ärger kann ich zu 100% verstehen. Wenn der Job vor dem Kind so gestaltet war, dass man ihn sich auch noch mit Kind vorstellen kann, dann ist es natürlich optimal, mit seinem alten Arbeitgeber einfach kinderkompatiblere Arbeitszeiten auszuhandeln. Aber, bitte nicht aufgeben! Trotz meines Frusts werde auch ich intensiv weitersuchen. Und vielleicht wird das ja irgendwann belohnt. Mein Wunsch: Wenn ich nicht darum herumkomme, Minimum vier Tage die Woche zu arbeiten, möchte ich etwas machen, das mich nicht so stresst.

      Gefällt 1 Person

  1. Es ist wirklich unverzeihlich, wenn man Dich auch noch um einen kinderfreundlichen Job gebracht hat. Da möchte man glatt auf Schadensersatz klagen, nicht wahr? Aber, ich drücke ganz fest die Daumen, dass Du trotzdem noch etwas für Euch gutes findest. Das mit dem Selbstständigmachen finde ich auch eine gute Idee, bin aber leider nicht so risikofreudig und habe nicht so tolle Ideen :-(.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s