Andere Mütter schaffen das doch auch – III

Ich weiß, dass ich kurz vor einem Zusammenbruch stehe. Mein Körper zeigt mir nun regelmäßig, dass nichts in Ordnung ist.

Ich will das nicht erleben. Ich kämpfe dagegen an, aber immer öfter zeigt mir mein Leben, dass die Kraft immer weniger wird.

Ich kenne Frauen, die zusammengebrochen sind, Frauen, die gerade zusammenbrechen, Frauen, die gerade mit ihren Männern, Arbeitgebern aushandeln, weniger arbeiten zu dürfen, und mir werden langsam die großen Zerreißproben klar, die dem totalen Zusammenbruch vermutlich vorausgehen.

Ich möchte das Ruder herumreissen, ich möchte die Belastung reduzieren.

Aber, wer glaubt mir nicht wirklich, dass ich schon alles versucht habe, dass es gerade für mich verdammt eng wird: Mein Mann. Natürlich spielen da auch seine Existenzängste hinein.

Aber, auch er ist verseucht von dem Gedanken:

ANDERE MÜTTER SCHAFFEN DAS DOCH AUCH !

So wie ich selbst.

Und wenn ich nicht noch einen cleveren Weg finde, werde ich mich am Ende vielleicht sogar scheiden lassen müssen, wollen. Weil Sätze wie „Was willst Du denn dann den ganzen Tag zuhause machen?“ mir aufzeigen, dass Haushalt und Kind nicht akzeptabel sind, es ist keine Arbeit. Wenn Du es für Deine Lieben tust, ist es nichts, es gibt keine Bezahlung, keine Rente dafür. Damit könnte man ja noch leben. Aber es gibt eben auch keine gesellschaftliche Anerkennung dafür. Es ist der Zweit- bzw. Drittjob, den niemand sieht.

Nur, wenn Du selbst nicht mehr fähig bist, es zu tun. Dann, ja dann … Aber das will man doch eigentlich nicht erleben. Man möchte doch seinen Alltag schaffen und stolz auf sich sein.

Dieser Zustand, dass die Mutter ausfällt, tritt laut einigen Ehemännern voraussichtlich nie ein, sie sehen, dass die Leistung nicht bezahlt wird, also ist sie nichts wert und kann auch nicht so schwer sein. Auch wenn sie selbst immer wieder überglücklich sind, wenn man selbst als Ehefrau nach einer kleinen Auszeit die Wohnung wieder betritt. Man ist endlich wieder da, wie schön. Und es war doch ganz schön anstrengend mit dem kleinen süßen Schatz.

Viele Ehemänner haben Angst, dass die Frau nie mehr einen neuen Job bekommt, wenn sie die dringende Auszeit nimmt. Und Du selbst, als Ehefrau, weißt auch, dass es kaum Teilzeit-Jobs für Mütter gibt. An dieser Stelle musst Du seinen Bedenken stillschweigend zustimmen. Du warst schon einmal nicht vermittelbar, weil Du mit Studium etwas weniger Qualifiziertes machen wolltest. Keiner wollte Dich haben, als Du schon mal die Fühler ausgestreckt hast, nach einer Tätigkeit, die familienkompatibel ist.

Ich liebe meinen Mann und er liebt mich, das weiß ich. Die Probleme, die wir gerade haben, haben nicht nur etwas mit uns zu tun. Er ist total fertig und ich auch. Er begreift noch nicht, dass die Tatsache, dass ich arbeite, auch ihn stresst. Er muss mir viel mehr helfen als früher und tut das auch. Und das nach zehnstündigen Arbeitstagen.

Wir befinden uns mittlerweile an dem Punkt, an dem wir uns streiten, weil die Gesellschaft uns beiden zusammen zu viel auflädt. Nicht, weil wir nicht bereit sind, unser Bestes zu tun.

Wir sollen unser Kind liebevoll zu einem selbstbewussten Menschen erziehen, ihm Kontakte, Erfahrungen ermöglichen und wir sollen beide so viel wie möglich arbeiten. Das sind die gesellschaftlich gesetzten Anreize. Man vergisst dabei total, dass unsere Elterngeneration zum großen Teil die Kinder weniger aufmerksam und zugewandt erzogen hat (weil man viele Dinge in Bezug auf die Kindesentwicklung auch noch nicht wusste) und die Mütter zum größten Teil noch nicht einmal arbeiteten. Wir haben also zweimal mehr Arbeit: In der (auch sehr schönen) Beziehungsarbeit zu unseren Kindern und in der wie selbstverständlich geforderten Erwerbsarbeit. Ach nein, wir haben sogar dreimal mehr Arbeit: Die Arbeitsverdichtung in den meisten Jobs nicht zu vergessen.

