„Wie der Kita-Job die Erzieher in den Burnout treibt“ – Welt-Online-Artikel vom 8.9.2017

Hier der Link:

https://www.welt.de/vermischtes/article168439112/Wie-der-Kita-Job-die-Erzieher-in-den-Burn-out-treibt.html

Ich selbst bin nach meinen eigenen Erfahrungen auch der Meinung, dass sich einige Eltern bei ihren Ansprüchen an eine Kita zurückhalten sollten, wenn sie z.B. noch fordern, dass es regelmäßige Theaterbesuche etc. geben soll. Das geht meines Erachtens vollkommen an der Realität vorbei und Eltern könnten so etwas ja auch einmal selbst mit ihrem Kind machen.

Im Artikel findet sich ein Zitat mit folgendem Wortlaut: „Es gibt immer mehr auffällige Kinder“. Hier würde ich mir wünschen, dass man auch einbezieht, dass immer mehr auffällige Kinder auch ein Resultat eines von vornherein schlechten Betreuungsschlüssels sein könnten. Hier sollte man genau gucken, was die „Henne“ und was das „Ei“ ist.

 

 

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Zutiefst beeindruckt oder „Ich liebe unsere Kita“

In unserer neuen Kita, in der unser Kind nun schon lange sehr glücklich ist, werden für die Kinder Erinnerungsmappen angelegt.

Ich hatte mir die Mappe nur einmal zu Anfang angesehen und jetzt, nach langer Zeit, habe ich sie mal wieder in der Hand gehabt.

Was ich dort sah, hat mich überwältigt. Die Erzieher haben neben ihrem wirklich anstrengenden Berufsalltag liebevolle Texte für mein Kind geschrieben und Fotos aufgeklebt, von den verschiedensten Aktivitäten und Momenten mit den Kindern.

Das ist wirklich mehr als man irgendwie erwarten kann.

Es gibt also auch wirklich tolle Kitas, so wie unsere neue Kita.

Das möchte ich einmal voller Dankbarkeit schreiben.

Und auch wenn es die liebevoll gestaltete Erinnerungsmappe nicht gäbe, wäre unsere Kita Spitze.

Ich kann beruhigt zur Arbeit gehen, weil ich mein Kind in sehr guten Händen weiß. Sein Selbstbewusstsein wird dort gestärkt und man konzentriert sich nicht auf seine Schwächen, sondern auf seine Stärken.

Von Herzen Dank an die Erzieher, die jeden Tag Außergewöhnliches leisten und unsere Kinder liebevoll und geduldig durch den Tag begleiten. Bei den Rahmenbedingungen, die Viele von ihnen haben, ist das nicht selbstverständlich.

Deshalb versuche auch ich, ihnen den Alltag nicht unnötig schwer zu machen und mich an die Regeln der Kita zu halten, keine Forderungen zu stellen und immer zu sehen, wie viel dort geboten wird: Mehr als man sich wünschen kann.

 

 

Warum ich unseren Kitawechsel bis heute nicht bereut habe

Unser Kind geht nun gern zur Kita (bis auf wenige Tage im Jahr, was wohl ganz normal ist).

Es erhält viel mehr Zuwendung (der Grund für unseren Wechsel / in der alten Kita sollte es nur funktionieren und den Mund halten) und diverse Anregungen und Angebote (was ich nicht zu träumen gewagt hätte und was auch gar nicht mein vorrangiges Ziel beim Wechsel war).

Die Kita geht auf die Wünsche der Eltern ein und macht ihnen keine unnötigen Vorschriften.

Wenn mein Kind in der neuen Kita gehauen wird (was ja immer mal vorkommen kann), dann sucht man dort das Gespräch mit den Kindern anstatt meinem Kind zuzusehen, wie es über Wochen und Monate gehauen wird und ihm immer nur wieder zu sagen, es müsse endlich mal lernen, sich zu wehren.

Das Personal ist deutlich besser ausgebildet und erfolgreich bemüht, auch bei Personalengpässen das Wohl des einzelnen Kindes nie aus dem Auge zu verlieren.

In der alten Kita wollte man die Personalengpässe und Versäumnisse der Erzieher durch Therapievorschläge für mein Kind vertuschen. Alle U’s und die Gespräche in der neuen Kita sind erfreulich verlaufen. Mein Kind ist aufgeschlossen und wissbegierig.

Es hat wieder den Kopf frei, um lernen zu können, weil es auf der Beziehungsebene versorgt ist.

Ich finde es untragbar, dass die Kita-Qualität so extrem variiert. Das ist unfair, für die Kinder und für ihre Eltern und für die engagierten Erzieher.

Es geht hier um Weichenstellungen und Lebenswege.

Man hat die Wahl und hat sie doch nicht!

Heute morgen im Auto habe ich darüber nachgegrübelt, wie das denn mit der freien Kita-Wahl wirklich ist.

Man hat die Wahl und hat sie doch nicht!

