Was ist einer der unsolidarischsten Sätze, der einem als Mutter über die Lippen kommen kann?

„Alles eine Frage der Organisation.“

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Was passiert, wenn man als Mutter seine Arbeitszeit reduziert, weil man einfach nicht mehr kann?

Die Arbeitszeit wird freundlicherweise reduziert (wofür ich auch sehr dankbar war), das Geld selbstredend auch.

Die Aufgaben bleiben die Gleichen und es kommen stetig noch welche hinzu.

Aber soll man den Mund aufmachen und sagen, dass das faktisch nicht möglich ist, weil man eben auch nur ein ganz normaler Arbeitnehmer ist?

Man muss doch schon so dankbar sein, dass es überhaupt akzeptiert wurde, dass man die Arbeitszeit reduziert. Und vermutlich ist man jetzt auf einmal schlagartig wie neu geboren, weil man ja kaum arbeitet und da kann man in den wenigen Stunden ja auch mal richtig was tun. (Achtung Ironie!)

Und wenn man das erhöhte Pensum bei verringerter Arbeitszeit nicht schafft, darf man sich von einem missgünstigen Kollegen ohne Kinder anhören, dass man mal seine Arbeitszeit nicht hätte reduzieren sollen, dann würde man seine Arbeit schon schaffen.

Ich werde weiter dafür kämpfen, dass ich als Mutter für gute Arbeit (wenn auch nur bei begrenzter Arbeitszeit) einen angemessenen Lohn bekomme und nicht mit anderen Maßstäben als andere gemessen werde.

 

 

 

Hast Du Dich (wieder) gut erholt?

Eine Frage, die ich Eltern kleiner Kinder aus Prinzip nicht stelle, wenn sie nach Urlaub oder Krankheit wieder im Büro auftauchen.

Diese Frage fühlt sich nicht richtig an, wenn man weiß, wie der Alltag von Eltern aussieht.

Und dafür, dass sich diese Frage nicht richtig anfühlt, können die Kinder nichts. Sie sind einfach Kinder und genauso wie wir in ein ungünstiges Setting gepresst, wenn ich es mal so ausdrücken darf.

Was sind heutzutage eigentlich „perfekte Mütter“ kleiner Kinder?

Mütter, die versuchen, stark auf die Bedürfnisse ihres Kindes einzugehen?

Nein, das sind doch die „Glucken“.

Mütter, die überlegen, was sie ihrem kleinen Kind schon zumuten können?

Nein, das sind doch die „Helikoptermütter“.

Mein Eindruck ist der: „Perfekte Mütter“ sind die, deren kleine Kinder man nicht merkt, weil sie einfach so mitlaufen, nicht aufmucken und ihren Müttern erlauben, „perfekte Arbeitnehmerinnen“ zu sein.

Aber charakterisieren diese Verhaltenszüge „normale Kleinkinder“, bezogen auf das Durchlaufen der normalen Entwicklungsphasen?

Ich habe da so meine Zweifel.

Aus meiner Sicht wird eine „perfekte Mutter“ über alles Mögliche definiert, am wenigsten jedoch über ihre Beziehung zum Kind.

Nachtrag:

Und es geht noch weiter: Um die Anforderungen an eine „perfekte Mutter“ zu erfüllen, muss man sich in so vieler Hinsicht so verausgaben, dass man als Mutter am Ende nicht einmal mehr eine Beziehung zu sich selbst hat.

 

Warum es für mich persönlich keine richtige Vereinbarkeit gibt?

Weil ich, seit ich ein Kind habe, nur noch dankbar sein muss:

Dafür, dass man mir für mich machbare Arbeitszeiten zugesteht

Dafür, dass meine Mutter immer wieder einspringt

Dafür, dass man mein Kind als „normal“ einstuft

Dafür, dass mich mein Hausarzt auch krank schreibt, wenn ich krank bin

Dafür, dass jemand versteht, dass ich zuhause nicht nur rumsitze

Dafür, dass jemand versteht, dass ein Kind keine Sache ist, die man immer nur durch die Gegend organisieren möchte und kann

Outsourcing par Excellence – Was bleibt?

Kann etwas eigentlich per definitionem funktionieren, wenn, um es zum Funktionieren zu bringen, wesentliche Teile davon outgesourct werden müssen?

Ich meine „kleines Kind, Haushalt und Job“.

Seit ich wieder arbeite, ertappe ich mich permanent dabei, weitere Outsourcingmöglichkeiten zu eruieren.

Solche, die mein Kind nicht direkt betreffen:

Outsourcing des Putzens

Outsourcing des Einkaufens

Hol- und Bring-Service der Autowerkstatt

Und solche, die mein Kind direkt betreffen:

Babysitting für mein Kind

Regelmäßige Kinderfrau

Zusätzliche Kita-Stunden für mein Kind

Urlaub mit Kinderbetreuung

Organisierter Kindergeburtstag außer Haus

Meine Gedanken kreisen darum, welche Leistungen ich noch in Anspruch nehmen kann, um so dazustehen, dass ich persönlich das mit Job und Kind schaffe.

Es liegt jedoch eine natürliche Begrenzung nach oben vor. Spätestens dann wenn diese Maßnahmen meine Einkünfte komplett auffressen, kann ich gleich auf sie verzichten.

Hinzu kommt: Es gibt in mir einen inneren Widerstand.

Ich möchte mein Kind und mein ganz normales Leben nicht in diesem Maße outsourcen müssen.

Was ist eine der größten Unwahrheiten, die mir in den letzten Jahren begegnet ist?

Dass man als Mutter ohne Probleme ein paar Monate oder auch ein Jahr nach der Geburt seines Kindes wieder arbeiten gehen kann.

Das kann man zwar.

Aber in den meisten Fällen nur, wenn man so gut wie keinen Schlaf braucht. Denn man soll sein Baby ja nach heutigen Erziehungsstandards nicht schreien lassen (was ich auch für sehr richtig halte und befolgt habe).

Warum wird diese Unwahrheit nicht entlarvt?

Weil Mütter sich oft nicht trauen, zu sagen, dass sie kaum schlafen. Dann prasseln nämlich diverse Ratschläge und Mutmaßungen auf sie nieder, was sie wohl falsch machen.

Also tun Viele lieber so, als ob etwas geht, das eigentlich gar nicht geht.

(Natürlich gibt es auch die Fraktion der Mütter, für die das Ganze kein Problem darstellt, aber diese ist nach meiner Erfahrung nicht besonders groß.)

Nachtrag: Und auch wenn ein Kind schon ein wenig älter ist, gibt es immer wieder diverse unruhige Nächte für eine Mutter.