„Risiken und Nebenwirkungen der Arbeitszeitverkürzung einer Mutter“ bzw. „Der Mythos der Vereinbarkeit“

Ich habe meine Arbeitszeit reduziert und arbeite jetzt unter zwanzig Stunden und drei Tage die Woche.

Ich habe mich dafür entschieden, eine Position zu bekleiden, für die ich mein Studium nicht gebraucht hätte.

Ich habe mich dafür entschieden, weniger Verantwortung zu tragen und deutlich weniger zu verdienen als früher.

Das habe ich nicht aus Spaß gemacht oder weil wir finanziell so gut ausgestattet sind.

Das ist aus der puren Not heraus geschehen.

Der Ausblick, vor Erschöpfung möglicherweise komplett aus dem Arbeitsprozess zu fallen und auch das Gefühl, nicht mehr zu leben, sondern gelebt zu werden, die Angst, dass der Mythos der Vereinbarkeit meine Familie zerstört, haben mich dazu getrieben.

Jetzt muss ich mit den Konsequenzen leben.

Meine Arbeitszeiten sind in Deutschland immer noch ungewöhnlich. Es gibt so gut wie keine Zwei-, Drei-Tage-Voll- oder -Teilzeit-Jobs für Mütter.

Deshalb bin ich meinem Arbeitgeber auch zu großem Dank verpflichtet.

Er weiß, dass ich so eine Konstruktion so gut wie nirgendwo anders finde.

Ich muss dankbar sein und deshalb muss ich jetzt weiter die Arbeit von über zwanzig Stunden in unter zwanzig Stunden schaffen.

Es muss sich ja lohnen, dass ich da bin.

Und so wird dafür gesorgt, dass ich keine Sekunde Verschnaufpause habe.

Wenn mein Vorgesetzter gerade nichts für mich hat, dann verleiht er mich an andere Abteilungen.

Wenn ich gerade versuche, einen guten Job für diese anderen Abteilungen zu machen, dann wird mein Vorgesetzter immer missgelaunter, weil ich ja gerade nicht für ihn zur Verfügung stehe.

Wenn es Platzprobleme in der Firma gibt, dann werde ich eben dorthin gesetzt, wo kein anderer sitzen möchte.

Jeder um mich herum denkt: „Wenn die nur so wenige Stunden da ist und sonst nur Freizeit hat, dann kann sie in den paar Stunden mal ordentlich etwas tun“.

Ich tue gern etwas.

Das ist kein Problem.

Mein Problem ist es, dass meine Gesamtsituation mit kleinem Kind nicht gesehen wird.

Ich habe sehr oft eine Nacht mit Unterbrechungen hinter mir, weil das nun einmal mit kleinen Kindern so ist. Und wenn mein Kind dann eingeschlafen ist, habe ich oft lange selbst nicht in den Schlaf gefunden.

Ich habe keine Zeit, ein warmes Mittagessen in der Kantine zu mir zu nehmen.

Ich habe keine Wochenenden und Urlaub, zumindest nicht im erholsamen Sinne.

Wenn ich nicht in der Firma war, weil mein Kind krank ist (das kommt seit der Arbeitszeitreduzierung übrigens sehr selten vor), dann glaubt man, ich hätte einen ruhigen Tag gehabt.

Wenn ich schnell zur Kita hetzen muss, weil man dort eben pünktlich sein muss, wird das intuitiv als fehlendes Engagement ausgelegt. Ich würde sogar gern mal ein paar Stunden in der Kita dazukaufen, so wie es das Angebot der Kita vorsieht. Ich weiß aber, dass die Erzieher überlastet sind und dass ich ihnen damit nur schaden würde. Da sie mein Kind sehr liebevoll betreuen, möchte ich gerne Rücksicht auf sie nehmen.

Kurz gefasst:

Die Risiken und Nebenwirkungen meiner Arbeitszeitreduzierung als Mutter:

Ich muss für weniger Geld genauso viel bzw. noch mehr arbeiten.

Das ist ein ganz normaler, für mich sogar psychologisch nachvollziehbarer Effekt bei meinem Arbeitgeber. Er glaubt, er würde mir das Beste bieten, das ich bekommen kann: Einen Job für wenige Tage in der Woche. Und damit er sich nicht von mir ausgenutzt fühlt, fordert er mehr Leistung von mir.

Jetzt arbeite ich quasi mehr als vorher (bezogen auf meinen Arbeitsoutput pro Stunde) für weniger Geld.

Warum tue ich das? Weil ich meinen Alltag nur noch so bewältigen kann. Zumindest für eine Zeit.

Wie ist es so weit gekommen?

Weil ich dem Mythos der Vereinbarkeit aufgesessen bin und ihm meine Gesundheit geopfert habe.

