Die Uninformiertheit des Neids

Wenn Menschen neidisch sind, dann ist immer eine gehörige Portion Uninformiertheit im Spiel.

So kann es zum Beispiel einer Teilzeit arbeitenden Mutter passieren, dass manche (nicht alle!) Kollegen, die keine Kinder haben, glauben, sie würde nach Hause gehen, ein Bad nehmen, einen Kaffee trinken, dann ein Buch lesen und anschließend Serien gucken.

Sie wissen nicht, dass beim Verlassen des Büros an vielen Tagen der anstrengendere Teil des Tages beginnt.

Sie wissen nicht, dass sie nachts oft geweckt wird, auch wenn ihr Kind kein Baby mehr ist.

Sie wissen nicht, dass die Mutter morgens sehr früh aufgestanden ist und wenn sie ihren Teilzeit-Job verlässt meist schon einen 9 bis 10 Stunden-Tag hinter sich hat.

Und sie wissen erst Recht nicht, dass eine Mutter ihren Neid wirklich am wenigsten gebrauchen kann.

Sie hat ein Kind zu versorgen.

Sie wissen nicht, dass sie diesem unschuldigen Wesen indirekt schaden.

Eine banale Rechnung

Unter den Voraussetzungen, dass

  • es in Deutschland in den Kitas chronischen Personalmangel gibt und
  • Erzieher sagen, dass sie neben der „Zeit am Kind“ zu wenig „Vorbereitungszeit“ haben

Wo geht die Zeit und Kraft, die Erzieher für immer neue Forderungen der Eltern aufbringen müssen, wohl ab?

Sie geht ab von der Kraft und Zeit, um ein Kind zu trösten, in den Arm zu nehmen, ihm zuzuhören, es zu wickeln …

von der Kraft und Zeit für die wirklich elementaren Dinge.

Darüber sollten sich alle Eltern im Klaren sein.

Wie geht es wohl Erzieherinnen, die selbst Mütter kleiner Kinder sind?

Es gibt sicher viele Erzieherinnen mit kleinen Kindern, die gern wieder berufstätig sind.

Aber es gibt bestimmt auch Erzieherinnen, die aufgrund ihres Berufes in einem besonderen Dilemma stecken.

Für die liebevolle, zugewandte, kreative Betreuung fremder kleiner Kinder bekommen sie Geld, für die liebevolle, zugewandte, kreative Betreuung ihrer eigenen Kinder jedoch nicht.

Anstatt also den Tag über für ihr Kind da zu sein, es in seiner Entwicklung zu begleiten, wird von ihnen erwartet, sich voll und ganz auf das Wohl fremder Kinder zu konzentrieren.

In einem von Personalmangel gekennzeichneten Arbeitsumfeld werden sie vermutlich in der ein oder anderen Region Deutschlands acht bis fünfzehn Kinder gleichzeitig beaufsichtigen müssen (je nach Altersgruppe) und das ihren ganzen Arbeitstag über. Da fällt es schwer, mir vorzustellen, dass sie, wenn sie nach Hause kommen, dort auch noch Kastanienmännchen oder Laternen mit ihren Kindern basteln. Da können sie nur darauf vertrauen, dass die anderen Erzieherinnen, denen sie ihr Kind morgens anvertraut haben, genauso engagiert waren, wie sie selbst.

Hinzu kommt, dass Erzieherinnen in der Regel in Deutschland auch nicht besonders üppig verdienen.

Wie fühlt es sich da wohl an, in einer Kita zu arbeiten, in der die Kinder regelmäßig mit ausgefallenen Ausflügen, Theaterbesuchen, Schwimm- und Sportkursen sowie Sprachunterrichtseinheiten versorgt werden, für die auch Extrazahlungen anfallen? Wenn der Kontrast zwischen den eigenen Möglichkeiten und dem, was man anderen, fremden Kindern den ganzen Tag bietet, sehr groß ist? Aber vielleicht fällt das auch gar nicht ins Gewicht und stellt somit auch kein Problem dar, denn Erzieherinnen kennen Kinder ja berufsbedingt gewöhnlicherweise  besonders gut und wissen somit auch, dass für Kinder am Ende immer der liebevolle Umgang, die Zeit und die Aufmerksamkeit zählen.

