Wenn Du wieder …

Wenn Du wieder gehst anstatt zu hetzen.

Wenn Du wieder zuhörst anstatt zu vergessen.

Wenn Du wieder findest anstatt zu verlegen.

Wenn Du wieder betrachtest anstatt leer zu starren.

Wenn Du wieder pflegst anstatt zu versorgen.

Wenn Du wieder schläfst anstatt zu wachen.

Wenn Du wieder fühlst anstatt zu funktionieren

Wenn Du wieder lachst anstatt zu weinen.

 

„Was machst Du an Deinem freien Tag, Teilzeitmutti?“

Immer wenn ich Beiträge zum Thema „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ nach der Idee von Frau Brüllen

http://bruellen.blogspot.de/2017/03/wmdedgt-0317.html

las, kam mir persönlich folgende Frage in den Sinn:

„Was machst Du an Deinem freien Tag, Teilzeitmutti?“

Diese Frage möchte ich gern einmal für einen exemplarischen freien Tag von mir beantworten und damit insbesondere zeigen, dass ich nicht bis 12 Uhr ausschlafe, dann ein ausgiebiges Bad nehme, zum Brunchen in die Stadt fahre und nachmittags ins Spa gehe, um mich dann abends mit einer Freundin zum Abendessen und zum Kino zu treffen.

Mein freier Tag heute sah z.B. so aus:

Morgens um 6 Uhr aufstehen, wie immer in der Woche. Nach einer Dreiviertelstunde für mich (ohne die geht gar nichts … in der ich aber schon mal einen Korb Wäsche gefaltet, diese in die Schränke geräumt und die Spülmaschine ausgeräumt habe), weckte ich mein Kind, machte ihm Frühstück und bereitete es für die Kita vor.  Eigentlich war ich auch schon einmal um 5 Uhr wach. Da musst mein Kind nämlich auf die Toilette und wollte sich danach noch mit mir unterhalten. Um 8:05 Uhr fuhren wir los zur Kita, nachdem ich noch die Schuhe meines Kindes und den Boden mit Feuchttüchern gereinigt hatte. Die Zahnpasta hatte nämlich mal wieder Klümpchen und musste deshalb auf den Boden gespuckt werden.

Als ich mein Kind in der Kita abgegeben hatte, fuhr ich zur Reinigung. Anschließend lief ich durchs Einkaufszentrum, auf der Suche nach einem Geschenk. Bei der Gelegenheit besorgte ich dann auch noch einige Dinge im Drogeriemarkt. Dann gönnte ich mir beim Bäcker ein Eibrötchen und genoss für eine Weile, ganz für mich zu sein und die Passanten betrachten zu können.

Kurze Zeit später fuhr ich zum Friseur, um mir Augenbrauen und Wimpern färben zu lassen. (Wenn ich schon fertig bin, muss ich nicht unbedingt so eindeutig danach aussehen 😉 )

Zuhause räumte ich noch ein wenig die Hinterlassenschaften des Morgens auf und packte das Geschenk ein.

Dann habe ich telefonisch einen Zahnarzttermin für mein Kind gemacht. Anschließend habe ich eine Freundin angerufen (auch Teilzeitmutti) und ihr für zwanzig Minuten mal aufmerksam zugehört. Dafür muss auch mal Zeit sein und das geht nun einmal nicht so gut, wenn unser beider Kinder zuhause sind.

Ich habe einige Fenster geputzt und das Zimmer meines Kindes aufgeräumt und gereinigt (mit zeitaufwendigem Sortieren bzw. Auseinanderdividieren von Legosteinen, Perlen, Playmobilteilen, Haarspangen und Pixiebüchern). Dann habe ich das Kinderzimmer, den Flur und das Wohnzimmer gestaubsaugt.

Nebenbei lief eine Waschmaschine mit den Schuhen meines Kindes.

Um 14:00 Uhr habe ich mein Kind von der Kita abgeholt. Dann habe ich mit ihm zusammen im Supermarkt eingekauft, da am Wochenende lieber Besuch kommt.

Zuhause angekommen habe ich angefangen, das Essen für unseren Besuch am folgenden Tag vorzukochen. Anschließend ging es für zwei Stunden auf den Spielplatz, damit mein Kind noch etwas frische Luft abbekommt.

