Was macht eine Mutter eigentlich morgens vor der Arbeit?

Wieso behaupten manche Mütter, sie hätten morgens, bei der Ankunft am Arbeitsplatz schon einen halben Arbeitstag hinter sich?

Diese Fragen stellen sich Kinderlose (zurecht, sie können es nicht besser wissen) und manchmal auch Leute, bei denen die Baby- und Kleinkindzeit ihrer Kinder schon wieder Jahrzehnte her ist (ja, glücklicherweise verdrängt man die schweren Zeiten ;-)).

Für arbeitende Mütter ist es aber elementar, dass gesehen wird, was sie bereits morgens leisten, bevor sie dorthin kommen, wo sie „wirkliche Leistung“ bringen, „also Leistung, die gesellschaftlich taugt und angesehen ist“, weil sie bezahlt wird.

Fangen wir mit dem Morgen einer Mutter an. Wieso unterscheidet er sich vom Morgen anderer Arbeitnehmer ohne Kinder?

Nein, da müssen wir eigentlich schon mit dem Vorabend und mit der Nacht anfangen. Ein anderer Arbeitnehmer, hat am Vorabend eventuell noch Freunde getroffen, einem Hobby gefrönt, war im Kino oder hat die Füße auf dem Sofa hochgelegt und sich ein wenig entspannt. Natürlich kann es auch einen stressigen Vorabend gegeben haben. Aber eben nur ab und zu.

Bei einer Mutter ist das die Regel. Wenn das Kind eventuell ab 20/21 Uhr abends nicht mehr nach der Mutter verlangt hat, hat sie noch die Wohnung aufgeräumt, einen Teil des Käsebrots und der Gurke vom Abendessen unter dem Küchentisch hervorgekramt, Wäsche gewaschen, Papierkram erledigt (wenn sie dazu noch geistig in der Lage war) und den nächsten Tag vorbereitet und, als sie sich dann endlich kurz aufs Sofa ins Wohnzimmer gesetzt hat, um noch Nachrichten oder etwas zur Zerstreuung zu gucken, ist sie auch schon eingeschlafen.

Die Nacht eines kinderlosen Arbeitnehmers ist vermutlich ebenfalls deutlich ruhiger vonstatten gegangen. Ich möchte nicht vernachlässigen, dass dieser eventuell auch Schlafstörungen hat, aufgrund persönlicher Sorgen oder der Verdichtung in der Arbeitswelt. Aber, die Wahrscheinlichkeit, dass die Nacht einer arbeitenden Mutter deutlich unerfreulicher war, ist trotzdem groß.

Wenn sie ein Baby hat, kann es sein, dass sie nachts fünfmal geweckt wurde und dann auch eine längere Zeit wach war. Hat sie ein Kleinkind, dann kann sie nachts immer noch gut dreimal aus dem Schlaf gerissen worden sein.

Wenn das Kind dann nachts wieder einschläft, stellt sich die Frage, wie lang die Mutter braucht, um wieder einzuschlafen.

Und wenn das Kind krank ist … ach, lassen wir das mal lieber.

Nun kommen wir zum Morgen. Wenn mich jemand ganz genau fragt, wie das ist, ein kleines Kind zu haben, möchte ich manchmal sagen, „wie ein Pflegefall, nur jünger und niedlicher“. Aber so etwas verbietet sich natürlich, auch wenn es der Realität sehr nahe kommt. Denn, ein Baby oder ein Kleinkind kann eben noch nicht besonders viel, eigentlich gar nichts, allein machen. Die Mutter muss also sich und ihr Kind morgens komplett für den Tag vorbereiten. Um irgendwie halbwegs ordentlich im Büro oder sonstwo auszusehen und ihren eigenen menschlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, sollte die Mutter mindestens eine halbe Stunde vor ihrem Kind aufstehen. Klappt nicht immer: Da ist die Mutter gerade todmüde und halbwegs in Ruhe im Bad und aus dem Kinderzimmer schallt es „Mama, aufstehen!“ und die Mutter weiss, dass der Tag für sie sehr schlecht beginnt. Aber oft klappt es auch und die Mutter hat wenigstens diese halbe Stunde für sich.

