Interessanter Blog-Artikel: Deutschland: (K)ein Land für Kinder?

Unter

http://blog.windelbar.de/2015/08/05/gastbeitrag-kein-land-fuer-kinder/

findet Ihr Aussagen wie:

„Erst wenn die bewilligten Gelder für die Subventionierung eines Krippenplatzes ebenso bereitwillig an den Elternteil ausgezahlt würden, der über das erste Lebensjahr hinaus gerne mehr Zeit mit seinem unter dreijährigen Kind zu Hause verbringen möchte, kann man überhaupt von wirklicher Wahlfreiheit sprechen.“

Es lohnt sich, den Artikel zu lesen.

Zur Unzulänglichkeit verdammt …

Seit ich wieder arbeite, kommt alles zu kurz.

Und ich möchte jetzt keine Vorschläge, wie ich den Großteil meines Gehalts wieder in Entlastungen investiere ;-). Dann würde ich die Sachen lieber selbst machen und nicht arbeiten. Aber das mache ich dann lieber auch nicht, denn dann gilt man ja fast schon als Aussätzige.

Ich habe es satt, immer das Gefühl zu haben, für nichts Zeit und Kraft zu haben. Und das hat etwas damit zu tun, dass man Mütter heutzutage in die Erwerbstätigkeit zwingt, im Zweifelsfall auch rein durch gesellschaftliche Ächtung, wenn sie zuhause bleiben.

Und die Argumente, das würde man alles schon hinkriegen, wenn man immer überall schön Fünfe gerade sein lässt, nicht perfektionistisch ist, die lasse ich auch nicht mehr gelten. Das kann man mal für eine Zeit machen, aber es gibt auch Dinge, die erledigt werden, Kontakte und Beziehungen, die nicht einfach nur abgehakt, sondern gepflegt werden, und Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen, für ein halbwegs zufriedenes Leben.

Aus meiner Sicht – und die mag ziemlich extrem sein, aber ich erlaube mir jetzt mal, das hier aufzuschreiben – werden viele Familien durch den allgegenwärtigen „Machbarkeits-Mythos“ systematisch zerstört.

(Nachtrag: Dieser Beitrag ist nicht an Mütter gerichtet, die gerne arbeiten und alles wunderbar unter einen Hut bekommen.

Meine eigene Erfahrung und auch meine Beobachtungen um mich herum zeigen mir jedoch, dass es vielen Müttern auch ganz anders geht. (Ich arbeite übrigens auch ganz gern, aber ich bekomme definitiv nicht alles unter einen Hut.))

 

Der Typ vom Paketdienst

Der Typ vom Paketdienst wurde von mir erst richtig wahrgenommen, nachdem ich Mutter geworden bin. Auf einmal war ich die Postannahmestelle unseres Miethauses und ich beschloss, die Post immer anzunehmen, egal für wen. Es sei denn, mein Kind schlief. Dann habe ich unsere Klingel abgestellt. Ich wollte meine wohlverdiente Ruhe im stressigen Babyalltag nicht abrupt beendet wissen. Mütter werden das verstehen ;-).

Es kam immer irgendein Mann die Treppe hochgehetzt, der in Sekundenschnelle seine Päckchen loswerden wollte und sehr dankbar war, wenn man ihm auch mal ein Päckchen für das Nachbarhaus abnahm. Auffallend war die hohe Fluktuation der Angestellten. Teilweise waren die Lieferwagen auch in keinem so guten Zustand.

Einmal kam ein Bote, den ich schon ein wenig kannte und während unseres kurzen Gespräches ließ er fallen, dass er beim Arzt war, weil es ihm so schlecht ging und sie ihn jetzt komplett durchchecken würden. Ich dachte nur: Das wundert mich nicht bei diesem Job. Zwei Wochen später sagte er mir, es gäbe Entwarnung. Ein Glück. Aber den Job hat er anscheinend auch nicht mehr lange gemacht, zumindest nicht in unserer Straße.

Heute sah ich, wie ein Lieferbote einer Einzelhandelskette gerade mehrere Tüten aus seinem Lieferwagen heraushievte. Er stand auf einem Anwohnerparkplatz. Und natürlich kam der Anwohner gerade in dem Moment nach Hause und hupte laut.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Menschen den Blick für die Lieferboten nicht verlieren. Sie hetzen durch die Gegend, überall wo sie parken (teilweise parken müssen!) stören sie. Irgendjemand ärgert sich immer über sie. Ich auch manchmal, aber ich versuche, mich dann wieder darauf zu besinnen, was ihr Job bedeutet. Klar kann ich es auch nicht leiden, wenn mein Parkplatz blockiert wird, aber für ein paar Minuten, das kann ich schon noch aushalten und im Notfall eine kleine Runde drehen, sofern das nicht permanent passiert.

Ich persönlich möchte niemals mit ihnen tauschen. Schon beim Beobachten ihrer atemlosen Tätigkeit wird mir schwindelig. Vor Weihnachten vertraute mir ein Bote an, dass er einen großen Internethändler nicht ausstehen könne, weil die Leute vor Weihnachten wie wild bestellten. An diesem Tag musste er noch vierhundert Pakete ausliefern. Ich konnte ihn verstehen … den Typen vom Paketdienst.

 

Ich möchte endlich mal wieder …

… in Ruhe baden.

… eine ordentliche und saubere Wohnung haben.

… ein Buch lesen.

… in Ruhe fernsehen.

… Zeit für einen Frisörtermin finden.

… ins Kino gehen.

… in Ruhe telefonieren.

… keinen Keller voll ausrangierter Kindersachen haben.

… in Ruhe meinen Papierkram machen können.

… an meinem freien Vormittag auch wirklich frei haben und nicht um halb sieben aufstehen und, nachdem ich mein Kind in die Kita gebracht habe, alles Liegengebliebene der Woche aufarbeiten müssen.

… wenn ich Urlaub habe, auch wirklich Urlaub haben.

… wenn ich krank bin, krank sein und im Bett liegen dürfen.

Seit ich arbeite, sind diese Dinge noch mehr in die Ferne gerückt.

(Nachtrag der Verfasserin: Einen vollen Keller muss man eigentlich nicht haben, denn es gibt genug Möglichkeiten, gut erhaltene Sachen zu spenden. Ich verwahre allerdings noch einige Dinge für weiteren Nachwuchs in der Familie.)