„Ich mach‘ mir die Welt …“

Nach der Geburt meines Kindes kam ich gar nicht hinterher, auch nur gedanklich alles zu notieren, was ab dem Zeitpunkt von mir erwartet wurde oder eventuell auch „vermeintlich von mir erwartet wurde“.

Manchmal habe ich nachts im Internet gesurft und so gut wie nichts gefunden, wo ich mich so richtig wiederfand. Mit den „Zuckerguss“-Berichten zu den Erlebnissen einer frischgebackenen Mutter konnte ich – bereits stark vom Schlafmangel mitgenommen – nur zum Teil etwas anfangen. Ich wusste aber trotzdem, dass ich mein Kind sehr liebte und alles mir Mögliche für es tat. Mir fehlte bei vielen Berichten einfach eine – für mein Empfinden – ehrlichere Reflektion der Situation einer frischgebackenen Mutter.

Deshalb gibt es mir auch ein gutes Gefühl, wenn ich nun manchmal morgens in meinen Blog gucke und sehe, dass mich nachts eine vermutlich schlaflose Mutter aufgesucht und in meinen Beiträgen gestöbert hat. Ich hoffe dann, dass sie meine Seite mit dem Gefühl verlassen hat, dass sie gar nicht so komisch ist, wie sie denkt. Ich hoffe dass ich vielleicht Jemandem geholfen habe, zu sehen, dass eben nicht Jede diese Veränderungen nach der Geburt eines Kindes so leicht wegsteckt.

Zu dem Gefühl, bestimmte Dinge nicht zu schaffen, kam nämlich zu Anfang bei mir auch oft das Gefühl, damit komplett allein zu sein. Auch die Mütter, die ich kannte, ließen sich nur selten in die Karten gucken. Mittlerweile ist mir auch klar, weshalb. Es scheint einen ganz normalen Schutzinstinkt gegenüber dem eigenen Kind zu geben. Man möchte nicht zugeben, wenn einem Dinge zu viel werden, damit niemand auch nur im Entferntesten auf die Idee kommt, dass man vielleicht nicht für sein Kind sorgen kann.

Aber zwischen „nicht für sein Kind sorgen können“ (dann sollte man sich natürlich so schnell wie möglich Hilfe holen) und „zugeben, dass man häufiger überfordert ist“ liegen eben auch noch Welten. Es ist gesund, sich so anzunehmen, wie man ist, zu seinem individuellen Energiehaushalt zu stehen, und ebenfalls gesund, eigene Limits nach außen deutlich zu kommunizieren. Mütter, die schon vor der Geburt mit diesen Fähigkeiten gesegnet sind, haben sicher einen besseren Start in das Mutterdasein und fragen sich vermutlich manchmal, worüber ich hier in meinem Blog eigentlich so exzessiv schreibe ;-).

„Ich mach‘ mir die Welt …“, das war ja mein Thema … ich bin mal wieder abgeschweift … oder auch nicht.

Nach dem Gefühl, ohnmächtig den ganzen neuen Anforderungen an eine Mutter ausgeliefert zu sein, kann irgendwann auch das Gefühl kommen, dass man sich seine Welt, als Mutter, als Familie, auch ganz individuell gestalten kann. Oft steht einem dabei lediglich der eigene Kopf im Weg (Dieser Hinweis kam schon von einigen Bloggerinnen mit langjähriger Muttererfahrung und er hat mich zum Nachdenken gebracht. Leider ist Nachdenken noch nicht Umsetzen, aber der erste Schritt dahin).

Man hat eventuell über Jahre Stereotype aufgesaugt und verinnerlicht, wie ein Familienleben zu sein hat. Es hat aber einfach nur so zu sein, dass „Vater-Mutter-Kind“ oder auch jede andere Konstellation glücklich sind. Das erreicht man vermutlich am Besten, wenn man sich vorrangig auf die Bedürfnisse dieser kleinen Einheit konzentriert, wenn man unwichtige Dinge reduziert, sich in gewisser Art und Weise beschränkt. Andere Menschen um einen herum, die sich immer wieder einmischen, müssen gegebenenfalls in die Schranken gewiesen werden, wenn sie die neue Kleinfamilie belasten.

Und wenn man sich dann Freiraum geschaffen hat, dann kann man tief durchatmen und sich überlegen: Wie soll denn meine kleine Familie eigentlich sein? Was ist mir wichtig? Was ist meinem Partner wichtig? Und was möchte ich meinem Kind mitgeben, an Gefühlen, an Erlebnissen, an Menschen, an all‘ den vielfältigen schönen Dingen des Lebens?

Ich kann die Erinnerungen eines kleinen, ganz besonders liebenswerten und einzigartigen Menschen mitgestalten.

Ich mache nicht nur meine Welt, sondern auch seine Welt.

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7 Gedanken zu “„Ich mach‘ mir die Welt …“

  1. Ich finde feine Beiträge auch toll, ungeschönt, ehrlich, realitätsnah, vielleicht manchmal einen Ticken zuuu pessimistisch. Aber auf jeden Fall Beiträge, die sich jede Mama zu Herzen nehmen sollte. Dieses rosarote Herausposaunen, wie schön dieses Kinderdings ist, sieht hinter verschlossenen Türen oft anders aus.

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