Dann wären wir vielleicht noch verheiratet …

Der Angestellte, welcher gerade Regale befüllt, ruft zu mir herüber: „Ich bin gleich da. Komme sofort.“

Ich entgegne: „Lassen Sie sich Zeit. Ich bin überhaupt nicht in Eile.“

Er kommt auf mich zu. „So jemanden trifft man selten. Wie schön.“

Redselig wie ich bin: „Ich bin noch zuhause. Ich bin so eine komische Frau, die mit einem zweijährigen Kind noch nicht wieder arbeitet.“

Seine Antwort: „Das finde ich gar nicht so schlecht. Meine Frau hat ganz früh wieder gearbeitet als das Kind da war. Wir wollten ein Haus abbezahlen und und und. Jetzt sind wir geschieden. Vielleicht wären wir noch verheiratet …“

An diesen Dialog werde ich immer mal wieder erinnert. Immer dann, wenn ich von Trennungen junger Eltern höre.

Und ich denke dann auch an das, was ich in meinem Beitrag

https://marasgedanken.wordpress.com/2015/07/29/was-wir-frauen-alles-tun-um-als-emanzipiert-zu-gelten/

geschrieben habe, nämlich:

„Wenn unsere Beziehung scheitert, dann ist das eben das Leben. Oder der Mann hat nicht genug mitgezogen. Wir trauen uns nicht, weiterzudenken. Ob wir vielleicht einem Mythos der Vereinbarkeit aufgesessen sind.“

Nachtrag: Mit diesem Beitrag möchte ich keiner Mutter zu nahe treten, die gerne kurz nach der Geburt wieder arbeitet und auch keiner Mutter, die keine andere Wahl hat und gezwungen ist, schnell wieder zu arbeiten. Er soll zum Nachdenken darüber anregen, weshalb sich so viele Paare relativ kurz nach der Geburt eines Kindes trennen. Ich denke einfach, es gibt Nachbesserungsbedarf in Bezug auf das öffentliche Bild davon, was nach einer Geburt machbar ist. So leicht, wie es immer aussieht und beschrieben wird, ist es bei den Wenigsten. Und dann heißt es immer mal wieder: Wir trennen uns.

Hier geht es um Familien, die eigentlich zusammen sein sollten und nicht an der Last des Alltags zerbrechen.

Jede Mutter, die dies liest, kann aus meiner Sicht dazu beitragen, dass weniger Familien auseinandergehen. Es ist ganz leicht: Einfach einmal oder mehrmals zugeben, dass das Leben mit Kind und Job eben kein Kinderspiel ist.

Nachtrag II: Dann hören auch weniger Frauen in den Auseinandersetzungen mit ihren Männern den Satz „Andere Frauen schaffen das doch auch.“

 

 

 

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18 Gedanken zu “Dann wären wir vielleicht noch verheiratet …

  1. Wie immer aus der Seele gesprochen. Allerdings gab es in meiner Konstellation keinen richtigen „Papa“. Der musste Karriere machen. Elternzeit? Du spinnst wohl, das kostet mich meinen Job. Die Männer müssen meiner Meinung nach auch etwas an ihrer Emanzipation arbeiten….:)

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    1. Ja, ich denke, da hast Du vollkommen Recht. Es kann nicht sein, dass sich für Frauen nach der Geburt alles ändert und für manche Männer gar nichts. Natürlich gibt es auch die Männer, die ihren Frauen wirklich helfen. Solche Exemplare habe ich auch schon gesehen :-).

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  2. Es gibt immer mehrere Gruende, warum eine Beziehung scheitert, manchmal auch, weil die Mutter wie eine Glucke Zuhause sitzt. Fuer viele funktioniert es, fuer manche nicht …..jede kleine Familie muss ihre persoenliche individuelle Loesung finden. Es gibt keine perfekte Loesung fuer alle.

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    1. Ja, eine individuelle Lösung. Und ich erlaube mir, zu ergänzen: „die die Kraftreserven aller Beteiligten berücksichtigt.“ Unsere Beziehung gerät immer dann in leichte Schieflage, wenn einer von uns beiden nicht mehr kann.

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        1. Weißt Du, was auch ein interessantes Thema ist, Ann? Die Trennungs- bzw. Scheidungsraten von Eltern mit kleinen Kindern. Da gucke ich irgendwann noch einmal nach. Du kannst es aber auch gern tun, falls es Dich überhaupt interessiert ;-).

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  3. Deinen letzten Satz hat mir mein Schwager gesagt. Ich hätte ihn am liebsten … Vor allem sagte er ihn nicht etwa weil ich etwas nicht schaffte sondern einfach so um mich mal eben zu degradieren.
    Toll dass du immer wieder darauf aufmerksam machst 🙂

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    1. Ich habe den letzten Satz auch schon von verschiedenen Leuten aus meiner Familie gehört. Und das bringt mich ebenfalls total auf die Palme. Ich sage dann immer: Dann guckt doch mal hinter die Fassaden der Familien mit kleinen Kindern. Aber das interessiert sie nicht. Sie wollten mich dann auch nur mal eben klein machen. Aber ich werde nicht müde, auch denen vorzubeten, dass ich es nicht OK finde, was mit vielen Familien gemacht wird.

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      1. Bei dir auch? Ok bei mir ist es wenigstens nur eine Person. Nämlich immer wenn er faul ist und dann will dass ich sein Zeugs auch noch übernehme!!! Perfide …
        *drück dich ganz doll* gut dass du auf dem Kind hörst und nicht auf diesen Spruch

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          1. Ich auch! Danke dass du mir immer wieder aufs Neue klar machst wieviel ich und du und alle anderen Mutter täglich schaffen. Dein Blog hilft ungemein. Ich werde durch deinen Blog auch geschickter im argumentieren was in weniger Arbeitslast resultiert

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