So viel mehr …

Urplötzlich kam ihr die Begegnung von letzter Woche wieder in den Sinn.

Diese warme und herzliche Umarmung.

Völlig unerwartet.

Von einer ehemaligen Kollegin, die sie Jahre nicht gesehen, mit der sie niemals große Berührungspunkte hatte. Sie hatten immer ein freundliches, aber distanziertes Verhältnis gehabt und waren sich  nur ab und an auf dem Flur oder im Büro von anderen Kollegen über den Weg gelaufen.

Als diese Kollegin ihr nun wieder begegnete, hatte sie eben dieser Frau aus Gewohnheit die Hand zur Begrüßung hingestreckt. Und wurde auf einmal herangezogen und herzlich umarmt.

Sie hatte sich kurz gewundert, sich dann aber einfach gefreut.

Jetzt wusste sie endlich, was das war.

Ihr eigener Werdegang war in der Firma ein offenes Geheimnis. Nach dem Kind hatte sie deutliche, für alle erkennbare Abstriche gemacht.

Und diese Frau, die sie so herzlich umarmt hatte, von der hatte sie vor langem ebenfalls gehört, dass die Zeit nach der Geburt nicht leicht für sie war.

 

Neun Monate zurück im Job – Ein nahezu täglicher K(r)ampf

Mein Fazit nach neun Monaten zurück im Job fällt negativ aus.

Ja, an manchen Tagen fühle ich mich wie die taffe Working-Mum aus den Hollywood-Filmen (weiß nicht, was ich da genommen habe 😉 ). Wenn ich mit wehendem Gehrock morgens mein Kind zum Auto bugsiere und das Haar sitzt und alles klappt … ja, wenn …

Ich wünsche mir auch nicht die sinnentleerten Gespräche mit total übernächtigten Müttern auf dem Spielplatz aus der ersten Zeit zurück. Das ist es nicht.

Aber … was nützt es mir, wenn ich wieder regelmäßig zum Friseur gehe, mir ein paar neue Klamotten leisten konnte, ich mal einen Kinofilm gucke, ich eine Putzhilfe habe und im Job einigermaßen geschätzt bin, wenn ich immer kurz davor bin, umzukippen?

Mein Kind hätte sicher auch gern seine nicht-arbeitende-Mutter zurück. Da bin ich mir zu hundertprozent sicher. Da verwette ich alles drauf. Denn es guckt gar nicht so gern fern. Wenn ich, seine Mutter, etwas anderes mit ihm mache, ist es viel glücklicher. Aber dazu fehlt so oft die Kraft.

An meinem letzten, vierten Arbeitstag in der Woche denke ich morgens so oft: Diesen einen Tag schaffst Du noch. Es ist nur noch einer.

Warum schreibe ich hier Klartext?

Weil es ein ehrlicher Blog sein soll und weil es gut tut, die Wahrheit sagen zu dürfen.

Lügen tun die meisten Mütter fast den ganzen Tag.

Und sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Letztens war ich in einem Kreis von Müttern, von denen ich die meisten nicht so gut kannte.

Eine frisch gebackene Mutter sagte diesen einen Satz, der mich aufhorchen ließ, zu ihren Freundinnen:

„Warum sagt einem das keiner alles vorher?“

Ich habe ihr sofort zugestimmt. Gesagt, dass das nicht in Ordnung sei. Und einen sehr dankbaren Blick geerntet.

Sie fragte sich, warum so gut wie keine Freundin zu ihr ehrlich war.

Ich stieg mit ihr gemeinsam in die Diskussion mit den anderen Frauen ein und es kamen sehr unerfreuliche Sätze, die einer Neumutter nur das Gefühl geben können, sie sei eine Versagerin, wenn sie das Gefühl hat, sie kann das alles nicht schaffen.

Was möchte ich Euch hier mit auf den Weg geben?

Arbeitet, wenn Ihr könnt, maximal drei Tage die Woche. Bis zum dritten Tag fühle ich mich meist noch OK.

Arbeitet maximal 15 Stunden die Woche, wenn Ihr könnt.

Macht Eurem Umfeld klar, wenn Ihr Hilfe braucht.

Schraubt die Ansprüche an Euch ein ganzes Stück herunter.

Glaubt diesen einen Satz nur den wenigsten Müttern: „Es tut gut, endlich mal rauszukommen.“

Ja, es tut natürlich gut, endlich mal rauszukommen. Auch mir. Aber der Preis dafür ist hoch, wenn das Kind noch klein ist und auch von seiner Seite mit Null Empathie zu rechnen ist, wenn man völlig übernächtigt und überarbeitet in den Seilen hängt.

