Halloween ist …

… nicht so mein Fall.

Es leuchtet mir einfach nicht ein, wieso ich Geld für häßliche Kostüme ausgeben und mir ausgelaufene Augen und Narben schminken soll. Mein Kind mied die entsprechende Abteilung im Kaufhaus letztens glücklicherweise intuitiv und rief „Helloriiiiin, das ist sooo gruselig. Da habe ich große Angst vor!“ Ein Glück! Ich hoffe, dass diese Angst noch ein paar Jahre anhält. Ich hatte auch ein wenig Mitleid mit einem Elternpaar vor uns an der Kasse, das gerade mäßig begeistert einen gammeligen Hut und eine Rose in Totenkopfform für seine Tochter kaufte. Aber, was tut man nicht alles für sein Kind.

Ich selbst habe noch ein ganz anderes Problem mit Halloween. Es ist definitiv schlecht für die Figur. Hatte ich mich doch letztens im Datum vertan und schon vor zwei Wochen jede Menge Süßigkeiten für Kinder gehortet, die eventuell an der Tür klingeln. Diese Sachen sind jetzt alle weg :-(. Sie wurden in den verschiedensten Frustmomenten weggenascht und davon  gibt es in meinem Alltag leider einige. Nun war nichts mehr da und mein Mann ist losgefahren und hat Nachschub besorgt. Da er nicht wusste, welche Schokoladen ich meinte, hat er gleich große Mengen mitgebracht. Hoffentlich klingeln heute viele Kinder, sonst sieht es sehr übel aus … für meine Figur.

Aber selbst wenn nicht, erinnere ich mich da an eine Begebenheit aus dem Sommer. Da standen zwei kleine Mädchen aus der Nachbarschaft vor der Tür und meinten zu mir „Duuuuhuuu, wir wollten heute einfach mal ein paar Süßigkeiten sammeln…“ Wer weiss, wann die wiederkommen und wenn man dann nichts da hat …

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Eine Frage des Zulassens

Wie kann ich als Mutter deutlich Stress reduzieren?

Indem ich mir genau ansehe, welche Menschen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe, durch ihr Verhalten mein Leben erschweren. Diese Personen kann ich dann gezielt darauf ansprechen. Falls sie „beratungsresistent“ sind und es in der Beziehungskonstellation möglich ist, kann ich den Kontakt deutlich reduzieren, was schon eine große Erleichterung sein kann.

Natürlich gibt es auch Menschen um einen herum, denen man nicht so leicht aus dem Weg gehen kann.

Aber es gibt eben auch Personen, bei denen es einen am Ende gar nicht stört, wenn sie einen nicht mehr so mögen und die dann auch nicht mehr Sonntags unangemeldet zu früher Stunde vor der Tür stehen und einen in Verlegenheit bringen.

Es ist gar nicht so schlimm, wenn man etwas verliert, was einem nicht gut tut ;-).

„Schwangerschaft ist doch keine Krankheit!“

„Schwangerschaft ist doch keine Krankheit!“ Dieser Satz schwirrte in meinem Kopf herum, als ich schwanger war. Auch mein Frauenarzt verwendete ihn standardmäßig. Er führte dazu, dass ich Warnsignale meines Körpers übersah und meinem Kind sehr hätte schaden können.

Ich halte diesen Satz für nicht ganz ungefährlich, denn er suggeriert Schwangeren, sie sollten sich mal nicht so anstellen. Alles sei ganz normal. Das führt bei perfektionistischen Frauen dazu, dass sie glauben, in der Schwangerschaft alles, wirklich alles stemmen zu können. Im Job kann man dann bis kurz vorm Kreißsaal noch alles geben und ggf. Überstunden machen, eventuell noch eine Hochzeit organisieren und ein Haus bauen. Auch, wenn der Körper eigentlich schon seit Monaten „Stop“ ruft.

Worüber die Schwangeren meistens nicht so gut informiert sind, ist den Zusammenhang zwischen ihrem Stresspegel und der Entwicklung ihres Ungeborenen im Bauch. Glücklicherweise gibt es dazu zunehmend mehr Studien.

