Für Mütter, die sich langsam aber sicher in den Burnout schuften

Es interessiert niemanden, was Du früher einmal geleistet hast, sondern immer nur das Hier und Jetzt, also wie leistungsfähig Du heute bist.

Es gibt keinen Bonus aus vergangenen Zeiten.

Bedenke das, bevor Du Dich in die totale Erschöpfung arbeitest. Denn dann wird Dir keiner bzw. kaum einer helfen und sich auch kaum jemand daran erinnern, was Dich in die Erschöpfung getrieben hat. Ganz besonders die Personen, die von Deinen unermüdlichen Leistungen profitiert haben, werden es vergessen haben.

Sorge dafür, dass es nie so weit kommt, dass Deine Leistungsfähigkeit als Folge eines Burnout auf Dauer eingeschränkt ist. Das ist die beste Versicherung für ein zufriedenes und unabhängiges Leben.

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Entspannt euch, Mütter!*

Der Text „Entspannt Euch, Mütter!“ von Westendmum http://www.westendmum.com gefällt mir sehr, weil er so ehrlich ist. Er stellt eine sehr treffende Zusammenfassung diverser Stressfaktoren für Mütter dar, von denen nicht wenige auch von uns Müttern selbst gemacht sind. Ich reblogge ihn nun mit freundlicher Erlaubnis von Westendmum. Vielen Dank!

westendmum

„Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen“1 – Oh mein Gott! Wie konnte es nur so weit kommen? Mütter sind gestresst wie nie, aber nicht, weil die Kinder heute anstrengender geworden sind als sie es in früheren Generationen waren, oder weil sie mit weniger Geld und Mitteln das Gleiche bewältigen müssen als noch vor 30 Jahren (ganz im Gegenteil!) … Nein, das Problem ist ein gesellschaftliches. Eine Gesellschaft, in der alles möglich sein muss, die von sich selbst und anderen viel zu viel erwartet. Das Problem sind wir Mütter selber!

Mütter wollen einfach alles perfekt haben, qualitativ hochwertig und stets pädagogisch wertvoll – denn so wird es ja schließlich auch von einem erwartet. Die krassen Beispiele vom Chinesischkurs in der Kita und Kinderwochen, deren Tagesabläufe bis in die letzte Minute…

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An alle Mütter, die sich am Limit befinden – Geld versus Zeit

Bitte bedenkt eine Sache:

„Zeit ist Geld.“

Für mich heißt das aus meiner eigenen Erfahrung:

„Keine Zeit oder zu wenig Zeit zu haben, kann sehr viel Geld kosten.“

Keine Zeit zu haben und immer in Hetze zu sein, bedeutet:

Man kauft teurere Produkte.

Man kauft aus Frust mehr Produkte.

Man denkt nicht nach.

Man ist an manchen Tagen so mit den Nerven am Ende, dass man sogar mal ein Taxi nimmt, obwohl auch der Bus gegangen wäre.

Man kauft dem Kind viele Dinge gegen das schlechte Gewissen, und stellt fest, dass man die gekauften Spiele nicht einmal mit ihm gespielt hat.

Man muss finanziell Missgeschicke ausgleichen, wie z.B. das Anfahren eines anderen Autos beim Ausparken, weil man mal wieder in Eile war.

Man kauft oft wahllos ein. Da man keine Zeit hat, sich die Käufe vorher zu überlegen, kann es passieren, dass man zweimal ein Geschenk für einen lieben Menschen kauft, das man später für unpassend befindet und noch ein drittes Mal losziehen muss.

Man muss sich permanent irgendwo bedanken und kauft dafür auch das ein oder andere Geschenk. Z.B. möchte man sich bei der Nachbarin bedanken, die den Hausschlüssel gefunden hat, der einem bei der verspäteten, rasanten Abfahrt zur Kita vom Autodach geflogen ist.

Man schafft es nicht, die Steuer pünktlich einzureichen und muss Strafe zahlen.