Geschrieben unter dem Eindruck eines abklingenden Magen-Darm-Virus, aber deshalb nicht weniger wahr.

Verärgert über den Hausarzt, der eine Mutter mit so etwas erst einmal nur zwei Tage krank schreibt. Dabei könnte er sich doch denken, dass man vorher schon die ein oder andere Nacht für das Kind da war.

Gute Nacht!

Vielleicht ist mein Schwindel ja morgen weg. Bevor ich wieder zum Arzt renne, um ihm zu erklären, dass eine Mutter ein Magen-Darm-Virus mehr als zwei Tage umhauen kann, kann ich dann gleich zur Arbeit gehen. Und so verhalte ich mich mal wieder komplett pflichtbewusst, weil es leichter ist, als einfach mal auf seinen Körper zu hören.

Verrenkungen – Gedanken einer berufstätigen Mutter mit krankem Kind, die zwischendurch auch noch krank wird

  • Wann bekommt ein Kind eigentlich viereckige Augen?
  • Kann ich meine zwar noch rüstige, aber bereits 68jährige Mutter schon wieder einspannen? (Luxusfrage, denn manche Mütter können sich diese Frage nicht stellen!)
  • Warum baden eigentlich die Omas die Probleme der mehrfachbelasteten Mütter aus und machen sie dadurch unsichtbar?
  • Wenn die Omas mal streiken würden, wieviel Kinderkrankheitstage gäbe es wohl dann in der Statistik?
  • Wenn mein Chef doch Kinder hätte, dann könnte er die Dimensionen des Wortes „Magen-Darm-Virus“ besser begreifen.
  • Wie schön wäre es, wenn wir einen Trockner und mehr Bettwäschegarnituren besäßen.
  • Was mache ich, wenn ich jetzt wieder gesund bin, aber mein Kind gerade wieder dünnen Stuhlgang hatte und jetzt ab diesem Zeitpunkt eigentlich wieder 48 Stunden nicht die Kita betreten darf (Sehr sinnvolle Regelung, stellt einen aber trotzdem vor Probleme.)
  • Kann mein Mann sich nicht frei nehmen? Kann er schon, aber er ist der Hauptverdiener.
  • Kann ich schon wieder fehlen? Ich war in diesem Jahr schon ein paar Wochen nicht da, unter anderem, weil ich mein Kind aus einer Kita nehmen musste, in der es offensichtlich vernachlässigt wurde.
  • Sind meine Kolleginnen, die Mütter sind, sauer auf mich, wenn mein Kind krank ist, ich aber keinen Kind-Krank-Tag nehme, sondern meine Mutter einspanne (weil die Symptome meines Kindes schon wieder abgeklungen sind, es aber noch nicht in die Kita darf)? (Ja, sie sind es. Auch wenn sie genau wissen, dass sie es auch tun würden, wenn sie eine Mutter hätten, die einspringen könnte. Dann ersparten sie sich nämlich bei einer der üblichen Krankheiten, deren Verlauf und deren Behandlung sie aus dem Effeff kennen, den Kinderarztbesuch mit langem Warten. Und sie müssten ihr Kind morgens nicht zur Kita bringen, da die Mutter ja kommt, und könnten endlich mal in Ruhe zur Arbeit fahren.)
  • Kann ich mich den Kolleginnen gegenüber trotzdem solidarisch zeigen, indem ich meinem Chef sage, dass ich eigentlich heute nicht da wäre, weil mein Kind krank ist und es nur meiner Mutter zu verdanken ist, dass ich doch zur Arbeit komme?
  • Wieso schreibt mein Hausarzt mich nur so kurz krank? (Ach ja, das hat etwas damit zu tun, was schon das Müttergenesungswerk angemerkt hat. Mütter verlieren das Gefühl für ihren Körper, wenn sie erschöpft sind. Meine Schlussfolgerung: Wenn sie selbst ihren Körper nicht ernst nehmen, wieso soll es dann jemand anderes tun. Oder vielleicht wird anders herum ein Schuh draus: Sie sind es gewohnt, dass ihre Beschwerden ja sowieso Keinen interessieren, weil sie funktionieren müssen, deshalb haben sich sich angewöhnt, ihre Symptome selbst herunterzuspielen.)
  • Wenn ich meine Mutter einspanne während ich zur Arbeit gehe, dann entgeht mir ihre Betreuungszeit, wenn ich nicht arbeiten muss. Also wieder nichts mit ein paar Stunden für mich am nächsen Dienstagnachmittag.
  • Wieso muss man beim ersten Kind-Krank-Tag eigentlich gleich ein Attest vom Kinderarzt vorlegen? Das Herumgefahre, das Warten beim Kinderarzt und die dort kursierenden Krankheiten schwächen Mutter und Kind doch nur noch mehr.
  • Wenn ich keinen Kind-Krank-Tag nehme und kurz darauf selber krank werde, dann könnten die Kollegen wiederum wütend auf mich sein, weil ich ihre Gesundheit gefährdet habe.

