Bitterer Vergleich

Wenn ich mein Jetzt und mein Früher vergleiche, dann fällt das aus meiner Sicht mehr als unbefriedigend aus.

Früher hatte ich eine gute Figur, jetzt bin ich viele Kilos schwerer.

Früher habe ich einen guten Job gehabt, jetzt arbeite ich in einer Funktion, für die man kein Studium bräuchte.

Früher habe ich mein Geld großzügig für neue Kleider, Schuhe, Geschenke, Einladungen etc. ausgegeben, heute muss ich mir jede solche Ausgabe genau überlegen und verzichte dann meist darauf.

Früher war ich einigermaßen informiert und kulturell interessiert, heute fehlt  mir oft die Zeit und Kraft dazu.

Wenn ich mich jetzt nach langer Zeit wieder treffen würde, dann würde ich nach dem Treffen über mich selbst denken „Mann, die ist ja ganz schön fertig“. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern als ganz normale Feststellung.

Und ich frage mich manchmal, warum das Leben diesen Weg für mich vorgesehen hat. Und vergesse dabei, dass ich eben auch viel hatte, was andere Menschen nicht haben bzw. niemals hatten.

Vielleicht muss ich dankbar sein, für das, was ich mal hatte.

Wieso sollten mir Dinge zustehen, die andere Menschen auf der Welt in ihrem Leben auch niemals hatten oder haben werden.

Und war das, was ich mal hatte, eigentlich so wichtig?

Man schaut oft nur aus seinen Augen, mit der eigenen Vergangenheit im Kopf.

Und selbst aus diesen Augen heraus geschaut müsste mir etwas auffallen:

Mein Blick ist auch weiter geworden. Durch mein Kind, einen sehr großen Schatz, der mich allein durch seine Existenz zur Veränderung gezwungen hat. Durch die Schwierigkeiten, die sich durch die neue Lebenssituation und auch durch andere Faktoren in den letzten Jahren für mich aufgetan haben.

Jetzt erfahre ich die so große Liebe eines kleinen Menschen, der das Wichtigste für mich ist, und das Gefühl, Geborgenheit geben zu können.

Vielleicht würde ich mich als Außenstehender heute sympathischer finden als früher, empathischer.

Wenn man sich selbst beurteilt, dann darf man auch das Positive sehen und man darf sich sagen: In Anbetracht der Schwierigkeiten, die ich in den letzten Jahren hatte, bin ich für mich,  für mich ganz persönlich, für mein kleines Leben, doch ein Stück weiter gekommen. Es geht ganz leicht bergauf und ich bin stolz, dass ich es wieder schaffe, mich aufzurappeln. Ich bin für jeden kleinen Fortschritt dankbar.

Auch wenn es kaum ein anderer um mich herum sieht.

Ich sehe es.

Ich passe meine Maßstäbe der Realität an und nicht der Illusion.

Ich brauche diese Fähigkeit und ich wünsche sie meinem Kind für sein Leben.

 

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7 Gedanken zu “Bitterer Vergleich

  1. Eine gelungene Selbstanalyse, zumindest im zweiten Teil…
    Der Titel ist etwas unglücklich gewählt, sollte eher heißen: die Dinge des Lebens bringen mich weiter voran, es ist wundervoll, Leben zu schenken und zu erhalten…
    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, Lu, der Titel schien mir auch nicht passend. Er spiegelt aber das, wo ich gedanklich herkomme und was ich hinter mir lassen muss. Der Leser soll sich ruhig daran st0ssen und wie ich denken „Fällt der Vergleich nicht eigentlich sehr gut aus, wenn man nun mehr liebt und geliebt wird?“

      Gefällt 1 Person

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