Totale Erschöpfung – Welche Maßnahmen mir als Mutter in den letzten Monaten wirklich geholfen haben

Ich mag mein Leben wieder. Ich habe das Gefühl, nicht mehr durch mein Leben zu hetzen und dass es aus dem Tal auch wieder einen Weg nach oben gibt.

Für alle Mamas da draußen, die regelmäßig bei mir lesen, schreibe ich nun auf, was mir wirklich geholfen hat und noch hilft:

  1. Die Arbeitszeitreduzierung und gleichzeitige Reduzierung der Anzahl der Tage, die ich in der Woche arbeite. Letzteres hat mir einen weiteren Tag in der Woche das morgendliche und nachmittägliche Gehetze gespart.
  2. Das noch stärkere Prioritätensetzen bei der Arbeit und das genaue Artikulieren der Situation („Wenn ich das jetzt mache, dann komme ich heute nicht mehr zu …“, „Diese Aufgabe würde einen Tag in Anspruch nehmen“, „Das habe ich leider nicht geschafft.“). Außerdem achte ich darauf, keine Aufgaben anzunehmen, die eigentlich gar nicht von mir übernommen werden müssen. Diese genaue Abgrenzung gelingt nicht immer, aber immer öfter.
  3. Ich habe verstanden, dass ich bei der Arbeit auch mal eine Tabelle abgeben kann, die in meinen Augen nicht perfekt ist (in Bezug auf Formatierung etc.). Es reicht, wenn sie ihren Zweck erfüllt und die Fragen des Chefs beantwortet.
  4. Eine Reinigungskraft, die mir in regelmäßigem Abstand Grund in den Haushalt bringt.
  5. Das schonungslose Bekennen und der offene Umgang mit meiner totalen Erschöpfung vor meiner ganzen (auch erweiterten) Familie. Sie haben es nun begriffen, dass ich mein Leben verändern muss, dass ich ihren Leistungsansprüchen nicht mehr genügen kann und auch nicht will. Komischerweise verändern sich einige von ihnen gerade in die gleiche Richtung und machen es mir dadurch ein wenig leichter.
  6. Die Verwendung eines Familien-Wochenplaners, der mir durch das schnelle Draufschauen visualisiert, wenn die Wochen zu voll sind. Mein Ziel: Nur zwei Termine die Woche zu haben, einer davon kann schon ein Arztbesuch für mein Kind sein (Dieses Ziel erreiche ich natürlich nicht immer, aber es hilft bei der Begrenzung).  Bevor ich einen Termin mache, gucke ich auf diesen Wochenplaner und überlege, wie sich die Woche mit ihren Eintragungen anfühlt. Fühlt sie sich schlecht an, dann schlage ich einen Termin in der nächsten oder übernächsten Woche vor.
  7. Wir machen am Wochenende Familienausflüge in die Natur. Das haben wir schon immer gemacht, aber trotzdem möchte ich noch einmal betonen, wie gut die frische Luft und Natur tut.
  8. Ich gehe viel mit meinem Kind auf den Spielplatz in der Nachbarschaft. Ich lade ab und zu Kinder ein.
  9. Wenn ich erschöpft bin oder wenn ich einfach Lust darauf habe, legen wir auch einmal einen Kuschelnachmittag mit Vorlesen und Nichtstun ein. Mein Kind spielt dann oft für eine ganze Weile sehr schön und ich lese auf dem Sofa.
  10. Wir besuchen keinen einzigen Kinderkurs und uns fehlt nichts.
  11. Die Einnahme eines Antidepressivums in geringer Dosis und zwar seit Monaten jeden Abend. Seitdem kann ich wieder schlafen und wache nachts nicht für mehrere Stunden auf. Ich habe lange überlegt, ob ich das schreiben kann, ohne dass es meinem Blog (der mir sehr am Herzen liegt) und seiner Rezeption schadet. Das kann ich. Es zeigt, dass jemand, wenn er Mutter wird, so weit kommen kann, dass er chronische Schlafstörungen entwickelt, die auch noch andauern, wenn das Kind schon lange gut schläft. Es zeigt, dass jemand, der vorher noch nie Antidepressiva in seinem Leben genommen hat, sie jetzt braucht, um wieder auf die Beine zu kommen. (Natürlich muss das mit einem Facharzt besprochen werden. Ich kann keinerlei kompetente Auskunft dazu geben. Ich kann nur sagen, dass es mir gerade sehr hilft. Es ist nicht mein Ziel, dauerhaft etwas einzunehmen, aber ich kann einfach nicht darüber schweigen, dass diese Maßnahme mein Schlafdefizit aufgefüllt und mir wieder mehr Lebensfreude geschenkt hat.) Was hat mich noch dazu ermutigt, hierüber jetzt ganz offen zu schreiben? Eine Reportage auf Arte über französische Mütter, die ja in puncto Leistungsfähigkeit als Vorbild in ganz Europa dienen. In der Reportage wurde nämlich auch der Antidepressiva-Konsum der Franzosen thematisiert. Eine gute Nebenwirkung eines Antidepressivums ist, dass einem Dinge manchmal nicht mehr so nah gehen: Die gehässige Bemerkung des Kollegen über meine verkürzte Arbeitszeit zum Beispiel. Nicht mehr so wichtig. Mein größtes Ziel ist es, bald wieder ohne diese Hilfe auszukommen. Dafür muss ich weitere Weichenstellungen in meinem Leben und meinem Denken vornehmen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass mir das gelingen wird. Einige von Euch werden jetzt überrascht sein, das alles zu lesen, aber ein Hauptmerkmal dieses Blogs soll weiterhin Ehrlichkeit sein.