Wir beide leiden, weil die Gesellschaft nicht vorsieht, dass Mütter schlapp machen. Sie beutet sie aus. Bis zum Letzten. Und dann heißt es bei der nächsten Familie:

Wie traurig, sie lassen sich scheiden … eigentlich haben sie doch so gut zusammengepasst …

(Dass das passiert, möchte ich nicht zulassen. Ich werde um die Arbeitszeitreduzierung kämpfen und ich werde versuchen, meine generelle Einstellung zu meiner Arbeit zu ändern)

Advertisements

17 Gedanken zu “Andere Mütter schaffen das doch auch – III

  1. Ich drück dich auch mal virtuell 🙂
    Und du sprichst mir wieder mit so Vielem aus der Seele. Nur, dass ich die Welt noch nicht mit der Dreifachbelastung Job-Kind-Haushalt kenne. Bei mir ist es Kind-Haushalt und mich hat diese Welt schon dermaßen aus der Bahn gebracht. Werde darum ganz ganz sachte mit zwei Vormittagen wieder zu arbeiten beginnen… und hoffe, dass das dann gehen wird. Aber auch ich denke mir immer: Die anderen Mütter schaffen das doch auch. Die haben sogar zwei oder drei Kinder. Ich habe ein Kind und bin mit ihm schon ohne Job am Limit.
    Aber hey, wir haben ein anderes Päckchen zu tragen. Andere sind vielleicht nicht so sensibel, machen sich nicht so viele Gedanken, können sich besser abgrenzen und entspannen, was auch immer – jeder ist anders und wir sollten uns nicht dafür verurteilen, wie wir sind.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, so ist es wohl … 😦 :-). Mit zwei Tagen anfangen halte ich nach meinen Erfahrungen für sehr gut und eventuell auch nur mit insgesamt maximal zwölf Stunden. Eine Freundin von mir hat diese Idee letztens ebenfalls gehabt und ich konnte sie nur unterstützen.

      Gefällt 2 Personen

  2. Das gefährliche ist diese ewige Vergleicherei, in die wir Menschen verfallen. Und da niemand von uns das gleiche leistet und nicht leisten kann, schneidet man schnell schlechter ab. Es wird so schnell an äußeren Umständen darüber geurteilt, was für ein Mensch man ist. Egal, ob andere Mütter mehr schaffen, es weiss doch keiner von uns, ob diese nicht auch einfach mehr Unterstützung haben: durch Familie, Freunde oder weil ihre Finanzen so sind, dass sie sich Unterstützung „kaufen“ können. Und egal, was andere hinkriegen, der einzige Maßstab kann und darf nur sein, was für einen selbst schaffbar ist.
    Dass Dein Mann solche Aussagen ablässt, schade, sehr schade, aber irgendwie lassen sie sich schnell dazu hinreissen, die Herren. Warum auch immer. Vielleicht, weil es früher in den Höhlen keinen Haushalt in dem Sinne gab wie heute? Oder im Nomadentum, wo es keinen festen Wohnsitz gab? Kommt das Männergehirn mit diesem Konflikt nicht klar?
    Egal was, ich wünsche euch, dass ihr irgendwie die Ruhe findet zu reden, klarzustellen, ohne Vorwürfe. Fühl Dich gedrückt.

    Gefällt 3 Personen

      1. Ich sags ja, manchmal denken die Herren da einfach nicht mit, dass das, was sie da von sich geben Quatsch ist. Obwohl sie das vielleicht selbst wissen. Aber Mitdenken und Männer, das ist so ne Sache. Und wegen solchen Dingen, streitet man sich, vor allem wenn beide am Limit sind, verdammt schnell.

        Gefällt 2 Personen

  3. Ich war 2 Monate ausgefallen, nachdem ich 1 Jahr permanent krank war. Ausgefallen heißt ich habe mich bei Kunden abgemeldet, eine teure Vertretung organisiert und eine Auszeit genommen. 2 Monate nach der Auszeit hat mein Mann in Frage gestellt ob ich wirklich krank war. Das war der Lohn dafür, daß ich die letzten 5 Jahre egal bei welcher Verfassung arbeitete.

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Mara, das klingt wirklich nicht nach einer tollen Situation. Es ist hart, wirklich hart manchmal. Und wenn du mit deinem Job nicht zufrieden bist, so wie ich das auch herauslese, umso härter. Du lebst und arbeitest nur einmal, deshalb sollst du auch zufrieden sein mit dem was du machst. Es soll dir gefallen, dich begeistern, ja sogar dich manchmal stolz machen, dass du das leisten darfst. Denn dann ist es – so anstrengend es auch manchmal ist mit Kind und Job – weniger hart und leichter zu bewerkstelligen. Ich habe das selbst bei Bekannten miterlebt, wie der Job eine Ehe zerstört hat, weil die Frau sehr unzufrieden damit war und auf die Dauer hatte das Auswirkungen auf die Familie. Bitte schau auf dich, hör auf deinen Bauch. Du findest bestimmt den richtigen Weg, gemeinsam mit deinem Mann! Ganz viel Kraft!!!

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank!! Ja, ich glaube auch, dass man irgendwie zufrieden sein sollte, auch wenn nicht alle Tage leicht sein können. Ich muss versuchen, meine Bedingungen im Job wieder zu meinen Gunsten zu verändern. Drück‘ ganz fest die Daumen.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s