„Den ganzen Tag zuhause. Das wäre mir viel zu langweilig.“

Natürlich ist es nicht so prickelnd, die Waschmaschine und die Spülmaschine zu befüllen und auszuräumen, einzukaufen, Betten zu machen, den Wickeltisch in Ordnung zu bringen, den Müll rauszubringen, undefinierbare Flecken an den ausgefallensten Orten zu entfernen, die Wohnung zu staubsaugen, Dinge mit der Bank, dem Vermieter, der Autowerkstatt etc. zu regeln und dabei noch todmüde zu sein. Und gerne würde man mal wieder etwas machen, wofür man mehr Anerkennung bekommt und wo der Kopf ein wenig gefordert ist.

„Den ganzen Tag zuhause – das wäre mir viel zu langweilig.“ Diesen Satz bekommt man leider standardmäßig von manchen arbeitenden Müttern zu hören, wenn man als Mutter noch nicht arbeitet und zugibt, dass man das alles noch nicht auf einmal schafft.

Was einen daran ein wenig traurig macht, ist Folgendes: Er impliziert, dass es Zuhause furchtbar langweilig ist, weil es da ja gar nichts zu tun gibt. Die andere Mutter qualifiziert somit die Erfordernisse im Haushalt, der Familienorganisation oder einer kurzen Erholungszeit als nicht notwendig ab, obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste.  Das gibt einem das Gefühl, total ineffizient zu sein.

Oft sagt sie diesen Satz auch drei Minuten bevor sie von ihren rasenden Kopfschmerzen und Schwindelattacken erzählt, für die kein Arzt eine Erklärung findet.

„Den ganzen Tag zuhause – das wäre mir viel zu langweilig“. Diesen Satz nehme ich nicht vielen Müttern mit Kleinkind wirklich ab. Nur denjenigen, die sehr energiegeladen sind und deren Kind schon gut durchschläft. Alle anderen sollten lieber zu einer nicht arbeitenden Mutter sagen, dass sie ihren Beruf sehr gern mögen oder ihren Kopf gebrauchen möchten. Das wäre nicht so verletzend, wie die implizite Feststellung, dass es Zuhause ja gar nichts zu tun gibt.

Letztens hatte ich ein sehr angenehmes Erlebnis. Eine Mutter, die seit einem Jahr wieder arbeitet, kam zu mir und sagte: „Wenn ich irgendwie gekonnt hätte, hätte ich es so wie Du gemacht und wäre noch Zuhause geblieben.“ Das fand ich sehr sympathisch und total ehrlich. Was ist daran schlimm, wenn man wieder arbeiten muss? Dafür muss sich niemand schämen. Das trifft auf viele Frauen zu und irgendwann muss sowieso so gut wie jede Frau wieder arbeiten, die eine ein wenig früher, die andere ein wenig später. Ich musste mich auch massiv einschränken, um noch ein wenig Zeit für mich herauszuschinden.

Wenn aber keine Frau thematisiert, was für eine Zumutung das eigentlich wirklich für sie ist, sondern alle sagen: „Den ganzen Tag zuhause – das wäre mir viel zu langweilig.“, dann wird sich nie etwas ändern. Und dass es, wenn die Kleinen aus dem Gröbsten raus sind, auch wieder Energie und Lust zum Arbeiten gibt, will ich überhaupt nicht in Frage stellen. Aber dass es normal sein soll, die ersten drei Lebensjahre eines Kindes derart „auf dem Zahnfleisch zu kriechen“, wie es viele Frauen zwangsläufig müssen. Das möchte ich nicht verstehen und auch nicht akzeptieren.

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6 Gedanken zu “„Den ganzen Tag zuhause. Das wäre mir viel zu langweilig.“

    1. Danke! Es ist immer ein gewisses Risiko, solche Dinge explizit zu schreiben, aber ich will nicht länger die Dinge verschweigen, die ich wahrnehme. Ich wünsche mir, dass sich für ALLE Mütter mal etwas ändert, ob arbeitend oder nicht, und wir alle mehr Lebensqualität haben und das passiert nicht, wenn wir uns alle gegenseitig etwas vorspielen.

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      1. Danke! Ich fand es so schwer arbeiten zu müssen und jetzt über Druck zu stehen eine neue Arbeit zu finden. Ich kann noch einen Satz zufügen: „Meinem Kind geht es in der Krippe soooooo gut!“ Damit setzt man auch unter Druck: was rackerst du dich ab, Du könntest einfach arbeiten gehen und deinem Kind geht es in der Krippe viel besser als bei dir. Fakt ist, es ist fürs Kind viel besser nicht in eine Krippe zu müssen.

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  1. Wenn man hinter die Fassaden schaut und hört, dann weiß man, dass es für viele Frauen sehr, sehr schwer ist, mit einem Kind unter ca. 3 Jahren wieder arbeiten gehen zu müssen. So wie Du es ja auch schreibst. Danke für Deine Ehrlichkeit! Wenn man die Belastung totschweigt, wie viele es tun, dann kann man den Frauen aber auch nie helfen. Ich möchte, dass es den Frauengenerationen nach uns auf diesem Gebiet besser geht. Den von Dir zitierten Satz kenne ich auch in folgender Form „Der Kitabesuch ist für das Sozialverhalten doch so wichtig“. Das ist auch erst einmal ein guter Ansatz, dem gegenüber ich nicht abgeneigt bin. Bei Personalmangel und daraus resultierender mangelnder Aufsicht der Kinder kann das aber auch heißen, dass ein Kind von 12 Monaten von anderen Krippenkindern regelmäßig gehauen und geschubst wird und das nicht einmal zuhause erzählen kann.

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  2. Ich habe Respekt vor jeder Frau die Fulltime bei den Kindern ist. ich selbst gehe gerne auswärts arbeiten und delegiere Dinge Zuhause manchmal extern oder an meinen Mann. Denn Arbeit Zuhause wird weder finanziell belohnt noch erhält man dafür Anerkennung. Und am wichtigsten: der Homejob macht mir einfach keinen Spaß. Damit meine ich Haushaltslage, nicht meine Kinder. Ich richte es mir dann so ein, das ich mit ihnen Zeit verbringen kann. Mein Mann auch. Ich erhalte dafür von anderen Müttern zwar nicht den Vorwurf der Langeweile, dafür dann aber „wofür hast Du dann Kinder bekommen“ ? Verstehe ich zwar nicht, da Wäsche und Putzen meines Erachtens wenig damit zu tun hat, genauso wenig wie Zuhause sein mit Langeweile. Ich wünsche mir einfach gegenseitige Toleranz und Akzeptanz.

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    1. Ich finde den Satz „Wofür hast Du dann Kinder bekommen?“ absolut daneben. Er ist übergriffig. Und in der Tat kann man auf unendlich viele verschiedene Arten eine glückliche und gute Mutter sein. Ich wünsche mir auch, dass jede Frau mehr Freiheit hat, ihr Modell zu wählen, nach ihren Kräften, Bedürfnissen und Wünschen, ohne jegliche Verurteilung.

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