Ein Teil der Maßnahmen, die mir wirklich geholfen haben (Arbeitszeitreduzierung, Reinigungskraft), kostet eine Familie Geld, das sie erst einmal haben muss. Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag dazu anregen, darüber nachzudenken, wie man Familien wirklich helfen kann und zwar von Geburt eines Kindes an. Um gesunde Familien zu haben, braucht es aus meiner Sicht eine deutlichere finanzielle Unterstützung von Familien in den ersten Lebensjahren der Kinder und ein Herunterfahren des Drucks auf Mütter, schon wieder zu arbeiten, wenn sie nachts noch gar nicht schlafen können. Das Geld dafür ist da. Man gibt es doch später mit vollen Händen für Therapeuten für Kinder und Eltern, Mutter-Kind-Kuren, Haushaltshilfen, Antidepressiva etc. etc. aus. Und man bedenkt niemals weitere Folgekosten der Überlastung und Übermüdung von Eltern. Wer weiß, wie viel Unfälle im Straßenverkehr darauf zurückzuführen sind? Wie viele Unfälle im Haushalt? Wie viele unklare Symptome werden jährlich in Deutschland behandelt (wie Kopfschmerzen, Schwindel …) und der einfache Grund ist der, dass der Alltag für viele Familien nicht mehr bewältigbar ist.

P.S.: Eine wichtige Maßnahme habe ich vergessen, weil sie schon länger läuft (nicht erst seit ein paar Monaten): Das wiederkehrende Gespräch mit einem Verhaltenstherapeuten, der mir in den letzten Jahren eine sehr große Hilfe war und immer noch ist. Im Gespräch mit ihm kann ich mein Verhalten reflektieren und ganz langsam ändern. Diese Gespräche haben mir auch den Mut gegeben, meine Arbeitszeit weiter zu reduzieren.

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Aktueller Spiegel-Online-Artikel: Tabuthema Depressive Eltern

Als ich diesen Artikel las, konnte ich den Tenor nur unterschreiben: Kinder depressiver oder anderweitig psychisch kranker Eltern benötigen dringend Hilfe, sofern diese nicht mehr adäquat für ihre Kinder da sein und sorgen können.

Eine Sache kam mir in diesem Artikel jedoch gänzlich zu kurz:

Es wurde an keiner Stelle die Frage aufgeworfen, wieso so viele Eltern von Kindern unter drei Jahren unter Depressionen leiden.

Es wird nur nach Hilfe für Kinder depressiver Eltern geguckt, aber nicht, wie man einen Teil dieser Depressionen ganz verhindern könnte und die Kinder erst gar nicht leiden lassen müsste.