Und ich gestehe, dass ich heute am morgen auch noch eine halbe Stunde vor dem Fernseher gesessen habe, währenddessen räumte ich meine Handtasche auf, sortierte Papiere und aktualisierte meine To-Do-Liste.

Ich habe mein Kind heute besonders hoch durch die Gegend geschaukelt und ihm einen Kühler für seine Hand gebracht. Ich habe ihm geholfen, langsam immer weiter Fahrradfahren zu lernen und seinen dringenden Wunsch nach einer Capri-Son** erfüllt. Außerdem habe ich mit ihm ausgiebig diskutiert, wie es sich wohl fühlen würde, wenn jemand zu ihm als Mädchen sagt, es wäre ein Junge. Und ob es sinnvoll ist, alles zu tun, was die Freunde sagen. Es hat das alles ganz gut verstanden. Einen aufbrandenden Wutanfall habe ich heute ebenfalls souverän pariert. Wie so oft an meinen freien Tagen. Das Großziehen eines wunderbaren kleinen Menschen erfordert Kraft und ich bin besonders glücklich, wenn an meinen freien Tagen mehr davon da ist.

Bitterer Vergleich

Wenn ich mein Jetzt und mein Früher vergleiche, dann fällt das aus meiner Sicht mehr als unbefriedigend aus.

Früher hatte ich eine gute Figur, jetzt bin ich viele Kilos schwerer.

Früher habe ich einen guten Job gehabt, jetzt arbeite ich in einer Funktion, für die man kein Studium bräuchte.

Früher habe ich mein Geld großzügig für neue Kleider, Schuhe, Geschenke, Einladungen etc. ausgegeben, heute muss ich mir jede solche Ausgabe genau überlegen und verzichte dann meist darauf.

Früher war ich einigermaßen informiert und kulturell interessiert, heute fehlt  mir oft die Zeit und Kraft dazu.

Wenn ich mich jetzt nach langer Zeit wieder treffen würde, dann würde ich nach dem Treffen über mich selbst denken „Mann, die ist ja ganz schön fertig“. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern als ganz normale Feststellung.

Und ich frage mich manchmal, warum das Leben diesen Weg für mich vorgesehen hat. Und vergesse dabei, dass ich eben auch viel hatte, was andere Menschen nicht haben bzw. niemals hatten.

Vielleicht muss ich dankbar sein, für das, was ich mal hatte.

Wieso sollten mir Dinge zustehen, die andere Menschen auf der Welt in ihrem Leben auch niemals hatten oder haben werden.

Und war das, was ich mal hatte, eigentlich so wichtig?

Man schaut oft nur aus seinen Augen, mit der eigenen Vergangenheit im Kopf.

Und selbst aus diesen Augen heraus geschaut müsste mir etwas auffallen:

Mein Blick ist auch weiter geworden. Durch mein Kind, einen sehr großen Schatz, der mich allein durch seine Existenz zur Veränderung gezwungen hat. Durch die Schwierigkeiten, die sich durch die neue Lebenssituation und auch durch andere Faktoren in den letzten Jahren für mich aufgetan haben.

Jetzt erfahre ich die so große Liebe eines kleinen Menschen, der das Wichtigste für mich ist, und das Gefühl, Geborgenheit geben zu können.

Vielleicht würde ich mich als Außenstehender heute sympathischer finden als früher, empathischer.

Wenn man sich selbst beurteilt, dann darf man auch das Positive sehen und man darf sich sagen: In Anbetracht der Schwierigkeiten, die ich in den letzten Jahren hatte, bin ich für mich,  für mich ganz persönlich, für mein kleines Leben, doch ein Stück weiter gekommen. Es geht ganz leicht bergauf und ich bin stolz, dass ich es wieder schaffe, mich aufzurappeln. Ich bin für jeden kleinen Fortschritt dankbar.

Auch wenn es kaum ein anderer um mich herum sieht.

Ich sehe es.

Ich passe meine Maßstäbe der Realität an und nicht der Illusion.

Ich brauche diese Fähigkeit und ich wünsche sie meinem Kind für sein Leben.

