„Organisation ist alles“

Nach meiner Erfahrung kann ein Kind die perfekteste Organisation sprengen. Und wie es das kann, das kann sich ein Kinderloser/eine Kinderlose nicht in seinen/ihren verrücktesten Träumen ausmalen.

Meine Erfahrung der letzten Jahre ist aber trotzdem Folgende: Je besser organisiert, desto besser die Umgangsmöglichkeiten mit der Unberechenbarkeit Deines Kindes, der Unberechenbarkeit Deines Alltags mit Kind und der Unberechenbarkeit Deiner eigenen geistigen (Un-)Fähigkeiten seit Du Mutter bist.

Deshalb möchte ich die Dinge, die sich für mich nicht nur zuhause, sondern sogar nun auch im Job als sehr hilfreich herausstellen, hier einmal aufführen.

  1. Man sollte sich kennen. Es nützt nichts, krampfhaft die weiter andauernde Stilldemenz oder generell die Folgen jahrelangen Schlafmangels zu ignorieren. Man sollte sich den Fakten stellen und das heißt bei mir: Mein Gehirn funktioniert nicht mehr so gut. Erst hat mich mein Chef irritiert angeguckt, als ich jeden Arbeitsauftrag – aber wirklich jeden noch so Kleinen – notierte, seit ich aus der Elternzeit zurück bin. Jetzt schätzt er offensichtlich, dass ich so selten etwas vergesse. Auch andere Kollegen, die mich bei meinem kleinschrittigen, schreiblastigen Vorgehen erst ein wenig belächelten haben ihre eigenen Erfahrungen, z.B. mit Digitaler Demenz, so dass man sich heute problemlos als „vergesslich“ outen kann ohne komplett inkompetent dazustehen.
  2. Mittlerweile notiere ich jeden Mangel, den ich in den mich umgebenden Räumlichkeiten (sei es zuhause oder im Büro) feststelle, sofort. Wenn ich die neue Spültabs-Packung öffne, kommt gleich die Notiz für den Nachkauf auf den Einkaufszettel an den Kühlschrank. So verfahre ich auch mit zu beschaffenden Ordnern, Klarsichthüllen, Kaffeefiltern etc. im Büro.
  3. Ich setze Prioritäten. Wie bei meinem Kind. Was ist wichtiger? Den Haarreifen fürs Einhorn hinter dem Sofa zu suchen oder die dringend benötigte Hose für morgen zu waschen? Was ist wichtiger: Den Pfannkuchen nicht anbrennen zu lassen oder den mir gerade verpassten Elefanten-Sticker vom Unterschenkel zu kratzen? Was ist wichtiger? Dass mein Kind Pipi muss und ins Gebüsch will, wo so gut wie kein Gebüsch zu finden ist, oder wie die Leute gucken?  Diese „Was ist wichtiger-Frage“ hilft auch ungemein im Büro. Am Wichtigsten ist immer, was unmittelbar vom direkten Vorgesetzten kommt, es sei denn, es ist anderweitig wirkliche Gefahr im Verzug.
  4. Ich habe den Kinderstundenplan für die Schule für mich wiederentdeckt. Mein Mann findet mich am Wochenende spätestens Sonntags über dieses kleine Ding gebeugt in der Küche vor. Es ist ein abwischbarer Stundenplan und ich visualisiere mir so die kommende Woche. Da schreibe ich dann alles aus meinem Kalender noch einmal drauf. Und weil ich ein Kontrollfreak sein kann, ist es damit nicht genug. Wenn ich das getan habe, mache ich zu jedem Wochentag einen Klebezettel und klebe ihn von innen an die Wohnungstür. Dort steht dann, was an dem Tag wichtig ist, wie z.B. „Spielzeugtag in der Kita“, „5 Euro fürs Büro für das Jubiläum eines Kollegen“, „Zur Reinigung“ oder wer an dem Tag zu Besuch kommt. Diesen Klebezettel nehme ich dann morgens mit. Außerdem hängt in der Küche an einem Stuhl eine Tasche, in die ich eventuell benötigte Utensilien für den Tag packe, z.B. Sportzeug für mein Kind für die Kita. Dieses Stundenplan- und Zettelsystem nebst Tasche hilft mir sehr und ich habe dadurch sehr selten etwas vergessen.
  5. Das Wichtigste, was ich für meine Organisation in den letzten Jahren mit Kind gelernt habe: Es bringt nichts, Dinge immer aufzuschieben. Es macht glücklich, nicht immerzu in „Habe ich Lust drauf oder nicht?“ zu selektieren. Diese Habe-ich-keine Lust-drauf-Dinge fallen einem oft auf die Füße. Es tut gut, halbwegs up to date zu sein. Wieso das Kinderhaben die „Aufschieberitis“ kurieren kann? Ich kann es Euch sagen. Wenn man ein Kind hat, hat man für so gut wie nichts Zeit. Wenn man dann mal Zeit hat, ist man so unendlich glücklich darüber, dass man in Ruhe z.B. das Auto staubsaugen, die Wanne schrubben oder die Akten sortieren kann, dass man es dann auch wirklich macht. Nur weil man nicht weiß, ob man sonst vor 2020 noch einmal dazu kommt. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch Pläne umschmeißen kann. Ich tue das regelmäßig. Dann denke ich: „Muss ich heute zur Reinigung?“ Es ist heiß und ich bin so müde. Nein. Ich mache es einen anderen Tag. Das sehe ich dann nicht als Niederlage, sondern als rationale, für mich wichtige Entscheidung an und schiebe die Aufgabe ein, zwei Tage weiter.
  6. Immer Zeit einplanen, mehr Zeit als ein normaler Mensch brauchen würde. Das hilft auch im Büro, denn auch dort kommen manchmal unvorhergesehene Dinge dazwischen. Es hat mir noch nie geschadet, am Tag vor dem Besuch des Kinderarztes ausreichend Zeit einzuplanen und mir alles vorher zurecht zu legen.
  7. Der vollgepackte Rucksack, über den sich manche meiner Mitmenschen manchmal lustig machen, ist Gold wert (solange er den Rücken nicht ruiniert ;-)). Ich kann Dinge daraus hervorzaubern, die fast jede unvorhergesehene Situation mit Kind entschärfen können. Und mir hat das, gerade in den ersten zwei Jahren mit Kind viel Sicherheit gegeben. Viel relaxter ist es natürlich, wenn man nur mit seinem Kind mit so gut wie keinem Gepäck unterwegs ist. Aber ich habe auch niemals behauptet, ich wäre relaxed.

