Herzzerreißend

Ich habe ein Gespräch mitbekommen, in dem es darum ging, dass eine Mutter ihre Arbeitszeit um ein paar Stunden reduzieren wollte, es ihr aber verwehrt wurde.

Es war herzzerreißend, zu hören, welchen Belastungen diese alleinerziehende Mehrfachmutter ausgesetzt ist.

Sie schilderte eine Lebenssituation, die mir beim Hinhören den Atem stocken ließ.

Danach musste ich mich erst einmal wieder sammeln.

Dass solche Frauen darum kämpfen müssen, in besonders belasteten Situationen vorübergehend fünf Stunden weniger die Woche arbeiten zu dürfen und auf so gut wie kein Verständnis stoßen, verstärkte mein Gefühl, dass es in unserer Gesellschaft nach wie vor kein echtes Verständnis für die Nöte von Müttern/Vätern gibt.

Wie wird es mit solch einer Mutter weitergehen?

Sie hat darum gebeten, ja regelrecht gebettelt ein klein wenig Entlastung durch die Arbeitszeitreduzierung zu bekommen. Jede Mutter, die dies liest, weiß, dass ein paar Stunden Arbeitszeitreduzierung in einer schwer belasteten Lebenssituation auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können. (Dabei noch gar nicht betrachtet: Die Auswirkungen, wenn aufgrund von Erschöpfung auf einen Teil des Gehalts verzichtet werden muss. Geld fällt weg, wird aber dringend benötigt, wenn man mehrere Kinder hat.)

Sie hat um diese kleine Entlastung gebeten.

Sie hat sie nicht bekommen.

Der nächste Schritt wäre, dass sie irgendwann zusammenbricht und wegen Krankheit ausfällt.

Dann wird der Arbeitgeber vermutlich noch sagen, dass sie jetzt „auf krank macht“.

Anstatt einer reduzierten Arbeitskraft hat der Arbeitgeber jetzt erst einmal eine ganze Zeit gar keine einsatzfähige Kraft mehr.

Sie wird vielleicht finanziell abrutschen, mitsamt ihren Kindern.

Es zerreißt mein Herz, solche Geschichten mitzubekommen.

Warum hat der Arbeitgeber kein Verständnis?

Auch weil wir anderen Mütter nicht über die wahren Belastungen sprechen. Wenn wir mit Betreten unserer Arbeitsstelle unsere Pokerfaces aufsetzen und so tun als ob alles leicht wäre, wird unser Arbeitgeber immer glauben, dass es so viele andere Mütter gibt, die das doch schaffen.

Er wird eine Mutter in Not mit den anderen vergleichen und sie wird immer kleiner werden.

Der Satz „Aber andere Mütter schaffen das doch auch.“, vielleicht noch mit dem Zu-Satz „Organisation ist alles.“  lässt sie wehr- und hilflos dastehen.

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7 Gedanken zu “Herzzerreißend

  1. Solche Situationen sind leider nach wie vor ein Problem in unserer Gesellschaft und egal wie die Mütter oder Väter es machen gegenüber dem Arbeitgeber werden sie im Regelfall „negativ“ abgestempelt.
    Wenn ich diese oder ähnliche Geschichten höre, stellen sich mir immer die gleichen Fragen:
    Wie ist es zu dieser Situation gekommen?
    Warum teilen sich die Eltern nicht die Verantwortung für die Kinder? Das wird im Regelfall im Interesse der Kinder liegen und im Interesse der Eltern (vernünftiges Erwerbs- und Sozialleben für beide).

    Es ist einfach traurig zu hören, dass es immer wieder Elternteile gibt, die sich mehr Entlastung wünschen, aber diese nicht bekommen können, weil der Arbeitgeber oder der andere Elternteil nicht mitspielt. Auf der anderen Seite kenne ich sehr viele Elternteile, mich eingeschlossen, die gerne mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen möchten, aber der andere Elternteil das nicht zulässt.

    Eine verkehrte Welt in der wir leben. 😦

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für Deinen Kommentar. In der geschilderten Situation gab es eine Trennung und keine Hilfe mehr durch den Vater. Es ist aber auch sehr traurig, was Du schilderst. Man möchte Zeit mit seinem Kind verbringen und der andere Elternteil verwehrt es einem. Wirklich verkehrte Welt.

      Gefällt 2 Personen

    1. Ja, zebrafink. Es ist gesamtgesellschaftlich so kurz gedacht. Niemandem nützen kranke Mütter, die ihre Kinder nicht versorgen können und im Job ausfallen. Da brechen ganze Familiensysteme zusammen, die sich nur schwer wieder aufrappeln können.

      Gefällt 1 Person

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