Eine Frage, die man immer mal vorsichtig stellen sollte …

wenn einem jemand erzählt, dass das alles ja so super klappt mit Haushalt, Job und Kind:

„Wer zahlt den Preis?“

(Vielleicht nicht so explizit ;-), aber die ehrliche Beantwortung der Frage klärt alles.)

Vielleicht das Au-Pair-Mädchen, das Tag und Nacht im Einsatz ist?

Vielleicht der Partner, der seinen Job an den Nagel gehängt hat und nicht in die Rentenkasse einzahlt?

Vielleicht die Haushälterin, die immer Überstunden machen muss?

Vielleicht die Oma, die nun kurz vorm Burnout steht?

Vielleicht die Putzfrau, die zu einem Hungerlohn beschäftigt wird?

Vielleicht die Kita-Erzieherinnen, weil das Kind immer zu spät abgeholt wird?

Ich garantiere Euch, dass es immer jemanden gibt, der den Preis zahlt. Und von diesem jemand reden die meisten gar nicht. Er ist ein Niemand.

Es gibt auch Männer, die die Care-Arbeit erledigen, und deren Ehefrau ihrer Berufstätigkeit nachgeht. Gerade bei diesem Modell wird oft vom Arbeitgeber unterstellt, dass diese Frauen die Vereinbarkeit besonders gut hinbekommen. Der Mann zuhause wird einfach ausgeblendet.

Ein Mann, der die Care-Arbeit macht, ist aber genauso gesellschaftlich unterbezahlt wie eine Frau. Er droht ebenfalls in Altersarmut abzudriften, wenn die Familie nicht privat vorsorgt.

Es gibt aus meiner Sicht keine Vereinbarkeit.

Es gibt immer nur verschiedene Varianten dessen, wer den Preis zahlt.

Mindestens einer oder eine oder gleich mehrere zahlen ihn.

Und egal, wer den Preis zahlt, ob Frau oder Mann oder beide? Für diesen Preis muss es eine gesellschaftliche Gegenleistung geben:

#carearbeitmusssichtbarwerden

(Guckt zu diesem Hashtag bei

https://mamastreikt.wordpress.com/

vorbei)

Care-Arbeit muss bezahlt werden.

P.S.: Es gab vor Kurzem einen interessanten Spiegel-Artikel mit dem Tenor, dass viele Menschen in Deutschland sich die scheinbare Vereinbarkeit dadurch erkaufen, dass sie andere „ausbeuten“. Und keiner fragt sich, wie die dann „Ausgebeuteten“ ihre eigene Vereinbarkeit noch hinbekommen.

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Wer sagt eigentlich, dass man nicht um 16:30 Uhr baden kann?

Niemand. Also habe ich in den letzten Wochen ab und zu Folgendes gemacht:

Mein Kind hat einen Teller Äpfel, etwas zu Trinken und eine schöne CD angestellt bekommen. Es hat es sich in seinem Zimmer gemütlich gemacht.

Ich habe die Wohnungstür abgeschlossen und die Klingel leise gestellt (damit mein Kind nicht voller Freude an die Haustür rennt und dem Paketboten öffnet …) und bin für eine halbe Stunde in die Badewanne gegangen, natürlich mit offener Tür und in Hörweite meines Kindes.

Mitten am Tag, mitten in der Woche.

Wer sagt, dass man sich als Mutter nicht seine kleinen Nischen suchen darf?

Man kann Tageszeiten auch mal anders als gewöhnlich nutzen. Da muss ich noch viel kreativer werden.

Wie fühlt sich diese sagenhafte und schicke „Vereinbarkeit“ eigentlich an?

Als ob wir seit mehreren Jahren wie halbtote Fliegen an der Wand hängen und immer mal wieder jemand mit der Fliegenklatsche auf uns drauf haut. (Ich schreibe extra „wir“, weil auch mein Mann ein Opfer des „Vereinbarkeitsmythos“ ist.)

Wenn andere Fliegen vorbeifliegen, dann nehmen wir unsere letzten Kräfte zusammen, winken bemüht und rufen „Soweit alles OK bei uns“.

Wir haben die Äußerungen der anderen Fliegen, die wir einfach nicht mehr ertragen können, einfach noch zu gut in den Ohren: „Da müsst ihr durch. Das ist nun mal so.“

Unser süßes Fliegenkind krabbelt dazwischen herum, entwickelt sich und stellt die richtigen Fragen.

Es weiß von Natur aus, dass das alles anders sein sollte.

Und damit unser wunderbares Fliegenmädchen sich später in einer anderen „Vereinbarkeit“ oder besser gesagt einer gewissen Wahlfreiheit als Mutter wiederfindet, schreibe ich diesen Blog.

 

 

Welche Frage ich seit der Geburt meines Kindes nicht klären konnte …

Weshalb unsere Gesellschaft ihre Familien so belastet.

Weshalb sie verlangt, dass Mütter stillen und nachts nicht schlafen und gleichzeitig tagsüber arbeiten und daneben noch das optimale Kind großziehen, vielleicht auch noch mit ganz wenig Geld.

Meine Mutter hat nachts meist geschlafen, tagsüber nicht gearbeitet, musste nur einmal im Jahr für das Kitafest Kuchen backen und das Gehalt meines Vaters reichte für die ganze Familie.