Als rational denkender Mensch müsste ich einfach meine Arbeitszeit wieder hochsetzen. Dann würde ich wenigstens wieder angemessener bezahlt.

Da ich in den letzten Jahren jedoch massive Schlafstörungen entwickelt habe (nicht zuletzt aufgrund der massiven Widersprüche in den Anforderungen an die heutige Mutter), ist jeder Morgen nach einer durchwachten Nacht, an dem ich nicht zur Arbeit muss, ein Gewinn. Für meine Familie und für mich.

Was nützt mir das Hinterherjagen nach einer nicht existenten Vereinbarkeit von Job und Familie, wenn am Ende die Familie zerstört wird?

In den letzten Tagen habe ich sehr interessante und berührende Texte gelesen, die von Laura von „Heute ist Musik“ inspiriert wurden, mit ihrem Aufruf zur Blogparade: Eure Geschichten zum Thema Vereinbarkeit

http://heuteistmusik.de/aufruf-zur-blogparade-eure-geschichten-zum-thema-vereinbarkeit/

Danke, Laura! Dies ist mein Beitrag dazu.

Wie man als Mutter verhindern kann, dass man bei der Arbeit überbeansprucht wird – nicht ganz ernst gemeint

Wenn jemand anruft, den Anrufer kurz um Geduld bitten, den Hörer zur Seite legen und erst einmal in Ruhe das Lillif**-Mandala zu Ende ausmalen.

In der Teambesprechung bei einem Disput der Kollegen einwerfen, dass das Wasser-Einhorn vielleicht Rat weiß.

Wenn der Kollege von der Toilette zurück kommt, freudig ausrufen: „Toll, dass es jetzt ohne Windel klappt!“

Sich in der Kantine vom Teller der Kollegin bedienen und sich beschweren, dass sie nicht aufgegessen hat und man immer das „Hausschwein“ spielen muss.

Auf dem Firmenausflug resolut vorneweg marschieren und „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“ singen.

Der immer so modisch gekleideten Kollegin die traumhafte neue Handtasche entreißen, mit der sehr schlüssigen, leicht geschrienen Erklärung: „Die will iiiiich haben!!“

Im Meeting alle Keksteller leer essen und dem Chef versehentlich Orangensaft über die Tastatur kippen.

Beim Geburtstag der Kollegin die Smarties aus dem Kuchen pulen und zu Weinen anfangen, weil die angebotene Apfelschorle nicht goldfarben ist.

Beim Protokollschreiben abschweifen und gedankenverloren das Feuerwehrmann-S*-Lied intonieren.

„Ganz egal, was auch passiert, er bleibt ruhig und konzentriert … düdadüda .. „

Unter Müttern. Über Mutter-Kind-Kuren

Ich lese viel und gern bei Mutterseelesonnig https://mutterseelesonnig.wordpress.com/
weil sie so viele Dinge einfach ganz genau auf den Punkt bringt. Sie schreibt aus der Sicht einer alleinerziehenden Mutter und zeigt unaufhörlich die Probleme auf, mit denen insbesondere Alleinerziehende zu kämpfen haben. Nun hat sie einen Beitrag über Mutter-Kind-Kuren verfasst, den ich sehr lesenswert finde und freundlicherweise rebloggen darf. Auch ich habe schon öfter über das Beantragen einer Mutter-Kind-Kur nachgedacht, aber noch nie eine gemacht. Insbesondere auch deshalb, weil ich Angst davor hatte, dass mich so eine Kur mehr stresst als dass ich erholt wieder nach Hause komme. Der Beitrag von Mutterseelesonnig beleuchtet das Thema sehr umfassend und enthält viele Tipps. Auch die Kommentare sind sehr interessant. Hier nun der Beitrag von Mutterseelesonnig:

mutterseelesonnig

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Drei Wochen all inclusive, mit Massagen, Sportprogramm, Kinderbetreuung, Freizeitangeboten, ärztlicher Versorgung und psychologischer Unterstützung für 220 Euro. Wer berufstätig ist, bekommt diese 3 Wochen sogar zusätzlich zum Jahresurlaub, denn sie gelten als Krankschreibung. Der Hammer!

Man glaubt es kaum, aber das bieten die deutschen Krankenkassen, und es nennt sich Mutter-Kind-Kur. Wird bewilligt, wenn Frau entsprechende Atteste vom Arzt vorlegt und sich durch die Formulare der Krankenkasse arbeitet. Aber den Aufwand macht man doch gerne für DIE Leistung, oder?

Und wer kriegt so eine Kur?