Ich habe eine Bitte an alle Journalisten, die dies lesen: Recherchieren Sie doch einmal über Depressionen bei frisch gebackenen Eltern und sehen Sie sich die widersprüchlichen und teilweise schier unerfüllbaren gesellschaftlichen Anforderungen an diese an. Untersuchen Sie bitte auch genau den Zusammenhang von Schlafmangel und Depressionen oder anderen psychischen Störungen. Das könnte Ansatzpunkte dafür geben, weshalb so viele Kinder mit depressiven Eltern aufwachsen müssen.

Wenn Sie noch Anregungen in Bezug darauf brauchen, was die Eltern heutzutage im Alltag zerreißt: Ich habe es hier in meinem Blog an vielen Stellen deutlich benannt.

Hier ein kleiner Auszug:

https://marasgedanken.wordpress.com/2016/07/20/schizophren-die-anforderungen-an-muetter-und-das-mutterleben-an-sich/

Ich bin der Meinung, dass wir unserer Gesellschaft ganz viele Folgekosten ersparen könnten, wirtschaftliche und emotionale, wenn wir Müttern bzw. Vätern (je nach Familienmodell) ermöglichen würden, in den ersten drei Jahren nach der Geburt zuhause bleiben zu können, sofern sie es denn möchten.

In diesen ersten drei Jahren eines Kindes haben Eltern viele schlaflose Nächte und viele von ihnen deshalb chronischen Schlafmangel. Während man „normale“ Arbeitnehmer mit monatelang anhaltenden Schlafstörungen und daraus resultierenden Erschöpfungsdepressionen für krank befindet und irgendwann aus dem Verkehr zieht, sieht man es bei Müttern als ganz normal an, dass sie nachts für ihre Kind sorgen und tagsüber in Jobs arbeiten, in denen mittlerweile ein Arbeitnehmer die Arbeit von ehemals Dreien macht.

Vereinbarkeit ist mehr als Teilzeit und KiTa-Platz

Mit freundlicher Erlaubnis von Martamam reblogge ich ihren Beitrag zur Vereinbarkeit, der mir sehr gut gefallen hat. Sie schreibt über ihre Zweifel, ihr Gefühl momentan in einer „Vereinbarkeits-Sackgasse“ zu stecken und über ihren tiefen Wunsch, das passende Modell für sich und ihre Familie zu finden. Ich glaube, dass Martamam es finden kann. Gerade deshalb, weil sie ihre Situation so gründlich und schonungslos reflektiert, folge ich ihr so gern.

Martamam hat den Beitrag im Rahmen der Blogparade von Laura von „Heute ist Musik“

„Eure Geschichten zum Thema Vereinbarkeit“ geschrieben, die Ihr hier findet:

http://heuteistmusik.de/aufruf-zur-blogparade-eure-geschichten-zum-thema-vereinbarkeit/

Nun aber zum Text von Martamam:

Laura von heuteistmusik.de ruft zur Blogparade mit dem Thema Vereinbarkeit auf. Und weil Vereinbarkeit im Hinblick auf meinen Beruf und drei Kinder natürlich auch bei mir ein großes Thema ist, schreibe ich heute mal darüber. Allerdings, und das muss ich schon einmal vorweg nehmen, habe ich gerade einen sehr lädierten Blick darauf.

Wo soll ich anfangen?

Mein Arbeitgeber ist einer von den Arbeitgebern, bei denen Familienfreundlichkeit nicht nur ins Personalportal geschrieben sondern tatsächlich gelebt wird. Deshalb habe ich schon viele Arbeitszeitmodelle ausprobiert: Ich habe mit einem Kind 50%, 75% und Vollzeit gearbeitet. Ich habe mit zwei Kindern 89% und Vollzeit gearbeitet, ich habe auch mal eine 4-Tage-Woche gehabt und ab dem dritten Kind meine 37 Stunden-Woche mit einem Homeoffice-Tag kombiniert. Immer unterbrochen von jeweils einem Jahr Elternzeit und mit der Garantie auf meinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Was soll ich sagen? Das ist der öffentliche Dienst! In den bin ich nach der Geburt des ersten Kindes durch einige glückliche Zufälle hinein geraten. Meine Vereinbarkeitsgeschichte ist also keineswegs eine Geschichte mit familienunfreundlichen Arbeitgebern oder fragwürdigen…