Und wie fühlt es sich wohl an, wenn Eltern bei nahezu konstant bleibender Vergütung der Erzieher und immer größeren zu betreuenden Kindergruppen pro Erzieher ein immer höheres Engagement fordern?

Ich kann es mir vorstellen und sage deshalb in unserer Kita immer mal wieder zwischen Tür und Angel „Danke“.

Danke, dass es meinem Kind bei Euch gut geht. Danke, dass Ihr Euch die zusätzliche Mühe macht und einen Theaterausflug organisiert. (Jede Mutter weiß, dass ein solcher Ausflug nur allein mit dem eigenen kleinen Kind auch einen gewissen Kraftaufwand erfordern kann.) Wir freuen uns darüber, würden die Kita aber genauso schätzen, wenn ihr es das ganze nächste Jahr nicht mehr schafft.

Das Leben als Mutter ist „tricky“

Wenn Ihr, so wie ich, Probleme damit habt „Fünfe gerade sein zu lassen“, dann stellt Euch doch mal folgendes Szenario vor:

In zehn Jahren sitzt Ihr mit Müttern, die Ihr schon länger kennt, in großer Runde zusammen und eine fängt an:

„Du bist ja immer zu diesen Kinderkursen gerannt, während ich zuhause auf dem Sofa lag und meinem Kind beim Legospielen zugesehen oder geschlafen habe. Ich hatte nur diesen einen Alibi-Kurs, den sowohl mein Kind als auch ich nicht besonders mochten und da haben wir dann auch öfter mal geschwänzt.“

Eine andere fährt fort: „Bei uns gab es Samstags immer Pizza vom Lieferservice und für Sonntags hat meine Schwiegermutter vorgekocht.“

Eine Dritte ergänzt: „Wenn ich konnte, habe ich mein Kind dreimal im Jahr für eine Woche zur Oma gegeben.“

Eine Vierte erzählt: „Weil ich es morgens sonst nicht geschafft hätte, hat mein Kind morgens im Auto immer ein Brötchen in die Hand gedrückt bekommen. Und die tollen Kuchen für die Kindergartenfeste hat immer meine Mutter gebacken. Mein Kind hat übrigens jeden Tag zwei Stunden fern gesehen. Wie hätte ich das sonst alles schaffen sollen?“

Und Ihr denkt: „Wieso erzählt Ihr mir das erst jetzt?“

 

 

Kann man als Mama in Leichtigkeit leben? Geht!

Mireya von muttermitkind ( https://muttermitkind.wordpress.com/ ) hat einen für mich persönlich sehr interessanten Beitrag darüber geschrieben, wie es ihr gelingt, ihr Mutterdasein mit mehr Leichtigkeit zu leben.

Ein Zitat aus ihrem Beitrag: „Überhaupt tue ich wirklich sehr wenig Dinge, die mir keinen Spaß machen.“

Sie verweist außerdem auf ein einstündiges Gespräch mit dem Verhaltenstherapeuten Jens Corssen, das ich als sehr bereichernd empfinde und jeder Leserin, jedem Leser ans Herz legen möchte. Es befasst sich mit dem gesünderen Umgang mit dem Auf und Ab des Lebens. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken, aber sich in der Langzeitperspektive über die Konsequenzen des Konservierens negativer Gefühle klar zu sein und darum, zu erkennen, was man alles in der Hand hat und was man alles nicht „muss“.

Mutter.Mit.Kind

Leichtigkeit

Sabine von daheimundmehr hat die Frage gestellt, was andere Mütter sich eigentlich für Auszeiten gönnen. Die Freizeit einer Mutter sei knapp bemessen, sagt sie. Nun, die Freizeit einer ganz-alleinerziehenden Mutter ist dann quasi gar nicht vorhanden. Kann man sich da trotzdem was gönnen?

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