„Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Kind gut“

Diesen Satz kennt wohl jede Mutter. Ich würde ihn unterschreiben. Er ist zu hundert Prozent richtig.

Nur, bei der Umsetzung hapert es regelmäßig.

Denn eigentlich interessiert es kaum jemanden, ob es einer Mutter gut geht. Oft nicht einmal die Personen im engsten Umfeld, da diese aus Selbstschutz lieber verdrängen. Sonst müssten sie ja ran und die Mutter ersetzen. Das wollen sie dann doch meist nicht, verständlicherweise. Also überhören sie den Husten, ignorieren die Taschentuchberge und die demonstrativ von der Mutter gekauften Medikamentensammlungen sowie eventuelle Informationen zu Temperaturangaben. Wenn es allerdings so scheint, als ob der Verzicht auf ein schnelles Eingreifen, zu einem längeren Ausfall der Mutter führen könnte, werden auch die Ignorantesten aktiv. Auf einmal wird das Babysitting angeboten, damit die Mutter mal eine Stunde schlafen kann. Und jemand kommt tatsächlich auf die ausgefallene Idee, das Kind mal für die Mutter vom Kindergarten abzuholen. Für eine Mutter eine kaum vorstellbare Zuwendung.

Solange eine Mutter noch irgendwie funktioniert geht es ihr gut. Welche Mutter hat sich nicht schon einmal heimlich einen – am Ende natürlich nicht gesundheitlich bedenklichen – Krankenhausaufenthalt gewünscht, nur um damit unterstreichen zu können, dass sie nun wirklich am Limit ist.

Der Satz „Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Kind gut“ wird gern von diversen Menschen um eine Mutter herum bemüht, aber gelebt wird er nicht.

Es kann sogar sein, dass er noch gegen sie verwandt wird.

Das geht dann so: Die Physiotherapeutin hat an einem Tag Probleme mit dem Kind zu arbeiten und, um von sich abzulenken oder mangels der Fähigkeit einfach einzusehen, dass so etwas bei einem Baby mal vorkommen kann, sagt sie „Heute arbeitet Ihr Kind nicht so richtig mit. Geht es Ihnen eventuell nicht gut? Wenn es der Mutter nicht gut geht, geht es auch dem Kind nicht gut.“

Wie eine andere Bloggerin mal so schön schrieb: Egal was passiert, die Mutter ist immer Schuld.

Entweder ist sie eine Raben- oder eine Helikoptermutter, ganz wie man es dreht und wendet. Und man findet häufig sogar zu ein und derselben Begebenheit zwei verschiedene Personen mit ganz unterschiedlichen Ansichten: Die eine verurteilt die Mutter als Rabenmutter, die andere glaubt das klassische Verhalten einer Helikoptermutter entdeckt zu haben. Diese Umstände tragen auch nicht nicht gerade zu einem guten Gesundheitszustand einer Mutter bei.

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15 Gedanken zu “„Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch dem Kind gut“

  1. Na, das regt mich ja maßlos auf! Seit wann bitte hat man Müttern abgesprochen, MENSCHEN zu sein?
    Mütter sind Menschen wie alle anderen auch: Mit Bedürfnissen, mit Wünschen, mit eigenem Schmerz, mit eigenem seelischen Empfinden. Eine GUTE Mutter ist eine, die auf sich hört, sich auch etwas Gutes tut. Nicht NUR, damit es dem Kind gut geht (sicherlich ist das so völlig in Ordnung und ein sehr positiver Nebeneffekt), sondern auch deshalb, da sie einfach nur ein Individuum ist, selbständig und eigenständig.
    Selbst WENN es mal einem Kind nicht gut geht, was EVENTUELL auch mal eine sogenannte Übertragung sein kann von Mutter auf Kind, hat dies niemand zu verurteilen. Einem Kind ALLE Empfindungen zu verbergen (Traurigkeit, körperlicher oder seelischer Schmerz) kann nämlich auch das Gegenteil bewirken: Das Kind spürt es und kommt zu dem Entschluss: Mama lügt mich an. Wir sprechen hier von VERTRAUEN. Natürlich muss sich das alles die Waage halten. Ein Kind darf nicht überfordert werden. Aber es gibt kindgerechte Möglichkeiten für kleine „Erklärungen“.