Mütter, die fix und fertig sind. Fix und fertig von Alltag, Job, Haushalt, Kinder. Manche Frauen bringen noch eigene körperliche Symptome mit, aber bei den meisten liegen tiefgreifende chronische Erschöpfung, Anpassungsstörungen, Burn out, Schlafstörungen, Belastungsstörungen etc. vor. Das Müttergenesungswerk hat die Kuren erfunden, um die Frauen aus dem Hamsterrad des Alltags heraus zu holen, Symptome zu lindern und hilfreiche Angebote zu machen, die die Frauen darin…

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Trügerische Momentaufnahmen

Seit ich den Familienkosmos kennengelernt habe, weil ich selbst ein kleines Kind habe, ist mir nach und nach Eines klar geworden: Über Familien darf man nicht vorschnell, also nach einer Momentaufnahme urteilen.

Dafür ist das Leben mit Kindern zu facettenreich, der Alltag zu vollgestopft, eine Situation oftmals zu vertrackt oder unklar.

Nehmen wir einmal an, wir bekämen Überraschungsbesuch von einem kinderlosen Paar (Hatte ich schon erwähnt, dass ich Überraschungsbesuche hasse 😉 ). Wäre dieses vor ein paar Tagen spontan vorbeigekommen, hätte es unsere Küche nicht betreten können. Da lagen weit verstreut unsere Einkäufe herum, natürlich nur noch die, die nicht in den Kühlschrank oder ins Tiefkühlfach müssen. Im Kinderzimmer und im Bad bot sich ebenfalls ein chaotischer Anblick. An dem Tag habe ich in der Kita beim Renovieren geholfen und abends nur noch zu meinem Mann gesagt: „Ich muss jetzt schlafen, alles andere machen wir morgen.“

In so einem Moment könnte man auf den ersten Blick vermuten, mein Kind wüchse in einem unvorstellbaren Chaos auf. Aber das tut es nicht. Solche Situationen kommen sehr selten vor.

Auch das vorübergehende Chaos nach Rückkehr vom Job und aus der Kita, wenn mein Kind sich müde auf den Boden und seine Sachen von sich schmeißt (und noch ein paar andere Dinge durch die Gegend wirft) und ich zu müde bin, sie gleich alle aufzuheben, ist nur eine Momentaufnahme. Zwei Stunden später ist hier wieder alles im Lot.

Genauso verhält es sich mit Schreianfällen. Mein Kind schafft es z.B. – weil es ein cleveres Bienchen ist – sofern es einen bestimmten Lolli nicht bekommt, auf dem Supermarktparkplatz in großer Lautstärke „Ich habe soooo schrecklichen Hunger.“ zu rufen. Das müsste natürlich jeden alarmieren und tut es auch. Erst wenn ich dann ein Brot anbiete und dieses schroff abgelehnt wird, sind die Umstehenden erleichtert.

Es lohnt sich immer, eine Momentaufnahme erst einmal als solche zu werten. Damit wäre vielen Familien geholfen.

Es spricht aber auch nichts dagegen, noch ein wenig länger oder öfter mal hinzuschauen, wenn man wirklich ein schlechtes Bauchgefühl hat.

Je länger und öfter man hinschaut, desto vollständiger wird das Bild und desto ausgewogener kann das Urteil ausfallen.

 

„Es wird nicht nur anders, sondern in manchen Dingen auch leichter“ oder „Ein Blick sagt manchmal alles“

Gestern schlenderten wir gut gelaunt durch den Park und um uns herum fuhr unser sehr lebendiges und vergnügtes Kind mit seinem Roller.

Die Leute kamen uns entgegen und die Blicke begegneten sich.

Ein Blick, der mir begegnete, war mir nicht fremd.

Eine Mutter schob ihren Kinderwagen langsam vor sich her. Sie hatte sehr müde Augen. Ihr Blick kam mir deshalb so bekannt vor, weil dieser Blick auch schon oft mein Blick war. Er sagte: „Was könnt Ihr so vergnügt sein, wenn man doch kaum noch schläft mit Kind?“

Dieser Blick machte mich nachdenklich und als wir weiter im Park unterwegs waren, dachte ich immer wieder kurz darüber nach.

Als ich ein paar Monate nach der Geburt einen Bekannten fragte, wann es endlich leichter wird, antwortete er mir „Es wird nicht leichter, nur anders“.

Dieser Satz ist sicher richtig, denn es gibt immer neue Herausforderungen für Eltern, in jedem Lebensalter eines Kindes. An diesen kann man persönlich aber auch sehr wachsen.

Eines möchte ich jedoch trotzdem für die Mütter schreiben, deren aktuell größtes – und aus meiner Sicht auch wirklich ernstzunehmendes – Problem der Schlafmangel ist.

