„Alles hat seinen Preis“

Die letzten Tage vor dem Wiedereinstieg in den Job bin ich sehr, sehr nervös gewesen. Ich hatte große Angst vor dieser für mich bedeutenden Veränderung unseres Alltags.

Nun, nach ein paar wenigen Tagen kann ich natürlich keine „validen“ Aussagen über die neue Lebenssituation treffen. Aber ich habe ein paar Beobachtungen gemacht, die ich ganz interessant fand.

Es hilft sehr, wenn man als Mutter morgens so früh aufsteht, dass das Kind noch schläft und man genug Zeit für sich im Bad hat. So beginnt der Tag viel entspannter und den positiven Effekt daraus sollte man nicht unterschätzen. Man nimmt diese Ruhe, sofern es keine unerwarteten unerfreulichen Vorfälle am Morgen gibt ;-), sogar mit an den Arbeitsplatz. Um kein Schlafdefizit aufzubauen, muss man abends allerdings auch entsprechend früh ins Bett gehen.

Außerdem scheint es sinnvoll, sich erst einmal rigoros auf die eigenen Kräfte und Möglichkeiten zu konzentrieren und sich keine Vorwürfe zu machen, wenn bestimmte Dinge liegen bleiben. (Mein Kind kam gerade ins Zimmer mit dem Kommentar „Mama, Deine Küche ist aber nicht so aufgeräumt“. Das sagt doch alles.) Ich habe nachmittags zwei bis drei Stunden geschlafen, weil ich so K.O. war, während mein Kind neben mir spielte. Einen Kinderkurs, den wir besuchen, habe ich ausfallen lassen.

Zur Erleichterung des Alltags habe ich abends den Wetterbericht genau angesehen, die passende Kleidung rausgelegt, das Auto ggf. entsprechend präpariert, die Brotboxen teilweise schon vorbereitet und, um halbwegs informiert zu sein, vor dem Schlafengehen noch im Bett auf dem Tablet die Nachrichten geguckt.

Mir ist in den letzten Tagen wieder einmal klar geworden, dass der Satz „Alles hat seinen Preis“ erst als Mutter für mich so richtig an Bedeutung gewonnen hat. Das liegt vermutlich daran, dass alle an eine Mutter gestellten Aufgaben nicht zu bewältigen sind und irgendetwas immer hinten überfallen muss. Dass ich arbeite führt gerade dazu, dass ich teilweise beim Vorlesen des dritten Buches immer wieder einnicke, obwohl ich früher locker 15 Bücher hintereinander weg vorlesen konnte.

Unser Kind hat in den letzten Tagen weniger Zuwendung bekommen als früher, war weniger draußen, wurde häufiger ermahnt und hat deutlich mehr ferngesehen als früher. Das stelle ich einfach mal so fest. Vielleicht ist das ja auch gar nicht so schlimm, weil es vermutlich die Realität der meisten Kinder ist. Aber ich kann nicht leugnen, dass mein Kind gerade auch einen Preis zahlt und dass es mir leid tut, wenn ich darüber nachdenke. Diesen Preis würde es in der Form nicht zahlen, wenn ich die „Super-Mutter“ mime, die ich nicht bin, und mich noch überall hinschleppe. Ich habe mich jetzt für den Weg entschieden, in der Übergangszeit auch meine Bedürfnisse sehr genau im Blick zu haben, denn sonst ist der Jobeinstieg aus meiner Sicht von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Auch mein Mann muss nun mehr mit anpacken und ist erschöpfter als vorher.

Das Gefühl, zurück zur Arbeit zu kehren, war anders als ich erwartet hatte. Ich habe bekanntermaßen immer ein kleines Problem mit Sätzen wie „Dann kommt man mal wieder unter Erwachsene“ oder „Dann wird man mal wieder geistig gefordert“ gehabt und habe es auch jetzt noch, aber ich muss gestehen, dass es einen Effekt in diese Richtung gab. Es fühlte sich in der Tat richtig gut an, mit den Kollegen zu sprechen und andere Themen zu haben. Aber, ich werde wohl nie ergründen, ob dieses Gefühl daraus erwuchs, dass ich mich zuhause geistig unterfordert gefühlt habe oder daraus, dass ich mich als Mutter, die nicht arbeitet, einfach schlecht gefühlt und immer nach Anerkennung gesucht habe.

Was sich ganz wunderbar angefühlt hat, ist meine Entscheidung, die Position zu wechseln und weniger Verantwortung zu haben und im Gegenzug auch weniger Geld zu verdienen. Diese Entscheidung gibt mir die Hoffnung, die anstehende Aufgabe „Kind und Job unter einen Hut zu bringen“ besser bewältigen zu können. Wir werden sehen …

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11 Gedanken zu “„Alles hat seinen Preis“

  1. Liebe Mara! Ich kann deine Gedanken nur unterschreiben. Ich bin auch zurück im Job und alles unter einen Hut zu kriegen das geht einfach nicht. Ich wollte weiterhin die Supermama sein, hab abends noch alles erledigt und dann um Mitternacht ins Bett, schon mit dem Gedanken, dass in wenigen Stunden der Wecker klingelt. Das war jetzt mehrmals der Fall, diese Woche habe ich dann gleich mal verschlafen, nachdem die Kleine auch von Zähnen geplagt immer wach geworden ist. Geistesabwesend habe ich wohl meinen Handywecker dann auf lautlos gestellt.
    Alles geht einfach nicht, ich musste es mir eingestehen. Lieber gut gelaunt und halbwegs stressfrei zur Arbeit und den Rest mit der Familie genießen. Hausarbeit kann ruhig liegen bleiben, Zeit ist einfach zu kostbar. Und Schlaf auch 😉 Bei uns kommt renovieren jetzt auch noch dazu… Viel Glück wünsch ich dir!!!!

