Kinder verstehen mehr als man denkt

Ich möchte mein Kind ehrlich erziehen und Dinge beim Namen nennen. (Das gelingt mir natürlich mal mehr, mal weniger.)

Mir hat es meines Erachtens nämlich besonders geschadet, dass meine Eltern niemals erschöpft waren.

Sie waren es natürlich sehr oft, haben es aber nie artikuliert.

Sie waren – wahrscheinlich für uns – immer die Starken, die für alles eine Lösung hatten, sich nie hängen ließen.

Bei mir und einem Teil meiner Geschwister resultierte daraus Folgendes:

Wenn wir Schmerzen haben, sagen wir uns selbst „Stell‘ Dich nicht so an“ und verzögern so auch mal eine Diagnose.

Wenn wir Hilfe oder Verständnis bräuchten, bitten wir nicht darum, denn das wird in unserem tiefsten Inneren mit Schwäche gleichgesetzt.

Wenn uns jemand schlecht behandelt, reden wir uns das auch noch schön.

Wenn wir ausgenutzt werden, sind wir uns nicht sicher, ob wir uns wehren dürfen.

Wenn wir erschöpft sind, eigentlich auch objektiv erschöpft sein dürften, vertuschen wir das, damit wir nicht als Versager dastehen.

Natürlich ist es mittlerweile schon besser geworden, weil wir uns damit auseinandersetzen, aber es ist noch ein langer Weg.

Die letzten Wochen war ich auch aufgrund einer Sommergrippe nachmittags nach der Arbeit oft total schlapp und ich habe begonnen, das meinem Kind auch zu erklären.

Nachdem wir die Haustür aufgeschlossen haben und mein Kind noch etwas zu Essen bekommen hat, habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt dringend eine Mittagspause brauche.

Manchmal war es damit unzufrieden und hat sich beschwert, dass es kein „Pogramm“ gäbe, aber dann hat es meist nach einer Weile entweder schön vor sich hin gespielt oder sogar auch geschlafen.

Letztens meinte es dann von sich aus: „Oh Mama, ich brauche jetzt eine Pause.“ Die bekam es dann auch.

Deshalb habe ich jetzt das Wort „Mittagspause“ eingeführt. Eigentlich ist es eher eine Nachmittagspause.

Wieso müssen wir immer nur wie am Schnürchen funktionieren?

Mütter stehen meist um 5 bzw. 6 Uhr auf. Um 15 Uhr hatte ihr Tag dann bereits 10 bzw. 9 ausgefüllte Stunden mit Kinderversorgung und Arbeit. Da sollen sie nicht müde sein dürfen? (Gar nicht zu denken an all‘ die Mütter, die noch länger arbeiten. Was sollen die tun? Die könnten ihrem Umfeld (um ihre Kleinfamilie herum) klar machen, dass sie einen großen Teil des Wochenendes oder das ganze Wochenende zur Regeneration brauchen.)

Ich mache bei diesem Leistungsmarathon nicht mehr mit und es fühlt sich gut an.

Und das Bemerkenswerte: Ich werde dabei immer fitter ;-).

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Variierte Urlaubsberichte

Mein Urlaub war mal schön, mal so es geht, mal überhaupt nicht erholsam.

Kann ich mich nicht entscheiden, wie er war?

Doch, ich weiß, wie er war: Es gab viele schöne Ausflüge mit meinem Kind, stundenlanges Tierestreicheln und -füttern, Radfahren, im Meer baden, morgens Brötchen holen, Büchervorlesen, das Entdecken immer wieder neuer Lokalitäten, in denen man sein Kind bespaßen konnte etc.

Es war ein rundum toller Kinderurlaub, bis auf die Tatsache, dass wir Erwachsenen abends wie zwei tote Fliegen auf dem Sofa in der Ferienwohnung saßen und unser  Kind abends gefühlt zu lange fernsehen ließen. Unser Kind wollte doch gern abends um zwanzig Uhr noch zum Stadtfest, nachdem es am Tag schon einen Besuch im Puppentheater und eine Unternehmung mit dem Rad gegeben hatte. Es tanzte abends auch ziemlich lange Salsa als wir an unseren Säften nippten und uns nach Griechenland träumten (passt nicht zu Salsa, aber ist eines unserer Lieblingsurlaubsländer). Um einundzwanzig Uhr ging ich meist mit unserem Kind ins Bett und der Papa schaute noch weiter fern.

