An alle Mütter, die sich am Limit befinden – Geld versus Zeit

Bitte bedenkt eine Sache:

„Zeit ist Geld.“

Für mich heißt das aus meiner eigenen Erfahrung:

„Keine Zeit oder zu wenig Zeit zu haben, kann sehr viel Geld kosten.“

Keine Zeit zu haben und immer in Hetze zu sein, bedeutet:

Man kauft teurere Produkte.

Man kauft aus Frust mehr Produkte.

Man denkt nicht nach.

Man ist an manchen Tagen so mit den Nerven am Ende, dass man sogar mal ein Taxi nimmt, obwohl auch der Bus gegangen wäre.

Man kauft dem Kind viele Dinge gegen das schlechte Gewissen, und stellt fest, dass man die gekauften Spiele nicht einmal mit ihm gespielt hat.

Man muss finanziell Missgeschicke ausgleichen, wie z.B. das Anfahren eines anderen Autos beim Ausparken, weil man mal wieder in Eile war.

Man kauft oft wahllos ein. Da man keine Zeit hat, sich die Käufe vorher zu überlegen, kann es passieren, dass man zweimal ein Geschenk für einen lieben Menschen kauft, das man später für unpassend befindet und noch ein drittes Mal losziehen muss.

Man muss sich permanent irgendwo bedanken und kauft dafür auch das ein oder andere Geschenk. Z.B. möchte man sich bei der Nachbarin bedanken, die den Hausschlüssel gefunden hat, der einem bei der verspäteten, rasanten Abfahrt zur Kita vom Autodach geflogen ist.

Man schafft es nicht, die Steuer pünktlich einzureichen und muss Strafe zahlen.

Man hat keine Zeit, vernünftig zu essen, nimmt immer mehr an Gewicht zu und muss deshalb neue Kleidung kaufen.

Man verliert generell den Überblick und es summieren sich die Probleme.

Ich weiß, dass es leider sehr viele Mütter gibt, die nicht die Wahl haben, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Mütter, die teilweise mehr als am Limit sind und wofür unsere Gesellschaft die Verantwortung trägt.

Aber ich kenne auch viele Mütter, die am Limit sind und bei denen noch Luft ist. Mütter, die, wie ich es tat, das zusätzlich verdiente Geld fast vollständig dafür ausgeben, ihre Erschöpfung auszugleichen (s.o.).

Sie sollten sich fragen, ob der Preis für mehr Gehalt nicht ihre Lebensqualität ist, ihre körperliche und psychische Gesundheit und die ihrer Kinder und ggf. Partner.

Sie sollten sich fragen, ob das Mehr an Gehalt, das aufgrund der Mehrbelastung durch die Arbeitsstunden ihr Leben aus dem Takt bringt, nicht am Ende dafür sorgt, dass sie den Überblick verlieren und per Saldo finanziell schlechter dastehen als wenn sie weniger gearbeitet hätten.

„Gesundheit kann man nicht kaufen.“ (Zitat)

oder

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ (Zitat)

 

Birgit Kelle: „Hört auf, uns Mütter „befreien“ zu wollen!“ – Buch: Muttertier

Man muss nicht in allem mit Birgit Kelle übereinstimmen, um sagen zu können, dass sie wirklich wichtige Dinge beim Namen nennt. Ihre Texte polarisieren sehr, aber ich möchte deshalb trotzdem nicht die wichtigen Botschaften von ihr missen.

Danke, Birgit Kelle, dass Sie immer wieder das Wort für die Frauen ergreifen, die regelrecht „mundtot“ gemacht werden, weil sie „nur Mütter“ oder „nur Teilzeit arbeitende Mütter“ sind. Weil diese Frauen alle so still geworden sind (obwohl sie genauso wie jeder andere ein Recht auf ihr persönliches Lebensmodell haben), wissen sie gar nicht, wie viele sie eigentlich sind, dass sie nur gemeinsam den Mund aufmachen müssten und eine Menge ändern könnten.

„Ihr wollt uns also befreien? Sehr gerne. Der beste Weg dazu wäre, mal die Luft anzuhalten und zuzuhören. Wir sind alles große Mädchen, und was gut für uns ist, mit Verlaub, das entscheiden wir ganz alleine.

Wir sind Mütter. Wir tragen Verantwortung. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir hüten das Leben, wir hüten die Zeit. Wir hüten die Brut. Wir verteidigen sie wie Löwinnen. Wir geben ihr Wurzeln und Flügel. Wir lieben sie. Es ist nicht rational, es ist. Wir sind Muttertiere bis zum letzten Atemzug. Und das machen wir gut so.“

Dies war ein Zitat aus dem Auszug aus Birgit Kelles neuem Buch „Muttertier“ auf Welt Online. Sie hat aber noch mehr zu sagen. Hier der ganze Artikel:

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166632672/Hoert-auf-uns-Muetter-befreien-zu-wollen.html

Auch wenn ich mich selbst nicht als klassisches Muttertier bezeichnen würde, werde ich mir dieses Buch zulegen, denn ich finde, dass Birgit Kelle als eine der ganz Wenigen den Mut hat, sich dazu zu äußern, dass Mütter in einer unerträglichen Weise bevormundet werden.

Ich möchte als Mutter Vollzeit arbeiten können, Teilzeit arbeiten können oder zuhause bleiben können, ohne dass ich diskriminiert werde. Ich möchte, dass diese Entscheidung als die Entscheidung einer Frau und ihrer Familie gesehen wird und keine gesellschaftliche Entscheidung ist, die auf meine/unsere Meinung keine Rücksicht nimmt.