 

Kindermund – I

Mein kleiner Schatz und ich fahren im Auto zur Kita.

Mein Kind ruft aufgeregt: „Mama, da war ein Vogel auf der Straße.“

„Ja, das kann passieren. Aber die fliegen immer rechtzeitig weg … obwohl … nun ja, manch ein Vogel schafft es vielleicht auch mal nicht …“

„Mama, kommt dann der Krankenwagen?“

Berechtigte Frage, denke ich … und bin sprachlos.

Was passiert, wenn man als Mutter seine Arbeitszeit reduziert, weil man einfach nicht mehr kann?

Die Arbeitszeit wird freundlicherweise reduziert (wofür ich auch sehr dankbar war), das Geld selbstredend auch.

Die Aufgaben bleiben die Gleichen und es kommen stetig noch welche hinzu.

Aber soll man den Mund aufmachen und sagen, dass das faktisch nicht möglich ist, weil man eben auch nur ein ganz normaler Arbeitnehmer ist?

Man muss doch schon so dankbar sein, dass es überhaupt akzeptiert wurde, dass man die Arbeitszeit reduziert. Und vermutlich ist man jetzt auf einmal schlagartig wie neu geboren, weil man ja kaum arbeitet und da kann man in den wenigen Stunden ja auch mal richtig was tun. (Achtung Ironie!)

Und wenn man das erhöhte Pensum bei verringerter Arbeitszeit nicht schafft, darf man sich von einem missgünstigen Kollegen ohne Kinder anhören, dass man mal seine Arbeitszeit nicht hätte reduzieren sollen, dann würde man seine Arbeit schon schaffen.

Ich werde weiter dafür kämpfen, dass ich als Mutter für gute Arbeit (wenn auch nur bei begrenzter Arbeitszeit) einen angemessenen Lohn bekomme und nicht mit anderen Maßstäben als andere gemessen werde.

 

 

 

Vereinbarkeit in Frankreich – Sylvi von https://momsfavoritesandmore.com/ hat eine spannende Reportage gefunden

Ihr Lieben, ich möchte euch eine Reportage ans Herz legen, die ich gerade gefunden haben. Über das französische Erfolgsmodell der arbeitenden Mutter, die schon wenige Monate nach der Geburt wieder anfängt zu arbeiten. Tenor der Reportage: Das Modell sei in der Krise, da immer mehr Französinnen eine bedürfnisorientierteren Ansatz wünschen würden. Absolut sehenswert und eine […]

über Netzfund: Supermutter und Karrierefrau —

Alles hat auch eine Kehrseite

Wie habe ich mich gefreut, dass ich meine Arbeitszeit reduzieren konnte. Und es ist wirklich eine Erleichterung, auch wenn ich in letzter Zeit regelmäßig an vielen meiner neu gewonnenen freien Tage beim Kinderarzt saß. Irgendwas ist immer, aber das „irgendwas“ ist viel leichter zu nehmen, wenn man an dem Tag keine weiteren Verpflichtungen hat.

Was schwerer zu ertragen ist, ist der Umgang mancher Kollegen mit der Reduzierung der Arbeitszeit. Manche Leute, die keine Kinder haben, denken anscheinend wirklich, dass ich mich nun im Dauerurlaub befinde. Da komischerweise nur meine Arbeitszeit nach unten angepasst wurde, aber meine Aufgaben nicht (Achtung: Ironie!), kommt es jetzt natürlich dazu, dass ich nicht jede Aufgabe gleich erledigen kann und ich trotz zügigen Arbeitstempos Mails ein paar Tage oder eine Woche später beantworte. Deshalb muss ich mir jetzt von einer besonders ignoranten Person anhören: „Hätten Sie Ihre Arbeitszeit mal nicht reduziert.“

Ich weiß, dass ich mir da ein dickeres Fell anschaffen muss, aber ich finde es traurig, dass es so wenig Verständnis für die Situation von Familien gibt.

Eine Sache ist aber klasse. Wenn ich dort sitze und mir wieder irgendeine Frechheit anhören muss, dann denke ich „Nur noch ein paar Stunden diese Woche und dann bist Du frei!“ 🙂 (was man so als Mutter frei nennt 😉 )