    Lasst Euch nicht solche Schuldvorwürfe machen, nicht offen und auch nicht unterschwellig.

    Herzliche Grüße,
    Sylvia

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  2. Auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache, aber ich halte gar nichts von diesem Spruch.

    Ich bin immer sehr vorsichtig mit diesen Mantras und würde eigentlich gern mal wissen, aus welcher Hexenküche er stammt. Er tauchte wie aus dem Nichts auf, als es um die sogenannte Vereinbarkeit von Familie und Beruf ging. Es wurde die Verbindung hergestellt, dass es nur der berufstätigen Mutter gut geht und wenn es ihr gut geht, es dann auch den Kindern gut geht. Der Spruch wurde und wird nie im Zusammenhang mit einer entkräfteten „Nur-Mutter“ von vier Kindern gebracht, die z.B. eine Mutter-Kind-Kur beantragt. Diese Mütter wurden und werden übrigens sehr gern von den Kassen abgelehnt. Meist aufgrund der Kinderzahl.

    Außerdem hab ich schon sehr glückliche Mütter erlebt, die sich einen feuchten Kehricht für ihre Kinder interessiert haben.

    Es gab schon mehrere solcher Fälle, wo mit solchen Mantras einfach nur eine bestimmte Politik durchgesetzt werden sollte. So kam unmittelbar mit den Hartz-Gesetzen das Mantra auf: Sozial ist, was Arbeit schafft.“ Jeder Politiker – landauf, landab – hat das gebetsmühlenartig heruntergebetet. Ins Leben gerufen wurde diese Weisheit von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, ein Lobbyistenverein des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Es sollte in die Köpfe der Menschen eingebrannt werden, dass jeder, der einen Job hat, glücklich sein muss. Auch wenn dieser Job völlig unterbezahlt ist und die Arbeitnehmer sogar noch zum Amt müssen, um die Aufstockung zum Existenzminimum zu beantragen.

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    1. Danke für diesen Kommentar! Ich habe mich beim Schreiben des Beitrags aus irgend einem Grund mit diesem „Satz“, den ich ja eigentlich unterschreiben kann, nicht wirklich wohl gefühlt, wusste aber nicht, warum. Und ich denke, Du hast Recht: Er stammt aus einer ganz bestimmten Ecke und die Leute, die mir diesen Satz gesagt haben, haben ihn durchaus auch mal im Hinblick darauf verwandt, dass es mir richtig gut gehen würde, wenn ich mal wieder arbeite. Man müsse als Mutter doch mal raus. Ich bin froh, dass Du Deinen kritischen Blick auch hier auf der Seite einbringst. Ich kann mir übrigens vorstellen, dass es mir gut gehen kann als Mutter, die arbeitet, wenn ich eine machbare, kindkompatible Arbeit habe, aber nur dann, wenn mein Kind dann auch gut in der Kita betreut ist und das scheint nicht immer gewährleistet. Und übrigens, in der Kita ist man auch mehrheitlich der Meinung, dass es einem Kind nur gut tut, wenn die Mutter schnell wieder arbeiten geht. Es wird einem regelrecht suggeriert, dass es einem schlecht gehen muss, wenn man mit Kleinkind noch nicht arbeitet. Es muss einem doch etwas fehlen ;-). Dann besteht nämlich die Chance, dass das Kind längere Betreuungszeiten in der Kita verbringt ;-). Mütter, die ihr Kind nur 5 Stunden pro Tag abgeben, sind in den Kitas nicht so gern gesehen. Bei den Kitaträgern werden die wirtschaftlichen Anreize vermutlich auch so gesetzt, dass die Mütter, die nicht auf ganztägige Fremdbetreuung setzen, unter Druck geraten, da sie sich für die Kitaträger nicht rechnen.

