„Wann kann ich Sie anrufen?“

Ich bin Mutter und berufstätig, also eigentlich nie.

Diese Frage lässt mir oft den Atem stocken, besonders wenn ich ein wichtiges Anliegen habe, das ich klären muss.

Bei der Frage, wann man denn angerufen werden kann, offenbart sich die ganze Fremdbestimmtheit und naturgemäße Unflexibilität einer Mutter.

Und ich bin eigentlich gesegnet. Ich habe zwei freie Vormittage. Aber es klingt auch ein wenig komisch, wenn man einen Anrufer, von dem man etwas will, auf einen so kleinen Zeitkorridor festlegt, in dem man angerufen werden kann.

Mal überlegen … wann kann ich denn angerufen werden?

Nicht, wenn mein Kind morgens angezogen und zur Kita gebracht werden muss, auch nicht, wenn ich zur Arbeit gehe, ebenfalls nicht, wenn ich zur Kita hetze und ein manchmal übelgelauntes Kind abhole. Wenn ich dann zuhause bin? Auch keine gute Idee. Da ist ja mein Kind da und es hat den Bogen raus. Wenn Mama telefonieren muss, bringt es meist im Sekundentakt neue Forderungen hervor: „Ich will jetzt ein Maoa* haben.“, „Kann ich Mia und M* gucken?“, „Ich habe so großen Hunger.“, „Ich verhungere. Du hast mir schon seit Stunden nichts zu Essen gegeben.“ Besonders Letzteres macht sich sehr gut bei seriösen Gesprächspartnern, die selbst keine Kinder haben und die Lage nicht wirklich einschätzen können.

Also, wann kann man mich anrufen?

Die Frage treibt mir den Schweiß auf die Stirn.

Vielleicht nachts um 23 Uhr. Da schläft mein Kind mit Sicherheit. Ich befinde mich da dann aber meist auch in einem schlafenden Zustand.

Wenn ich Schlafstörungen habe, ginge es vielleicht. Zwischen 2 und 4 Uhr nachts hat man manchmal gute Chancen.

Ach, wissen Sie was, rufen Sie mich an, wann sie wollen. Ich werde improvisieren. Für den Fall, dass Sie mich erreichen wollen, stelle ich eine kleine Tüte zusammen, mit Marshmallows, Smarties und Keksen. Aus gesundheitlichen Gründen und für mein gutes Gewissen lege ich auch noch ein Käsebrot und eine Möhre hinein.

Die überreiche ich meinem Kind und habe dann ein Zeitfenster von fünf Minuten für ein vernünftiges Gespräch, bis es vom Rücksitz meines Autos tönt „Mama, ich habe solchen Hunger. Ich habe seit Stunden nichts gegessen.“

Oder nur ein Zeitfenster von einer Minute, weil es dann nämlich heisst „Iiiiih, eine Möhre. Mama, Du weisst, dass ich keine Möhren mag“ … Der Rest geht im Geschrei unter.

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7 Gedanken zu “„Wann kann ich Sie anrufen?“

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