Kita – „Sofort abmelden!“ Wann schadet die Fremdbetreuung dem Kind? (Zeit-Online-Interview vom 3.7.2016)

Hier der Link zu einem sehr interessanten Interview:

http://www.zeit.de/2016/28/kita-qualitaet-fabienne-becker-stoll

Auszug:

„DIE ZEIT: Frau Becker-Stoll, wie gut sind unsere Krippen und Kindergärten?

Fabienne Becker-Stoll: Von hervorragend bis grottenschlecht und kindeswohlgefährdend ist da leider alles dabei.“

Als ich dieses Interview gelesen habe, wurde mir noch einmal klar, wie dringend ich mein Kind aus seiner alten Kita nehmen musste. Ich hatte erst große Hemmungen, diesen Schritt zu gehen, wollte nicht als überanspruchsvolle Mutter bzw. Glucke dastehen, habe aber genau mit dem Probleme gehabt, was die Expertin als elementar bezeichnet, der „Beziehungs- und Interaktionsqualität“ bzw. in unserem Falle der mangelnden „Beziehungs- und Interaktionsqualität“, die mir jeden Tag vor Augen geführt wurde, durch das Verhalten meines Kindes und sogar in meiner Anwesenheit in der Kita von den Erziehern selbst, da diese schon deutlich abgestumpft waren und gar keinen Anlass sahen, ihr liebloses Verhalten zu verbergen.

Mein Kind wartete beim Abholen oft schon an der Tür auf mich, weinte abends häufig und fragte, weshalb es in diese Gruppe muss. Es hatte Angst, seinen Stuhlgang zu verrichten, weil man ihm in der Einrichtung klar machte, dass Kinder, die ihr großes Geschäft mit drei Jahren noch nicht in die Toilette machen, Babies sind. Es wurde gedemütigt und emotional vernachlässigt, so traurig es klingt (diese Formulierungen treffen es wohl), und ich hätte nicht erst nach wenigen Monaten, sondern schon viel früher reagieren sollen. Aus meiner Sicht sind wenige Monate in einer unqualifizierten Einrichtung für ein Kind schon wie eine Ewigkeit.

Dass ich mit dem Wechsel alles richtig gemacht habe, konnte ich sehr schnell sehen. Mein Kind weinte nicht einmal in der Eingewöhnung in der neuen Kita und sagte nach ein paar Wochen beim Anblick eines Bildes aus der alten Kita: „Alte Kita. Mama, da will ich wirklich nicht mehr hin.“

Nachtrag: Ich bin der „ZEIT“ richtig dankbar, dass sie sich des Themas „Kita-Qualität“ so intensiv annimmt.

Nachtrag II: Ich habe eigentlich von Anfang an niemals überzogene Ansprüche an eine Kita gestellt. Für mich brauchte es keine tollen Ausflüge, großen Feste, Projektwochen etc., nur ein wenig Zugewandtheit zum Kind. Ich habe auch nicht die Speisepläne kontrolliert. Ich hatte auch Verständnis für die nicht immer so günstigen Rahmenbedingungen der Arbeit der Erzieher, aber irgendwann konnte ich die Lieblosigkeit im Umgang mit meinem Kind nicht mehr mit ansehen. Es war nur noch unglücklich.

Nachtrag III: Ich weiß, dass die alte Kita meines Kindes trotz meiner Beschwerde so weiter macht wie bisher. Sie wissen anscheinend, dass es viele Mütter gibt, die neben Kind, Job und Haushalt nicht noch den Stress eines Kitawechsels (mit Eingewöhnung und Urlaub nehmen etc.) auf sich nehmen können. Aber sie sollten sich nicht täuschen. Es werden immer mehr, die die Missstände beklagen und nach anderen Lösungen suchen.

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13 Gedanken zu “Kita – „Sofort abmelden!“ Wann schadet die Fremdbetreuung dem Kind? (Zeit-Online-Interview vom 3.7.2016)

  1. Ich finde den Artikel echt gut. Habe auch beim Lesen immer mal überlegt, ob es in dem Kindergarten meiner Tochter auch so ist etc. Gerade was die Begrüßung und Verabschiedung angeht. Aufgefallen ist mir der Unterschied zwischen den älteren und jüngeren Kollegen. Die jungen, frisch ausgelernten gehen mit einer komplett frischen Motivation ran, die mich total begeistert. Und zum Glück lassen sich viele ältere (wobei ich nicht nur die, die kurz vor der Rente stehen meine) da echt anstecken. Aber ich denke, man kann das alles was in dem Artikel steht leider nicht in jedem noch so kleinen Kindergarten zu 100% umsetzen/erfüllen/erbringen.

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      1. Das stimmt allerdings. Wobei das auch nur eine Phase sein kann oder eben an etwas ganz anderem liegen kann. Meine Maus hat ständig so Phasen. Aber entweder weil Kinder die geärgert haben oder sie mehr Zeit mit mir brauch in dem Monent

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        1. Natürlich gibt es Phasen bei Kindern, kenne ich auch nur zu gut. Aber man merkt es einfach, wenn das Kind immer unglücklich ist, wenn es mit dem Kindergarten zu tun hat. Mein Kind war z.B. am Wochenende ganz ausgeglichen und in der Woche viel am Weinen.

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          1. Ich kenn das von der kleinen Schwester der besten Freundin meiner Maus. Wenn eine bestimmte Erzieherin früh da ist und sie das weiß, will sie nicht rein und schreit wie am Spieß. Leider können die im Kindergarten nichts machen :/

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  2. Es bricht einem das Herz 😢 Wir haben leider auch schlechte Erfahrungen gemacht und ich könnte mich ohrfeigen, dass ich nicht eher reagiert habe. Auch ich hatte Angst, als Glucke abgestempelt zu werden. Das wird man ja eh schon ständig, wenn man versucht, bedürfnisorientiert zu erziehen…

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