Uncool

Auf die Bedürfnisse seines Kindes zu hören, ist im beruflichen Kontext anscheinend nicht so cool, was ich schade finde. Zu dem aus meiner Sicht erforderlichen Kitawechsel habe ich auch Kommentare bekommen, die mir das Gefühl vermittelten, ich würde mich mit Unwichtigkeiten beschäftigen. Leider auch von anderen Müttern, die damit zeigen wollten, dass sie auf keinen Fall „Glucken“ sind und ihre Kinder und alles andere im Griff haben.

Nun ja, ich denke dazu: Wenn mein Kind auf diese Weise gemerkt hat, dass ich hinter ihm stehe und mir sein Wohlergehen nicht egal ist, dann hat es sich für mich trotzdem gelohnt, eine „uncoole Mutter“ zu sein.

 

 

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Welt-Online-Artikel vom 29.3.2016: So viel Schlaf braucht ein Mensch wirklich

Hier der Link:

http://www.welt.de/wissenschaft/article153770727/So-viel-Schlaf-braucht-ein-Mensch-wirklich.html

Nachtrag: In Bezug auf das „Zuviel-Schlafen“ gern auch den Kommentar von Simmis Mama lesen. Ich denke auch, man sollte genau gucken, wieviel man in den wachen Stunden leistet und dass die wenigsten Mütter wirklich die Sorge haben brauchen, dass sie zu viel schlafen.

Albtraum einer Mutter

Ich befinde mich in einem Raum und erkenne nach und nach, dass mir bekannte Frauen (Freundinnen, Kolleginnen) um mich herum sitzen.

Die Stimmung ist gelöst. Jede sitzt an einem Tisch, Zettel und Stift vor sich.

Es fühlt sich an wie ein fröhlicher Junggesellinnenabschied. Es wird gescherzt und geschwatzt.

Dann tritt ein Moderator auf und beginnt mit einem Quiz, an dem wir alle schriftlich teilnehmen. Es gibt verschiedene Aufgaben, verschiedene Themen.

Erst macht es mir Spaß. Es fällt mir leicht.

Irgendwann gucke ich hoch und sehe, dass die Bekannte neben mir etwas zu einem Thema aufgeschrieben hat, das ich gar nicht kenne. Ich merke, dass ich dem Moderator nicht gefolgt bin. Er muss bei einem weiteren Text, einer weiteren Aufgabe sein. Ich hebe die Hand und sage, dass es mir sehr peinlich sei, ich die Aufgabenstellung aber nicht mitbekommen habe. Er erklärt sie mir geduldig und sie ist mir vollkommen neu. Ich muss zwischenzeitlich eingeschlafen sein, mit offenen Augen, so dass ich den Fortgang des Quiz nicht mitbekommen habe.

Die mir bekannten Frauen sehen mich freundlich aber leicht irritiert an.

Auf einmal gibt der Moderator die Ergebnisse der vielen Aufgaben bekannt. Ich erwarte keine besonderen Resultate, bin ich bei solchen Dingen doch immer eher Mittelmaß.

Dann führt er diejenigen mit den meisten Punkten auf. Ich bin nicht darunter. Kein Problem. Dann geht es immer so weiter. Ich komme nicht vor.

Dann sagt er, etwas unsicher, mit einem bemüht ermutigenden Ton: Frau X (das bin ich) hat einen Punkt.

Stille im Raum.

Wie kann das sein? Ich habe doch auch viele Fragen beantwortet. Habe ich Dinge verdreht? Nicht verstanden?

Orientierungslosigkeit.

Ich denke nur, dass mein Gehirn nicht mehr funktioniert und ich jetzt sofort zum Arzt muss.

Dann wache ich auf und werde diesen Traum, entgegen meiner üblichen Gewohnheit, nicht vergessen.

Ich brauche keine Traumdeutung für diesen Traum. Er spiegelt meine Angst davor wieder, durch die tägliche Überlastung und Schlafmangel immer fahriger, unkonzentrierter und auch geistig weniger leistungsfähig zu werden.

Also: Soviel schlafen wie möglich, denn das Gehirn braucht Schlaf!

FAZ-Online-Kommentar vom 26.3.2016 – Man kann nicht alles haben – Frau auch nicht

Hier der Link:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/beruf-und-familie-man-kann-nicht-alles-haben-frau-auch-nicht-14145410.html

Zitate:

„Familie und Beruf – beides ist mehr Erfüllung, als man stemmen kann.“

„Das größte Problem bleibt jedoch selbst bei geteilten Führungspositionen die Unteilbarkeit dessen, was Kinder und Karriere gleichermaßen fordern – viel Zeit.“

 

 

Worum geht es in unserem Kita-System wirklich?

Um die Kinder?

Um die Mütter?

Um die Väter?

Um die Erzieher?

Nein. Ich glaube nicht.