Mitten im Urlaub sagte sich Besuch an. Ich kann es nicht leiden, wenn im Urlaub mein Alltag auch noch vorbeikommt, dann brauche ich doch nicht in den Urlaub fahren. Aber natürlich waren es liebe Menschen und sie hatten natürlich einen Grund, den man dann auch nicht ignorieren wollte (Ich sage Euch, das war das erste und letzte Mal, dass ich auch noch Besuch im Urlaub empfange!). Sie haben gar nichts Schlimmes gemacht, außer einfach zwei fertige Eltern, die vorher angekündigt hatten, dass sie dringend Erholung brauchen, nur mal kurz besucht. (Grrrrrr …. 😉 )

Man kann einen Ferienwohnungsurlaub übrigens so beschreiben: Es ist toll, wenn das eigene Kind seine Marotten hat und nicht fünfhundert Leute im Speisesaal zuschauen. Es ist nicht so toll, wenn man im Urlaub den ganzen Tag Haushalt macht in einer einem nicht ganz so vertrauten Haushaltsumgebung, regelmäßig Einkaufen geht und zum Waschen in den Keller rennt. Ich bin verwöhnt, ich gebe es zu.

Gegen Ende des Urlaubs wurde ich krank. Mein Kind und mein Mann wurden hingegen im Laufe des Urlaubs immer fitter. Sie überredeten mich zu immer längeren Abendaktivitäten und wussten gar nicht, wohin mit ihrer Energie. Ich hatte meine Schätze wohl zu sehr verwöhnt und geschont. (Notieren: Daran muss ich noch arbeiten!)

Am Tag der Abreise räumte ich schweißgebadet die Ferienwohnung auf, zog die Betten ab etc., denn ich hatte erhöhte Temperatur (Merke: Nimm‘ niemals eine Ferienwohnung ohne eine Endreinigung. Niemals!). Mein Mann ging mir mehr oder weniger hilfreich zur Hand. Als er mir jedoch sagte, es gäbe doch gar nichts mehr zu tun (er hat da nicht so einen Blick für), entschieden wir uns, dass er unser Kind mit nach draußen nimmt.

Abends daheim hatte ich Schüttelfrost und stellte fest, dass Urlaub eine echte Gefährdung für meine Konstitution ist.

Bei der Arbeit erzählte ich dann die verschiedensten Urlaubsversionen. Dem Kollegen ohne Kind gab ich nur die üblichen zu erwartenden Eckdaten wieder (in der „Alles-im-Griff-Attitüde“, denn eine Bemerkung á la „Ja, haben Sie denn Ihr Kind nicht im Griff?“ hätte wahrscheinlich gleich für einen nächsten Fieberschub bei mir gesorgt“), meinen Vorgesetzten lächelte ich an und faselte etwas davon, wie gut die Seeluft tue (mein permanentes Husten den ganzen Vormittag ist ihm nicht entgangen, aber er freute sich, dass wir beide so erfolgreich meine eigentliche Nicht-Einsatzfähigkeit im Büro ignorierten) und der Kollegin, die ebenfalls dafür bekannt ist, dass sie ihr Leben momentan nicht so richtig im Griff hat, servierte ich die nackten Fakten:

Mein Urlaub war kein Urlaub, aber meinem Kind hat es sehr gut gefallen.

Nachdem ich nun eine Weile krank war, aber trotzdem zur Arbeit gegangen bin (mit meinen wenigen Tagen pro Woche will man sich natürlich nichts nachsagen lassen), gucke ich heute schon fröhlicher aus der Wäsche.

Die Omi passt heute auf.

Heute ist Sommerurlaub.

Endlich.

 

Eigentlich war das alles in allem ein ziemlich perfekter Urlaub mit kleinem Kind. Leider sorgt mein Alltag dafür, dass ich nicht wirklich urlaubsfähig bin. Es ist meine Aufgabe, mich im Alltag weiter so zu entlasten, dass ich auch mal wieder einen Urlaub als das wahrnehmen kann, was er sein soll.

 

P.S.:  Zu diesem Beitrag hat mich ein Text von „Mein Name sei Mama“

https://meinnameseimama.com/

inspiriert: Urlaubs(an)denken

Urlaubs(an)denken

Lest mal hinein. Sie trifft es wie immer auf den Punkt.

 

An manchen Tagen möchte ich einfach nur laut schreien …

und das, weil ich Mutter mit Kind, Haushalt und Job bin und immer wieder am Rande des Nervenzusammenbruchs, aus den verschiedensten, vielfältigsten Gründen. (Am Rande des Nervenzusammenbruchs bin ich am Ehesten dann, wenn ich auch noch krank bin und Keiner um mich herum das bemerken möchte, denn dann könnte ja Arbeit auf mein Umfeld zukommen, die ich sonst erledige.)

