Liebe Erzieher meines Kindes

Liebe Erzieher meines Kindes,

es gibt ein paar Dinge, die ich Euch schon immer mal sagen wollte.

Ich sehe, was Ihr leistet. Selbst beim denkbar ungünstigsten Personalschlüssel versucht Ihr, Euer Bestes zu geben. Was wir Mütter mit einem Kind schon kaum schaffen, stemmt Ihr mal schnell mit einem Vielfachen an Kindern. Ihr versucht, den Kindern den Wechsel der Jahreszeiten nahezubringen und dekoriert liebevoll die Räumlichkeiten der Kita. Ihr zelebriert die Geburtstage unserer Kinder, setzt Euch zu Karneval Clownsnasen auf und backt zu Weihnachten mit einer Horde wildgewordener, weil so begeisterter Kinder Plätzchen. Ihr organisiert diverse Feste im Jahr, seid immer zu einem Gespräch zwischen Tür und Angel bereit und gebt jede Menge guter Tipps.

Sollte ich mal zum Abholen kommen und hören, wie Ihr bei meinem Kind einen etwas rauheren Ton anschlagt, weil es sich – mal wieder – nicht anziehen lässt, kann ich Euch das nachsehen. Warum sollte ich von Euch mehr erwarten als ich selbst leisten kann. Ihr seid auch nur Menschen.

Ich sehe, dass, wenn eine von Euch Zweien krank ist, die Zweite sich die ganze Zeit tapfer schlägt, so tapfer, dass sie, wenn die Kollegin wieder gesund ist, oft selbst wegen verschleppter Krankheit ausfällt. Ich weiss, dass Ihr nicht besonders üppig verdient und wir Euch dafür das für uns Wichtigste anvertrauen. Für das, was Ihr bekommt, tut Ihr eine Menge.

Mir ist jedoch für Eltern und Erzieher wichtig, dass wir im Bereich der Krippe, wie im ganzen Rest der Gesellschaft, nicht so überdrehen. Und ich sage Euch ehrlich: Wenn mein Kind unter drei Jahren alt ist, reichen mir auch weniger Festivitäten im Jahr, die Eure Zeit und Kraft kosten. Ich schätze diese Events, aber ich war die erste Zeit mit Kind mit so vielen anderen Dingen beschäftigt und auch durch den Schlafmangel so erschöpft, dass mir zwei Feste weniger auch nicht gefehlt hätten. Und Elternvertreter für die Krippe finde ich auch nicht unbedingt nötig. Gut, wenn sich Eltern finden, die diese Aufgabe übernehmen wollen. Aber, wenn sich auf dem Elternabend gerade kein Elternteil dazu imstande sieht, weil die Eltern arbeiten und ein Kleinkind haben, kann man auch auf solche Vertretungen verzichten.

Ich habe Euch nicht jeden Tag gefragt, was mein Kind heute gemacht hat und ob es denn heute auch draußen war. Es geht Euch vermutlich wie uns Müttern, je nach Tagessituation trifft man flexible Entscheidungen. Und das gestehe ich Euch zu und will Euch nicht in Zugzwang bringen. Auch Projektwochen erwarte ich in der Krippe nicht von Euch.

Mir sind ganz andere Dinge wichtig, z.B. dass Ihr ein Auge darauf habt, wenn ein Kind vermehrt andere schlägt und schubst. Ich weiss, dass das zum normalen Leben dazugehört, aber es sollte ab einem gewissen Maße auch sanktioniert werden. Ich habe nämlich beobachtet, dass Krippenkinder, die, als sie sehr klein waren und noch nichts sagen konnten viel auf den Kopf bekommen haben, ein paar Monate später auch ordentlich austeilen. Nur eine Beobachtung von mir, aber es scheint mir nicht abwegig, dass es da einen Zusammenhang gibt. Ich weiss, dass Ihr keine Augen im Hinterkopf habt, aber hier wäre es mein Wunsch, dass dort ab und zu genauer hingeguckt wird.

Zu guter Letzt noch eine Bitte (nach Gesprächen mit anderen Eltern anscheinend ein weiter verbreitetes Problem): Wenn ein Kind leicht von der Norm abweicht (ich frage mich dann immer, wie eigentlich die „Kindernorm“ aussieht), dann finde ich es ganz wichtig, dass nicht gleich die „Therapeutenkeule“ herausgeholt wird. Nichts gegen Therapeuten, sie leisten in den Fällen, wo es nötig ist, sehr sinnvolle Arbeit. Aber, nichts ist für Eltern mehr mit Stress besetzt, als neben ihrem Vollzeitjob und der Versorgung ihres Kleinkindes noch Vorschläge für Therapien von einer Erzieherin zu bekommen, die auf kurzfristigen Beobachtungen beruhen und sich auf Abweichungen beziehen, die sich vermutlich noch „auswachsen“. Bei wirklich elementaren Abweichungen ist es selbstverständlich, sich damit zu befassen. Aber ansonsten bitte ich Euch, es mit dem Buchautor Michael Hauch zu halten, der schreibt „Kindheit ist keine Krankheit“.

