Was andere Mütter schaffen …

ist total

I R R E L E V A N T.

Es geht um Dich.

Um Dich. Als Mutter. Als Mensch. Als Wesen mit Bedürfnissen. Als Wesen mit begrenzten, weil nicht unendlichen Kräften.

Der Irrglaube, ich müsse das alles schaffen, Job und Kind, mit einer halbwegs akzeptierten Stundenzahl, weil das doch so viele schaffen, hat mich ganz weit nach unten gebracht.

Und je länger man seine Bedürfnisse überhört, sich zwingt, einfach weiterzumachen, Schlafstörungen und Gedächtnisprobleme für normal hält, ignoriert, dass man sich in zwei oder drei Wochen Urlaub überhaupt nicht mehr erholen kann, weil der Körper im Alarmmodus ist, desto schwerer wird es, da heraus zu kommen.

Irgendwann tritt die eigene Seele, der eigenen Körper (je nach Typ) für einen auf die Notbremse.

Man darf etwas nicht schaffen. Alle Menschen sind unterschiedlich. Und Mütter sind es auch.

Mütter haben unterschiedliche Gesundheit, finanzielle Ausstattung, familiären Hintergrund, Unterstützung, bisherige Erfahrungen und auch Prägungen.

Wie dumm ist es da, zu glauben, es gäbe einen Standard, den alle Mütter erfüllen könnten.

Das wäre so als wenn ich sage, alle Menschen in einer Gesellschaft müssten das gleiche Leben leben. Das ist doch erfahrungsgemäß auch nicht so.

Es ist egal, ob ich vielleicht eine Mutter kenne, die vier Kinder hat und ein Unternehmen führt.

Ich kenne doch auch die Villen am Rande der Stadt. An denen fahre oder spaziere ich gern vorbei und bewundere die schönen Auffahrten und Gärten und wenn mich mein Mann fragt, ob es mein größter Wunsch wäre, darin zu wohnen, dann sage ich doch auch mit Überzeugung: „Nein, es ist doch viel schöner, es nur zu bewundern. Stell‘ Dir mal vor, mit wieviel Personal man dort hantieren muss, um die Buchsbäume zu formen, die fünfzehn  Zimmer in Schuss zu halten etc. Da hat man sicher auch regelmäßig Ärger und sehr viel Verantwortung.“ Und ich fahre in unsere Mietwohnung zurück und mir fehlt nichts.

Alles hat seinen Preis. Manche können von ihrer Ausstattung höhere Preise zahlen als andere. Manche möchten vielleicht gar nicht so hohe Preise zahlen. All‘ das ist OK. Es ist wie das Leben selbst. Wir müssen als Mütter nicht alle gleich sein.

Wenn der Alltag nur noch zur Qual wird und kaum oder keine Lebensqualität mehr empfunden wird, dann sollte man wirklich umsteuern, so lange man selbst noch entscheiden kann. Es gibt Schrauben, an denen man drehen kann. Man muss sie suchen. Und man darf auch das Umfeld aufrütteln und sich auch unterstützende therapeutische oder anderweitige Hilfe holen und sagen: Ich schaffe das so nicht mehr. Helft mir. Und wenn ihr mir dadurch helft, dass ihr mich nicht noch zusätzlich unter Druck setzt. Jede Familie oder jede kleine Einheit von Menschen kann hier vielleicht ihr eigenes Modell austüfteln, wie man Arbeit generell reduziert und/oder sich besser gegenseitig unterstützt.

Es ist ein anderes Leben als das einer total übermüdeten, an sich zweifelnden Mutter möglich. Ja, das Leben kann sogar schön sein, wenn man akzeptiert, dass man so ist wie man ist und dass das ausreichend ist.

Nachtrag: Ich schreibe diesen Beitrag für Mütter, die, wie ich, sehr viel vergleichen. Die ihr Handeln als Mutter an dem ausrichten, was (eventuell auch angeblich) von ihnen erwartet wird. Das macht einen nur unglücklich. Und wenn man dann noch unter starkem, jahrelangen Schlafmangel leidet, verschlimmert das die ganze Sache. Schlaf ist elementar. Es sollte ein Alarmsignal sein, wenn der Körper nicht mehr ausreichend zur Ruhe kommen kann.

