Einkaufen mit Kind so um die vier Jahre – Nichts für schwache Nerven

Ich bin stolz auf mich. Ich gehe immer wieder an meine Grenzen und stelle mich der Herausforderung. Ich gehe mit meinem mittlerweile sehr resoluten kleinen Persönchen noch gemeinsam einkaufen.

Gestern war es wieder soweit. Ein Supermarkteinkauf stand an. Kurzes Briefing im Auto: „Wenn es Theater gibt, dann sind wir ganz schnell wieder draußen.“ Eifriges Nicken meines Kindes. Alles Roger.

Am Eingang drängt  mein Kind auf eine Münze. Es hat den Kindereinkaufswagen auserwählt. Ich weiß nicht, was besser ist. Neuerdings surft es ja vorne auf meinem Erwachseneneinkaufswagen mit und macht waghalsige Verrenkungen. Mit dem Kindereinkaufswagen allerdings kann es zu einem kleinen Geschoss in den engen Supermarktgängen werden. Jetzt bloß keine Schwäche zeigen, die Münze freundlich überreicht und meine eifrige Einkaufshilfe legt los: „Mama, brauchst Du Kürbis?“ „Nein Danke, mein Schatz.“

„Ich will die Äpfel einpacken.“ „Aber klar, kannst Du machen. Nur nicht so heftig (in die zarte Supermarkttüte schmeißen, sonst haben wir gleich Apfelmus auf dem Boden, denke ich).“

„Mama, ich will die da.“ „Ach ja, der Pudding mit den Flecken, der schmeckt ja auch wirklich ziemlich gut. Darfst Du haben.“ (Na, jetzt kann ja auch wohl gar nichts mehr schief gehen, denke ich. Ich habe mich ja sehr kooperativ gezeigt.)

Ein paar weitere Produkte verschwinden im Einkaufswagen, dann biegen wir zu den Gefriertruhen ab. Mein Einkauf wird wohlwollend kommentiert, voller Juchzen. Wir bekommen ja auch Besuch und es wandern Weingummis, Kekse und andere Leckereien in den Wagen.

Als wir eigentlich schon an der Gefahrenzone vorbei sind, kreischt es hinter mir „Mamaaaa, ich will ein Würstchen. Ich hatte noch niiiiie ein Würstchen.“ Ach nein. „Du kannst zuhause etwas Essen. Wir haben sogar noch Würstchen im Tiefkühlfach“ (Extra deutlich für die Umstehenden, damit keiner auf die Idee kommt, mein Kind bekäme bei mir nichts zu essen). Kurz darauf fällt irgendwo im Laden etwas herunter. „Ist Dir was runtergefallen?“ „Nein“ „Dann hast Du ja Glück gehabt (nicht so ganz pädagogisch formuliert, das gebe ich zu).“

Aber das war mein Kind nicht, irgendwie ist es verdammt geschickt, was ich dann doch mit einigem Mutterstolz behaupten kann.

Und was mich noch mehr fasziniert: Diese unbeabsichtigte, da unter erhöhtem Stresspegel erfolgte, freche Unterstellung meinerseits, meinem Kind könnte etwas heruntergefallen sein, hat es vollkommen abgelenkt (trotzdem nicht zur Nachahmung empfohlen, da irgendwie nicht politisch korrektes Verhalten).

Hinter mit schallt es nun fröhlich „Ach, weißt Du was Mami, ich brauche gar kein Würstchen.“

Nun bewegen wir uns zielstrebig zur Kasse. Nicht ohne kurz den Ständer mit den PEZ-Behältern zu rammen, natürlich ohne ihn – ist ja mein geschicktes Kind – umzuwerfen.

Es geht zum Band an der Kasse und da übernimmt mein Kind vollends das Kommando. „Mein Schatz, die schweren Sachen zuerst.“ „Neiiiiin, Mama, ich lege alles drauf.“ „Ja, aber der Kuchen…“ „Mama, Du bist aber eine ganz schön freche Nervensäge (in einer Lautstärke … ach, vermutlich hat es keiner gehört).“ Die Kassiererin kichert, der Mann vor mir auch. Ich lasse meinem Kind seine gewählte Reihenfolge der Produkte und murmele so etwas Souveränes wie „Da hat mich wohl jemand voll im Griff“.

„Ich will den Kuchen, ich will den Kuchen.“ Gut, dass die Kassiererin das schon kennt, wir sind anscheinend Supermarktbekannt. Sie tut wie ihr geheißen und zieht den Kuchen weiter hinten vom Band und scannt ihn zuerst, um ihn dann regelrecht in die Arme meines höchst ungeduldigen kleinen Kindes zu werfen.

Mein Kind ist schon weiter, beim Kiosk. Dort gibt es doch die tollen Kinderzeitschriften mit kleinen Kinderhandys, die eigentlich Radios sind, mit so einer tollen Qualität, dass ich überlegt habe, ob ich mir nicht auch so eine Kinderzeitschrift kaufe. Für 4 Euro ein komplettes Radio, wo gibt es denn sowas. Und für mich als mittlerweile für mich halbwegs sparsame Mutter doch genau das Richtige. So als ob ich mal richtig shoppen gehe.

Da spricht mich eine nette Mutter an, die wir aus einem Kurs kennen. „Na, Dein Kind ist ja ganz schön forsch … eben an der Kasse.“

„Jaaaa“

„Mach‘ Dir nichts draus. Meiner ist auch so.“

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht und ich bin wieder ein wenig entspannt.

 

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10 Gedanken zu “Einkaufen mit Kind so um die vier Jahre – Nichts für schwache Nerven

  1. Fantastisch 😂
    Ich habe mich vor kurzem gewundert, wie Möhrensaft und Dosenmandarinen in meinem Einkaufswagen gelandet sind. Leider erst während ich die Sachen verdutzt auf das Kassenband legte und mich dann nicht traute, sie weglegen zu lassen 😊 Beides steht brav im Schrank und jeder Gast wird höflich gefragt, ob er vielleicht ein Gläschen lecker Möhrensaft möchte… Oder ein paar Dosenmandarinen zum Kaffee? 😊

    Gefällt 2 Personen

  2. Sie können noch so lieb kucken und versprechen geben, aber wenn man erstmal drin ist, lassen sie den kleinen Teufel heraus. Ich besteche sie gleich am Anfang mit einer Breze und dann bleiben sie im Einkaufswagen sitzen, dann hab ich ein Zeitfenster von gut 15 Minuten – das reicht, muss reichen! 😉

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