Lasst uns ein Zeichen setzen – Ein Erkennungszeichen

Ich habe in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass ich nicht die Einzige bin, die in ihrer kleinen Hölle der Unvereinbarkeit schmort.

Da sich jedoch im Alltag so gut wie nie jemand offen dazu bekennt, dass er/sie als Vater/Mutter/Eltern permanent am Rande der Erschöpfung ist/sind, bleibt bei mir immer nur das Gefühl des persönlichen Versagens zurück.

Vermutlich denken das viele Mütter und Väter da draußen und fühlen sich unendlich allein.

Im kleinen System Familie sind alle betroffen, ob Haupt-, Nebenverdiener, Hausfrau oder Hausmann.

Die Überlastung der Familie hat Auswirkungen auf das ganze System der kleinen Familie und somit nicht zuletzt auch auf die Kinder.

Und Auswirkungen auf das ganze System der großen Familie, nämlich unsere Gesellschaft.

Wenn alle nur noch hetzen, sich entweder überarbeiten oder gänzlich ohne Aufgabe sind, sich mit Konsum betäuben oder überhaupt nicht wissen, wie sie ihrem Kind die Schneehose bezahlen sollen, bleiben Werte wie Aufmerksamkeit, Verständnis und Mitmenschlichkeit auf der Strecke.

Wir stehen uns mit unserer Konzentration auf unser eigenes vermeintliches Versagen selbst im Weg.

Vielleicht ist es für eine Teilzeit-Mutter/ einen Teilzeit-Vater einfach nicht zu schaffen, wenn sie/er die Aufgaben einer Vollzeitstelle in der halben oder einem Dreiviertel der Zeit erledigen soll.

Vielleicht ist es für eine Mutter/einen Vater nicht zu schaffen, nach einem 10-Stunden-Tag abends noch im Haushalt mit anzupacken und die Kinder ins Bett zu bringen.

Vielleicht ist es kaum zu schaffen, von Hartz IV Kinder großzuziehen, insbesondere in Anbetracht der hohen Anforderungen unserer Gesellschaft an Eltern. (Viele Eltern schaffen das trotzdem in bewundernswerter Weise, aber muss man sie als Gesellschaft so leiden lassen?)

Immer sind die Mütter/Väter/Eltern selbst schuld, wenn sie die gesellschaftlichen Ideale nicht erfüllen. Sie müssen irgendetwas falsch machen.

Und wenn sie dann vollends am Ende sind, haben sie es eben einfach nicht vermocht, Prioritäten zu setzen und mal Dinge liegen zu lassen.

Ihr könnt mir glauben: Ich setze nur noch Prioritäten, lasse Dinge liegen, source Dinge aus und ein Ausweg ist nach wie vor nicht zu erkennen.

Deshalb setze ich jetzt ein Zeichen.

Ein Zeichen, das mich für Eingeweihte erkenntlich macht. Ich werde mir ein blaues Band an meine Handtasche knoten, das sagt:

„Ich bin auch eine von denen, die das Gefühl haben, es nicht zu schaffen.“

Sollte ich irgendwann einmal eine/einen von Euch mit so einem Band an der Handtasche, Umhängetasche, Rucksack sehen, dann wird es mir den Tag retten.

Sollten irgendwann viele Menschen mit so einem Band herumlaufen, dann wissen wir, dass wir wirklich nicht allein sind.

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14 Gedanken zu “Lasst uns ein Zeichen setzen – Ein Erkennungszeichen

  1. Je höher deine eigene Messlatte, desto größer dein Gefühl sie nicht erreichen zu können…

    Prioritäten setzen ist wichtig im Leben, andernfalls lebt mann/frau in ständiger Hetze und Unzufriedenheit…

    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

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  2. Die einzige bist du definitiv nicht. Wie wäre es denn für dich, eine Weile ganz bei deiner Familie zu bleiben, damit du Kraft sammeln und dich orientieren kannst? Einen neuen Job, ein ganz anderes Betätigungsfeld?
    Mir ist klar, dass ihr gewisse finanzielle Rahmenbedingungen habt, aber vielleicht geht es irgendwie anders in deiner Familie?
    Übrigens möchte ich dir Mut zusprechen: es war irgendwie anders, 2000 ein Kind zu haben als es 2017 ist. Ich möchte nicht behaupten, dass es einfacher war, doch empfinde ich alles als noch familienunfreundlicher und noch schneller. Deshalb sind wir auch aus Deutschland weggezogen. Die allmächtig hochgejubelte Kita (schauderhaft!) an allen Ecken und Enden kanns ja wohl nicht sein!
    Herzliche Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Meermond. Danke für Deine Anregungen. Das sind Gedanken, die ich schon mit mir herumtrage. Wenn ich endlich mal die Kraft finde, das alles in Ruhe abzuschätzen, ist vielleicht eine begrenzte Auszeit für eine Neuorientierung drin.

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  3. Ich setze auch vermehrt Prioritäten und habe dabei auch irgendwann angefangen, sie wieder bei mir selber zu setzen. Statt Haushalt also auch mal Auszeit. Jetzt z. B. Mein Erwebsarbeitstag fängt heute später an, geht bis Mitternacht. Habe heute vormittag das Grundlegendste erledigt und lege jetzt noch kurz die Füße hoch, bevor ich die Kinder hole und es dann weiter geht. Staub wird ignoriert, Wäsche auch. Es geht nicht alles. Man selbst bleibt so oft auf der Strecke. Versuche, weniger Termine zu machen, v. a. für die Kinder. Mich nervt, wie kompliziert es ist, sie mit Spielpartnern zu verabreden. Wir sind früher einfach rausgegangen, auch mit 4 Jahren. Da waren immer genug Kinder. Und andere Erwachsene. Heute hat jeder so viel und ich arbeite auch nachmittags und abends und kriege das kaum hin. Organisation frisst schon so viel Zeit. Aber ich versuche auch, es anzunehmen, das Gute zu sehen. Selbst daran, dass unser Kindergarten jetzt erneut Nachweise unserer Arbeitgeber einfordert, weil wir TagesPlätze beanspruchen und der Bedarf daran immer weiter steigt. Wirste verrückt, wenn Du wirklich drüber nachdenkst.

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    1. Danke für Deinen Kommentar, Dieverlorenenschuhe. Ja, man muss immer wieder die Termine checken, ob es nicht zu Viele sind. Wir haben jetzt zwar keine Kinderkurse mehr :-), aber ich tendiere gerade dazu, zu viele Spielverabredungen zu machen, da mein Kind gerade sehr kommunikativ ist und sich sehr gern verabredet.

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  4. Hm ich verstehe die Kommentare nicht. Es geht dich um ein gesellschaftliches Problem das eine einzelne Mutter nicht ad hoc ändern kann.
    Dein Artikel wird scheinbar nicht verstanden. Nehmt es mir nicht übel liebe BloggerInnen aber ihr leugnet auch ;-P.

    Gefällt 1 Person

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