Und ich glaube und weiß sogar, dass es vielen anderen Müttern auch so geht.

Aber kaum Eine spricht offen darüber. Oder, wenn sie es tut, dann in lustigen Anekdoten. Vieles bzw. das meiste davon ist nicht lustig. Und ein Burnout lässt sich auch nicht mit Humor wegzaubern.

Wenn ich darüber nachdenke, dass so viele Mütter ihre Masken nicht absetzen, dann möchte ich in den kalten Teich in unserem Park springen, um meine Wut darüber abzukühlen.

Aber, vielleicht denken andere Mütter das Gleiche über mich, wenn ich in meinem Businessjäckchen (einem der wenigen noch passenden aus meinem Kleiderschrank) mein Kind zur Kita bringe und ihnen freundlich guten Morgen zurufe anstatt heulend über den anstrengenden Morgen zur Kindergartentür zu schleichen und dort zusammenzubrechen? Ich könnte es ihnen nicht verübeln.

Ich weiß, was der Grund dafür ist, dass wir alle uns immer wieder zusammenreißen:

Unsere Schätze:

Unsere Kinder.

Und zwar die Angst davor, dass jemand glauben könnte, wir könnten nicht für sie sorgen, wenn wir unsere Seelenlage offenbaren.

Aber natürlich können die meisten von uns ganz wunderbar für sie sorgen.

Wir sind nur keine Octopusse mit acht Armen. Wenn man uns jedoch weiter als solche betrachtet und wir uns selbst auch, dann werden wir wirklich irgendwann nicht mehr für unsere Kinder sorgen und das auch nicht mehr verbergen können.

Für Mütter, die sich langsam aber sicher in den Burnout schuften

Es interessiert niemanden, was Du früher einmal geleistet hast, sondern immer nur das Hier und Jetzt, also wie leistungsfähig Du heute bist.

Es gibt keinen Bonus aus vergangenen Zeiten.

Bedenke das, bevor Du Dich in die totale Erschöpfung arbeitest. Denn dann wird Dir keiner bzw. kaum einer helfen und sich auch kaum jemand daran erinnern, was Dich in die Erschöpfung getrieben hat. Ganz besonders die Personen, die von Deinen unermüdlichen Leistungen profitiert haben, werden es vergessen haben.

Sorge dafür, dass es nie so weit kommt, dass Deine Leistungsfähigkeit als Folge eines Burnout auf Dauer eingeschränkt ist. Das ist die beste Versicherung für ein zufriedenes und unabhängiges Leben.

Spiegel-Online-Artikel vom 29.8.2017: „Immer mehr Frauen trinken zu viel Alkohol“

Hier der Link:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/alkoholsucht-bei-frauen-ist-fast-so-haeufig-wie-bei-maennern-a-1165047.html

Und ein Zitat:

„Frauen seien heute viel eigenständiger und emanzipierter als früher, erklärt sich Willenborg die Entwicklung. Damit sei auch der Druck gestiegen. Bestes Beispiel ist dem Experten zufolge die Doppelbelastung aus Beruf und Haushalt.“

 

Ich mag zwar keinen Alkohol, weiß aber genau, was mit den Ausführungen in diesem Artikel in Bezug auf den gestiegenen Druck auf Frauen gemeint ist. Irgendwie werden diese Dinge kanalisiert.

Ich würde mir einfach nur wünschen, dass wir Frauen offen über die Belastungen reden, anstatt jede für sich allein klammheimlich mit einem Lächeln auf den Lippen zu verzweifeln. Aber da gibt es anscheinend so etwas wie ein Schweigegelübde.

Wenn wir den Mund nicht aufmachen, wird sich nichts ändern!

Wenn wir uns selbst und uns gegenseitig nicht von dem Druck befreien, perfekte Arbeitnehmerinnen und Mütter sein zu müssen, wird sich nichts ändern!

 

Verschlossen

Die Alltagshetze, in der ich als berufstätige Mutter steckte, hat meine Augen und mein Herz verschlossen.

Langsam öffnen sie sich wieder.

Der Alltag wird menschlicher: Zeit für einen kleinen Plausch am Rande, Zeit, besser zuzuhören, Zeit über die Bedürfnisse der anderen nachzudenken, Zeit, mal wieder Besuch zu empfangen, Zeit, jemand anderem unter die Arme zu greifen.

