So viele erschöpfte Mütter und steigende Geburtenraten – Wie passt das zusammen?

Ich habe zwei Dinge beobachtet.

Erstens sind mir in den letzten Jahren nicht wenige Mütter begegnet, die mir erzählt haben, dass sie – genau so wie ich – eine große Angst vorm Jobwiedereinstieg mit kleinem Kind/kleinen Kindern haben, und dann ein paar Monate später ein weiteres Kind erwarteten. Davor hatten sie aber nicht unbedingt den Eindruck gemacht, dass sie sich schon in ihrer aktuellen Lebenssituation zufriedenstellend eingerichtet hatten. Ich war also erst einmal total überrascht. Aber es machte Sinn. Manche von ihnen sahen anscheinend keine andere Möglichkeit als den Jobwiedereinstieg auf diese Weise hinauszuzögern. Ich selbst wollte gar nicht weiterdenken, denn ich dachte nur „Es wird mit zwei so wundervollen, aber auch pflegeintensiven Wesen sicher nicht leichter, Haushalt, Kind und Job zu vereinbaren.“ (Ich selbst habe auch deshalb nur ein Kind, weil ich mich bis heute nicht von dem Schock erholt habe, dass als Mutter so viel, nein alles und noch viel mehr von einem gefordert wird. Gar nicht vom eigenen Kind, sondern von den Institutionen um einen herum.) Aber ich kann die Mütter verstehen: Sie haben vermutlich gedacht, dass sie sich die nächsten Jahre lieber für so wunderbare kleine Menschen verausgaben als für irgendeinen Job, der sie zerreißt.

Zweitens habe ich in den letzten Jahren beobachtet, dass sich niemand diese Belastung von Haushalt, Job und Kind wirklich vorstellen kann, bevor er sie nicht am eigenen Leib erlebt hat. Auch die verständnisvollsten kinderlosen Frauen sagten später – als sie dann selbst ein paar Monate Mutter waren – zu mir „Jetzt habe ich erst verstanden, dass Du mit Deinen Schilderungen gar nicht übertrieben hast“ .

Vor diesem Hintergrund denke ich, dass die Politik aufpassen und die steigenden Geburtenzahlen nicht als Indiz dafür nehmen sollte, dass es Familien besonders gut geht.

Das Elterngeld ist eine feine Sache, aber es hat auch mich getäuscht. Durch die reguläre einjährige Zahlungsdauer bin auch ich in meiner Naivität davon ausgegangen, dass man nach einem Jahr mit kleinem Kind gut wieder arbeiten gehen kann.

Dass prinzipiell Geld für Kinderbetreuung da ist, sieht man ja am massiven Kitaausbau. Geld für die Betreuung durch die eigene Mutter ist allerdings nicht vorhanden, sonst könnte man den Frauen auch die Wahl lassen, zwischen drei Jahren Zuhause oder einem Kitaeinstieg für ihr Kind in den ersten drei Jahren.

Die einen Mütter wissen nicht, was sie an Erschöpfungspotential erwartet, wenn sie erst einmal selbst ein Kind haben und so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen sollen, manche andere Mütter bekommen noch ein Kind, weil sie es sich wünschen, aber auch, um sich noch für ein, zwei, drei Jahre sortieren zu können, in der Hoffnung, dann alles zu schaffen. Aber der familienunfreundliche Arbeitsmarkt wird es ihnen nicht leicht machen.

Jedes Kind ist eine unglaubliche Bereicherung für uns alle. Jedes Kind sollte in einem stabilen Umfeld aufwachsen. Zukünftige Eltern sollten informiert sein, wie das Leben mit Kind aussieht und nicht in die Irre geführt werden und später an nicht erfüllbaren Erwartungen zerbrechen.

Und eigentlich geht es hier nicht um die Kinder, die sind wie immer gar nicht das Problem. Es geht darum, was unsere Gesellschaft aus Familienleben macht.

Nicht zuletzt mein Kind öffnet mir regelmäßig die Augen, in Bezug darauf, dass unsere aktuelle Lebensweise nicht normal ist. Es verlangt nach Ruhe und Zeit, sich entwickeln zu dürfen. Aber es soll einfach nur in unser hektisches Leben gepresst werden und Leistung erbringen.

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Mein Tipp an alle werdenden Mütter vor dem Mutterschutz

Verlasst den Arbeitsplatz vor dem Mutterschutz auf keinen Fall ohne ein qualifiziertes Zwischenzeugnis! (Es ist bei Weitem das Wichtigste, was Ihr vor der Elternzeit bedenken solltet).