„Schwangerschaft ist doch keine Krankheit!“ Dieser Satz ist sicher ein wenig anders gemeint, aber in der heutigen Zeit mit ihrem Perfektionswahn sollte man sich davor hüten, ihn einer Schwangeren gegenüber in den Mund zu nehmen. Man sollte sie eher gezielt ermutigen, kürzer zu treten, sich Ruhephasen zu gönnen und ihren Körper bewusst wahrzunehmen. Sonst muss man das Geld, das man durch das Nicht-Ausfallen von Schwangeren im Job gespart hat, später an anderer Stelle ausgeben, für verlängerten Mutterschutz durch Frühgeburten und Therapien für das Neugeborene.

Trockenwerdungsprozess – Spaß ist etwas Anderes

Der renommierte Schweizer Kinderarzt Remo H. Largo schreibt in seinem Bestseller „Kinderjahre“: „Ein Kind wird innerhalb von wenigen Tagen oder längstens in ein bis zwei Wochen sauber und trocken, wenn sich die Eltern nach dem Kind richten: Sie warten auf seine Eigeninitiative, sind ihm ein Vorbild und unterstützen es in seinen Bemühungen, selbständig zu werden.“ Und „Die Entwicklung der Eigeninitiative entspricht weitgehend derjenigen der beginnenden Darm- und Blasenkontrolle. Die Eigeninitiative tritt dann auf, wenn die Blasen- und die Darmfunktionen herangereift sind.“ Und „Die Eigeninitiative tritt frühestens im Alter von zwölf bis 18 Monaten, bei den meisten Kindern zwischen 18 und 36 Monaten ein (Anm. der Verf.: es kann also auch noch später sein). Die Mädchen sind dabei in jedem Alter weiter als die Jungen.“ Und er kommt zu dem Schluss, dass ein Kind den Urin- und Stuhlabgang nicht eher spürt, wenn es früher auf den Topf gesetzt wird (Zweite Züricher Longitudinalstudie, (Largo 1996)).

Diese Sätze finde ich bemerkenswert, bekomme ich doch immer wieder mit, dass Eltern um einen herum einfach beschließen, dass ihr Kind jetzt trocken wird, das kann auch schon mit einem oder eineinhalb Jahren sein.

Und ich selbst habe bereits im Kindergarten eifrige Bemühungen der Erzieherinnen erlebt, mein Kind jetzt mal trocken zu bekommen. Als das letzte Mal angekündigt wurde, dass mein Kind jetzt soweit sei, habe ich danach an einem Wochenende 10 Pfützen in der Wohnung aufgewischt. Das ist nun schon einige Monate her. Nun sind die Erzieher wieder dran und ich mache es wohl oder übel mit, ohne Druck auf mein Kind auszuüben. Ich möchte ja nicht, dass mein Kind Probleme bekommt, weil es als eines von wenigen Kindern noch gewickelt werden muss. Mir widerstrebt das Ganze aber sehr.

Das Thema „Trockenwerden“ an sich sorgt bei mir ehrlicherweise überhaupt nicht für Begeisterung. Wahrscheinlich darf ich so etwas gar nicht schreiben, weil man mir dann gleich unterstellt, mein Kind werde nicht ermutigt, sondern entmutigt. So ist es nicht. Aber ich finde es einfach unehrlich, zu sagen, dass das Thema in irgendeiner Form Spaß macht. Und wenn ich jetzt mitbekomme, dass ich mich wahrscheinlich wochen- und monatelang mit einem Thema herumärgern muss, welches, zum richtigen Zeitpunkt angepackt, nur eine kurze Zeit in Anspruch nehmen würde, dann ärgere ich mich richtig. Besonders wenn dann nur institutionelle Gründe im Hintergrund stehen, nämlich die Pflegeleichtigkeit meines Kindes.

Momentan arbeite ich nicht, aber ich kann mir lebhaft vorstellen, was eine Mutter fühlt, deren Tag schon extrem vollgepackt ist, wenn die Erzieherin zu einem – wie sich später herausstellt – verfrühten Zeitpunkt vorschlägt, das Kind doch ab morgen mal jeden Tag nach der Arbeit ohne Windel im Bus mit nach Hause zu nehmen. Oder es den ganzen Nachmittag ohne Windel in der Wohnung laufen zu lassen, so dass die Mutter zigmal den Boden aufwischen muss.