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    1. Danke für Deinen Kommentar. Ja, der Haushalt verliert an Bedeutung. Er muss überhaupt nicht perfekt sein, um darin glücklich zu leben. Man darf eben nur die Leute reinlassen, die damit umgehen können ;-). Dir auch weiterhin alles Gute in der Übergangsphase und nicht zu viel Stress beim Renovieren :-).

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  2. Erst einmal alles Gute zum Neuanfang. Man sagt zwar üblicherweise Wiedereinstieg, aber ich fand das nie passend, weil man mit Familie nie wieder da anknüpfen kann und will, wo man ohne Familie aufgehört hat.

    Du schreibst: Aber, ich werde wohl nie ergründen, ob dieses Gefühl daraus erwuchs, dass ich mich zuhause geistig unterfordert gefühlt habe oder daraus, dass ich mich als Mutter, die nicht arbeitet, einfach schlecht gefühlt und immer nach Anerkennung gesucht habe.

    Ich denke Weder Noch 🙂

    Der Genuß oder auch das angenehme Gefühl entsteht meiner Ansicht nach durch die Andersartigkeit. Ich hab z.B. nie die Leute verstehen können, die sich nach der Arbeit immer noch über die Arbeit unterhalten. Noch schlimmer ist, wenn Kollegen heiraten. Man steht morgens mit der Firma auf und geht abends mit der Firma ins Bett. Wunderbar 😀

    Es ist tatsächlich angenehm, durch den Job auch das Umfeld und die Gesprächsthemen zu verändern. Ich fand das auch immer gut, weil ich dadurch das Gefühl hatte, eine andere Ecke meines Gehirns zu benutzen. Ich fand angenehm, mal etwas am Stück zu tun, ohne zwischendurch 100 Fragen zu beantworten oder andere kleine oder große Katastrophen lösen zu müssen. Auch angenehm war, die Arbeit einzuteilen. Wie schön ist es doch, wenn man Unwichtiges mal eben im Körbchen nach unten legen kann. Geht mit kleinen Kindern so gar nicht.
    Ich hab mir z.B. auch einen Fensterputzer gegönnt. Über die Frage meiner Freundin „und…isser nett?“ muss ich heute noch lachen. Meine Mutter war damals entsetzt und hat mich gefragt: Und dafür gehst du arbeiten? Was für ein Unsinn. Ja, so kann man es sehen, oder aber es einfach nur Prioritäten nennen.

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    1. Vielen lieben Dank für die guten Wünsche! Stimmt, es ist ein Neuanfang, weil man sich selbst auch so verändert hat. Und es ist toll, wenn man sich mal auf etwas konzentrieren kann, ohne unterbrochen zu werden. Ich hatte das Gefühl in einer verlangsamten Welt zu sein, nur weil man mit Kind ja dauernd gefordert ist und nie weiss, in welcher Sekunde der nächste Einschlag kommt ;-).

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  3. Das klingt doch ganz gut. Dass an anderer Stelle Zeit fehlt, ist eben klar. Eine gute Organisation ist alles, und ein Mann, der mit anpackt. Wieso sollte er nicht zu gleichen Teilen teilhaben, an den Kindern wie auch an der Erschöpfung? So ist das eben! Zumindest scheinst Du das Glück zu haben, bei Deiner Arbeit auf etwas wie geregelte Abläufe zu stoßen. Bei mir herrscht auch dort ein gewisses Chaos aufgrund von Unvorhersehbarkeit und es ist absolute Flexibilität & Spontanietät gefragt, also ähnlich wie zu Hause. Ich weiß heute nicht, wie lange ich morgen und die restlichen Tage der Woche arbeiten muss, weil der Dienstplan mit etwas Glück erst morgen oder übermorgen erscheint. Und die Arbeitsbedingungen sind teilweise echt nur so lala. Es ist also ähnlich wie zu Hause, und irgendwie nervt das, wenn diese Zustände eben dauerhafter Begleiter sind.
    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Bis bald

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    1. Vielen Dank! Dir auch. Ja, bei der Arbeit habe ich mich tatsächlich um eine einigermaßen geregelte Aufgabe bemüht, die mich nicht zu sehr fordert und bin dankbar, dass ich sie bekommen habe. Aber bei Deinem Job und Deiner Leidenschaft für Deine „Arbeit“ kann ich verstehen, dass Du auch Anderes in Kauf nimmst, um nicht raus zu kommen.

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