Wieso werden Familien heute noch zusätzlich dadurch belastet, dass die Kinder permanent gescreent und optimiert werden?

Nichts gegen die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen, die halte ich für sehr wichtig. Das Ansinnen an sich, dass es Kindern so gut wie möglich gehen soll und der Staat darauf ein Auge hat, finde ich sehr gut und würde darauf niemals verzichten wollen.

Aber die Ausführung ist katastrophal.

Mein Kind wurde vor ein paar Wochen mal wieder ausführlich bewertet. Alles im grünen Bereich. Kein Grund zur Sorge. Keine Therapievorschläge. Ein Glück!

Es passt ins Schema, entwickelt sich wie gesellschaftlich gewünscht.

Aber das Gefühl, dass diese permanente Überwachung von Familien verursacht, gefällt mir überhaupt nicht.

Und ich bin mir sicher, in unserer alten, viel weniger kompetenten Kita wäre ich mit zwei Therapievorschlägen aus dem Gespräch gegangen. Und ich hätte sie wahrscheinlich angenommen, da mein Kind dort schon längst verstört gewesen wäre, weil man ja möglichst nicht mit ihm sprechen wollte, damit es keine Bindung zu einem aufbauen kann und man dann weniger Arbeit hat.

Viele der Therapiebedarfe entstehen erst durch schlechte Kitaversorgung und durch total überlastete Eltern. Das ist das Ergebnis meiner Beobachtungen der letzten Jahre.

Meine Mutter hatte früher noch Zeit, sich um ein Nachbarkind zu kümmern und öfter für es mit zu kochen. Sie hatte Zeit, ihre Umgebung wahrzunehmen und für andere zu sorgen. Wir Mütter sind heute froh, wenn wir gerade eben den perfekten Maßstab, der an uns angelegt wird, für unser eigenes Kind erfüllen. Besser, wir gucken gar nicht mehr links und rechts. Da könnten uns ja noch andere Menschen brauchen. Bekommen wir mit, dass es in einer anderen Familie gerade ganz eng ist, z.B. weil die Mutter dekompensiert, müssen wir uns dreimal überlegen, wie viel wir helfen können, ohne selbst unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Unsere eigene Luft ist schon knapp genug

Wir müssen uns nicht über so viele geschiedene Ehen, so viele erschöpfte Väter und Mütter wundern, so viele Kinder, die nicht genügend Aufmerksamkeit von ihren Eltern und auch der mit sich selbst beschäftigten Nachbarschaft bekommen.

Wir produzieren sie am laufenden Band selbst.

Wenn wir das Geld für die ganzen Kindertherapien, Mutter- bzw. Vater-Kind-Kuren, ärztliche Versorgung erschöpfter Eltern, Familienhilfeprojekte darin investieren würden, dass Familien wieder ein wenig Luft bekommen, zeitlich und finanziell, dann würden wir wirklich das Familien- und damit das Kindeswohl im Auge haben.

Aktuell lassen wir sehenden Auges „Kinder in den Brunnen fallen“, weil wir ihre Familien systematisch destabilisieren, um sie dann mit staatlicher Hilfe wieder herauszuholen.

Leider kann der Staat niemals eine ausgeglichene, liebende Familie ersetzen. So sehr er sich auch bemüht.

 

Was passiert, wenn man als Mutter seine Arbeitszeit reduziert, weil man einfach nicht mehr kann?

Die Arbeitszeit wird freundlicherweise reduziert (wofür ich auch sehr dankbar war), das Geld selbstredend auch.

Die Aufgaben bleiben die Gleichen und es kommen stetig noch welche hinzu.

Aber soll man den Mund aufmachen und sagen, dass das faktisch nicht möglich ist, weil man eben auch nur ein ganz normaler Arbeitnehmer ist?

Man muss doch schon so dankbar sein, dass es überhaupt akzeptiert wurde, dass man die Arbeitszeit reduziert. Und vermutlich ist man jetzt auf einmal schlagartig wie neu geboren, weil man ja kaum arbeitet und da kann man in den wenigen Stunden ja auch mal richtig was tun. (Achtung Ironie!)

Und wenn man das erhöhte Pensum bei verringerter Arbeitszeit nicht schafft, darf man sich von einem missgünstigen Kollegen ohne Kinder anhören, dass man mal seine Arbeitszeit nicht hätte reduzieren sollen, dann würde man seine Arbeit schon schaffen.

Ich werde weiter dafür kämpfen, dass ich als Mutter für gute Arbeit (wenn auch nur bei begrenzter Arbeitszeit) einen angemessenen Lohn bekomme und nicht mit anderen Maßstäben als andere gemessen werde.

 

 

 

Hast Du Dich (wieder) gut erholt?

Eine Frage, die ich Eltern kleiner Kinder aus Prinzip nicht stelle, wenn sie nach Urlaub oder Krankheit wieder im Büro auftauchen.

Diese Frage fühlt sich nicht richtig an, wenn man weiß, wie der Alltag von Eltern aussieht.

Und dafür, dass sich diese Frage nicht richtig anfühlt, können die Kinder nichts. Sie sind einfach Kinder und genauso wie wir in ein ungünstiges Setting gepresst, wenn ich es mal so ausdrücken darf.