Es handelt sich um einen ganz natürlichen Prozess, bei dem kein Kind gedrängt werden sollte und auch nicht mit Belohnungen geködert. Alles hat seine Zeit und bei jedem Kind eine andere. Die Theorie ist da heute sehr weit und stark an den Bedürfnissen eines jeden Kindes ausgerichtet, was uneingeschränkt zu begrüßen ist. Aber anscheinend stehen dem ökonomische Gründe entgegen. Ausbaden können das dann die ohnehin überlasteten Mütter.

Nachtrag: Was man manchen Erziehern, die eigentlich keinen Druck auf das Kind ausüben wollen und auch nicht die Pflegeleichtigkeit des Kindes im Blick haben, aber trotzdem einen verfrühten Zeitpunkt vorschlagen, eventuell auch zugute halten muss, ist, dass sie den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen wollen.

Eine Frage der Abwägung und Dosierung

Mütter müssen eigentlich dringend ausreichend arbeiten, um nicht von Altersarmut betroffen zu sein. Aber, was nützt es, wenn man schon lange vor dem Rentenalter wegen Doppel- und Mehrfachbelastung kollabiert? Dann hat man auch nichts mehr von den erworbenen Rentenansprüchen. Es gilt, ein ausgewogenes individuelles Modell für die eigenen Kraftreserven zu finden.

„Läusealarm“ oder „Eine Frage des Vertrauens“ oder „Ein Experiment mit ungewissem Ausgang“

Es gibt Themen, mit denen wollte ich mich nie beschäftigen. Total überflüssige Themen, die den ohnehin nicht immer einfachen Alltag massiv verkomplizieren. Themen, die ein Kleinkind so mit sich bringt, ohne etwas dafür zu können. Solche Themen wie z.B.: Läuse! Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich damit befassen müsste.

Letztens schrieb ich einer Bekannten mit einem kleinen Jungen, ob sie mal wieder zum Spielen zu uns kommen wollten. Ja, sie kämen sehr gern. Ihr Sohn habe leider vor ein paar Tagen Läuse aus der Kita mitgebracht. Sie habe auch schon sorgfältigst alles Notwendige unternommen und würde den Termin mit uns ggf. verschieben, wenn sie zu dem Zeitpunkt irgendwelche Bedenken hätte.

Mmmmhhhh … Wieso musste ich Ihr denn gerade diese Woche schreiben, hätte ich das nicht einfach mal drei Wochen später tun können? Besuch lädt man doch nicht aus. Außerdem freuen mein Kind und ich uns immer sehr auf die beiden. Ach was, das wird schon.

In einer der letzten Nächte wachte ich auf und schlich zum PC. Ich suchte nach Dingen wie „Läuse“ und „Darf mein Kind mit Läusen in die Kita?“. Und während meiner zweistündigen Recherche juckte es immer mehr auf meinem Kopf. Vielleicht hatte ich ja schon welche.

Die Recherche ergab einige Dinge. Ich wusste schon, dass es nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat und man sich deshalb auch nicht schämen muss. Angeblich sollen Läuse sogar besonders frisch gewaschenes Haar mögen, aber das klang mir eher wie ein Gerücht. Vermutlich ist es Läusen ganz egal, ob gewaschen oder nicht. Ein offener Umgang mit dem Läusebefall, wie der meiner Bekannten, ist goldrichtig. Eine sofortige Behandlung musste begonnen werden und dann durfte das Kind auch gleich am Folgetag wieder in die Kita.

Diese Sache machte mich ein wenig stutzig. Wenn mehrere Kinder in einer Kita Läuse haben und ein Kind mit korrekter Behandlung gleich am Folgetag wieder in die Kita darf, was heisst das? Dann könnte es sich doch gleich wieder von den anderen Läuse aufschnappen. Und was heisst korrekte Behandlung? Es sitzt ja keiner dabei, wenn ein Kind einshampooniert wird und die Läuse ausgekämmt werden. Und kann man von all den doppel- und mehrfachbelasteten Müttern und Vätern eigentlich eine große Sorgfalt erwarten? Fragen über Fragen. Meine Zweifel wurden durch die Info bestätigt, dass der Läusebefall von Kindern in den letzten Jahren zugenommen hat. Wusste ich es doch. Was sollen die armen Eltern noch alles in ihren vollgestopften Tag packen? Stundenlanges Nissenauskämmen steht da sicher nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Und was muss es für Eltern bedeuten, wenn sie die Prozedur korrekt in stundenlanger mühseliger Arbeit durchgeführt haben, der Rest der Eltern in der Kita aber leider nicht? Dann konnten sie ja gar nicht gewinnen? Und wer kam auf so eine schwachsinnige Idee, dass Kinder gleich am nächsten Tag wieder in die Kita können, wohl wissend, dass so eine Behandlung durchaus auch falsch durchgeführt werden kann? Vielleicht war das ja eine – auf den ersten Blick – arbeitgeberfreundliche Regelung? Fragen über Fragen.