Dann geht es los mit dem Vorbereiten des Kindes für den Tag. Ich kürze es ab.

Wenn die Mutter bei der Arbeit angekommen ist, hat sie oft zwei kleine Wutausbrüche ihres Kindes hinter sich, entweder, weil es eine bestimmte Jacke nicht anziehen oder noch zuhause spielen und nicht in die Kita fahren wollte. Die Mutter hat ihr Kind bereits zwei- oder mehrmals gewickelt. Wenn das Kind gerade in der Sauberkeitserziehung ist, kann es sein, dass die Mutter schon drei schmutzige Unterhosen ausgewaschen und den Boden gewischt hat. Alles möglich. Sie hat eine Milch oder Frühstück für das Kind gemacht, die Brotdose für die Kita vorbereitet. Währenddessen hat ihr Kind vielleicht den Wasserhahn aufgedreht und seine Kleidung nassgespritzt, sie musste es noch einmal umziehen. Sie hatte eventuell Mühe, ihr Kind ins Auto zu bekommen oder es wollte nicht selbständig zur Bushaltstelle gehen. Auf dem Weg dorthin hat ihr Kind eventuell noch sein Kuscheltier verloren, welches erst einmal gesucht werden musste. Wenn sie kein Auto hat, haben sich die Unsicherheitsfaktoren des Morgens potenziert. Sie ist vielleicht an einem regnerischen oder verschneiten Tag nicht in den Bus gekommen, weil kein Platz mehr für ihren Kinderwagen oder Buggy übrig war. Wenn sie ein Auto hat, waren vielleicht alle Kurzzeithalteplätze vor der Kita belegt und sie ist noch verzweifelt durch die Wohngegend gekurvt, weil sie eigentlich schon zu spät dran war. Als sie dann aus dem Auto ausgestiegen war, wollte ihr Kind noch die Häschen auf der Wiese beobachten. Dafür war keine Zeit. Sie wollte ihr Kind zur Ordnung rufen, da traf sie der Blick einer gestrengen Dame, so nach dem Motto „Seien Sie lieb zu ihrem Kind, Sie Rabenmutter“ und sie war nachgiebig. In der Kita gab es Ärger, weil das Kind zu spät zur Frühstückszeit kam und dann stellte die Erzieherin fest, dass das Kind ja leichte Temperatur habe und eigentlich mit nach Hause genommen werden müsste … aber, die Erzieherin machte nun eine Ausnahme, das Kind durfte bleiben… schweißgebadet fuhr sie zur Arbeit weiter. Sie kam fünf Minuten zu spät und wurde mit „Ah, unsere Teilzeitkraft ist auch schon da“ begrüßt und …

Ich gebe zu, ich habe mich ein wenig in Rage geschrieben ;-). Aber so ist die Wirklichkeit, an einem Tag ein wenig mehr, an einem anderen Tag ein wenig weniger.

Wenn Eltern noch weitere Strecken pendeln und dementsprechend fast mitten in der Nacht aufstehen, potenzieren sich die Probleme ebenfalls.

(Natürlich gibt es auch viele Väter, die ihren Frauen Arbeit abnehmen. Das will ich nicht verhehlen. Aber für das Gros der Mütter sieht der Tag nun einmal so aus.)

 

Das schlafende Engelchen

Kennt Ihr das auch? Diese Überraschung, wenn Ihr abends zum x-ten Mal im Zimmer Eures Kindes nachschaut und auf einmal ein kleines schlafendes Engelchen daliegt? Es sieht so friedlich und so liebenswert aus, dass Ihr es am Liebsten gleich mit einem dicken Kuss wieder wecken würdet.

Bei Eurem letzten Besuch davor hattet Ihr vielleicht schon deutlich an Dramatik im Ton zugelegt?

So nach dem Motto: „Das war jetzt aber die letzte Milch.“, „Nochmal komme ich nicht“, „Mann,  jetzt reicht es aber mal“, „Nein, ich hole jetzt nicht noch die Ente, die Kuh, den Dino und das Einhorn aus dem Wohnzimmer“… etc.