 

  • Wieso bringen andere Mütter ihr krankes Kind eigentlich in die Kita, so dass mein Kind krank geworden ist? (Antworten – Siehe u.a. oben!)

 

Nachtrag: Als ich die ersten drei Jahre mit Kind nicht gearbeitet habe, war es ganz einfach als mein Kind krank war: Zum Kinderarzt, wenn ich es für erforderlich hielt oder auch mal nicht, wenn es eine der üblichen Sachen war. Ich war nicht abhängig von Krankschreibungen und zerissen zwischen verschiedensten Pflichten, Abhängigkeiten und Auflagen.

Zitate, die ich nie vergessen möchte – I

„It’s your evolutionary right to tap in to your intuition to enjoy every stage of parenthood. You were made to be a parent!“

Mayim Hoya Bialik (PhD in neuroscience and „Amy Farrah Fowler“ in „The Big Bang Theory“) in „Beyond the Sling“ about Attachment Parenting.

Auf dieses Buch bin ich durch toe vom Blog „Winkelbauer“

( https://winklbauer.wordpress.com/ ) aufmerksam geworden.

Hier sein Beitrag, der sich unter anderem mit dem Buch befasst:

https://winklbauer.wordpress.com/2016/09/04/achtsamer-elternratgeber/

Vielen Dank für diesen wertvollen Buchtipp, toe!

Ich hatte keine Ahnung …

was es heißt, wenn man auf einmal kaum noch schläft.

was es heißt, wenn man auf einmal viel häufiger krank ist und es nicht sein kann/darf.

was es heißt, wenn man auf einmal keinen freien Tag mehr hat, auch nicht am Wochenende oder im Urlaub.

was es heißt, wenn man sich auf einmal in einer Situation befindet, in der man viel mehr als früher um Hilfe bitten muss.

was es heißt, wenn man auf einmal schlagartig weniger Geld und viel mehr Ausgaben hat.

was es heißt, wenn sich auf einmal alle in Dein bisher halbwegs selbst bestimmtes Leben einmischen.

was es heißt, Mutter zu sein.

 

was es heißt, wenn ein kleiner Mensch friedlich auf Deinem Bauch schläft und Dir voll und ganz vertraut.

was es heißt, wenn Du nach Hause kommst und sich jemand begeistert in Deine Arme wirft, weil Du wieder da bist.

was es heißt, die Natur und Kultur neu zu entdecken.

was es heißt, den ersten selbst gepflückten Blumenstrauß Deines Kindes zu bekommen.

was es heißt, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen.

was es heißt, dem für dich wichtigsten Menschen seine Kindheit zu gestalten.

was es heißt, Mutter zu sein.

 

was es heißt, wenn kein Stein in Deinem Leben auf dem anderen bleibt.

was es heißt, Mutter zu sein.

Vor 6 Uhr morgens schafft man eine Menge

… wenn man Schlafstörungen hat.

Ich habe bereits die Toilette geputzt, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Altpapier aussortiert und in der Küche die Ablagen gewischt sowie …

An Tagen, an denen ich morgens vor dem Wecker aufwache, bin ich dem Bild von einer „perfekten Mutter“ näher als sonst.

Das kann mir nun zweierlei zeigen:

  1. Dass ich einfach unfähig bin und der Tag für meine normale Leistungsfähigkeit zu wenig Stunden hat oder
  2. Dass man das Bild einer perfekten Mutter gar nicht erfüllen kann.

Was sollte ich mich fragen?

Bin ich wieder fit oder ist das nur die Burnout-Phase der vermehrten Anstrengung?

Was sollte ich mir immer vor Augen halten?

Warum wir schlafen müssen …