Kindermund X

„Duhu, Mama, wenn ich groß bin und auch ein Kind habe, könnt Ihr dann aus der Wohnung hier ausziehen? … Ich weiß nicht, ob ich dann genug Geld habe, um eine neue Hütte zu kaufen.“

Ein vorausschauendes Wesen, mein kleiner Schatz. Was will ich mehr? 😉

 

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Die Menschenwürde ist unantastbar. Wirklich?

Mit „Mama streikt“
https://mamastreikt.wordpress.com/
habe ich heute nicht nur einen für mich sehr interessanten Blog einer mutigen Mutter gefunden, sondern auch noch den Tipp für ein Buch von Mariam Irene Tazi-Preve mit dem Titel „Das Versagen der Kleinfamilie“. Warum die Verfasserin von „Mama streikt“ so mutig ist, könnt Ihr hier lesen: https://mamastreikt.wordpress.com/2017/06/14/als-mamalie-streikte/
Aber nun erst einmal zur Buchrezension von „Mama streikt“. Vielen Dank für die freundliche Erlaubnis, diese auf meinem Blog rebloggen zu dürfen.

Mama streikt

Ende August bekam ich per E-Mail eine Anfrage für die Rezension des Buchs: „Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat“von der Autorin Mariam Irene Tazi-Preve. Ich war erst einmal aus 2 Gründen misstrauisch: Mein „junger“ Blog hat (noch!) keine so große Reichweite. Des Weiteren muss ich ehrlich gestehen, dass ich vorher noch nie etwas von der Autorin gehört oder gelesen hatte. Internet sei Dank konnte ich schnell herausfinden, dass es die Professorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung wirklich gibt (ist mir jetzt schon fast peinlich das zu schreiben, aber es war halt so) und ich den Link für die Buchbesprechung in der E-Mail beruhigt anklicken konnte. Natürlich hat mich die Anfrage dann, als ich mein Misstrauen überwunden hatte, gefreut und ich habe angefangen mit Enthusiasmus zu lesen. Nach den ersten 30 Seiten habe ich das Buch dann weggelegt und mich gefragt, ob ich es tatsächlich zu Ende lesen…

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Ich bin nicht allein …

mit den Gefühlen

der Überforderung,

der Übermüdung,

des Gehetztseins

der letzten Jahre.

Um das zu begreifen, muss ich mir nur Frauenzeitschriften genauer ansehen.

Es ist auffallend, dass in vielen dieser Magazine mittlerweile auf jeder x-ten Seite für Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Vitaminpräparate geworben wird. Achtet einmal darauf.

Eine Werbung fand ich besonders treffend, aber auch traurig:

Abbildung einer Mutter mit Kind

Darunter sinngemäß die Worte: „Sie sind von der Arbeit gestresst. Ihr Kind will unterhalten werden. Nehmen Sie etwas von unserem Vitaminpräparat.“

Ist das unsere Zukunft? Medikamente, Aufputschmittel und Vitaminpräparate?

Aber das eigentliche Problem bleibt bestehen. Die systematische Überforderung von Eltern.

Aber nicht nur die.

Die systematische Überforderung von uns allen.

Heute morgen blockierte mir ein Müllwagen den Weg zum Parkplatz. Ich wartete geduldig und warf einen Blick ins Fahrerhaus.  Da saß keiner drin. Dann kam ein Mann angehetzt und warf sich hinters Steuer und fuhr den Wagen weiter. Was ist das wohl für ein Arbeitstag? Den Wagen ein Stück bewegen, dann herausspringen, schwere Mülltonnen wuchten, wieder ans Steuer springen, weiterfahren …

Das ist doch nicht normal.

Kinder an sich sind nicht stressig

Heute morgen fuhren mein Kind und ich mit Bus und Bahn zur Kita. Da ich heute frei habe, war ich morgens schon einigermaßen entspannt.

Mein Kind hatte von mir ein Milchbrötchen versprochen bekommen und wollte dieses essen, während wir unten an der Bahn auf der Bank sitzen und ankommende und abfahrende Züge und die vielen ein- und aussteigenden Menschen beobachten. Also saßen wir inmitten der hektischen und nicht gerade glücklich dreinblickenden Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit waren, und mein Spatz mümmelte sein Milchbrötchen. Als wir damit fertig waren, stiegen wir in unsere Bahn und fuhren zur Kita.

Es fiel mir auf, wie wenig Kinder in der Bahn waren. Wie die Leute guckten, sich ihr trüber Blick aufhellte, weil mein Kind sich fröhlich zu allem äußerte („Hui, Mama, da kommt noch eine Bahn“) und das Leben einfach nur spannend fand.