Und wenn Euer Schatz dann so daliegt und so friedlich schlummert als könnte er kein Wässerchen trüben, dann wollt Ihr Euch sofort bei ihm entschuldigen, für eventuelle leichte verbale Entgleisungen, der späten Stunde geschuldet?

Dann denke ich immer „Du bist der süßeste Schatz der Welt und morgen werde ich versuchen, eine bessere Mama zu sein“ … und dann denke ich „Aber jetzt genieße ich die Ruhe und lese noch ein paar Seiten in meinem Buch, damit mir das „eine-bessere-Mama-Sein“ auch gelingt“ 😉

 

Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – I

Jetzt, da ich schon eine ganze Weile Mutter bin, stelle ich bei mir das Vorhandensein eines gewissen Aberglaubens fest.

Es fing im Babykurs an, als ich strahlend verkündete, mein Kind hätte die letzten Nächte super durchgeschlafen (Heute weiss ich, dass man so etwas schon deshalb nicht sagt, weil es andere übernächtigte Mütter in eine tiefe Krise stürzt. Aber ich hatte damals keine bösen Absichten und war einfach noch zu unerfahren als Mutter). Ich wurde regelrecht geschockt von den anderen Kursteilnehmerinnen angesehen und die nette Kursleiterin ergriff das Wort. Quasi: Ob ich nicht wüsste, dass jetzt das Unheil über mich hereinbräche? Ich dürfte nichts Positives sagen, dann würde es sich sofort in Luft auflösen. Na ja, dachte ich, ihr spinnt wohl. Wieso soll ich nicht dankbar sein? Ich war immer ein dankbarer Mensch. Darf man sich nicht freuen?

Nein, als Mutter darf man das definitiv nicht. Das habe ich gelernt. Nach meinen positiven Äußerungen zum Durchschlafen meines Kindes habe ich es noch jahrelang regelmäßig nachts bespaßen dürfen.

Und auch jetzt ist es noch so: Habe ich gerade jemandem erzählt, es werde jetzt mit fortgeschrittenem Alter meines Kindes alles viel leichter, rinnt just darauf ein kleines Bächlein durch unseren Flur (im besten Falle ;-)). Oder habe ich gerade jemandem darüber Auskunft erteilt, dass mein Kind schon seit geschlagenen fünf Monaten keine Krankheit aus dem Kindergarten mehr mitgebracht hat, liegen danach garantiert alle drei von uns umschichtig krank im Bett.

Mein Mann hat mir regelrecht verboten, positive Aussagen im Zusammenang mit unserem Alltag zu machen.

Wenn ich das doch tue, sage ich jetzt „Toitoitoi“. Fand ich früher, dass nur alte, schrullige Tanten „Toitoitoi“ ausriefen und wie wild auf Holz klopften, ist das mittlerweile eine meiner Hauptbeschäftigungen als Mutter, nun ja, neben diversen anderen Verpflichtungen ;-). Wahrscheinlich sind die Auswirkungen meiner unbedachten, lebensbejahenden, aufatmenden, positiv in die Zukunft schauenden Aussagen deshalb nur noch halb so schlimm und anstatt des Sofas wird dann nur noch das Gesicht meines Kindes über und über mit Filzstift bemalt.

 

Eine Frage der Umsetzbarkeit einer Idee für Mütter

Was wäre vermutlich der Traum vieler total übernächtigter Mütter?

Ein Hotel in ihrer Stadt, in das sie bei Bedarf (am Wochenende oder unter der Woche) mit ihrem Kind / ihren Kindern gehen und wo sie sich einmal richtig ausschlafen können. Währenddessen wird ihr Kind / werden ihre Kinder räumlich ganz nah professionell und liebevoll von einer vertrauenswürdigen Fachkraft betreut. Diese Fachkraft darf sich die Mutter vor Ort sogar nach Sympathie aussuchen, da ihr Schlaf dann noch erholsamer sein wird.

Das Ganze ist vermutlich genauso interessant für erschöpfte Väter.