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#muttertagswunsch … Meine Wünsche für echte Vereinbarkeit

Ich wünsche mir vor allem anderen ein ernsthaftes Überprüfen der gesellschaftlichen Anforderungen an Mütter:

Die Bedürfnisse des Babies jederzeit erfüllen, wenn irgendwie möglich stillen, somit große Teile der Nacht schlaflos sein und dann ganz schnell wieder zurück in den Beruf, in Arbeitsverhältnisse mit verdichteten Anforderungen, die schon ganz normale Arbeitnehmer ohne Kinder zunehmend in die Knie zwingen. Das geht einfach nicht ohne starke negative Langzeitfolgen durch chronischen Schlafmangel. Die Gesellschaft muss sich entscheiden und kann von den Frauen nicht die Quadratur des Kreises verlangen.

Wenn wir von Müttern in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder verlangen, dass sie nachts für ihr Kind da sind und tagsüber arbeiten, dann erschaffen wir uns eine Generation chronisch erschöpfter Mütter. Die Folgen dieser Überforderung werden wir alle über Jahre bezahlen.

Ich wünsche mir ehrliche Statistiken zu Erschöpfungsdepressionen bei Müttern und Vätern.

Ich wünsche mir in deutschen Städten Vorträge von Müttern/Vätern, die ein Burnout hatten und nun einen anderen, für sie kräfteschonenderen Umgang mit ihrem Leben gefunden haben.

Ich wünsche mir ein Befassen mit der steigenden Anzahl von Mutter- und Vater-Kind-Kur-Anträgen. Solche Kuren erfordern Indikationen, deren gehäuftes Auftreten die Gesellschaft nachdenklich stimmen sollte. Wie schon von Mutterseelesonnig

https://mutterseelesonnig.wordpress.com/

beschrieben, wünsche auch ich mir kein kurzfristiges „Wieder-Fit-Machen“ von Müttern, nur um sie dann wieder zurück in das gnadenlose Hamsterrad des Alltags zu schicken. Ich wünsche mir zeitweilige Unterstützung im Haushalt für Mütter/Väter, die wieder auf die Beine kommen müssen.

Der Alltag muss lebbar und bewältigbar sein, dann wird die Gesellschaft als Ganzes profitieren. Dann werden an anderer Stelle Kostenersparnisse realisiert werden. Nach meiner Auffassung sind die vielen Therapien für Kinder ein Ausdruck des Stresses ihrer Eltern.

Wenn Eltern und Familien keine Zeit haben, dann leiden auch andere Bevölkerungsteile, z.B. die ältere Generation. Es gibt keine Zeit für Nachbarschaftsdienste oder ein kurzes Gespräch im Hausflur, keine Zeit für ehrenamtliches Engagement. Familien sind rein auf die Bewältigung ihres Alltags fixiert.

Ich wünsche mir, dass das übertriebene Fördern von Kleinstkindern nicht weiter vorangetrieben bzw. reduziert wird. Ein dreijähriges Kind wird sich auch gut entwickeln, wenn es nachmittags nach der Kita noch nicht das Ballett und die Musikschule besucht, sondern einfach viel an der frischen Luft mit anderen Kinder spielt. Der Förderdruck, den sich manche Eltern zugegebenermaßen auch selbst machen, der aber aus meiner Sicht auch politisch aufgebaut wird, setzt viele erschöpfte Eltern zusätzlich zeitlich massiv unter Druck. Und Eltern, die über begrenzte finanzielle Möglichkeiten verfügen, werden von Anfang an – zumindest gefühlsmäßig – abgehängt.

Ich wünsche mir flexible Hol- und Bringzeiten in den Kitas (einen Zeitkorridor für das Hinbringen und Abholen) und somit kein Gehetze für Mütter und Väter mehr. Das darf aber nicht dazu führen, dass diese Zeitkorridore wieder vom Arbeitgeber mit einkalkuliert werden und die Eltern am Ende erneut mit Bluthochdruck in der Kita ankommen.