Was sind Eure kleinen Organisationstipps? Worauf schwört Ihr? Was hat Euch seit der Geburt dabei geholfen, den Überblick zu bewahren? Schreibt es in die Kommentare. Ich kann sicher viel von Euch lernen.

 

 

Advertisements

7 Gedanken zu “„Organisation ist alles“

  1. So wie du es oben schon beschrieben hast:
    Durch gute Planung ist man für das Unberechenbare besser gerüstet.
    Für mich heißt das konkret, dass ich Immer auch einen Plan B zumindest im Kopf habe, der oft nur lautet: Und wenn es jetzt nicht so klappt, dann machen wir es halt anders.
    Mir (und vor allem meinen Nerven) hat das zumindest geholfen. Wenn man sich fest an den Erfolg eines Plans A klammert, dann kommt es im Falle des Nichtgelingens eher zu Ärger, Panik, Verzweiflung. Erst seit ich mir mühsam antrainiert habe, nicht mehr so fest an Plan A zu hängen, bin ich (manchmal) ein bisschen entspannter, auch wenn es nicht so kommt, wie erhofft 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Du hast es doch perfekt beschrieben ! Am wichtigsten ist es sicher, Prioritäten zu setzen und flexibel bleiben, weil Kinder oft den Plan umwerfen können……und die Ruhe bewahren 😉 Bald hilft Deine Kleine Dir dabei und es wird ihr noch Spass machen

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s