„Ich muss doch zur Arbeit“ oder „Kollektive Unvernunft“

Achtung: Wutpost!

Deutlichkeit ist der Uhrzeit geschuldet, aber Deutlichkeit sorgt auch manchmal für Klarheit 😉

3:30 Uhr, mein Kind hat „Magen-Darm“, Bett abgezogen, Klamotten ausgezogen, Kind gewaschen, frische Klamotten angezogen, Bett frisch bezogen, Kuscheltier in die Wäsche, Kind in unser Bett umgezogen, Mann im Wohnzimmer einquartiert.

Salzstangen, Kuscheltiere und verdünnten Apfelsaft gebracht. „Mama, ich bin ganz doll krank. Ich hab espukt.“ Jetzt turnt mein Kind um mich herum, singt und tanzt und wundert sich, warum die leicht entnervte Mama – praktisch als natürliche Schutzreaktion – nachts den PC hervorgeholt hat. Die Mama kann nicht anders. Sie muss mal über etwas schreiben, was sie schon immer an der Kita genervt hat: Das In-Mitleidenschaft-gezogen-werden bei kollektiver Unvernunft.

Rundum denkt dort immer irgendeine Mutter „Ich muss doch zur Arbeit, bringe ich mein Kind eben krank in die Kita, ich habe keine andere Wahl.“ Das ist nur allzu verständlich und jede dieser Mütter hat mein vollstes Mitgefühl und auch mein Verständnis für diese Entscheidung.

Aber, es nützt nichts: Diese Entscheidung ist, kollektiv gesehen, total dumm!

Ein kleines Beispiel: Mutter A bringt das kranke Kind A zur Kita. Am zweiten Tag merken es die Betreuer oder das Kind ist so krank, dass die Mutter es auch von sich aus zuhause behalten will. Sie hat also durch das unvernünftige Hinbringen ihres kranken Kindes einen Krankheitstag gespart, musste sich einen Tag weniger bei der Arbeit krank melden. In der Kita geht währenddessen eine Kettenreaktion los. Mutter B ignoriert auch erfolgreich die Krankheit ihres Kindes, spart auch einen Krankheitstag bei ihrem Arbeitgeber. Mutter C macht das gleiche. Alle Mütter denken, sie haben richtig gehandelt und einen Krankheitstag bei ihrem Arbeitgeber gespart. Leider sind ihre Kinder aber dadurch, dass das jede Mutter macht, bei jeder Krankheitswelle mit dabei und die Mütter haben zusammen Unmengen von Krankheitstagen bei allen Kita-Kindern produziert. Ich frage mich: Wie doof sind wir Mütter eigentlich? Kollektiv gesehen?

Nicht arbeitende Mütter haben es da natürlich leichter. Aber die sagen sich teilweise auch irgendwann: Wieso soll ich als Einzige mein Kind bei jedem Schniefen drei Tage zuhause behalten, aus Rücksicht auf die Anderen und, weil ich es mir theoretisch leisten kann? Wieso soll ich mein hustendes, verschnieftes, leicht erwärmtes Kind nicht auch noch hinbringen, wenn ich auch bei jeder Welle der Unvernunft mitleiden muss. Vielleicht merkt es ja keiner.

Nachtrag zu einer christlicheren Uhrzeit (8:36 Uhr): Vielleicht könnten  Arbeitgeber die Mütter/Väter ermutigen, gleich zuhause zu bleiben, wenn das Kind krank ist, indem sie ihnen nicht gleich die Hölle heiß machen, wenn diese mal ausfallen, dann hätten sie, über alle Arbeitgeber in Deutschland gesehen, am Ende auch deutlich weniger Krankheitstage fürs Kind bei ihren Arbeitnehmern zu verzeichnen. Oder sehe ich das falsch? Oder bin ich etwa auch schon krank? 😉

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15 Gedanken zu “„Ich muss doch zur Arbeit“ oder „Kollektive Unvernunft“

  1. Und warum nehmen die kitas die Kinder an? In unserer Stadt braucht man manchmal sogar schriftliche Gesundmeldungen vom Kinderarzt, damit die kita einem glaubt dass das Kind nicht mehr ansteckend ist.