Nachtrag II: Dieser Beitrag richtet sich natürlich genauso an Väter, die ähnlich fühlen und sich in ähnlichen Situationen befinden.

 

 

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9 Gedanken zu “Was andere Mütter schaffen …

  1. Hallo marasgedanken du schreibst immer so schöne Texte. So realitätsnah 🙂 ich vergleiche auch mal mehr mal weniger. Du hast recht man muss seinen eigenen „Trott“ finden sonst lebt man nur ein fremdes Leben ohne Selbstbestimmung; -) LG Mission Mom

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  2. Hi, ich lese sooo gerne von Dir. Denn immer ist auch etwas für mich darin. Dabei dachte ich einmal, ich hätte meinen Weg gefunden – mit drei Kindern, seit fast 9 Jahren als Mama mit Beruf und überhaupt, weiß ich doch inzwischen schon so viel. Und dennoch weiß ich manchmal auch nur ganz wenig. Immer mal wieder. Wenn ich hier so Deine Gedanken lesen, dann wird mir klar, wie oft ich über mich als Mama noch so nachdenke, wie oft ich mich frage, ob ich das noch so will wie wir uns den Alltag eingerichtet haben und wie viel ich gerade so schaffen kann/mag.

    Denn wer man sein will und kann, verändert sich mit den Jahren als Mama auch. Bei uns kam eine entscheidende Wende im letzten Jahr. Mein Mann wurde schwerer krank und ich habe einige Monate den Alltagskram überwiegend alleine bewältigen müssen. Hinzu kam die Sorge um ihn und mir wurde auf einmal ganz vieles so unwichtig. Dann ging es dem Mäusepapa wieder gut und wir steckten wieder mittendrin im Alltag. Aber ich wollte das gar nicht mehr, ich konnte manchmal dieses Tempo, dass wir lebten, nicht halten und ich redete plötzlich auch viel darüber, was ich anders machen wollte. Das klingt vielleicht traurig, ist es aber gar nicht. Denn ich wollte etwas ändern und dachte mehr darüber nach, was wir als Familie wollten. Dafür habe ich mir auch die Hilfe eines Coachs gesucht.
    In diesem Denkprozess stecke ich noch mittendrin, aber ich bin auf dem Weg, ich habe ein Ziel. 🙂 Lieben Gruß, Martamam

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    1. Liebe Martamam, ich fand Deine Beiträge in Bezug auf das Coaching auch sehr interessant, wie eigentlich alles, was Du schreibst. Es ist doch klasse, dass Du auf dem Weg bist … in einen Alltag, der Dich vielleicht ein wenig glücklicher macht. Ich baue auch gerade hier und da um, wir haben keine Kinderkurse mehr, sondern ab und zu nette Verabredungen und viel mehr Zeit. Ich habe allen um uns herum klar gemacht, dass ich kaputt bin und es kommt mehr Hilfe ohne dass ich darum bitten muss (wird einfach mal angeboten) und ich habe in den letzten Wochen wirklich immer mal Zeit für mich gehabt und das tut sooo gut. Ich habe die Ansprüche an uns von unserem Umfeld in den letzten Jahren systematisch zurückgeschraubt. Keiner ist mehr sauer, wenn nur der Anrufbeantworte läuft und ich mich erst Tage später zurückmelde, wenn nichts Wichtiges war. Manchmal muss man einfach nur oft genug artikulieren, was man braucht und wie die Situation ist und irgendwann, ganz langsam, kommen die Dinge bei anderen an. Und liebe Martamam, wenn ich bei Dir lese, dann habe ich das Gefühl, dass Du perfekt im Organisieren bist. Dann schaffst Du es auch bald, für Dich ein wenig mehr Freiraum oder auch Hilfe zu organisieren. Da bin ich mir sicher!

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