Das „Aha-Erlebnis“

Jetzt weiß ich ganz sicher, warum.

Warum meine Freundinnen, die vor mir Kinder bekommen haben, mich so gut wie nie mehr zu sich nach Hause eingeladen haben.

Manchmal dachte ich, sie mögen mich vielleicht nicht mehr so gern. Aber das konnte nicht sein. Freuten sie sich doch immer über meine Einladungen in meine Kinderlosen-Wohnung mit kleinem Snack und netten Gesprächen oder unsere gemeinsamen Kinobesuche.

Nachdem ich gerade mal wieder im Eiltempo unsere Wohnung in einen halbwegs akzeptablen Zustand verwandelt habe, ist es mir klar.

Meine Freundinnen wollten keine Unsicherheit, sie wollten nicht, kurz bevor ich vor ihrer Tür stand, wie eine Krake mit zwanzig Armen Memory-Karten und kleine Figuren wegsortieren, Käsewürfel und Knäckebrotkrümel unter dem Sofa hervorklauben (man weiß ja nie, ob der Gast nicht doch mal unters Sofa schauen muss, z.B. weil ihm eine Traube heruntergekullert ist) oder angekaute Postkarten in den Müll entsorgen. Das kann man ja immer nur kurz vorher machen, denn, wenn das Kind vor Eintreffen des Gastes noch drei Minuten Zeit hat, kann es im Handumdrehen Schreckliches zuwege bringen.

Wir hatten letztens am Wochenende Besuch: Junge, noch kinderlose Frauen. Ich hatte erst beschlossen, dass sie die Wahrheit meines Mutterlebens ungeschont erleben sollten und bin dann eingeknickt. So einen Schock konnte ich nicht verantworten und vermutlich würde das Ganze die Geburtenrate nicht positiv  beeinflussen. Ich fing also doch zwei Tage vorher an, wie eine Wilde unsere Wohnung in einen vernünftigen Zustand zu bringen, immer noch weit von dem entfernt, was unser Besuch vor meiner Niederkunft von mir gewohnt war.

So müssen sich meine Freundinnen früher auch gefühlt haben. Sie werden sich gefragt haben: „Kann man ihr das zumuten? Hält sie das aus?“ Sie werden an meine damals jede Woche gewienerte, mit Blumen aufgehübschte Wohnung gedacht haben und zu dem Schluss gekommen sein:

Das schafft sie nicht.

Dann muss ich aber aufräumen.

Das schaffe ich nicht.

Also gehe ich zu ihr.

Recht hatten sie. Warum sollte man sich als Mutter noch zusätzlich unnötig stressen?

 

 

 

Advertisements

8 Gedanken zu “Das „Aha-Erlebnis“

          1. eben, ich denke, wenn man bei seinen Bekannten und Freunden nicht ehrlich sein kann, sollte man sich von ihnen trennen. Es ist Energievergeudung. Manche Kinderlose verstehen auch nicht, dass man Termine kurzfristig platzen lassen muss, weil das Kind Fieber hat oder oder …..nicht aus Böswilligkeit, es passt einfach nicht in ihr Weltbild!

            Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s