Zeit für Gespräche an der Kasse wie letztens. Die sympathische Verkäuferin mit den vielen Sommersprossen im Spielzeugladen unseres Viertels erzählte mir Folgendes:

„An manchen Tagen möchte ich einfach aus dem Laden laufen.

Kürzlich stand ich hier an der Kasse und hatte gerade nichts zu tun als mir ein Kunde zurief „Penn‘ mal nicht ein, Alte.“

Ein anderes Mal als ich an der Kasse etwas beim Kassiervorgang sagte, fuhr mich die Kundin an „Halt’s Maul und arbeite.“

„Die Leute sind so furchtbar aggressiv.“

Zeit für Beobachtungen. Ich sehe immer wieder junge Männer ausländischer Herkunft so unauffällig wie möglich durch die Straßen laufen. In unserer Nähe ist eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie sind allein, scheinen sich regelrecht unsichtbar zu machen und sind doch noch Kinder. Wer soll all‘ die zugezogenen Menschen mit ihren schweren Schicksalen integrieren, wenn alle so sehr mit sich selbst und ihrem Alltag beschäftigt sind.

Zeit für Muße. Manchmal nehme ich mir ganz bewusst Zeit, wenn eine ältere Dame ein wenig mit meinem Kind sprechen möchte.

Je gehetzter ich in meinem Alltag wurde, desto bedrohlicher waren zwischenmenschliche Kontakte für mich. Was will diese Person jetzt wieder von mir? Ich habe keine Zeit.

Mein Kind hat noch Zeit und nimmt sie sich. Es lernt Menschen kennen und es stellt echte Verbindungen her.

Kinder zeigen uns, was wirklich wichtig ist.

 

 

An alle Mütter, die sich am Limit befinden – Geld versus Zeit

Bitte bedenkt eine Sache:

„Zeit ist Geld.“

Für mich heißt das aus meiner eigenen Erfahrung:

„Keine Zeit oder zu wenig Zeit zu haben, kann sehr viel Geld kosten.“

Keine Zeit zu haben und immer in Hetze zu sein, bedeutet:

Man kauft teurere Produkte.

Man kauft aus Frust mehr Produkte.

Man denkt nicht nach.

Man ist an manchen Tagen so mit den Nerven am Ende, dass man sogar mal ein Taxi nimmt, obwohl auch der Bus gegangen wäre.

Man kauft dem Kind viele Dinge gegen das schlechte Gewissen, und stellt fest, dass man die gekauften Spiele nicht einmal mit ihm gespielt hat.

Man muss finanziell Missgeschicke ausgleichen, wie z.B. das Anfahren eines anderen Autos beim Ausparken, weil man mal wieder in Eile war.

Man kauft oft wahllos ein. Da man keine Zeit hat, sich die Käufe vorher zu überlegen, kann es passieren, dass man zweimal ein Geschenk für einen lieben Menschen kauft, das man später für unpassend befindet und noch ein drittes Mal losziehen muss.

Man muss sich permanent irgendwo bedanken und kauft dafür auch das ein oder andere Geschenk. Z.B. möchte man sich bei der Nachbarin bedanken, die den Hausschlüssel gefunden hat, der einem bei der verspäteten, rasanten Abfahrt zur Kita vom Autodach geflogen ist.

Man schafft es nicht, die Steuer pünktlich einzureichen und muss Strafe zahlen.

Man hat keine Zeit, vernünftig zu essen, nimmt immer mehr an Gewicht zu und muss deshalb neue Kleidung kaufen.

Man verliert generell den Überblick und es summieren sich die Probleme.

Ich weiß, dass es leider sehr viele Mütter gibt, die nicht die Wahl haben, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Mütter, die teilweise mehr als am Limit sind und wofür unsere Gesellschaft die Verantwortung trägt.

Aber ich kenne auch viele Mütter, die am Limit sind und bei denen noch Luft ist. Mütter, die, wie ich es tat, das zusätzlich verdiente Geld fast vollständig dafür ausgeben, ihre Erschöpfung auszugleichen (s.o.).

Sie sollten sich fragen, ob der Preis für mehr Gehalt nicht ihre Lebensqualität ist, ihre körperliche und psychische Gesundheit und die ihrer Kinder und ggf. Partner.

Sie sollten sich fragen, ob das Mehr an Gehalt, das aufgrund der Mehrbelastung durch die Arbeitsstunden ihr Leben aus dem Takt bringt, nicht am Ende dafür sorgt, dass sie den Überblick verlieren und per Saldo finanziell schlechter dastehen als wenn sie weniger gearbeitet hätten.

„Gesundheit kann man nicht kaufen.“ (Zitat)

oder

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ (Zitat)