In diesem Moment wusste ich wieder ganz genau, dass dieses kleine Mädchen neben mir der größte Schatz ist, den man nur haben kann. Sein Blick auf die Welt, sein Urvertrauen, seine Fröhlichkeit.

Es macht mich nur traurig, dass ich an stressigen Arbeitstagen nicht immer so auf dieses kleine Mädchen eingehen kann, wie ich möchte.

Dieses kleine Mädchen ist von Natur aus nicht anstrengend und stressig und andere Kinder sind es auch nicht. Stressig ist es, sie in unser Erwachsenenleben zwängen zu müssen, mit all‘ seiner Hektik. Stressig nicht nur für uns, sondern ganz besonders für sie, die Kleinen, die gern verweilen und alles mit ihren Sinnen aufnehmen, die unbeschwert sein wollen, ausgelassen und fröhlich.

Teilzeitfalle mal anders

Ich lerne gerade eine ganz neue Teilzeitfalle kennen.

Wegen Überlastung habe ich als Mutter mit Kind, Job und Haushalt meine Arbeitszeit auf 15 Stunden die Woche reduziert und war sehr glücklich damit.

Aber unsere Arbeitswelt wäre nicht unsere Arbeitswelt, wenn das lange so bliebe.

Nein, es gibt leider seit Monaten eine Entwicklung dahin, dass ich in 15 Stunden die Arbeit von 25 Stunden schaffen soll.

Ich arbeite jeden meiner Arbeitstage quasi im Akkord, um alles zu schaffen.

Heute gab mir mein Chef dann noch neue Aufgaben, obwohl sich die nicht geschafften Aufgaben noch bei mir stapeln.

Ich habe es gewagt, zu sagen, dass ich die neuen Aufgaben in nächster Zeit nicht schaffe, wenn ich die alten Aufgaben alle noch erledigen soll.

Da fing er an, mit mir über Effizienzreserven in meiner Arbeitszeit zu diskutieren  á la „Dann gehen Sie doch mit Tempo 50 km/h zum Drucker anstatt mit Tempo 30 km/h“. Und es wurde mir vorgeworfen, dass ich viel zu freundlich sei, wenn jemand etwas von mir wolle.

Aha!

Da habe ich angemerkt, dass, wenn das so weiterginge, ich meine Arbeitszeit nie mehr aufstocken könne, da ich nach den fünfzehn Stunden pro Woche fix und fertig bin.

Das ist also die neue Teilzeitfalle für Mütter. Unmenschliches Pensum in den verbleibenden Stunden und wie eine Zitrone ausgepresst werden.

Aber nein.

Mein Chef deutete ja gleich an (weil er mich gern an mehr Tagen da hätte), dass ich beim Aufstocken meiner Stunden ja nicht automatisch mehr Aufgaben bekäme.

Wer’s glaubt, wird selig!

Was ist das Grundproblem in Teilzeit arbeitender Mütter?

Alle denken:

Die arbeitet ja nur in Teilzeit.

Die hat ja noch ganz viel Zeit …

um sich zu erholen, wenn sie von der Arbeit kommt (denkt man bei der Arbeit und lässt sie im Akkord arbeiten)

Die hat ja noch ganz viel Zeit …

um neben dem Haushalt (der ja keine Arbeit macht)

  • die Kita zu renovieren
  • Elternvertreterin zu werden
  • den Ausflug zu begleiten
  • den Kuchen zu backen
  • das Geschenk zu besorgen
  • sich um Omi zu kümmern
  • andere Kinder nachmittags zum Spielen einzuladen
  • XY unter die Arme zu greifen
  • die Blumen des Nachbarn zu gießen
  • Therapien mit dem Kind zu absolvieren (die dem Kind zwar nichts nützen, aber eben auch nicht schaden 😉 )
  • die Kinokarten zu reservieren
  • sich körperlich fit zu halten
  • mit dem Kind diverse Kinderkurse zu besuchen
  • Weihnachtsdeko zu basteln
  • sich gesund zu ernähren
  • sich für die Hochzeit im Freundeskreis etwas Grandioses auszudenken
  • die Pakete für alle Nachbarn anzunehmen
  • auf dem Kinderflohmarkt Sachen zu verkaufen

(denkt man in allen anderen Lebensbereichen)

und

Die hat ja noch ganz viel Zeit …

  • um sich zu erholen, wenn sie bei der Arbeit ist (arbeitet doch nur ein paar Stunden, da muss sie bestimmt nicht viel tun)