Der überzogene Muttermythos …

die Mär von der allzeit perfekten, leistungsbereiten „Schnell-wieder-working-Mum“ sorgt dafür, dass Mütter sich verstellen, ihre Bedürfnisse verleugnen, eine Fassade aufbauen, sich entsolidarisieren.

Da kann man Mütter tausendmal dazu aufrufen, nicht perfekt sein zu wollen.

Wenn man von ihnen wie selbstverständlich das fast Unmögliche verlangt, nämlich mit einem nicht durchschlafenden Kind tagsüber wieder ihre Frau in arbeitsverdichteten Jobs zu stehen, dann ist das verlogen.

Solche Frauen müssen mehr als perfekt sein und weit über ihre körperlichen und seelischen Leistungsgrenzen hinausgehen.

Sie sind verunsichert und spüren nur, wie die gesellschaftlichen Ansprüche an sie seit der Geburt des Kindes ins Unermessliche gewachsen sind.

Sie würden die Ehrlichkeit anderer Mütter benötigen, die kleinen Hinweise, dass diese auch überfordert sind, um sich nicht so allein zu fühlen.

Darauf können sie aber lange warten.

Die ersten Jahre nach der Geburt ist das Zusammensein von Müttern in vielen Fällen davon geprägt, den anderen Müttern vorzuspielen, wie sehr man alles im Griff hat. Nur aus der eigenen Sorge heraus, bloß nicht die Kontrolle über die eigene, sehr schwere Lebenssituation zu verlieren. Oder als unfähige Mutter dazustehen.

Wer, wenn nicht eine andere Mutter, könnte die eigenen Schwächen mit ziemlich genauer Treffsicherheit erkennen?

Diese Entwicklung ist einfach nur traurig und trägt sicher nicht zum Wohl von Müttern und Kindern bei.

 

 

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5 Gedanken zu “Der überzogene Muttermythos …

  1. Gerade in den ersten 2,3 Jahren hat man als Mutter doppelten Leistungsdruck. Nicht nur, dass die Gesellschaft irrsinnige Erwartungen hat, auch, wenn das Kind sich nicht brav in der Norm entwickelt, ist natürlich die Mutter Schuld, weil sie es nicht ordentlich fördert, nicht zum Babyschwimmen, Pekip oder sonstwas schleppt, nicht beim Kinderarzt Physiotherapie verlangt, sondern seinem Kind vertraut, dass es dann die gewünschten Fertigkeiten entwickelt, wie es sie selbst braucht. Ich hab die dauernde Vergleicherei ja live, wobei davon auch nur die Hälfte stimmt und/oder tatsächlich etwas antrainiert wurde, egal wie unsinnig es ist. (Je älter das Kind wird, verschiebt sich der Druck dann zusätzlich noch auf das Kind.)

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      1. Ich habs am WE ja bei der Feier gemerkt. Die häufigste Frage „Läuft sie schon?“, weil die 1 Monat jüngere Cousine läuft ja seit 2 Monaten frei (sieht allerdings sehr antrainiert aus, allein die Körperhaltung und das immer wieder links weg knicken sind schon auffällig).

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