Das Mutterleben ist eine ewige Baustelle

Habt Ihr auch das Gefühl, dass in Eurem Leben immer viel mehr Dinge hinzukommen, die zu erledigen sind, als Ihr im gleichen Zeitraum abarbeiten könnt?

Mir geht das schon eine ganze Weile so. Ich brauche mich nur in der Wohnung umzusehen. Sie ist nicht unordentlich, sieht alles eigentlich ganz OK aus. Aber ich sehe Dinge, die andere nicht sofort sehen: Die Steuer muss noch gemacht werden, die Kinderkleidung könnte aussortiert, ein paar sperrige Dinge auf den Recyclinghof verabschiedet werden, der Kindergeburtstag müsste angedacht, ein Faschingskostüm für die Kita ausgedacht, ein Augenarzttermin gemacht, Tante Leni müsste angerufen und sich mal wieder seit langem bei Freundin XY gemeldet werden …

Viele Dinge lassen sich nach und nach erledigen, wenn mein Kind fremdbetreut ist. Aber, wenn mein Kind da ist, sieht es anders aus. Da lassen sich Dinge nicht nur nicht erledigen, da kommen Berge an Arbeit hinzu, wenn ich versuche, irgendetwas ansatzweise Produktives zu machen. Während ich mir nach einem kleinen Vorlesemarathon erlaube, mal eine meiner Schubladen aufzuräumen, wird dafür gesorgt, dass ich nach diesem zehnminütigen Akt des Ordnungmachens bestimmt dreißig Minuten an anderer Stelle zu tun habe. In Windeseile wurden Memorykarten, sämtliche Stofftiere, mehrere Puzzles, alle auffindbaren Kissen, Löffel aus der Besteckschublade und … oh mein Gott .. die gut-zu-behandelnden-Bücher aus der Bibliothek auf dem Boden verteilt und einmal „umgerührt“.

Oder, wenn ich mir erlaube, kleine Putzaktivitäten in den Alltag einfließen zu lassen … geht das meist auch nicht gut aus. Während ich mich über das strahlend weiße Waschbecken freue, fällt mir auf, dass es in der Küche so leise ist und ich entdecke ein Kind, dass sich über und über mit Filzstift bemalt hat und auch ein wenig den Küchentisch und das Sofa. Auf mein Entsetzen hin folgt ein „Entsullige, Mama“ mit einem Engelsblick und es wird sich wichtigeren Dingen zugewandt, dem Dekorieren meines Schreibtischstuhls.

Ich freue mich mittlerweile insgeheim, wenn mein Mann früher als erwartet nach Hause kommt und vor lauter Chaos kaum einen Fuß vor den anderen setzen kann. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände: Wäre ich doch nur noch ein wenig in der Stadt geblieben. Ich selbst denke aber: Wie gut, dass er mal ab und zu sieht, welches Ausmaß das Chaos in der Wohnung zwischen den zwei Normalzuständen morgens und abends annehmen kann. Dann kann er erahnen, wieviel Arbeit das permanente Wiederherstellen eines normalen Ausgangszustands verursacht.

Was ich damit sagen will? Eigentlich kann man es gleich vergessen, etwas zu schaffen, wenn man mit seinem kleinen Schatz zuhause ist. Es ist eine Illusion. Das Problem ist, dass es viele Leute gibt, die glauben, man könne ja so viel erledigen, wenn man den ganzen Tag mit einem Kleinkind verbringt. Und sie lassen sich auch nicht eines Besseren belehren. Ganz besonders gern ignorieren sie, dass Mütter und auch Väter, wenn der Nachwuchs schon Stunden schläft, versuchen, das Chaos des Tages zu beseitigen, so dass der nächste Tag einigermaßen erfreulich beginnt.

Diese ignoranten Leute überziehen dann aber meist noch weiter. Sie stellen einem so Fragen wie „Willst Du Dein Kind nicht mal in einer Musikschule anmelden? Es singt doch so gern.“ oder „Wolltet Ihr nicht mal eine neue Wohnung mit Garten suchen?“ und sie „vergiften“ einen regelrecht, indem sie immer wieder „kleine“ neue Projekte anstoßen, zu den vielen, die noch unerledigt irgendwo herumschlummern.

Dass mein Leben mit Kleinkind momentan eine Baustelle ist, das kann ich nicht verhindern, aber „neue Projekte“ von ignoranten Personen nehme ich nicht mehr an. Da können sich die Nervensägen auf den Kopf stellen.

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3 Gedanken zu “Das Mutterleben ist eine ewige Baustelle

  1. Nachdem man uns verbot in unserer neu angemieteten Wohnung zu wohnen sollen wir eine mit exakt einem Zimmer mehr suchen (2 Zimmer sind kindeswohlgefährdend, 3 sind richtig, 4 sind zuviel luxus) vegetierte ich mit meinem Kind in einem 1-Zimmer apartment einer Mutter Kind Einrichtung dahin. Das war jedoch nicht das einzige Projekt, das anstoßen wurde. Frühförderung mit ergotherapie, physiotherapie und heilpädagogik. Das apartment und unsere eigentliche Wohnung immer wie geleckt halten. Kita suchen sofort. Neue Kontakte knüpfen im neuen Umfeld, sofort. Etc usw. Da hätte ich Ihnen gerne täglich deinen Bericht um die Ohren gehauen: es ist doch schon anstrengend genug!

    Macht dein Mann auch mal die status-quo-Erhaltung? 😛
    Gut, dass du Projekte nun ignorierst 🙂

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    1. Ich kann mir vorstellen, wie es ist, wenn man das Projekt „Mutter sein“ auch noch vor den Augen des Jugendamtes durchführen muss. Ich kann mir aber wahrscheinlich nur ansatzweise vorstellen, welchen Druck Ihr aushalten musstet und müsst. Mein Mann hilft sogar öfter im Haushalt, aber ich muss gestehen, dass ich von früher auch 10-Stunden oder längere Arbeitstage kenne und es dann auch mal gut sein lasse mit der gleichberechtigten Haushaltsaufteilung ;-).

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