Ich wünsche mir, dass Mütter auf dem Arbeitsmarkt eine echte Chance haben, wenn sie Teilzeit arbeiten wollen. Dass Arbeitgeber nach monatelangem erfolglosen Ausschreiben von Vollzeitstellen endlich begreifen, dass ein Teilen der Stellen vielen Müttern ermöglichen würde, Geld zu verdienen, und dass sie auf diesem Wege hochmotivierte Kräfte bekommen würden. Hochmotiviert, weil diese Frauen das Gefühl haben, auf diese Weise Familie und Job unter einen Hut bekommen zu können.

Ich wünsche mir eine bewusste Schaffung von Zwei-, Drei-Tage-Teilzeit- bzw. Vollzeit-Jobs für Mütter und Väter, damit diese in der Woche auch Tage haben, an denen sie die ganzen anderen Anforderungen an eine Mutter/einen Vater irgendwie bewältigen können.

Das würde die Krankheitszeiten von Eltern und Kindern aus meiner Sicht drastisch reduzieren. Denn der Stress, den Familien haben, schlägt sich aus meiner Sicht in den Ausfallzeiten nieder. Sobald es echte Vereinbarkeit gibt, gibt es auch geringere Krankenstände.  

Diesen Beitrag habe ich für die Aktion #muttertagswunsch geschrieben.

Christine Finke, family unplugged und mutterseelesonnig haben mit FrauTV und Sonja Lehnert von Mama-notes auch in diesem Jahr wieder alle Mütter und Väter dazu aufgerufen.

Hier findet Ihr den Link: https://mutterseelesonnig.wordpress.com/2017/05/07/muttertagswunsch-2017/

Vielen herzlichen Dank an die Initiatoren!

Ich hoffe sehr, dass der ein oder andere, der bei mir mitliest, auch einen Beitrag für diese Aktion schreibt.

 

Ich erlaube mir, einen weiteren Text von mir anzufügen, der das Dilemma aus meiner Sicht noch einmal auf eine andere Weise beschreibt:

Aber andere Mütter mit kleinen Kindern schaffen das doch auch, Frau X!

Könnten Sie mir bitte sagen, welche.

Frau Meyer zum Beispiel

(Ach die, die letztes Jahr mit 36 plötzlich ergraut ist)

Frau Schulte zum Beispiel

(Ach die, die im Jahr 40 Krankheitstage hat)

Frau Siegmund zum Beispiel

(Ach die, die seit Rückkehr in den Job 15 Kilo zugenommen hat)

Frau Maler zum Beispiel

(Ach die, die sich im Job deutlich nach unten entwickelt hat, weil sie es sonst nicht schaffen würde … wie sie mir letztens anvertraute)

Frau Huber zum Beispiel

(Ach die, die noch Geld im Hintergrund hat)

Frau Schumacher zum Beispiel

(Ach die, die ihre Elternzeit immer wieder verlängert … Moment mal …)

Aber die ist doch gar nicht da …

Ach ja? Aber wenn sie wiederkommt, wird sie das alles schaffen. Sie kennen sie doch noch von früher. Zupackend …

Und wer noch?

Frau Schmitz zum Beispiel

(Ach die, die letztens auf der Mutter-Kind-Kur war)

Frau Schulze zum Beispiel

(Ach die, deren Kind zwei Jahre alt ist und die sich gerade scheiden lässt)

Frau Nadler zum Beispiel

(Ach die, die letztens weinend im Büro zusammengebrochen ist, weil ihr Auto kaputt ist und sie ihr Kind nun mit dem Bus zur Kita bringen muss)

Frau Schneider zum Beispiel

(Ach die, deren Kind den halben Tag vor dem Fernseher sitzt)

Frau Otto zum Beispiel

(Ach die, die immer so viel Schmerzmittel nimmt)

Frau Möller zum Beispiel

(Ach die, die wegen ungeklärten Schwindels von Arzt zu Arzt rennt)

Frau Kehling und Frau Morgenrot zum Beispiel

(Ach die, deren Mütter im Dauereinsatz bei den Enkeln sind)

Frau Marx zum Beispiel

(Ach die, von der er noch gar nicht weiß, dass sie ungeplant mit dem zweiten Kind schwanger ist, weil sie vor lauter Stress die Pille vergessen hat. Sie freut sich nun sehr auf ihren Nachwuchs.)