Man hat keine Zeit, vernünftig zu essen, nimmt immer mehr an Gewicht zu und muss deshalb neue Kleidung kaufen.

Man verliert generell den Überblick und es summieren sich die Probleme.

Ich weiß, dass es leider sehr viele Mütter gibt, die nicht die Wahl haben, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Mütter, die teilweise mehr als am Limit sind und wofür unsere Gesellschaft die Verantwortung trägt.

Aber ich kenne auch viele Mütter, die am Limit sind und bei denen noch Luft ist. Mütter, die, wie ich es tat, das zusätzlich verdiente Geld fast vollständig dafür ausgeben, ihre Erschöpfung auszugleichen (s.o.).

Sie sollten sich fragen, ob der Preis für mehr Gehalt nicht ihre Lebensqualität ist, ihre körperliche und psychische Gesundheit und die ihrer Kinder und ggf. Partner.

Sie sollten sich fragen, ob das Mehr an Gehalt, das aufgrund der Mehrbelastung durch die Arbeitsstunden ihr Leben aus dem Takt bringt, nicht am Ende dafür sorgt, dass sie den Überblick verlieren und per Saldo finanziell schlechter dastehen als wenn sie weniger gearbeitet hätten.

„Gesundheit kann man nicht kaufen.“ (Zitat)

oder

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ (Zitat)

 

Totale Erschöpfung – Welche Maßnahmen mir als Mutter in den letzten Monaten wirklich geholfen haben

Ich mag mein Leben wieder. Ich habe das Gefühl, nicht mehr durch mein Leben zu hetzen und dass es aus dem Tal auch wieder einen Weg nach oben gibt.

Für alle Mamas da draußen, die regelmäßig bei mir lesen, schreibe ich nun auf, was mir wirklich geholfen hat und noch hilft:

  1. Die Arbeitszeitreduzierung und gleichzeitige Reduzierung der Anzahl der Tage, die ich in der Woche arbeite. Letzteres hat mir einen weiteren Tag in der Woche das morgendliche und nachmittägliche Gehetze gespart.
  2. Das noch stärkere Prioritätensetzen bei der Arbeit und das genaue Artikulieren der Situation („Wenn ich das jetzt mache, dann komme ich heute nicht mehr zu …“, „Diese Aufgabe würde einen Tag in Anspruch nehmen“, „Das habe ich leider nicht geschafft.“). Außerdem achte ich darauf, keine Aufgaben anzunehmen, die eigentlich gar nicht von mir übernommen werden müssen. Diese genaue Abgrenzung gelingt nicht immer, aber immer öfter.
  3. Ich habe verstanden, dass ich bei der Arbeit auch mal eine Tabelle abgeben kann, die in meinen Augen nicht perfekt ist (in Bezug auf Formatierung etc.). Es reicht, wenn sie ihren Zweck erfüllt und die Fragen des Chefs beantwortet.
  4. Eine Reinigungskraft, die mir in regelmäßigem Abstand Grund in den Haushalt bringt.
  5. Das schonungslose Bekennen und der offene Umgang mit meiner totalen Erschöpfung vor meiner ganzen (auch erweiterten) Familie. Sie haben es nun begriffen, dass ich mein Leben verändern muss, dass ich ihren Leistungsansprüchen nicht mehr genügen kann und auch nicht will. Komischerweise verändern sich einige von ihnen gerade in die gleiche Richtung und machen es mir dadurch ein wenig leichter.
  6. Die Verwendung eines Familien-Wochenplaners, der mir durch das schnelle Draufschauen visualisiert, wenn die Wochen zu voll sind. Mein Ziel: Nur zwei Termine die Woche zu haben, einer davon kann schon ein Arztbesuch für mein Kind sein (Dieses Ziel erreiche ich natürlich nicht immer, aber es hilft bei der Begrenzung).  Bevor ich einen Termin mache, gucke ich auf diesen Wochenplaner und überlege, wie sich die Woche mit ihren Eintragungen anfühlt. Fühlt sie sich schlecht an, dann schlage ich einen Termin in der nächsten oder übernächsten Woche vor.
  7. Wir machen am Wochenende Familienausflüge in die Natur. Das haben wir schon immer gemacht, aber trotzdem möchte ich noch einmal betonen, wie gut die frische Luft und Natur tut.
  8. Ich gehe viel mit meinem Kind auf den Spielplatz in der Nachbarschaft. Ich lade ab und zu Kinder ein.
  9. Wenn ich erschöpft bin oder wenn ich einfach Lust darauf habe, legen wir auch einmal einen Kuschelnachmittag mit Vorlesen und Nichtstun ein. Mein Kind spielt dann oft für eine ganze Weile sehr schön und ich lese auf dem Sofa.
  10. Wir besuchen keinen einzigen Kinderkurs und uns fehlt nichts.
  11. Die Einnahme eines Antidepressivums in geringer Dosis und zwar seit Monaten jeden Abend. Seitdem kann ich wieder schlafen und wache nachts nicht für mehrere Stunden auf. Ich habe lange überlegt, ob ich das schreiben kann, ohne dass es meinem Blog (der mir sehr am Herzen liegt) und seiner Rezeption schadet. Das kann ich. Es zeigt, dass jemand, wenn er Mutter wird, so weit kommen kann, dass er chronische Schlafstörungen entwickelt, die auch noch andauern, wenn das Kind schon lange gut schläft. Es zeigt, dass jemand, der vorher noch nie Antidepressiva in seinem Leben genommen hat, sie jetzt braucht, um wieder auf die Beine zu kommen. (Natürlich muss das mit einem Facharzt besprochen werden. Ich kann keinerlei kompetente Auskunft dazu geben. Ich kann nur sagen, dass es mir gerade sehr hilft. Es ist nicht mein Ziel, dauerhaft etwas einzunehmen, aber ich kann einfach nicht darüber schweigen, dass diese Maßnahme mein Schlafdefizit aufgefüllt und mir wieder mehr Lebensfreude geschenkt hat.) Was hat mich noch dazu ermutigt, hierüber jetzt ganz offen zu schreiben? Eine Reportage auf Arte über französische Mütter, die ja in puncto Leistungsfähigkeit als Vorbild in ganz Europa dienen. In der Reportage wurde nämlich auch der Antidepressiva-Konsum der Franzosen thematisiert. Eine gute Nebenwirkung eines Antidepressivums ist, dass einem Dinge manchmal nicht mehr so nah gehen: Die gehässige Bemerkung des Kollegen über meine verkürzte Arbeitszeit zum Beispiel. Nicht mehr so wichtig. Mein größtes Ziel ist es, bald wieder ohne diese Hilfe auszukommen. Dafür muss ich weitere Weichenstellungen in meinem Leben und meinem Denken vornehmen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass mir das gelingen wird. Einige von Euch werden jetzt überrascht sein, das alles zu lesen, aber ein Hauptmerkmal dieses Blogs soll weiterhin Ehrlichkeit sein.

Ein Teil der Maßnahmen, die mir wirklich geholfen haben (Arbeitszeitreduzierung, Reinigungskraft), kostet eine Familie Geld, das sie erst einmal haben muss. Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag dazu anregen, darüber nachzudenken, wie man Familien wirklich helfen kann und zwar von Geburt eines Kindes an. Um gesunde Familien zu haben, braucht es aus meiner Sicht eine deutlichere finanzielle Unterstützung von Familien in den ersten Lebensjahren der Kinder und ein Herunterfahren des Drucks auf Mütter, schon wieder zu arbeiten, wenn sie nachts noch gar nicht schlafen können. Das Geld dafür ist da. Man gibt es doch später mit vollen Händen für Therapeuten für Kinder und Eltern, Mutter-Kind-Kuren, Haushaltshilfen, Antidepressiva etc. etc. aus. Und man bedenkt niemals weitere Folgekosten der Überlastung und Übermüdung von Eltern. Wer weiß, wie viel Unfälle im Straßenverkehr darauf zurückzuführen sind? Wie viele Unfälle im Haushalt? Wie viele unklare Symptome werden jährlich in Deutschland behandelt (wie Kopfschmerzen, Schwindel …) und der einfache Grund ist der, dass der Alltag für viele Familien nicht mehr bewältigbar ist.

