Die Angst vor dem Job-Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Ich hatte große Angst vor dem Job-Wiedereinstieg nach der Elternzeit, denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ich noch arbeiten sollte, wenn mein Alltag mit Haushalt und Kind schon ohne Berufstätigkeit so unvorstellbar kräftezehrend war.

Aber irgendwann war es auch für mich so weit. Glücklicherweise haben wir das Ganze hinausgezögert, bis mein Kind drei Jahre alt war.

Ich hatte fast zwei Jahre mit starkem Schlafmangel hinter mir und das Gefühl, alles andere als fit zu sein, als es wieder losgehen sollte. Eher sehnte ich mich danach, einmal drei Tage Urlaub am Stück nur für mich zu haben. Aber, die Realität sah anders aus.

Was mir ganz besonders geholfen hat, war Folgendes: Durch die Anregung einer sehr weisen Person habe ich mich gefragt, ob ich meinen alten Job noch so machen kann. Und da mein alter Job oft zehn- bis zwölf- Stunden-Tage bedeutet hat, lange Meetings und viel Verantwortung, fiel die Antwort eindeutig aus. Ich sah mich persönlich zum Zeitpunkt des Wiedereinstiegs nicht in der Lage, so etwas mal nebenbei neben Kind und Haushalt zu schaffen. Ich sah mich nicht einmal in der Lage, meinen alten Job auch nur in Teilzeit zu bewältigen. Ich wusste, dass ich maximal angespannt sein würde, wenn ich morgens mein Kind fertig machen, mich fertig machen, mein Kind in die Kita bringen und dann pünktlich gut vorbereitet in einem Meeting sitzen müsste. Es war für mich zu dem Zeitpunkt unvorstellbar und ist es jetzt – ein paar Monate später – noch immer.

Glücklicherweise habe ich einen netten Chef, der mich gefragt hat, was ich denn möchte. Und ich habe es gewagt: Ich habe mich gehaltstechnisch herunterstufen lassen und entsprechend weniger Verantwortung übertragen bekommen.

Und ich habe es bisher nicht einen Tag bereut!

Ich habe keinen Kundenkontakt mehr, keine Außentermine. Ich arbeite meinem Chef nun nicht mehr als qualifizierte Fachkraft zu, sondern bin nun „Mädchen für alles“ und halte ihm den Rücken frei. Ich habe es gewagt, mein Studium nun erst einmal eine Weile Studium sein zu lassen, damit ich das Gefühl habe, noch irgendwie atmen zu können. Nun arbeite ich als eine Mischung aus Sekretärin, Assistentin und manchmal auch Referentin, wenn ich anspruchsvollere Aufgaben auf den Tisch bekomme. Aber ich habe ausdrücklich gesagt, dass ich gern auch kopiere, Post verschicke oder Kaffee koche.

Für mich war nur eines wichtig: Ich möchte das Gefühl haben, dass ich meinen Job schaffen und gut machen kann. Und dass ich theoretisch 😉 eine gewisse Gelassenheit im Alltag  haben kann, da es um nichts geht, wenn ich mich mal verspäte. Ich bin mir sicher, dass eine Rückkehr in meinen alten Job nicht gegangen wäre. Auch wenn das für Viele auf den ersten Blick als das Normalste der Welt erscheint. Nein, mein Leben, meine Belastungen hatten sich zu sehr verändert und auch meine Prioritäten.

Dass es irgendwie funktioniert hat mit dem Jobwiedereinstieg führe ich auch darauf zurück, dass ich nur 20 Stunden arbeite, an vier Tagen die Woche jeweils fünf Stunden. Der freie Tag in der Woche ist mir heilig. Und auch meine Gleitzeit.

Ich musste und muss noch lernen, dass mein Haushalt nicht mehr so aussieht wie früher.

Und ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass ich morgens zwei Stunden vor dem Losfahren aufstehe. So habe ich Zeit im Bad, bevor mein Kind aufwacht und ich muss mich und auch mein Kind nicht hetzen. Um kein extremes Schlafdefizit aufzubauen, muss ich nun leider auch um 21 Uhr, spätestens 22 Uhr ins Bett gehen. Aber, ich bin mir sicher, nur durch dieses frühe Aufstehen funktioniert es für uns.

Und ich werde nicht müde, unserem Umfeld klar zu machen, dass mit meinem Wiedereinstieg auch Abstriche an anderer Stelle gemacht werden müssen.

