Wem nützte es eigentlich …

dass sie wieder arbeiten ging?

Diese Frage stellte sie sich immer wieder.

Dem Staat natürlich, der Steuerzahler brauchte.

Dem Arbeitsmarkt natürlich, dem Fachkräfte fehlten.

Aber ihrem Kind? Wohl eher nicht. Aber das durfte man ja nicht laut sagen, denn es gab doch nichts Besseres, als sein Kind fremdbetreuen zu lassen und so viel um die Ohren zu haben, dass man gar nicht mehr merkte, wenn die Fremdbetreuung schlechter wurde.

Und ihr selbst? Nützte es ihr? Das bezweifelte sie stark.

Aber doch, es gab etwas, das sie sich so sehr wünschte und nur über die Arbeit erreichen konnte: Anerkennung, für das, was sie leistete.

Sie würde wieder als ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft gesehen werden und nicht mehr als die „faule Mutter“, die den ganzen Tag Zuhause sitzt. Das würde gut tun und alle Strapazen wettmachen. Oh ja, das würde es. Die Kränkungen der letzten Jahre wären vorüber. Im Kindergarten würde sie nicht mehr komisch angeguckt. Sie arbeitete wieder. Sie war wieder wer. Das klang doch ganz gut.

Und würde ihr die Arbeit Spaß machen? Vermutlich. Sie hatte doch früher auch gern gearbeitet. Würde es ihr Spaß machen, morgens früh, womöglich nach einer Nacht mit Unterbrechungen, mit Kind durch die Gegend zu hetzen oder nach einem zweiwöchigen Urlaub während der Schließzeiten der Kita im Büro den falschen Eindruck erwecken zu müssen, sie habe sich erholt, um nicht als ewiger „Jammerlappen“ zu gelten. Bestimmt nicht.

Aber spielte letzteres wirklich eine Rolle, wenn man „Super-Working-Mum“ sein konnte? Dem Ideal unserer Zeit entsprechen. Alles weglächeln und einfach weiter im Hamsterrad scheinbar mühelos durch die Gegend hecheln. Einen weiteren Schritt zur Erreichung dieses Ideals hatte sie heute getan. Sie hatte sehr viel Geld ausgegeben, um sich im Job wohler zu fühlen. Neue Klamotten (leider passten ihr die Kleider von vor der Geburt immer noch nicht wieder), Schuhe, Lippenstift, Eau de Toilette. Sie hatte einfach nur noch eingepackt, nicht mehr auf die Preise geachtet. Sie hatte sich komplett entgegen ihrem in den letzten Jahren als Mutter erlernten Verhalten des Verzichts verhalten. Sie war auf einmal noch mehr als gestresst gewesen. Sie hatte keine Zeit, sich über Preise Gedanken zu machen. Sie konsumierte, wie seit langem nicht mehr. Und hatte einen beträchtlichen Teil ihres ersten Gehalts schon vor dem ersten Arbeitstag ausgegeben.

Und wem nützte das? Der Wirtschaft.

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18 Gedanken zu “Wem nützte es eigentlich …

  1. Ich weiß es ist nicht jedem möglich, aber ich bin froh erst mal die vollen drei Jahre Elternzeit genommen zu haben. Klar, wir müssen uns arrangieren und mal locker alles kaufen was ich möchte ist auch nicht mehr drin. Aber darauf verzichte ich gerne für meinen Zwerg. Ich hab aber auch schon schiefe Blicke dafür geerntet, weil es irgendwie unüblich ist. Ich wurde auch schon Hausmütterchen etc genannt. Obwohl ich mich im ersten Moment gekränkt fühlte, weiß ich jetzt das es für mich keine Beleidigung ist.

    LG Nelli
    _______
    http://alltagslieblinge.com

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      1. Ja. Ich weiß, das ist schon eine tolle Sache. Aber ich bin trotzdem generell der Meinung, dass es für Mütter, die nicht ausdrücklich den Wunsch haben, Arbeiten zu gehen, sehr hart ist, den Alltag mit Job und einem kleinen Kind/kleinen Kindern unter einen Hut zu bekommen.

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        1. Das stimmt, das ist es nie. Aber zumindest gewährt euer System eine längere Vorlaufzeit. Und die Kinder sind doch aus dem ‚Gröbsten‘ raus. Also ich meine, keine Babies mehr. Und das mit dem Stillen (falls ein Thema) ist bis dahin auch erledigt. Bei uns kriegst du 12 Wochen nach Niederkunft. Wenn du schon gesundheitlich vor Niederkunft zu Hause bleiben musst, verkürzt sich diese Zeit dementsprechend.