Also, Frau X , nun jammern Sie mal nicht so viel. Sie sind die Einzige, die das anscheinend nicht hinbekommt.

Ach so ……

Und übrigens … meine Frau hat das mit unseren zwei Kindern auch locker geschafft …

Aber Ihre Frau war doch Zuhause, wenn ich mich Recht entsinne.

Ach ja, stimmt.

 

 

Traut Euch, junge Eltern, eine Hochzeit abzusagen!

Eine Hochzeit, eine Geburtstags- oder eine andere Familienfeier sind eigentlich etwas sehr Schönes.

Wenn man die Kraft dafür hat.

Meine Erfahrungen und Beobachtungen der letzten Jahre haben mir in Bezug auf Eltern kleiner Kinder Eines gezeigt:

Viele trauen sich nicht, Hochzeits- und Familienfeiereinladungen abzusagen und am Ende sind Eltern und auch Kinder am Ende.

Ich habe Eltern mit Säugling und Kleinkind, Kinderwagen und Gepäck mit dem öffentlichen Nahverkehr vom Hauptbahnhof einer Stadt kommen und dann noch zwanzig Minuten einen Berg hinauflaufen sehen.

Ich habe es selbst erlebt, wie mein Kind die Reizüberflutung dieser Veranstaltungen nicht mehr ausgehalten und dann Hotelflure zusammengeschrien hat. Die Nacht darauf habe ich dann kein Auge zugetan, weil mein Adrenalinspiegel nicht mehr absinken wollte.

Es gab auch Eltern, die fünf Stunden Auto fuhren, um dann beim abendlichen Menü zum 70. Geburtstag nur bis zum Salat zu kommen und mit einem total überforderten Baby auf dem Zimmer zu landen, die von der Fahrt übrig gebliebenen Salzstangen zu essen und dann die Nacht nicht zu schlafen. Am nächsten Tag wurde dann wieder die stundenlange Autofahrt zurück angetreten.

Tut Euch das nicht an!

Ihr werdet nach so einem Event selbst nicht wissen, wieso Ihr Euch nicht getraut habt, für Eure Grenzen einzutreten.

Es lohnt sich, das zu tun.

Für Euch und Eure Kinder!

Wer nicht versteht, dass solche Veranstaltungen Eltern mit drei Monate alten, zwei Jahre alten und auch vier Jahre alten Kindern den letzten Rest geben können, der hat Euren Besuch gar nicht verdient.

Natürlich gibt es Menschen, die uns so nahe stehen, dass wir für sie ausnahmsweise mal diese Strapazen auf uns nehmen können. Diese sollten wir sorgfältig auswählen. Aber genau diese Menschen sind es auch, die jedes Verständnis für unser Fernbleiben gehabt hätten.

Die meisten Eltern kleiner Kinder arbeiten heutzutage. Da bleibt keine Zeit, sich nach so einer strapaziösen Tour wenigstens am nächsten Tag mal auszuruhen.

Ich möchte mir auch gar nicht vorstellen, welches Risiko solche übernächtigten Eltern mit überreizten Babies und Kleinkindern im Auto im Straßenverkehr für sich und andere darstellen.

Da bleibt nur noch Folgendes: Mutig solche Einladungen absagen, wenn einem danach ist. Und ruhig ehrlich sein. (Da lernt man dann leider auch manche Person mal von einer neuen Seite kennen, aber das kann einem ja auch ganz neue und hilfreiche Erkenntnisse vermitteln).

Je mehr von uns mutig sind, desto mehr wird es gesellschaftlich akzeptiert werden, wenn Eltern einer solchen Feier fernbleiben wollen.

Sollte man jedoch Zuhause einen zuverlässigen Babysitter (z.B. die Oma der Kinder) finden, dann kann man aus so einer potenziell kraftraubenden Feier auch ein Wellness-Wochenende ohne Kind für die gestressten Eltern machen.