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      1. Ich möchte nicht missverstanden werden. Ich bin immer sehr gern auch berufstätig gewesen, im Rahmen unserer Möglichkeiten und nach einer bestimmten Zeit. Dabei hatten die Kinder immer oberste Priorität. Wie ich schon einmal schrieb. Ich glaube, ich hätte beide nur unter sehr großen Schwierigkeiten überhaupt in einen Ganztagskindergarten bekommen. Halbtags hingegen war überhaupt kein Problem. Aber auch da hab ich mir die Freiheit genommen, sie auch mal zu Hause zulassen, wenn es die Umstände erlaubten. In die Schule muss man, Kindergarten ist freiwillig. Für eine Krippe hätten wir uns nur im äußersten Notfall entschieden, wenn wirklich gar nichts mehr geht.

        Ich denke aber auch, dass es in anderen Familien anders zugeht, die Kinder anders gestrickt sind oder aber auch die Eltern andere Voraussetzungen haben, andere Stressresistenzen. Heißt also, dass das was bei mir vielleicht problemlos geht, in anderen Familien unmöglich ist oder umgekehrt.

        Wie ich vor ein paar Tagen in meinem Blog schrieb: Ich denke, wir haben uns lange genug von Staat und Kirche vorschreiben lassen, wie wir zu sein haben, was wir zu tun und zu lassen haben. Es bringt mich mit schöner Regelmäßigkeit auf die Palme, wenn immer die „gute, alte Zeit“ beschworen wird, in der man doch die Familienwerte so hoch hielt. Das ist alles verklärter Unsinn, der uns kein bisschen weiter hilft. Es wird Zeit, dass wir unsere eigenen Wege gehen und solange die sich innerhalb der gültigen Gesetze befinden, sollten wir unsere Möglichkeiten ausschöpfen und für Freiheit und gegenseitige Toleranz eintreten. Schließlich haben wir nicht die eine Zwangsjacke verlassen, um uns auf direktem Weg in die nächste zu begeben und wir sollten es nicht zulassen, dass still und heimlich einfach nur der Guru vor unseren Augen ausgewechselt wurde. 🙂

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  3. Ich mag den Satz nicht. Er setzt Mütter unter Druck und schürt schlechtes Gewissen. Natürlich ist eine einigermaßen glückliche Mutter meist ausgeglichener, das Verhältnis insgesamt vermutlich besser. Aber was, wenn es der Mutter, aus welchen Gründen auch immer, nicht hundertprozentig und permanent super geht? Mein erstes Baby War (ist! Auch mit 4) sehr anstrengend. Viel geschrien, wenig geschlafen. Die damalige (!) Kinderärztin hat mir quasi die Schuld an diesem schwierigen Zustand gegeben. Was ich wirklich Schuld? War es nicht auch ein Teufelskreis? Wie gesagt, ich empfinde ihn bis heute als anstrengend, anders ergeht es mir mit seiner Schwester. Sind wirklich immer wir Mütter Schuld, wenn es Probleme gibt? Bringen Kinder nicht doch ihren eigenen Charakter mit, der für uns nicht immer nur angenehm sein muss? Richtig ist sicher, dass wir Mütter auch auf uns selber achten müssen. Für mich ist das nicht immer einfach zu nachen. Ich verzichte auf sehr vieles, wie ich finde. Und der Job alleine ist auch nicht immer der Schlüssel zum Glück.

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    1. Du sprichst etwas an, was auch cwbookmark anmerkte. Der Satz setzt unter Druck und das stimmt. Und er kann auch sehr gut gegen eine Mutter verwandt werden. Ich kenne solche Äußerungen ebenfalls. Als eine andere Person mal nicht mit meinem Kind klar kam, rief sie zu mir in der ganz anderen Ecke des Raumes, ob ich nervös sei und das auf mein Kind übertrage. Da fehlten auch mir die Worte ;-).

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  4. Ich finde alle Kommentare toll und würde es gerne noch zusammenfassen. Vielleicht gelingt es mir:
    Mutter und Kind sind beides Individuen. Die Umwelt sollte im Rahmen ihrer Möglichkeiten dafür sorgen, dass es Mutter UND Kind gut geht. Das ist einfach ein Menschenrecht und es ist gruselig dass man darum überhaupt kämpfen muss. Schlussfolgerungen wie zb dass es einer Person nicht gutgehen kann oder darf wenn es der andren schlecht geht, sind vollkommen unzulässig und aus dem Kontext gerissen.

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