Und an alle Eltern, die dies lesen: In manchen Kitas vergessen es die Eltern flächendeckend, mit einer kleinen Aufmerksamkeit am Geburtstag der Erzieher und/oder zu Weihnachten die Arbeit des ganzen Jahres zu würdigen. Das finde ich schade. Wir schenken dem Postboten etwas zu Weihnachten und X und Y und für die Leute, die das ganze Jahr auf unser Kind aufpassen, haben wir gar nichts?

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10 Gedanken zu “Liebe Erzieher meines Kindes

  1. Da Problem haben wir jetzt mit der Freundin von meinem Kind. Sie wurde in der kita täglich gebissen und dir Erzieherinnen sagten dazu laut der Kleinen: „Das passiert.“. In der Folge. Sie ist jetzt sehr aggressiv gegenüber meinem Kind. Das beißen hat aufgehört seit sie in der kita nicht mehr gebissen wird, aber sie schlägt mein Kind so schnell, dass ich zu langsam dazwischengreife.

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    1. Kinder geben Gewalt weiter. Das ist aus meiner Sicht ein echtes Problem. Ich musste dreimal mit den Erziehern sprechen, bis sich endlich etwas änderte. Mein Kind sollte angeblich lernen, sich zu wehren, kam aber wochenlang immer mit dem gleichen Satz nach Hause „X hat mich gehauen“, „Y hat mich geschubst“. Da fragte ich dann mal, ob eigentlich nur mein Kind lernen soll, sich zu wehren oder X und Y auch mal irgendwann, dass man nicht haut oder schubst. Was man natürlich immer bedenken muss, irgendwann hatten die Kinder aufgehört und mein Kind hat noch zwei Monate weiter erzählt, dass es gehauen wird, als es auch aus meiner Sicht vorbei war. Es war aber auch so belastet und hatte es noch nicht verarbeitet. Aus meiner Sicht hatten die Erzieher an dem Punkt wirklich schuld, sie haben sich gleich zu Anfang, als es passierte, wochenlang nicht um die Übergriffe gekümmert. Und sie haben meinem Kind nicht das Gefühl gegeben, dass sie es schützen. Dass es die Übergriffe gab, konnte ich jeden morgen sehen, denn noch beim Umziehen, als ich dabei war, fingen die zwei Kandidaten an, mein Kind zu hauen und zu schubsen. Ich habe nichts gegen die Kinder, die das gemacht haben, aber sie sind Kinder und brauchen Führung durch die Erzieher. Man kann sie nicht in allem gewähren lassen. Ein Erwachsener muss eine klare Ansage zu Hauen und Schubsen und Beissen machen, nämlich, dass das nicht geht.

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    2. Noch ein Nachtrag: Beim Beissen sind unsere Erzieher dann doch strenger, weil ein Menschenbiss durch drohende Infektionen ja sehr gefährlich sein kann. Da wird dann gleich massiv geschimpft und eingegriffen. So würde ich mir das auch beim Hauen und Schubsen nach ein paar wenigen Malen, die vorkommen können, wünschen.

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      1. Das mit dem wehren klappt in dem Alter aus meiner Sicht noch nicht. Ich habe unzählige Male gesehen wie es Kinder erklärt wurde sich zu wehren, inklusive ich selber bei meinem Kind. Genützt hat es kein einziges Mal. Wenn die Kinder gerade Angst hatten, „wollten“ sie sich nicht wehren. Gewehrt hat sich mein Kind immer nur spontan, wenn es gerade Lust dazu hatte und dann war sie ja die böse, da sie schubste / haute und das ist doch eigentlich nicht was man will.

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        1. Stimmt. Das mit dem Wehren ist bei den Kleinen ein Problem. Bei uns war das Spannende (ich habe es ein paar Mal mitbekommen), mein Kind schrie, weil es gehauen oder geschubst wurde und Angst hatte und aus dem Nachbarraum rief die Erzieherin „…, was hast Du jetzt schon wieder?“ zu meinem Kind. Das fand ich auch cool. Aber, wie ich in meinem Text schon schrieb, die Erzieher haben eben nicht überall Augen. Sensibilisiert sein sollten sie nach einer Weile aber schon.

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            1. Hast Recht. Geht eigentlich gar nicht und ist eigentlich auch nicht mit „die Erzieher haben eben nicht überall Augen“ zu entschuldigen, wenn es mehrmals passiert ;-). Aber, man ist natürlich auf eine weitere gute Kooperation angewiesen, nicht wahr?

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