Ich möchte mit der Geburt meines Kindes nicht um meine Freiheit gebracht werden, die Freiheit, selbst zu entscheiden, was mir und den Menschen um mich herum gut tut.

 

 

 

 

Warum ich Regentage mag …

Sie ermöglichen mir eine Ruhepause.

Sie entschleunigen das Leben um mich herum ein wenig.

Ich fühle mich weniger unter Druck, nun noch nachmittags nach der Arbeit und dem Abholen meines Kindes vom Kindergarten etwas Spannendes zu machen.

Wir können gemütlich auf dem Sofa liegen und Bücher lesen.

Wir lauschen dem an die Fensterscheiben prasselnden Regen und beobachten die vorüberziehenden Wolken.

Ich mag Regen oder vermutlich Wasser einfach.

Als es mir sehr schlecht ging, weil ich so erschöpft war, habe ich mir immer gewünscht, mich einfach in den Regen auf eine Wiese im Park zu legen, damit ich mich wieder lebendiger fühle.

Und die morgendliche Dusche mit einem duftenden Duschgel war in den vergangenen Jahren mein kleiner Wellness-Ersatz.

Herzzerreißend

Ich habe ein Gespräch mitbekommen, in dem es darum ging, dass eine Mutter ihre Arbeitszeit um ein paar Stunden reduzieren wollte, es ihr aber verwehrt wurde.

Es war herzzerreißend, zu hören, welchen Belastungen diese alleinerziehende Mehrfachmutter ausgesetzt ist.

Sie schilderte eine Lebenssituation, die mir beim Hinhören den Atem stocken ließ.

Danach musste ich mich erst einmal wieder sammeln.

Dass solche Frauen darum kämpfen müssen, in besonders belasteten Situationen vorübergehend fünf Stunden weniger die Woche arbeiten zu dürfen und auf so gut wie kein Verständnis stoßen, verstärkte mein Gefühl, dass es in unserer Gesellschaft nach wie vor kein echtes Verständnis für die Nöte von Müttern/Vätern gibt.

Wie wird es mit solch einer Mutter weitergehen?

Sie hat darum gebeten, ja regelrecht gebettelt ein klein wenig Entlastung durch die Arbeitszeitreduzierung zu bekommen. Jede Mutter, die dies liest, weiß, dass ein paar Stunden Arbeitszeitreduzierung in einer schwer belasteten Lebenssituation auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können. (Dabei noch gar nicht betrachtet: Die Auswirkungen, wenn aufgrund von Erschöpfung auf einen Teil des Gehalts verzichtet werden muss. Geld fällt weg, wird aber dringend benötigt, wenn man mehrere Kinder hat.)

Sie hat um diese kleine Entlastung gebeten.

Sie hat sie nicht bekommen.

Der nächste Schritt wäre, dass sie irgendwann zusammenbricht und wegen Krankheit ausfällt.

Dann wird der Arbeitgeber vermutlich noch sagen, dass sie jetzt „auf krank macht“.

Anstatt einer reduzierten Arbeitskraft hat der Arbeitgeber jetzt erst einmal eine ganze Zeit gar keine einsatzfähige Kraft mehr.

Sie wird vielleicht finanziell abrutschen, mitsamt ihren Kindern.

Es zerreißt mein Herz, solche Geschichten mitzubekommen.

Warum hat der Arbeitgeber kein Verständnis?

Auch weil wir anderen Mütter nicht über die wahren Belastungen sprechen. Wenn wir mit Betreten unserer Arbeitsstelle unsere Pokerfaces aufsetzen und so tun als ob alles leicht wäre, wird unser Arbeitgeber immer glauben, dass es so viele andere Mütter gibt, die das doch schaffen.

Er wird eine Mutter in Not mit den anderen vergleichen und sie wird immer kleiner werden.

Der Satz „Aber andere Mütter schaffen das doch auch.“, vielleicht noch mit dem Zu-Satz „Organisation ist alles.“  lässt sie wehr- und hilflos dastehen.

Der Countdown läuft …

So fühlt es sich oft an, wenn ich mein Kind an meinen freien Tagen zur Kita bringe.

Das tue ich übrigens immer.

Dann habe ich fünf Stunden für mich, für den Haushalt, für die Fahrt zur Reinigung, zum Besorgen eines Geschenks, für Papierkram, für das Pflegen sozialer Kontakte, für das Aufräumen des Kinderzimmers, das Aussortieren von Klamotten, das Anrufen meiner Großmutter, das Beantworten von E-Mails …

Heute lasse ich den Countdown Countdown sein, mache nur das Nötigste, nämlich die Spülmaschine und die Waschmaschine anschmeißen. Dann lese ich ein wenig in den so vielen interessanten Blogs. Das ist für mich eigentlich immer eine Bereicherung. Und dann tue ich nichts bzw. den Wolken am Himmel beim Ziehen zusehen. Das kann man aus unserem Wohnzimmerfenster wunderbar.

Diese Morgende gehören zu den Tagen, an denen ich mein Kind fröhlich von der Kita abhole und ihm nachmittags entspannt vorlese oder mit ihm bastele.

Die Morgende ohne Countdown gehen am wahrscheinlichsten in Nachmittage mit Liebe über.