Es geht vermutlich  einzig und allein darum, Kinder möglichst kostengünstig zu verwahren, damit Mütter und Väter arbeiten und Steuereinnahmen generiert werden können bzw. mehr Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Und damit sich das Ganze auch lohnt, sollten die Ausgaben für die Betreuung möglichst gering sein.

Da passen dann, entgegen den allgemeinen Beteuerungen, Kinder, die nicht so pflegeleicht sind und individuelle Ansprache benötigen – vielleicht, weil sie einfach ganz normale Kinder sind – nicht so gut ins System. Die Kosten für das „Pflegeleichtmachen“ dieser Kinder kann man dann den Krankenkassen aufbürden, indem man viele nicht indizierte Therapien für Kita-Kinder initiiert. Frei nach dem Motto „Therapie hat ja noch keinem geschadet“.

 

Wir optimieren normalerweise überall – Warum nicht hier?

Ich habe gerade ein paar Tage frei, da mein Kind in einer neuen Kita eingewöhnt wird. Die Müdigkeit der ersten Arbeitswochen ist langsam gewichen und ich bin schon wieder eine andere Mutter geworden.

Mein Kind und ich machen Spaziergänge durch die Umgebung und schieben sein am Fuß erkranktes Einhorn im Buggy vor uns her. Wir haben viele Bücher in der Bibliothek ausgeliehen und sie in einem Rutsch hintereinander durchgelesen. Ich bin nicht nach dem zweiten Buch müde auf der Couch eingeschlafen. Wir haben Ostereier gemalt und wild beklebt.Wir haben Kuchen gebacken und mein Kind hat mit Liebe und vielen Zuckerverzierungen dekoriert. Wir haben gekuschelt. Wir waren in Ruhe zusammen Kleidung für mein Kind einkaufen. Wir beobachten im Park ganz genau, wo schon eine Pflanze ihr neugieriges Köpfchen hervorstreckt und welche Blumen als erstes blühen.

Ich bin auf mein Kind eingegangen und ich bekomme so viel zurück. Es ist ein Segen, ein Kind in diesem Alter in Ruhe beobachten und begleiten zu dürfen. Es ist offen für die Schönheit, für die Freude, für das Glück, für Albernheit, für Späße, für Fragen und Antworten, für den Ernst, für das Mitgefühl, für das Kitzeln, für den Frühling, die Blumen … für alles. Und ich darf daran teilhaben.

Und ich genieße es sehr.

Bald werde ich wieder arbeiten. Und ich werde versuchen, ein klein wenig davon wieder in unseren durchgetakteten Alltag hinüberzuretten. Ich bin mir sicher, ich schaffe das. Wenigstens ein bißchen.

Leichter wäre es, wenn meine Kräfte nicht von den letzten drei Jahren schon so aufgebraucht wären.

Aber ich will es schaffen. Und ich frage mich immer wieder: Wir optimieren überall. Wir wissen um den Segen einer guten Betreuung von Kindern, denen die Welt offensteht und noch ihr ganzes Leben. Wir wissen, dass in den ersten Lebensjahren eines Kindes so viel gebahnt wird, das sein ganzes Leben beeinflussen kann.

Die ersten Lebensjahre meines Kindes war ich gefühlt nur mit Kitas, Ärzten, Therapeuten und extremem Schlafmangel beschäftigt und ganz besonders damit, meinen Jobbeginn immer knapp vor Augen zu haben und immer wieder mit dem Gefühl des Versagens herauszuschieben, weil ich feststellte, dass das, was man mir vor der Geburt suggeriert hatte, nichts mit der Realität und den Bedürfnissen meines Kindes und auch meinen Bedürfnissen und auch dann real vorhandenen Kräften zu tun hatte.

Warum geben wir Müttern und Kindern, die es benötigen, nicht die Zeit, im gemeinsamen Leben anzukommen?

Es kann so schön sein, wenn es nicht immer nur von Hetze geprägt ist. Wenn Mütter, die möchten, zuhause bleiben dürfen. Wenn Mütter, die arbeiten möchten, sich auf eine sehr gute, zeitlich flexible Kinderbetreuung verlassen können, die ihr Kind wirklich emotional stärkt und nicht nur verwaltet und aufbewahrt, bis die Mutter es abholt. Und wenn jede Mutter individuell entscheiden kann, was davon ihr entspricht. Ohne Verurteilung. Ohne Äußerungen wie „Ein Kind, das nicht in der Kita ist, wird unsozial“ oder „Eine Mutter, die arbeitet, ist nicht für ihr Kind da“ oder „Wie kann man sein Kind nur in die Kita geben, wenn man eigentlich zuhause ist“. Jedes Kind und jede Mutter ist anders.

Dann hätten wir halbwegs glückliche und starke Mütter und – wie sollte es anders sein? – Kinder, die einfach gut versorgt wären und zwar mit Liebe und Zuwendung und Gesehen- und Gehört-Werden.

Diese gesellschaftliche Investition würde sich in den Folgejahrzehnten vielfach auszahlen. Ich bin mir sicher.