Ich möchte alle Leserinnen, die in einer ähnlichen Situation stecken, nämlich große Angst vor dem immer näher auf sie zu rückenden Jobeinstieg haben, dazu ermutigen, sich selbst ganz genau zu analysieren. Wie groß sind meine Kräftereserven? Was kann ich wirklich schaffen? Und das Gespräch mit dem alten Arbeitgeber zu suchen.

Mein Weg war etwas unkonventionell und es gab auch den Kommentar „Sie sind anscheinend befördert worden.“, als ich das erste Mal mit der Kaffeekanne über den Flur lief. Der Kommentar war freundlich gemeint und ich habe ihn gut wegstecken können. Denn ich wusste, dass mein Leben nur wegen dieser unkonventionellen Entscheidung gerade für mich einigermaßen gut funktioniert und ich langsam wieder wage, daran zu glauben, dass meine Kräfte zurückkommen werden, wenn ich nur ganz besonders gut auf mich Acht gebe.

Update 29.7.2017:

Mittlerweile arbeite ich nur noch 3 Tage die Woche á fünf Stunden, nachdem es mir sehr schlecht ging.

In der Rückschau hätte ich von Anfang an planen sollen, 3 Jahre Zuhause zu bleiben (Das muss natürlich finanziell stemmbar sein!). Bei uns lief das Ganze immer scheibchenweise: Erst wollte ich nur ein Jahr zuhause bleiben – weil ich vor der Geburt einfach ahnungslos war -, dann habe ich die Elternzeit immer wieder verlängert, weil mich die Realität eingeholt hatte. So stand bei mir also die ersten drei Jahre nach der Geburt immer mal wieder die Rückkehr in den Job an, die ich dann doch nicht geschafft habe, was mich irgendwie kirre gemacht hat. Außerdem hätte ich von Anfang an nur drei Tage die Woche á fünf Stunden arbeiten sollen. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich wieder lebe.

Ich wünsche Dir, meiner Leserin, alles Gute und dass Du einen Weg findest, der zu Dir und Deiner Familie passt. Traue Dich, Deinen Arbeitgeber nach dem für Dich passenden Modell zu fragen.

Wenn Du diesen Beitrag mit Interesse gelesen hast, findest Du sicher noch andere Beiträge in meinem Blog, die Dir eventuell weiterhelfen. Ich habe auch zu Schlafmangel und Burnout geschrieben.

Alles Liebe für Dich!

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7 Gedanken zu “Die Angst vor dem Job-Wiedereinstieg nach der Elternzeit

    1. Danke, Ann. Ja, ich bin mit dieser Entscheidung vollkommen im Reinen. Und ich mache mir erst einmal gar keine Gedanken, ob ich vielleicht nicht mehr in einer ähnlichen wie der alten Position arbeiten kann. Ich will das vielleicht auch gar nicht. Es ist, glaube ich, wirklich wichtig, sich von den dogmatisch wiederholten Sätzen wie „Da kommst Du nie wieder rein.“ freizumachen. Wenn ich vor Erschöpfung umkippe, komme ich auch nirgendwo mehr rein ;-).

      Gefällt 2 Personen

  1. Liebe Mara! Super, dass es so funktioniert, auch wenn es nicht einfach ist. Ich weiß genau von was du da redest. Und ich weiß auch, dass es genug Ausnahmefälle gibt, die du nicht erwähnt hast: weniger gute Nächte, weniger gute Morgen, innerlicher Stress… alles dabei. Nur eben Gott sei Dank nicht jedes Mal der Fall. Schönen Abend!!! Liebe Grüße, Steffi

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke, Steffi. Euch auch! Ja, wenn ich bei Dir lese, lese ich auch immer heraus, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befinden. Und richtig. Es gibt auch immer noch weniger gute Nächte, in denen sich mein Kind dann mal kurz meldet, ein- oder auch mal zweimal. Das Problem ist, dass ich nachher oft nicht mehr so schnell einschlafe. Schön, verstanden zu werden, auch ohne es im Text erwähnen zu müssen :-). Darüber wollte ich eigentlich auch schreiben, dass die Nächte nämlich immer noch nicht immer erholsam sind. Ich selbst vergesse oft, dass ich nachts hoch musste. Es fällt mir ein, wenn ich dann schon um 15 Uhr kurz nach der Arbeit total gerädert bin. Dann fällt mir ein: Da war doch was … heute Nacht. Liebe Grüße Mara

      Gefällt 1 Person

    1. Manchmal ist man so fertig, da hat man gar keine andere Wahl ;-). Aber wie gesagt, ich habe es noch keinen Tag bereut und das zählt :-). Ich wollte anderen Müttern einfach mal die Augen dafür öffnen, was theoretisch und praktisch möglich ist. Für mich war es auch erst undenkbar.

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