Wir hätten um uns herum ein paar Kita-Plätze bekommen können. Am Liebsten hätte ich die Kita ein paar hundert Meter von uns entfernt genommen. Mein absoluter Traumkandidat, ist man als Mutter doch morgens schon genug gestresst. Die schnelle und gute Erreichbarkeit kann einem also das Leben erheblich leichter machen.

Die Leiterin meiner Erreichbarkeits-Traumkita hat jedoch in ihrer zehnminütigen Führung von den „kleinen anstrengenden Kröten“ gesprochen und das ohne Augenzwinkern und man hatte den Eindruck einer Verwahranstalt, in der sich kein Kind traute, sich auch nur zu mucksen.

Die Einrichtungen, die mir wirklich gut gefielen, hatten auf Monate und Jahre hinaus keine Plätze mehr frei.

Mittlerweile geht mein Kind in eine Kita in der Nähe meiner Arbeitsstelle. Das ist aber nur möglich, weil wir ein Auto haben. Diese Kita ist ein Glücksgriff.

Andere Eltern ohne Auto sind darauf angewiesen, dass in ihrer Nähe qualitativ akzeptable Kitas zu finden sind.

Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, einheitliche Qualitätsstandards für Kitas zu definieren und auch umzusetzen.

Eine banale Rechnung

Unter den Voraussetzungen, dass

  • es in Deutschland in den Kitas chronischen Personalmangel gibt und
  • Erzieher sagen, dass sie neben der „Zeit am Kind“ zu wenig „Vorbereitungszeit“ haben

Wo geht die Zeit und Kraft, die Erzieher für immer neue Forderungen der Eltern aufbringen müssen, wohl ab?

Sie geht ab von der Kraft und Zeit, um ein Kind zu trösten, in den Arm zu nehmen, ihm zuzuhören, es zu wickeln …

von der Kraft und Zeit für die wirklich elementaren Dinge.

Darüber sollten sich alle Eltern im Klaren sein.

Wie geht es wohl Erzieherinnen, die selbst Mütter kleiner Kinder sind?

Es gibt sicher viele Erzieherinnen mit kleinen Kindern, die gern wieder berufstätig sind.

Aber es gibt bestimmt auch Erzieherinnen, die aufgrund ihres Berufes in einem besonderen Dilemma stecken.

Für die liebevolle, zugewandte, kreative Betreuung fremder kleiner Kinder bekommen sie Geld, für die liebevolle, zugewandte, kreative Betreuung ihrer eigenen Kinder jedoch nicht.

Anstatt also den Tag über für ihr Kind da zu sein, es in seiner Entwicklung zu begleiten, wird von ihnen erwartet, sich voll und ganz auf das Wohl fremder Kinder zu konzentrieren.

In einem von Personalmangel gekennzeichneten Arbeitsumfeld werden sie vermutlich in der ein oder anderen Region Deutschlands acht bis fünfzehn Kinder gleichzeitig beaufsichtigen müssen (je nach Altersgruppe) und das ihren ganzen Arbeitstag über. Da fällt es schwer, mir vorzustellen, dass sie, wenn sie nach Hause kommen, dort auch noch Kastanienmännchen oder Laternen mit ihren Kindern basteln. Da können sie nur darauf vertrauen, dass die anderen Erzieherinnen, denen sie ihr Kind morgens anvertraut haben, genauso engagiert waren, wie sie selbst.

Hinzu kommt, dass Erzieherinnen in der Regel in Deutschland auch nicht besonders üppig verdienen.

Wie fühlt es sich da wohl an, in einer Kita zu arbeiten, in der die Kinder regelmäßig mit ausgefallenen Ausflügen, Theaterbesuchen, Schwimm- und Sportkursen sowie Sprachunterrichtseinheiten versorgt werden, für die auch Extrazahlungen anfallen? Wenn der Kontrast zwischen den eigenen Möglichkeiten und dem, was man anderen, fremden Kindern den ganzen Tag bietet, sehr groß ist? Aber vielleicht fällt das auch gar nicht ins Gewicht und stellt somit auch kein Problem dar, denn Erzieherinnen kennen Kinder ja berufsbedingt gewöhnlicherweise  besonders gut und wissen somit auch, dass für Kinder am Ende immer der liebevolle Umgang, die Zeit und die Aufmerksamkeit zählen.

Und wie fühlt es sich wohl an, wenn Eltern bei nahezu konstant bleibender Vergütung der Erzieher und immer größeren zu betreuenden Kindergruppen pro Erzieher ein immer höheres Engagement fordern?

Ich kann es mir vorstellen und sage deshalb in unserer Kita immer mal wieder zwischen Tür und Angel „Danke“.

Danke, dass es meinem Kind bei Euch gut geht. Danke, dass Ihr Euch die zusätzliche Mühe macht und einen Theaterausflug organisiert. (Jede Mutter weiß, dass ein solcher Ausflug nur allein mit dem eigenen kleinen Kind auch einen gewissen Kraftaufwand erfordern kann.) Wir freuen uns darüber, würden die Kita aber genauso schätzen, wenn ihr es das ganze nächste Jahr nicht mehr schafft.