Solltet Ihr es doch getan haben, dann kümmert Euch nach der Geburt so schnell wie möglich darum, das Zeugnis noch zu bekommen und das immer nachweisbar, also mit E-Mails, die Ihr Euch für Eure Unterlagen ausdruckt.

Ihr könnt vor der Geburt Eures Kindes wie die Wilden gearbeitet haben und über den grünen Klee gelobt worden sein, wenn Ihr zurückkehrt, erinnert sich kaum einer daran. Denn Ihr seid ja jetzt die anstrengende Teilzeitmutter, die man nur noch Teilzeit ausnutzen kann.

Aber andere Mütter mit kleinen Kindern schaffen das doch auch, Frau X!

Im Rahmen des von „Mama streikt“ initiierten Netzprotests #carearbeitmusssichtbarwerden https://mamastreikt.wordpress.com/2017/11/12/netzprotest-care-arbeit-muss-sichtbar-werden/
reblogge ich hier einen früheren Beitrag von mir. Dadurch, dass Care-Arbeit nicht sichtbar ist und gesellschaftlich nicht honoriert wird, stehen diejenigen, die diese wertvolle unbezahlte Arbeit leisten mit dem Rücken zur Wand. Sie arbeiten nahezu rund um die Uhr, aber nur die bezahlte Arbeit wird sichtbar. Das führt zu Erschöpfungszuständen, für die sich diese Personen auch noch rechtfertigen müssen. Ich habe die Folgen dieser Ignoranz gegenüber der Belastung von Müttern im folgenden Beitrag verarbeitet. Bitte macht zahlreich bei der Aktion von Mama streikt mit.

Aber andere Mütter mit kleinen Kindern schaffen das doch auch, Frau X!

marasgedanken

Könnten Sie mir bitte sagen, welche.

Frau Meyer zum Beispiel

(Ach die, die letztes Jahr mit 36 plötzlich ergraut ist)

Frau Schulte zum Beispiel

(Ach die, die im Jahr 40 Krankheitstage hat)

Frau Siegmund zum Beispiel

(Ach die, die seit Rückkehr in den Job 15 Kilo zugenommen hat)

Frau Maler zum Beispiel

(Ach die, die sich im Job deutlich nach unten entwickelt hat, weil sie es sonst nicht schaffen würde … wie sie mir letztens anvertraute)

Frau Huber zum Beispiel

(Ach die, die noch Geld im Hintergrund hat)

Frau Schumacher zum Beispiel

(Ach die, die ihre Elternzeit immer wieder verlängert … Moment mal …)

Aber die ist doch gar nicht da …

Ach ja? Aber wenn sie wiederkommt, wird sie das alles schaffen. Sie kennen sie doch noch von früher. Zupackend …

Und wer noch?

Frau Schmitz zum Beispiel

(Ach die, die letztens auf der Mutter-Kind-Kur war)

Frau Schulze zum…

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Tabu

Es gibt zwei Beiträge, die ich vor Längerem geschrieben habe, die mittlerweile von einer großen Suchmaschine ganz weit vorn gelistet werden.

Da mein Blog sehr klein ist, ich keine Ahnung von Suchmaschinenoptimierung habe etc., muss es einen anderen Grund dafür geben.

Es sind Tabuthemen.

Relativ viele Frauen suchen nach bestimmten Begriffen im Netz, werden aber kaum fündig, weil es dazu so gut wie Nichts gibt.

Die Begriffe sind:

  1. Angst vor dem Jobwiedereinstieg nach der Elternzeit
  2. Chronischer Schlafmangel bei Müttern und die Folgen

Darüber darf man also nicht sprechen, sondern nur mehr oder weniger verzweifelt nachts im Internet suchen.

Das zeigt mir, dass viele von uns tagsüber etwas anderes sagen als sie wirklich denken.

Mein Blog ist nicht zuletzt wegen dieser beiden Themen und der sich daraus ergebenden möglichen Folge, nämlich „Burnout“ anonym. Auch ich wage es nicht, den letzten Schritt zu gehen.

Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass unsere Gesellschaft hinguckt und sich die fatalen Entwicklungen klar macht.

Die kleinsten Zellen unserer Gesellschaft, die Familien, sind in Gefahr.

Es kippen reihenweise Mütter und auch Väter um und es wird ein Teppich des Schweigens darüber gelegt. Und so lange wir noch irgendwie kriechen können, sollen wir uns mal nicht so anstellen.

