Variierte Urlaubsberichte

Mein Urlaub war mal schön, mal so es geht, mal überhaupt nicht erholsam.

Kann ich mich nicht entscheiden, wie er war?

Doch, ich weiß, wie er war: Es gab viele schöne Ausflüge mit meinem Kind, stundenlanges Tierestreicheln und -füttern, Radfahren, im Meer baden, morgens Brötchen holen, Büchervorlesen, das Entdecken immer wieder neuer Lokalitäten, in denen man sein Kind bespaßen konnte etc.

Es war ein rundum toller Kinderurlaub, bis auf die Tatsache, dass wir Erwachsenen abends wie zwei tote Fliegen auf dem Sofa in der Ferienwohnung saßen und unser  Kind abends gefühlt zu lange fernsehen ließen. Unser Kind wollte doch gern abends um zwanzig Uhr noch zum Stadtfest, nachdem es am Tag schon einen Besuch im Puppentheater und eine Unternehmung mit dem Rad gegeben hatte. Es tanzte abends auch ziemlich lange Salsa als wir an unseren Säften nippten und uns nach Griechenland träumten (passt nicht zu Salsa, aber ist eines unserer Lieblingsurlaubsländer). Um einundzwanzig Uhr ging ich meist mit unserem Kind ins Bett und der Papa schaute noch weiter fern.

Mitten im Urlaub sagte sich Besuch an. Ich kann es nicht leiden, wenn im Urlaub mein Alltag auch noch vorbeikommt, dann brauche ich doch nicht in den Urlaub fahren. Aber natürlich waren es liebe Menschen und sie hatten natürlich einen Grund, den man dann auch nicht ignorieren wollte (Ich sage Euch, das war das erste und letzte Mal, dass ich auch noch Besuch im Urlaub empfange!). Sie haben gar nichts Schlimmes gemacht, außer einfach zwei fertige Eltern, die vorher angekündigt hatten, dass sie dringend Erholung brauchen, nur mal kurz besucht. (Grrrrrr …. 😉 )

Man kann einen Ferienwohnungsurlaub übrigens so beschreiben: Es ist toll, wenn das eigene Kind seine Marotten hat und nicht fünfhundert Leute im Speisesaal zuschauen. Es ist nicht so toll, wenn man im Urlaub den ganzen Tag Haushalt macht in einer einem nicht ganz so vertrauten Haushaltsumgebung, regelmäßig Einkaufen geht und zum Waschen in den Keller rennt. Ich bin verwöhnt, ich gebe es zu.

Gegen Ende des Urlaubs wurde ich krank. Mein Kind und mein Mann wurden hingegen im Laufe des Urlaubs immer fitter. Sie überredeten mich zu immer längeren Abendaktivitäten und wussten gar nicht, wohin mit ihrer Energie. Ich hatte meine Schätze wohl zu sehr verwöhnt und geschont. (Notieren: Daran muss ich noch arbeiten!)

Am Tag der Abreise räumte ich schweißgebadet die Ferienwohnung auf, zog die Betten ab etc., denn ich hatte erhöhte Temperatur (Merke: Nimm‘ niemals eine Ferienwohnung ohne eine Endreinigung. Niemals!). Mein Mann ging mir mehr oder weniger hilfreich zur Hand. Als er mir jedoch sagte, es gäbe doch gar nichts mehr zu tun (er hat da nicht so einen Blick für), entschieden wir uns, dass er unser Kind mit nach draußen nimmt.

Abends daheim hatte ich Schüttelfrost und stellte fest, dass Urlaub eine echte Gefährdung für meine Konstitution ist.

Bei der Arbeit erzählte ich dann die verschiedensten Urlaubsversionen. Dem Kollegen ohne Kind gab ich nur die üblichen zu erwartenden Eckdaten wieder (in der „Alles-im-Griff-Attitüde“, denn eine Bemerkung á la „Ja, haben Sie denn Ihr Kind nicht im Griff?“ hätte wahrscheinlich gleich für einen nächsten Fieberschub bei mir gesorgt“), meinen Vorgesetzten lächelte ich an und faselte etwas davon, wie gut die Seeluft tue (mein permanentes Husten den ganzen Vormittag ist ihm nicht entgangen, aber er freute sich, dass wir beide so erfolgreich meine eigentliche Nicht-Einsatzfähigkeit im Büro ignorierten) und der Kollegin, die ebenfalls dafür bekannt ist, dass sie ihr Leben momentan nicht so richtig im Griff hat, servierte ich die nackten Fakten:

Mein Urlaub war kein Urlaub, aber meinem Kind hat es sehr gut gefallen.

Nachdem ich nun eine Weile krank war, aber trotzdem zur Arbeit gegangen bin (mit meinen wenigen Tagen pro Woche will man sich natürlich nichts nachsagen lassen), gucke ich heute schon fröhlicher aus der Wäsche.

Die Omi passt heute auf.

Heute ist Sommerurlaub.

Endlich.

 

Eigentlich war das alles in allem ein ziemlich perfekter Urlaub mit kleinem Kind. Leider sorgt mein Alltag dafür, dass ich nicht wirklich urlaubsfähig bin. Es ist meine Aufgabe, mich im Alltag weiter so zu entlasten, dass ich auch mal wieder einen Urlaub als das wahrnehmen kann, was er sein soll.

 

P.S.:  Zu diesem Beitrag hat mich ein Text von „Mein Name sei Mama“

https://meinnameseimama.com/

inspiriert: Urlaubs(an)denken

Urlaubs(an)denken

Lest mal hinein. Sie trifft es wie immer auf den Punkt.

 

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8 Gedanken zu “Variierte Urlaubsberichte

  1. Besser ein Hotelappartment – da kommt die Putzfrau und gegessen wird im Restaurant 😉
    Nach jedem (nervenaufreibenden) Essen im Speisesaal habe ich mich, mit Blick auf die Verwüstung, gefragt, ob es überhaupt möglich wäre noch mehr Chaos anzurichten *unauffällig ab*

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  2. Für mich ist es im Urlaub ganz wichtig, dass mein Mann & ich auch mal was getrennt voneinander machen… dann nimmt einer die Kinder und der andere hat einen Vormittag/Nachmittag zur freien Verfügung. Sonst ist es wirklich kein Urlaub, sondern nur Alltag (Wochenende) unter erschwerten Bedingungen. 😉

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    1. Sehr gute Sache. Das kommt bei uns leider noch viel zu kurz und das sollten wir dringend ändern. Mein Mann hat mich gern immer als Support dabei, damit ich alle wichtigen Dinge aus meinem Rucksack zaubere ;-).

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  3. Nach unserem Zelturlaub dieses Jahr hab ich auch festgestellt, dass der Urlaub zwar Wirklich und echt sehr schön war aber es nicht viel mit Erholung zu tun hatte.
    Ich hab mir selbst zu 100 Prozent geschworen, dass wir nächstes Jahr irgendwo Allinklusive Buchen. 😀 Mit Zimmerservice und allem Drum und Dran.

    Gute Besserung.

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  4. Ich habe dieses Jahr das erste Mal einen Urlaub gehabt, in dem ich mal nicht permanent gefordert war bzw. mich fordern lies. Denn ich habe einfach dem Noch-Mann die Kinder überlassen oder meiner Mutter, ihrem Mann und meinem Bruder. Meine Mama hat immer das Frühstück gemacht und insgesamt hat jeder mal für irgendwas rund ums Haus gesorgt. So hatte ich wenige Momente nur für mich. Das tat gut.

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