Blogparade von Laura zum Thema Vereinbarkeit / Beitrag von „Hallo liebe Wolke“

Die Blogparade von Laura von „Heute ist Musik“

„Eure Geschichten zum Thema Vereinbarkeit“

hat sehr viele interessante Texte hervorgebracht, die Ihr hier findet:

http://heuteistmusik.de/aufruf-zur-blogparade-eure-geschichten-zum-thema-vereinbarkeit/

Einer davon war der Beitrag von Susanne von „Hallo liebe Wolke“

(http://halloliebewolke.de/)

Ich möchte ihn Euch ans Herz legen.

Ihr findet ihn hier:

http://halloliebewolke.de/mama-macht-karriere-nicht-vereinbarkeit-und-dubistdemokratie/

 

Lasst uns ein Zeichen setzen – Ein Erkennungszeichen

Ich habe in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass ich nicht die Einzige bin, die in ihrer kleinen Hölle der Unvereinbarkeit schmort.

Da sich jedoch im Alltag so gut wie nie jemand offen dazu bekennt, dass er/sie als Vater/Mutter/Eltern permanent am Rande der Erschöpfung ist/sind, bleibt bei mir immer nur das Gefühl des persönlichen Versagens zurück.

Vermutlich denken das viele Mütter und Väter da draußen und fühlen sich unendlich allein.

Im kleinen System Familie sind alle betroffen, ob Haupt-, Nebenverdiener, Hausfrau oder Hausmann.

Die Überlastung der Familie hat Auswirkungen auf das ganze System der kleinen Familie und somit nicht zuletzt auch auf die Kinder.

Und Auswirkungen auf das ganze System der großen Familie, nämlich unsere Gesellschaft.

Wenn alle nur noch hetzen, sich entweder überarbeiten oder gänzlich ohne Aufgabe sind, sich mit Konsum betäuben oder überhaupt nicht wissen, wie sie ihrem Kind die Schneehose bezahlen sollen, bleiben Werte wie Aufmerksamkeit, Verständnis und Mitmenschlichkeit auf der Strecke.

Wir stehen uns mit unserer Konzentration auf unser eigenes vermeintliches Versagen selbst im Weg.

Vielleicht ist es für eine Teilzeit-Mutter/ einen Teilzeit-Vater einfach nicht zu schaffen, wenn sie/er die Aufgaben einer Vollzeitstelle in der halben oder einem Dreiviertel der Zeit erledigen soll.

Vielleicht ist es für eine Mutter/einen Vater nicht zu schaffen, nach einem 10-Stunden-Tag abends noch im Haushalt mit anzupacken und die Kinder ins Bett zu bringen.

Vielleicht ist es kaum zu schaffen, von Hartz IV Kinder großzuziehen, insbesondere in Anbetracht der hohen Anforderungen unserer Gesellschaft an Eltern. (Viele Eltern schaffen das trotzdem in bewundernswerter Weise, aber muss man sie als Gesellschaft so leiden lassen?)

Immer sind die Mütter/Väter/Eltern selbst schuld, wenn sie die gesellschaftlichen Ideale nicht erfüllen. Sie müssen irgendetwas falsch machen.

Und wenn sie dann vollends am Ende sind, haben sie es eben einfach nicht vermocht, Prioritäten zu setzen und mal Dinge liegen zu lassen.

Ihr könnt mir glauben: Ich setze nur noch Prioritäten, lasse Dinge liegen, source Dinge aus und ein Ausweg ist nach wie vor nicht zu erkennen.

Deshalb setze ich jetzt ein Zeichen.

Ein Zeichen, das mich für Eingeweihte erkenntlich macht. Ich werde mir ein blaues Band an meine Handtasche knoten, das sagt:

„Ich bin auch eine von denen, die das Gefühl haben, es nicht zu schaffen.“

Sollte ich irgendwann einmal eine/einen von Euch mit so einem Band an der Handtasche, Umhängetasche, Rucksack sehen, dann wird es mir den Tag retten.

Sollten irgendwann viele Menschen mit so einem Band herumlaufen, dann wissen wir, dass wir wirklich nicht allein sind.