„Irgendwas ist immer!“

So könnte die Überschrift über mein Leben lauten seit ich ein Kind habe.

Ja, irgendwas ist immer. Nahezu jeden Tag. Und fast jeden Tag etwas Neues.

Und das „Irgendwas“ hat in den meisten Fällen nur mittelbar etwas mit meinem Kind zu tun. Ich mache für ganz viele „Irgendwas“ unsere heutige Infrastruktur und die Ansprüche und Übertreibungen rund um unsere Kinder herum verantwortlich. Nicht, dass man nicht das Beste für sein Kind will, aber es beschleicht einen trotzdem das Gefühl, dass heute einfach mal von Allem alles gemacht wird und man als Mutter das rastlose Wesen ist, dass das „Alles von allem“ ermöglichen soll.

Natürlich gab es auch in meinem Leben als Kinderlose Veränderungen, sei es Veränderungen in Beziehungen oder im Job etc., aber solche eher in Abständen von Jahren oder vielen Monaten.

Nun sehe ich mich alle paar Tage mit neuen Dingen konfrontiert.

Und ich verrate Euch etwas: Ich kann das überhaupt nicht leiden.

Ich bin eher der konservative Typ. Veränderungen machen mir Angst.

Nun verlaufen alle Tage so wenig vorhersagbar. Ich kann perfekt planen und mich selbst übertreffen und alles kommt anders. Vielleicht sollte ich mich Veränderungsmanagerin nennen, die mit einer erstaunlichen Gelassenheit kurzfristig Termine absagt und verschiebt und Neue macht (und dabei innerlich kocht 😉 ).

An dieses „Irgendwas ist immer“ will ich mich irgendwie nicht gewöhnen. Es macht mich regelrecht verrückt. Man geht ganz fröhlich morgens zur Kita, weil heute mal alles reibungslos lief, gibt sein Kind ab und beim Verlassen der Kita liest man nochmal schnell den Zettel an der Tür: „Wir haben Läuse“. Oh ja, da ist ein Adrenalinschub vorprogrammiert. Es kann ja niemand etwas dafür und diese Tiere sind ja auch wirklich harmlos (und ich finde es gut, wenn man informiert wird), aber ich kenne mehrere Mütter, die wegen dieser harmlosen kleinen Tiere heulend vor ihrer Waschmaschine gestanden haben, während diese in Dauerschleife wusch.

Nun kann man sich fragen, wieso ich hier Läuse als Beispiel aufführe. Da kann doch wirklich niemand etwas für. Stimmt. Aber dafür, dass Mütter kleiner Kinder heute so schnell und so viel wie möglich wieder arbeiten und dann solche Dinge wie z.B. kleine „Läusekatastrophen“ mal eben nebenbei wuppen sollen. Meine Mutter hatte für die Behebung solcher und vieler anderer Probleme früher wenigstens noch Zeit. Und viele meiner heutigen Probleme hat sie gar nicht gekannt. Da wurden wir Kinder noch nicht rund um die Uhr gefördert, gesellschaftstauglich gemacht und durchgescannt.

Wenn ich, als gebranntes Kind in Bezug auf Läuse, so einen Zettel an der Kita lese, dann wird sofort der Tagesplan umgeworfen. Dann geht es nach der Arbeit in den Supermarkt, um mich mit Pflegespülung einzudecken. Eine Kinderzeitschrift für mein Kind wird gleich miterstanden, als Belohung für die Auskämmprozedur. Dann wird akribisch nach den kleinen Tierchen gekämmt und, wenn nichts gefunden wurde, anschließend mit Weidenrindenshampoo gewaschen. Und mein Kind und ich werden am nächsten Morgen mit ein paar Tropfen verdünntem Teebaumöl in den Haaren präpariert. Ob das hilft, weiß ich nicht, aber ich will nicht immer hilflos sein, wenn es heißt „Irgendwas ist immer.“

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7 Gedanken zu “„Irgendwas ist immer!“

  1. Ich war noch nie so flexibel und spontan wie ich es bin, seit ich Kinder habe. In der Hinsicht habe ich mich schon etwas verändert, ja, verändern müssen. Läusealarm ist für mich auch immer schlimm. Am schlimmsten, als ich vor einem Jahr gar nicht mehr konnte, meine körperlichen Symptome des Burnouts schon so stark waren und ich dann noch den Zettel sah und sämtliche Klamotten meiner Kinder in Tüten in die Hand gedrückt bekam. In meiner damaligen Verfassung ein Supergau. Irgendwas ist tatsächlich immer!

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  2. Das ist ja interessant, wie verschieden die Leute sind… Wenn ich den Läusezettel sehe, schaue ich, ob das Kind sich häufiger kratzt. Sonst mache ich erstmal gar nix. Sollten wirklich Läuse da sein, kann man ja immer noch rödeln. Aber ich bin auch als Mutter eher fauler geworden als Reaktion auf die veränderten Anforderungen. Vor Kind: überall im Leben vorausplanend, organisiert, verlässlich, hoch strukturiert, jede Minute verpant. Mit Kind bin ich das alles nur noch auf der Arbeit, privat erlaube ich mir inzwischen gerne, wenig zu planen, aber viel zu vergessen, wenig zu vereinbaren und lieber mehr Langeweile zu haben als zu viel vorzuhaben.
    Wie gesagt, die Menschen sind sehr verschieden…
    Mal ne ganz doofe Frage: Willst du eigentlich noch mehr Kinder? Bin nicht böse, wenn dir das zu privat ist, also sieh dich nicht genötigt, das zu kommentieren.

    Gefällt 1 Person

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