Situationen sind nie schlecht – Sie waren immer nur schlecht

Mir ist etwas Interessantes aufgefallen.

So gut wie alle Mütter, die ich kenne, und oft auch ich selbst, trauen sich erst über eine schwere Zeit zu sprechen, wenn sie schon (fast) wieder vorbei ist.

Wechselt man die Kita, weil die Qualität katastrophal war, wundert sich das eigene Umfeld zu Recht, wenn man drei Wochen vorher noch davon gesprochen hat, dass in der Kita alles gut sei.

Lässt man sich scheiden, wundert sich das Umfeld zu Recht, wenn man vor zwei Monaten noch von seinem hilfsbereiten Partner im Kreise anderer Mütter geschwärmt hat.

Ich finde es auch sehr irritierend, wenn mir eine Mutter noch vor drei Monaten erzählt hat, sie würde total gern 40 Stunden die Woche arbeiten und es würde super laufen, mir dann drei Monate später auf Nachfrage aber wie selbstverständlich sagt, sie würde 20 Stunden die Woche arbeiten. Das kann mich schon richtig wütend machen, weil ich doch sehr offen damit umgehe, dass ich mich belastet fühle.

Die meisten Frauen um mich herum fühlen sich auch belastet, nur erzählen sie einem wirklich oft Lügengeschichten. Das hat mein Vertrauen in andere Mütter auch nicht gerade wachsen lassen.

Ich halte ihnen und auch mir aber oft zugute, dass wir alle eine Fassade aufrechterhalten, weil wir glauben, dass wir es müssen. Nicht zuletzt für unsere Kinder. Damit nicht noch andere Leute auf die Idee kommen, man käme nicht klar. Dann hat man nämlich gleich noch mehr Probleme.

Aber, liebe Mütter, die Ihr dies lest, das ist auf Dauer nicht die Lösung. Da bin ich mir ganz sicher. Deshalb versuche ich, immer wieder anzumerken, dass ich keine Maschine bin, die keine eigenen Bedürfnisse hat und die nichts glücklicher macht als nach der Arbeit schweißgebadet zu irgendwelchen Kinderkursen zu hetzen.

Ich habe auch auf eine nette Nachfrage den Posten der Elternvertreterin in der Kita abgelehnt. Nicht, weil ich mich nicht für diese wunderbare Kita engagieren wollte, die ich unglaublich schätze. Ich schaffe es einfach nicht.

Jetzt ist es vermutlich wieder eine Mutter geworden, die sich nicht getraut hat, „Nein“ zu sagen und die damit auch total überlastet ist. Das ist schade.

Aber es wurde beim Elternabend auch wieder fleißig danach gefragt, was die Kita noch alles bieten kann. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn wir als Eltern dann auch in die Pflicht genommen werden.

Wenn ich nicht so fertig wäre, würde ich mich als Elternvertreterin wählen lassen und die anderen Eltern gern mal fragen, wieso sie die Kita eigentlich so mit Ansprüchen triezen, wenn sie selber nur noch überlastet sind.

Irgendetwas läuft da richtig, richtig falsch.

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10 Gedanken zu “Situationen sind nie schlecht – Sie waren immer nur schlecht

  1. Zum Glück sind nicht alle Mütter so… ich bin eher der ehrliche Typ… und kenne auch andere. Und meine Erfahrung ist auch, so offen wie ich bin, sind eher auch die anderen. Inzwischen gehe ich oft bewusst vorn weg. Und häufig öffnen sich dann auch andere Mamas.
    Aber ich gebe dir recht, manche eine möchte das gar nicht hören… denn dann wird sie vielleicht an Ihre Probleme erinnert, die sie gerade versucht zu verdrängen…
    LG

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      1. Ja! Das finde ich auch. Und das muss ja nicht gleich heißen, dass ich jeder auf dem Spielplatz mein Leben auskippe… ich glaube, das hat man doch im Gefühl und entwickelt sich. Aber ich kenne eben Frauen, die ich sogar länger „kenne“, bei denen ich sogar schon zu Hause war und die nichts blicken lassen. Also auch, wenn ich von mir spreche, bleibt es oberflächlich. Komisch. Also auch da gibt es Grenzen. Zum Glück ist das eher die Ausnahme und mit solchen Frauen könnte ich auch keine Freundschaft pflegen. Aber ansonsten… Die meisten Mütter sind dankbar, wenn man nicht auf perfekt macht. Ich kann jede Mutter da nur ermutigen: Wir sind die Gesellschaft. Wir können bestimmen, wie wir zusammen leben wollen und wie unsere Kultur aussehen soll. Wir müssen es nur machen.
        Lg

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  2. Hm ich kann dir nur bedingt zustimmen. Ich würde mich als offen & ehrlich beschreiben, Ämter würde ich aufgrund von allgemeinem Zeitmangel auch ablehnen oder offen sagen, wenn ich überfordert bin…
    Allerdings erzähle ich das nicht meinen „Mütter-Bekanntschaften“, da das meist oberflächliche Kontakte sind und ich auf dem Dorf/Kleinstadt lebe.
    Wenn ich also Stunden kürzen möchte und das öffentlich kund tue, muss ich es meinem Chef nicht mehr persönlich erzählen😉
    Ähnlich bei Beziehungsproblemen, aber gute Freunde und die Familie wissen in jedem Fall bescheid…

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  3. Ich mag fast drauf wetten, dass die, die immer wieder neue Aktionen in der KiTa fordern, gar nicht mal so die überforderten Eltern sind. Jede Unternehmung, jedes Programm kostet Geld, dass Eltern dann wieder beisteuern müssen. Oder eben eigene Arbeitskraft.
    Es gibt viele Seiten, diejenigen, die tatsächlich nicht darüber reden, wie schwer es gerade tatsächlich ist, diejenigen, die aus jedem quersitzenden Pups ein Drama mach (und in folge dessen geschafft sind), die die schlicht ehrlich mit ihrer Situation umgehen und diejenigen, die sich und allen anderen gepflegt in die Tasche lügen und andere abstrafen, wenn sie offen über die Probleme reden. Dadurch denken Erstgenannte dann wiederum, dass sie etwas falsch machen und sie dürften nicht ehrlich sein. Was es denen, die um Ehrlichkeit bemüht sind, wieder schwer macht. Oft ist es alledings wirklich so, dass andere einfach nicht hören wollen, dass es einem gerade nicht gut geht, egal ob als Mutter oder nicht. Denn wenn man weiss, dass es dem anderen nicht gut geht, muss man sich ja darum kümmern und das geht ja gaaaar nicht. (Alternativ halten sie diesen Menschen dann Versagen und Unfähigkeit vor. Nicht nur eine Spezialität unserer Elterngeneration.)

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    1. Danke für Deinen Kommentar, Ilaina. Ich muss mal rausfinden, wer genau da immer neue Ideen hat, was die Kita noch alles machen kann. Wir haben eine Kita, die keine Wünsche offen lässt und man hat immer noch Forderungen. Das regt mich wirklich auf. Insbesondere, weil ich weiß, wie schlecht andere Kitas in unserer Stadt sind.

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