    Ich finde deine nächtlichen Ausführungen vollkommen richtig logisch und durchdacht

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    1. Danke! Erst einmal freue ich mich sehr, dass meine Gedankengänge nachvollziehbar sind und ich somit vielleicht nicht krank bin :-). Das lag mir nämlich schon länger auf dem Herzen, das Thema. Bei bestimmten Erkrankungen sind sie bei uns auch sehr streng, aber ich denke, dass ganz viele Eltern gern mal nächtliches Übergeben verschweigen. Das sieht ja am nächsten morgen erst mal keiner. Und ich habe sogar gehört, dass manche Mütter das Fieber senken und das Kind in die Kita geben. Manches in bestimmten „Notsituationen“ menschlich nachvollziehbar, aber aufs Ganze betrachtet eine sehr ärgerliche Kettenreaktion.

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        1. Das will ich nicht flächendeckend unterstellen, auf keinen Fall. Aber, wer mit Kind gearbeitet hat, weiss, was auf einen zukommt, wenn man es an dem Tag nicht in die Kita geben kann. Manchmal ist es vielleicht gar nicht „lügen“, sondern „vergessen“, dass sich das Kind nachts übergeben hat ;-).

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  2. Das schlimme ist, wenn Eltern angesprochen werden, weil sich das Kind anders verhält, „kränkelt“,….und man den Rat gibt es doch bitte zu Hause zu lassen, wird darauf nicht geachtet, sind ja keine Ärzte. Und ja es wird z.B. Durchfall „beschönigt“ (es zahnt, es hat ne Allergie, es sind die Medis….auffallend oft ab Herbst 😉 ) oder man erfährt durch die Kinder: Ich habe heute Nacht gekotzt! …..man kann da nicht viel machen….es muss in dem Falle vor uns sich übergeben und man kann das Elternteil zwar anrufen, aber ob man dann die Wahrheit raus bekommt?…Und manchmal sagen Kinder heute Nacht, aber meinen eigentlich ein Tag vom Wochenende ;)….ja nachvollziehbar, wenn man einen Chef hat, der echt mies ist und wenn man als Eltern entweder ohne Omi etc. ist oder eben Alleinerziehend…keine Frage….aber…..ansteckend bleibt ansteckend und gehört eben nach Hause! Die Erzieher sind deswegen auch oft krank, und müssen trotzdem einiges leisten…das wird meist nicht gesehen! Es wird verlangt! Da ein Projekt, da ein Fest, da Übungen…etc. …..ich muss sagen: Ich finde es toll wie du dir Luft machst! Und ich finde das richtig! Hab ich mir auch gerade! Könnte noch mehr schreiben,… aber das wäre ein eigener Artikel 😉 haha lg

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    1. Ja, das Blog schreiben kann unheimlich befreien, besonders als Mutter ;-). Ich verstehe, dass den Erziehern die Hände gebunden sind, und ich verstehe die Mütter, die keine Oma haben oder alleinerziehend sind. Auf jeden Fall! Mir fiel nur auf, wie unsinnig das Ganze über alle Eltern und auch über alle Arbeitgeber betrachtet ist. Und manchmal frage ich mich, wenn zwei Erzieher 17 Krippenkinder betreuen, ob diese nicht auch froh sind, wenn sich die Reihen regelmäßig durch Epidemien ausdünnen ;-). Verständlicherweise, denn die Personalschlüssel sind alles andere als üppig.

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      1. hahaha wenn doch nur mehr so denken würden 😉 das wäre traumhaft :)……aber zu viele Frauen (ja Männer werden im Kiga Bereich sehr ungern gesehen) auf einem Haufen, ist auch net immer so dolle….kleine Gruppen, jeweils zwei Erzieher :)….aber wenn dann Kinder fehlen…ist auch langweilig hahaha

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        1. War auch nur so eine komische Idee von mir ;-). Weil ich sehe, was die Erzieherinnen jeden Tag leisten, würde ich ihnen solche Gedanken nicht verübeln. Unsereins ist schon mit einem Kind komplett ausgelastet und dann sind zwei Frauen stundenlang wie wild am Wickeln, Wischen, Nase putzen, Streit schlichten, Tisch decken, Tisch abräumen, Kinder anziehen, Kinder ausziehen etc.

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