Verräterin

Manchmal komme ich mir wie eine Verräterin vor, wie eine Verräterin wider Willen.

Das ist immer dann der Fall, wenn es bei uns morgens mal gut gelaufen ist, ich fit und pünktlich bei der Arbeit erschienen bin und mal ein Musterbeispiel einer arbeitenden Mutter abgebe und am gleichen Tag bei einer Kollegin mit Kindern alles schief läuft.

Jetzt könnte ich mir sagen, dass ich ja vermutlich an anderen Tagen nicht so gut dastehe und sich dann alles wieder aufhebt. Mag sein.

Aber ich bin mir auch darüber im Klaren, dass ich mir mittlerweile halbwegs gute Rahmenbedingungen verschafft habe, glücklicherweise verschaffen konnte, über die nicht jede Mutter verfügt. Für diese Rahmenbedingungen musste ich auch auf Einiges verzichten, aber sie erleichtern mir den Alltag ungemein.

Manchmal denke ich, das das große Problem ist, dass es nie bei allen Müttern gleichzeitig an einem Tag oder zwei Tagen hintereinander so richtig schief läuft.

Wenn es mal so einen Tag oder zwei gäbe, an dem alle Mütter gleichzeitig spüren, wie nah an ihrer Belastungsgrenze sie sind, dann könnten sie sich wenigstens mal für ein paar Stunden solidarisieren.

Bis so ein Tag kommt, kann ich nur versuchen, selbst solidarisch zu sein und mich nicht von meiner Eitelkeit dazu verleiten zu lassen, besser als andere berufstätige Mütter dastehen zu wollen. Ich sollte ernsthaft ihre Partei ergreifen, wenn keiner im Betrieb versteht, weshalb sie jetzt wieder krank sind etc. Ich sollte von meinem Alltag berichten und dass das alles oft nur so leicht aussieht und manchmal nahe am Rande des Nervenzusammenbruchs balanciert.

Und das sollten alle Mütter tun.

Advertisements

3 Gedanken zu “Verräterin

  1. Sehr treffend beschrieben! Ich kenne das auch – wenn es einige Tage gut läuft und man sich wie eine Supermutter fühlt… Wenn dann der eitle Gedanke kommt, dass sich andere Mütter da nicht so gut anstellen wie man selbst. Wie schade, dass man immer dazu neigt, sich auf- oder abzuwerten im Vergleich mit anderen. Mir wäre auch eine Welt lieber, in der Mütter mehr zusammenhalten und solidarisch sind, anstatt in dem Konkurrenzkampf zu ziehen. Ich lese deinen Blog unter anderem darum so gerne, weil du versuchst, dem entgegen zu wirken. 👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke, Judi Blue :-). Ja, ich muss auch immer aufpassen, dass ich nicht Oberwasser bekomme, wenn mal Dinge gut laufen. Das ist oft einfach Glück, nicht weil ich auf einmal so perfekt organisiert bin ;-). Dass Mütter so unter Druck und Beobachtung und deshalb ausgehungert nach Anerkennung sind, verstärkt aus meiner Sicht eine Entsolidarisierung dieser Gruppe, weshalb Mütter auch nicht gemeinsam für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen kämpfen.

      Gefällt 2 Personen

  2. Ich finde, man darf trotzdem auch mal stolz auf sich sein, wenn alles gut geklappt hat. Dafür hat man ja meist auch einiges getan, und abgesehen davon heißt das auch, dass man mit der Situation immer besser klar kommt, was nicht selbstverständlich ist.
    Andere Eltern gedanklich schlechter organisiert finden muss dabei ja gar nicht sein. Aber etwas mehr sich-selbst-würdigen würde einigen Müttern sehr gut tun! Ein kleines „Tschakka“ hier und da ist nicht unsolidarisch. Gerade weil es nicht jeden Tag ist: genießt die Tage, an denen es gut läuft.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s