Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – II (Chronischer Schlafmangel)

Vor dem Muttersein habe ich zwar am Rande vom chronischen Schlafmangel mancher Mutter gehört, aber immer gedacht, dass man dann eben ein Mittagsschläfchen mehr zum Ausgleich macht.

Schlafmangel war nichts, wovor ich während der Schwangerschaft Angst hatte. Weshalb? Weil ich eben noch niemals solch extremen Schlafmangel in meinem Leben hatte. Wie soll man vor etwas Angst haben, das man in seinem vollen Ausmaß noch nicht kennt.

Mittlerweile kann ich sagen, dass das, was ich nicht kannte und vor dem ich keine Angst hatte und mich deshalb auch nicht ausreichend schützte, mich in den letzten Jahren komplett in die Knie gezwungen hat. Ich war auch eine der Mütter, die das Mittagsschläfchen des Babies dann doch lieber zum Aufräumen etc. genutzt und die monatelang Tag und Nacht Milch abgepumpt hat (Letzteres würde ich einer guten Freundin maximal für zwei Monate empfehlen, um sich nicht jeglicher Kraft zu berauben. Es sei denn, es sprechen handfeste medizinische Gründe für einen längeren Zeitraum.).

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann habe ich morgens um 6 Uhr schon eineinhalb Tafeln Schokolade gegessen, um den Tag zu überstehen.

Anstatt mein Umfeld zu bitten, auf mein Kind aufzupassen, weil der Schlafmangel mich fertig macht, habe ich gedacht, dass ich das alles allein schaffen muss.

Ich habe immer weiter gemacht und es hat mich immer tiefer sinken lassen. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, dass ich nicht einmal mehr weiß, wie ich heiße. Ich vergaß immer mehr, erkannte auf einmal Personen nicht, ließ regelmäßig Geschirr auf den Boden fallen, verlor Schlüssel, vertauschte Worte.

Heute weiß ich, dass der chronische Schlafmangel einer der größten Feinde einer Mutter ist. Und eine Mutter ist unverzichtbar für ihr Kind. Es ist ein großer Fehler, zu glauben, man könne über mehrere Jahre mit extrem wenig Schlaf auskommen ohne dass das eigene Leben langsam erodiert.

Komischerweise haben mich ein paar Frauen, die schon Kinder hatten, gleich nach der Geburt des Babies mehr oder weniger deutlich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe aber damals gedacht, ich müsse nicht auf sie hören. Sie hätten eben bedauerlicherweise ein Problem gehabt. Ich würde das schon schaffen. Was für eine Naivität. Erst ein bis zwei Jahre später habe ich begriffen, dass sie Recht hatten und dass mir genau das passiert war, was sie beschrieben haben. Aber da hatte ich schon massive Schlafstörungen.

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10 Gedanken zu “Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – II (Chronischer Schlafmangel)

  1. Bei manchen Dingen bin ich auch froh, dass ich in meine Schwangerschaft in diesem „naiven Leichtsinn“ genossen habe. Hätte ich vorher gewusst, wie schlimm Schlafmangel wirklich sein kann, hätte ich das alles nicht genießen können. Und das abgeben eines Kindes ist auch nicht so leicht, wenn man dann noch eins hat, dass sich durch andere Bezugspersonen nicht beruhigen lässt. Dazu noch, dass das Kind maximal 1,5 Stunden über den Tag verteilt geschlafen hat… Ich bin sehr froh, dass diese Zeiten vorbei sind und ehrlich gesagt, hat mich das bei der manchmal doch aufgekommenen Frage nach einem zweiten Kind, sehr stark darin beeinflusst, kein weiteres mehr haben zu wollen. Es hätte alles anders werden können, aber dafür hat man keine Garantie.

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    1. Oh ja, das klingt sehr heftig. Bei mir ist auch der drastischer Schlafmangel der Grund, dass ich niemals auf die Idee gekommen bin noch ein zweites Kind zu bekommen. Ich hätte das nicht ein zweites Mal geschafft, da bin ich sicher.

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      1. Vielleicht hätten wir beim zweiten Kind auch mehr Glück gehabt, aber wer weiß das schon?!
        Ich kann Schlafen jetzt auf jeden Fall sehr genießen und wertschätzen… Dafür musste ich scheinbar durch diese „harte Schule“. Kaum mehr vorstellbar, dass es mal Zeiten gab, in denen ich freiwillig mit vier Stunden Schlaf auskam , um einigermaßen über den Tag zu kommen😂

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  2. Es ist auch das Schlimmste, was ich hinter mir habe. Vor allem mein erstes Knd war in der Hinsicht die Hölle. Schlief übrigens erst mit 16 Monaten mal 3-4 Stunden am Stück – hin und wieder. Sonst nur 1-2 Stunden, tagsüber kaum. Ich war schon nach einigen Monaten dem Freitod sehr nahe damals. Kein Witz.

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