Es wird irgendwann wirklich besser. Irgendwann werdet Ihr nicht mehr wie Schlafwandlerinnen, halb betäubt durch den Tag wandeln.

Ihr werdet, wie ich gestern, endlich Euer Kind mit Energie und Freude zu den Spielgeräten auf dem Spielplatz begleiten.

Gestern sagte ich zu meinem Mann: „Unsere Ausflüge genießen, das kann ich jetzt erst richtig. Ich gehe jetzt sehr gern mit Euch in den Park, in den Zoo, auf ein Kinderfest. Die letzten Jahre habe ich dabei ganz oft nur gedacht: „Wo kann ich mich hinlegen und schlafen? Und wer gibt mir endlich einmal die Gelegenheit dazu?““

Wenn Ihr etwas schlauer als ich seid, dann sorgt Ihr dafür, dass Ihr früher als ich wieder viel mehr Energie habt. Dann macht Ihr Eurem Umfeld früher klar, dass der Mensch auch schlafen muss und bittet um Hilfe, um ein paar Stunden Ruhe für Euch.

Aber es werden mit dem zunehmenden Alter des Kindes auch andere Dinge leichter. Für mich z.B. ist es eine große Erleichterung, dass mein Kind mir nun genau sagen kann, was es möchte. Manchmal kann einen dieser Umstand auch ganz schön nerven, besonders wenn die Wünsche in einem Affentempo ungefähr zehnmal wiederholt werden ;-), aber man weiß nun genau, woran man ist.

Man kann seinem Kind außerdem viel mehr Dinge erklären, weil es sie nun auch versteht, und damit auch den ein oder anderen Schreianfall vermeiden, wenn man ein wenig empathisch ist.

Auch die zunehmende Selbständigkeit meines Kindes erleichtert mir den Alltag sehr. So habe ich mir in letzter Zeit auch einfach mal ab und zu ein Entspannungsbad am Nachmittag gegönnt. Mein Kind spielte währenddessen im Wohnzimmer.

Ja, so etwas wird wieder möglich sein. Freut Euch darauf!

(P.S.: Für Mütter, die unter großem Schlafmangel leiden, hier noch ein Video, das sehr gut über die Wichtigkeit von Schlaf aufklärt:

Und die Bitte, Schlafmangel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und zu versuchen, Lösungen durch Hilfe von außen zu finden oder auch dadurch, dass man ein älteres Kind von der Flasche nachts entwöhnt (Das muss natürlich zum Entwicklungs- und Gesundheitszustand des Kindes passen. Dazu kann der Kinderarzt aber sicher auch etwas sagen). Ich selbst hätte meinem Kind in der Rückschau nicht zweieinhalb Jahre lang nachts die Flasche geben müssen. Da es ein Frühchen war, brauchte es lange Zeit Flaschenfütterung in der Nacht, aber so lange wäre es nicht nötig gewesen. Bei mir hat sich in der langen Zeit des Nachts-Aufstehens eine richtige Schlafstörung entwickelt, die auch weiter angehalten hat, als mein Kind nachts schon wie ein Murmeltier schlief und mich gar nicht mehr brauchte. Hinterher ist man immer schlauer.)

Die Füße still halten

Ich muss die Füße still halten, so schwer es mir auch fällt.

Das ist das Ergebnis einer durchwachten Nacht mit Internetrecherchen.

Ich habe es satt, als Mutter der „Depp der Nation“ zu sein.

Von allen Seiten ausgenutzt zu werden.

Von der Gesellschaft mit ihren übersteigerten Anforderungen an Eltern: Die Arbeit zuhause wird nicht anerkannt und im Job wird man dann noch wie eine Zitrone ausgequetscht.

Alle um einen herum wissen, dass man in einer schwachen Position ist und nutzen dies schamlos aus, verweigern einem gern auch einmal Dinge, die einem zustehen.

Momentan bin ich noch zu geschwächt. Es wäre falsch, jetzt zu weit in die Offensive zu gehen.

Aber ich werde wieder Kraft tanken und mich am Ende nicht mehr als der „Depp der Nation“ fühlen.

Das ist mein Ziel.

Ich muss Schritt für Schritt gehen.

Ganz langsam.

Mir meine Etappen planen.

Liegengebliebenes der letzten Jahre aufarbeiten.

Weiter Klarheit in meinen Haushalt und mein Leben bringen.

Und dann, wenn es keiner mehr von mir erwartet.

Dann bin ich vorbereitet.

Wie eine Blume, die für eine Weile ihre Blütenblätter fest geschlossen hält, um sich dann, wenn sie so weit ist, von ihrer überwältigendsten Seite zu zeigen.

Und dann … dann ist endlich Schluss mit dem Ausnutzen meiner schwachen Position.

Denn es gibt keine schwache Position mehr.