Ich bin nicht allein, denn, wenn ich morgens in meine Statistiken gucke, sehe ich, was die Mütter und vielleicht sogar auch Väter nachts suchen. Sie haben Angst davor, Job und Kind nicht zu schaffen, sie haben Angst davor, dass die Folgen des Schlafmangels sie dauerhaft zu körperlichen und psychischen Wracks machen. Ihre Angst existiert und meine auch und sie sollte ein Warnsignal sein.

P.S.: Dieverlorenenschuhe von

https://dieverlorenenschuhe.wordpress.com/

kommentierte, dass bei ihr der meistgelesene Beitrag ebenfalls einer zu Burnout bei Müttern ist:

https://dieverlorenenschuhe.wordpress.com/2016/05/02/wenn-mama-nicht-mehr-kann-burnout/

 

Lebt Tante Tilly noch?

„Mama streikt“ von
https://mamastreikt.wordpress.com/
ruft zum Netzprotest auf unter #carearbeitmusssichtbarwerden

Es wäre klasse, wenn Ihr dabei seid! Aber lest selbst:

Mama streikt

Ich bin gerne Mutter und ich bin nach 8 Jahren mittlerweile auch gerne eine alleinerziehende Mamalias (so nennt mich mein Kleiner im Moment). Naja, okay, meistens. Da gäbe es schon noch Wünsche (hoffentlich zählt das Universum zu meinen Followern) und dennoch habe ich mich ganz gut arrangiert mit meinem Leben, was mich auch ein bisschen Stolz macht.

Eine berufstätige, bedürfnislose, aufopfernde, eierlegende Wollmilchmodelmama dagegen bin ich NICHT gerne.

Ich war vor 8 Jahren nach 3 Operationen wegen einem Spritzenabszess (die Wunde war 8 cm tief und 25 cm lang!) und einer Trennung so am Ende mit meinen Nerven, dass ich damals zum Vater von meinem Großen (er war 2 Jahre alt) gesagt habe, er soll seinen Sohn mitnehmen (wir wohnten da schon in getrennten Wohnungen). Diese Aussage hatte zur Folge, dass ich eine Nacht unfreiwillig in der Psychiatrie verbracht habe und das ich mir von einem Psychologen sagen lassen musste…

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Interessant!

Im Oktober 2017 wurde ein älterer Beitrag von mir sehr, sehr häufig gelesen und zwar geht es um die Angst vor dem Job-Wiedereinstieg bei Müttern:

https://marasgedanken.wordpress.com/2016/04/21/die-angst-vor-dem-job-wiedereinstieg-nach-der-elternzeit/

Das Thema scheint also irgendwie relevant zu sein.

In letzter Zeit lese ich auch viel über Mütter, die sich selbstständig machen. Ich sehe darin nicht nur eine gute Nachricht. Viele Mütter haben aufgrund unseres familienunfreundlichen Arbeitsmarktes gar keine andere Wahl.

 

Die Menschenwürde ist unantastbar. Wirklich?

Mit „Mama streikt“
https://mamastreikt.wordpress.com/
habe ich heute nicht nur einen für mich sehr interessanten Blog einer mutigen Mutter gefunden, sondern auch noch den Tipp für ein Buch von Mariam Irene Tazi-Preve mit dem Titel „Das Versagen der Kleinfamilie“. Warum die Verfasserin von „Mama streikt“ so mutig ist, könnt Ihr hier lesen: https://mamastreikt.wordpress.com/2017/06/14/als-mamalie-streikte/
Aber nun erst einmal zur Buchrezension von „Mama streikt“. Vielen Dank für die freundliche Erlaubnis, diese auf meinem Blog rebloggen zu dürfen.

Mama streikt

Ende August bekam ich per E-Mail eine Anfrage für die Rezension des Buchs: „Das Versagen der Kleinfamilie. Kapitalismus, Liebe und der Staat“von der Autorin Mariam Irene Tazi-Preve. Ich war erst einmal aus 2 Gründen misstrauisch: Mein „junger“ Blog hat (noch!) keine so große Reichweite. Des Weiteren muss ich ehrlich gestehen, dass ich vorher noch nie etwas von der Autorin gehört oder gelesen hatte. Internet sei Dank konnte ich schnell herausfinden, dass es die Professorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung wirklich gibt (ist mir jetzt schon fast peinlich das zu schreiben, aber es war halt so) und ich den Link für die Buchbesprechung in der E-Mail beruhigt anklicken konnte. Natürlich hat mich die Anfrage dann, als ich mein Misstrauen überwunden hatte, gefreut und ich habe angefangen mit Enthusiasmus zu lesen. Nach den ersten 30 Seiten habe ich das Buch dann weggelegt und mich gefragt, ob ich es tatsächlich zu Ende lesen…

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