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          1. Oh, das ist wirklich eine verdammt kurze Zeit. Dagegen sind drei Jahre, in denen der Arbeitsplatz theoretisch freigehalten wird, wirklich Luxus. Das stimmt. Den Luxus von drei Jahren hat übrigens ein Jahr der Staat mit Elterngeld finanziert und zwei Jahre mein Mann ;-). Und damit, dass die Kleinen nach drei Jahren aus dem Gröbsten raus sind, hast Du Recht.

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  2. Aber das ist ja auch das erste, was einem jeder frägt. Wie machst du es in der Arbeit. Irgendwie wird man nur durch die Arbeit als vollwertiger Mensch angesehen… Das hat mich schon immer gestört, dass die Menschen sich nur durch die Arbeit und Statussymbole definieren, der Mensch dahinter scheint keinen zu interessieren… Das scheint unsere Gesellschaft zu sein…

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      1. Ich persönlich finde es gerade voll den Luxus, dass ich daheim bleiben darf. Mir ist das völlig egal, was andere darüber denken. Weil was zählt, ist doch die Gesundheit und sein ganz persönliches Glück.

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          1. Aber das muss man lernen, weil man in den Augen anderer immer irgendwas falsch macht. Man muss sich doch einfach nichts einreden lassen. Ich denke jede Mutter macht alles so richtig, wie sie eben kann und für ihr leben die Dinge eben auch richtig sind. Wir sollten alle einfach viel mehr zu uns und unseren Entscheidungen stehen und drüber stehen, was andere sagen oder denken. Das wichtigste ist, man ist selber glücklich und zufrieden 😄 ich hoffe für dich das du die Aberkennung auch daheim finden kannst und nicht nur im Job 🍀 und lebe doch dein Leben wie es dir gefällt 😄

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  3. Man muss einfach versuchen, sich vorzustellen, woran man sich in 20 Jahren lieber erinnert: an ganz private Momente mit der Familie, an Erstereingnisse des eigenen Kindes (z.B. erste Schritte, erstes Wort, Bastelstunden oder aber Gespräche). Oder erinnert man sich lieber an Bürostunden, an Gehaltszahlungen, an vermeintliche eigene Karriereschritte, an Hektik und Stress.

    Ich bin mir darüber im Klaren, dass dies recht plakativ ist und es nicht nur schwarz und weiß gibt sondern auch diverse Grauzonen, wirtschaftliche Zwänge etc. Aber auch da hilft genaues Hinsehen.
    Ich erinnere mich gern an die Zeit mit den Kindern, als sie noch klein waren, als wir in der Küche Schiff in Seenot gespielt haben, oder bei Wind und Wetter Waldspaziergänge gemacht haben, Herbstblätter gesammelt und anschließend Poster geklebt und vieles mehr. Und unsere Kinder erinnern sich sogar auch daran, obwohl sie noch so klein waren.
    Für mich sind das unwiderbringliche Momente meines Lebens, die für kein Geld der Welt zu haben sind. Ich teile auch nicht die Auffassung, dass Kinder keinen geistigen Anspruch für die Mütter bedeuten. Ich fand diesen Anspruch enorm, auf alle Fragen jetzt und gleich eine Antwort geben zu müssen, der Unmittelbarkeit Rechnung zu tragen. Der positive Moment der Berufstätigkeit ist die Andersartigkeit der Umstände, dass man eben andere Gespräche führt, sich auf völlig verschiedene Dinge konzentrieren muss. Intelligenter sind diese Arbeitsplätze jedoch meistens nicht. Jedenfalls habe ich es in meiner Berufstätigkeit ziemlich häufig mit Leuten zu tun gehabt, deren Horizont exakt die Abmessungen ihres Schreibtisches hatten. Alles weitere fiel einfach an den Tischkanten herunter 😀

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    1. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich empfinde es nämlich auch so, dass es in der Tat anspruchsvoll ist, sich mit seinem Kind intensiv zu befassen, auf es einzugehen, seine Gefühlswelt zu verstehen. Ich genieße es, aber es kostet auch Kraft, weshalb eben auch für den Job weniger übrig ist als früher. Ich möchte mich auch an solche Dinge wie unsere gemeinsamen Spaziergänge im Botanischen Garten zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter, gemütliches Kuscheln auf dem Sofa und das Lesen diverser wunderbarer Kinderbücher etc. erinnern und nicht daran, wie ich mich permanent zerrissen habe.

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