P.S.: Eine wichtige Maßnahme habe ich vergessen, weil sie schon länger läuft (nicht erst seit ein paar Monaten): Das wiederkehrende Gespräch mit einem Verhaltenstherapeuten, der mir in den letzten Jahren eine sehr große Hilfe war und immer noch ist. Im Gespräch mit ihm kann ich mein Verhalten reflektieren und ganz langsam ändern. Diese Gespräche haben mir auch den Mut gegeben, meine Arbeitszeit weiter zu reduzieren.

Wenn Du wieder …

Wenn Du wieder gehst anstatt zu hetzen.

Wenn Du wieder zuhörst anstatt zu vergessen.

Wenn Du wieder findest anstatt zu verlegen.

Wenn Du wieder betrachtest anstatt leer zu starren.

Wenn Du wieder pflegst anstatt zu versorgen.

Wenn Du wieder schläfst anstatt zu wachen.

Wenn Du wieder fühlst anstatt zu funktionieren

Wenn Du wieder lachst anstatt zu weinen.

 

Buch: „Fünf Wochen Rabenmutter“ von Tanja Bräutigam – Untertitel: Wie ich nach dem Burnout wieder Kraft für mich und meine Familie fand

Tanja Bräutigam hat zwei kleine Kinder und einen Mann, der beruflich viel unterwegs ist. Nach Jahren des Schlafmangels und der Überforderung bricht sie zusammen.

Sie entscheidet sich für den fünfwöchigen Aufenthalt in einer Rehaklinik und zwar ohne ihre Kinder. Ein Schritt, den ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann.

Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte, weil es so unprätentiös und ehrlich ist. Es gewährt Einblicke in die Alltagskonstellationen, die zur totalen Erschöpfung einer Mutter führen können und es berichtet sehr genau von der Kur und den von der Autorin dort durchlebten Hochs und Tiefs. Als Leserin hat man das Gefühl, ebenfalls ein klein wenig in den Genuss einer solchen Kur zu kommen.

Ich  muss nun weiterlesen, denn ich möchte wissen, wie die Autorin wieder Kraft für sich, ihre Familie und ihren Alltag gefunden hat.

Dieses Buch werde ich sicher behalten und immer mal wieder zur Hand nehmen. Die Autorin ist sehr nahbar und reell, sie hat den tiefen Wunsch, sich aus dem Burnout zu befreien und scheut sich auf diesem schweren Weg auch nicht, ihre Tiefpunkte mit der Leserin/dem Leser zu teilen sowie die Widrigkeiten und Rückschläge in ihrem Veränderungsprozess zu benennen. Das macht den ganz besonderen Charme dieses Buches aus. Es gibt Betroffenen das Gefühl, nicht allein zu sein.

Hier ein Zitat aus dem Buch:

„Ich brauche Zeit ohne die Kinder und ohne meinen Mann. Das ist die einzige Lösung. Und ob das zuhause ohne mich klappt, ist mir egal. Völlig egal. Es geht um mich. Raus hier! Ich bin mir wichtig.

Ein Satz, den ich lernen muss wie ein Analphabet das Schreiben: Ich bin mir wichtig!“

Und eines aus dem Klappentext:

„Ich wollte wieder auf die Beine kommen, für mich und für meine Kinder. Und dafür brauchte ich eine Auszeit – ohne Kinder.“