Gedanken einer schlaflosen Nacht

Gestern Abend habe ich, wegen der späten Uhrzeit, zu der ich zu Bett ging, meine Tablette nicht nehmen können, die mir schon seit einer ganzen Weile hilft, die Nacht durchzuschlafen.

Das ist nicht schlimm an Tagen, an denen ich keine Sorgen habe. Ging der Nacht jedoch ein Tag voraus, der sehr anstrengend oder aufwühlend war, wache ich nachts wieder genau zu der Zeit auf, die mir aus den Zeiten meiner schlimmsten Schlafstörungen bekannt ist. Das beunruhigt mich. Ich werde es mit meinem Arzt besprechen. Es ist vermutlich einfach ein Zeichen, dass ich die Tabletten leider noch länger brauche.

Wenn ich dann wieder ins Grübeln gerate, dann kommen mir folgende Gedanken in den Sinn.

Warum halten wir alle das sich immer schneller drehende Leben nicht an?

Warum lassen wir andere unter dem leiden, was uns selbst kaputt macht?

Vor einer Woche gingen wir in ein Restaurant. Es war ein verregneter Tag und das Restaurant war komplett überfüllt. Ich sah einen Kellner wie wild durch die Gegend flitzen, später entdeckte ich noch einen zweiten Kellner. Es war beklemmend, ihnen zuzusehen. Das Beobachten machte einen atemlos. Mein Mann und ich warteten erst einmal geduldig ab, ob der Kellner Zeit für uns haben und uns irgendwann bemerken würde. Das tat er aber nicht. Wir beschlossen, zu warten, denn es wurde einem beim Hinsehen schwindelig. Wir warteten eine dreiviertel Stunde. Leute kamen und gingen. Viele, die nach uns kamen, wurden vor uns bedient. Die Kellner arbeiteten immer noch in einem unglaublichen Tempo, der Kopf des Einen war mittlerweile hochrot. An den Gesichtern der anderen Gäste konnte ich die Unzufriedenheit ablesen. Sie scheuchten den Mann, erwarteten Bedienung, aber pronto. Irgendwann hob ich zaghaft den Arm und suchte Blickkontakt zum Kellner. Nachdem ich das noch zweimal versuchte, kam er zu uns und nahm ganz freundlich die Bestellung auf. Ich sagte zu ihm: „Sie haben heute aber wirklich einen wahnsinnigen Job“. Erleichterung huschte über sein Gesicht. „Ja, gestern waren wir noch Vier. Das ging gerade so. Heute müssen wir alles zu Zweit schaffen.“ Er bediente uns zuvorkommend und mir war in dem Moment klar, dass er uns schon lange gesehen hatte. Er hat vermutlich nach dem allzu verständlichen System „Ich bediene zuerst die, die am unangenehmsten werden können.“ gearbeitet und das war aus seiner Sicht genau richtig. Aus unserer Sicht übrigens auch. Ich hatte nämlich Angst, dass er vor den Augen aller Gäste kollabiert, so sehr in Hetze war er.

Es belastet mich, zu sehen, dass Menschen, die selbst an ihren Arbeitsstellen Gehetzte sind, in ihrer Freizeit ihr eigenes Leid vergessen und Anderen genau das Gleiche antun.

Und ich weiß: „Wenn wir alle weiter so handeln, kann es nicht besser werden.“ Wenn wir glauben, dass wir Waren und Dienstleistungen überall nahezu zum Nulltarif bekommen können, dann wollen auch andere möglichst viel Leistung von uns sehen, ohne uns dafür angemessen zu entlohnen.

Es leidet alles.

Wir konsumieren immer mehr in weniger Zeit und wir leben immer weniger.

 

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6 Gedanken zu “Gedanken einer schlaflosen Nacht

  1. Ich wäre gar nicht erst geblieben. Wenn ich schon sehe, dass es so voll ist. Zum einen ist es mir dann zu laut, zum anderen mag ich es nicht, wenn das Personal sich abhetzen muss. Dienstleistung braucht einfach Zeit und Ruhe. Ich will kein Stressfaktor sein, da könnte ich selbst nicht in Ruhe essen. Ich bin ansonsten eher „Kein Stress, ich hab Zeit.“ und sage das auch (wie gesagt, ich mag kein Stressfaktor sein).

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