Mein Problem war ein Emotionales. Ich könnte der Mutter einfach sagen, dass sie lieber in drei Wochen zu Besuch kommen sollten. Aber irgendwie brachte ich das nicht übers Herz. Hatte mich das Internet doch auch über die psychischen Schäden von Kindern informiert, die durch den Läusebefall gemieden wurden. Und die Mutter erst. Sie würde denken, dass ich ihr nicht vertraue.

Mein Mann sagte dazu, was ein Mann so sagt. Diese Spezies ist einfach ungeheuer logisch und pragmatisch. Ruf‘ an und sag‘, dass Dir das ein wenig zu unsicher ist. Recht hatte er, aber  mein Kopf sagte mir etwas anderes.

Deshalb verbrachte ich eine zweite halbe Nacht mit der Recherche zur Prävention. Ich könnte dem Kind, sobald es über die Türschwelle tritt, eine Mütze über den Kopf stülpen. Kleiner Scherz. Und ich könnte einen Sicherheitsabstand halten. Bei Kindern unmöglich. Besonders, wenn sie es gewohnt sind, von mir vorgelesen zu bekommen. Es gab keinen wirklichen Schutz, außer den, keinen Kontakt zu haben. Also entschied ich mich für folgende Variante. Haarewaschen mit Weidenrindenshampoo und Auftragen von verdünntem Teebaumöl (ganz wichtig, dass es stark verdünnt wird). Eigentlich zwei unabhängig voneinander empfohlene Methoden. Aber, doppelt hält besser. Oder wird die Duftmischung eventuell zu dem Elixier, auf das die Läuse nur so springen?

Die nächsten Tage werden es zeigen…

Hilfe, mein Kind will nicht mehr fernsehen!

Ich hatte mich schon sehr daran gewöhnt, dass mein Kind abends friedlich für eine Weile auf dem Sofa verschwand und, ausgestattet mit ein paar Apfelstückchen und einem Getränk, eine von uns ausgesuchte alters- und kindgerechte DVD ansah. In der Zeit flitzte ich durch die Wohnung, beseitigte die Spuren des Tages und bereitete den kommenden Tag vor. Eine Win-win-Situation, dachte ich.

Als ich vor ein paar Tagen zu meinem Kind sagte „Willst Du jetzt DVD gucken?“ bekam ich ein deutliches „Nein“ zu hören. Es wolle lieber Bücher lesen. Aha, dachte ich und atmete tief durch. Und wusste nicht, ob ich mich freuen sollte oder nicht. Ich schob ein verständnisvolles „Zum Fernsehen will ich Dich natürlich nicht zwingen“ hinterher, aber ich klang schon mal überzeugender.

„Ich freue mich, wenn Du Bücher lesen willst“. War das nicht das Ergebnis meiner eigenen Erziehung, denn ich las meinem Kind doch selbst liebend gern Unmengen von Büchern aus der Bibliothek vor? Sollte ich mich nicht freuen?

Jetzt wollte ich aber nicht vorlesen, sondern die Spülmaschine ausräumen, den Wickeltisch in Ordnung bringen, die Kleidung für morgen herauslegen etc. Na ja, wollte ich das? Ich musste es wohl oder übel. Also entschloss ich mich, noch zwei Bücher zur Hand zu nehmen und mein Kind danach im Wohnzimmer spielen zu lassen.

Als ich nach einer Weile wieder ins Wohnzimmer kam, weil mein Kind mit lautem Gejohle auf und ab hüpfte, musste ich feststellen, dass auch die DVD-Inhalte nicht spurlos an ihm vorübergegangen waren. „Ein kluges Kind“. Es spielte die „Schweinchen“-Folge „Matschepfütze“ nach und hatte extra dafür seine Gummistiefel mit Kugelschreiber bemalt, sein Getränk auf den Boden gekippt und sprang mit dem Ausruf „Ich liebe Matschepfützen“ darin herum.