Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – XI

Es wird alles leichter, wenn man systematisch vereinfacht, sich auf das Wesentliche reduziert und zwar in den verschiedensten Lebensbereichen.

Je länger ich nach einem Ausweg aus der Erschöpfung durch die Mehrfachbelastung suche, desto häufiger stoße ich auf „Minimalismus“ und „Downsizing“.

Ich mache das schon an vielen Stellen, aber ich glaube, das lässt sich noch deutlich ausbauen.

Das fängt damit an, dass man die Wohnung mal ordentlich auf den Kopf stellt und aussortiert, verkauft, spendet, verschenkt,  alle unnötigen Abos und Mitgliedschaften beendet (spart eine Menge Papierkram und auch Geld), in den sozialen Netzwerken und auch sonst nicht permanent erreichbar ist (spart eine Menge Nerven)  … und auch sieht, dass zu viel Besitz auch Ballast sein kann (er muss unterhalten, instandgehalten und gepflegt werden) …

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Das Alte kehrt zurück und das Neue entfaltet seinen Zauber

Nach der Geburt meines Kindes blieb in meinem Leben kein Stein auf dem anderen. Oder nur ganz Wenige.

Da ich mich mit Veränderungen in meinem Leben generell schwer tue, haben mich die letzten Jahre unglaublich viel Kraft gekostet.

Nun kehrt das Alte zurück.

Dinge, die ich lange Zeit nicht mehr machen konnte oder vor lauter Müdigkeit nicht machen wollte, sind nun wieder möglich.

Und zusätzlich entfaltet das Neue immer mehr seinen Zauber.

Oft kann ich mich nicht satt sehen an der Lebensfreude, Neugierde und Aufgeschlossenheit meines Kindes. Seiner Mimik. Seiner Energie.

Seine Worte überraschen mich immer wieder aufs Neue. Es ist noch so klein und stellt wichtige Fragen. Fragen, die ich mir auch mal (wieder) stellen sollte.

Es ist außerdem so kontaktfreudig, dass mein Tag ebenfalls immer lebendig wird.

Die letzten Jahre haben mein Leben auch ein ganzes Stück bereinigt. Beziehungen haben sich verändert, sind ganz auseinander gegangen oder haben sich geklärt. Menschen haben sich entfernt und genähert. Ich habe mich entzogen und gesucht. Diese Suche ist noch lange nicht zu Ende.

Dinge mussten ausgesprochen werden, auch wenn es weh tat. Meine Sprache musste und muss immer noch klarer werden.

Um ein Kind zu erziehen, muss man für sich Dinge definieren und Standpunkte entwickeln, die man selbst vielleicht noch gar nicht für sich geklärt hatte oder um deren Klärung man sich bisher erfolgreich herumgemogelt hat.

Es ist auf jeden Fall befreiend, vom Alten möglichst nur das zurück kommen zu lassen, was einem gut tut und sich immer mehr von der Begeisterung seines Kindes für die Vielfalt des Lebens mitziehen zu lassen.

Und auch der schwere Schleier der Schlaflosigkeit hat sich gelichtet und gibt nun den Blick frei.

Mein Kind ist nun viereinhalb Jahre alt und es ist das Beste, was mir jemals passieren konnte.

 

Kleine Erkenntnisse

Als arbeitende Mutter befinde ich mich einen Großteil des Tages in Zeitkonflikten.

Es gibt immer viel mehr zu tun als Zeit vorhanden ist.

Ich muss mich also oft entscheiden, ob ich Zeit mit meinem Kind verbringe oder alles andere drum herum erledige.

Das Groteske jedoch ist, dass, je weniger Zeit ich mit meinem Kind verbringe, es z.B. vor dem Fernseher oder anderswo „parke“, um Überweisungen zu tätigen, das Auto zu staubsaugen, Elternabende zu besuchen, Kleidung zur Reinigung zu bringen, Termine zu koordinieren, die Wohnung in Schuss zu halten, Kuchen für die Kollegen zu backen, zum Friseur zu gehen, einer Bekannten lange am Telefon zuzuhören, das Geburtstagsgeschenk für Tante Gisela zu organisieren, mich zu pflegen, desto mehr wirke ich nach außen als Mutter, die ihren Familienalltag vollkommen im Griff hat, als Mutter aus der „Rama-Werbung“.

Es wird von unserer Gesellschaft implizit honoriert, wenn ich wenig Zeit mit meinem Kind verbringe, beziehungsweise wenig Zeit mit meinen Gedanken wirklich beim Kind bin. Auch, wenn nach außen hin genau das Gegenteil propagiert wird.

Man fährt gut auf dieser Schiene. Alle um einen herum denken: Die hat endlich wieder Tritt gefasst. Sie vergisst nicht, das Geld für den Kita-Schwimmbadbesuch zu bezahlen und auch nicht, zum Laternenbasteltermin zu kommen, im Job erscheint sie zur Firmenweihnachtsfeier und auch im Bekannten- und Verwandtenkreis ist sie wieder gern gesehen, da sie nicht dauernd Veranstaltungen absagt.

Zu der Zeit, als sie ihr kleines, zu früh geborenes Baby stundenlang in Ruhe auf ihrem Bauch hat schlafen lassen und das Telefon und die Klingel abgestellt sowie Familienfeiertermine in entfernten Städten abgesagt hat, da war sie Ziel ständiger Kritik.

Ich frage mich, wann war sie (also ich) die bessere Mutter?

Und ich frage mich …

Was, wenn ich diesen Balanceakt ausreize? Dann wird mein Kind Probleme bekommen. Und auch ich.

Denn merke: Unsere Gesellschaft honoriert es nur bis zu einem bestimmten Punkt, wenn ich Zeit von meinem Kind stehle. Nur solange mein Kind noch „funktioniert“.

Und genau deshalb geht es heute mit meinem Kind in die Natur. Ich kann es sowieso niemandem um unsere kleine Familie herum wirklich Recht machen.

Mein Kind wurde in diese Gesellschaft voller Widersprüche hineingeboren. Es soll nicht schon als Kind davon zerrissen werden. Es braucht meine Zeit. Sonst ist es auf einmal, wenn ich mich kurz umgedreht habe, groß, und ich frage mich, ob ich wirklich keine andere Wahl hatte als diesen Weg der nach außen hin möglichst halbwegs perfekten Mutter zu gehen.

Als Mutter zählt am Ende für mich nur Eines: Das Urteil meines Kindes.

„Das Angebot“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – X“

Eine Person, die mir sehr nahe steht, hat mir ein wunderbares Angebot gemacht: Sie passt drei Wochen auf mein Kind auf, holt es morgens ab (mit meinem Mann ist bereits abgesprochen, dass er unser Kind morgens fertig macht), bringt es zur Kita, sammelt es am frühen Nachmittag dort ein, bespaßt es bei sich zu Hause und bringt es nach dem Abendessen zu mir zurück. Am Wochenende nimmt sie mein Kind auch noch einen ganzen Tag.

Ich schwebe auf Wolke sieben. In der Zeit möchte ich dann Urlaub nehmen. Das müsste gehen.

Was kann ich in diesen drei Wochen alles machen?

Erst einmal werde ich eine Woche lang gar keinen Plan haben. Ich werde ohne den Wecker leben und nach dem Aufstehen stundenlang fernsehen. Dann werde ich den ganzen Tag nichts machen oder mich bei Lust und Laune im Café oder zum Kino verabreden. Ich werde mir vielleicht neue Bücher kaufen und sie bei Tee und Schokolade lesen. Ich werde vielleicht ausgiebig baden oder vielleicht mal in Ruhe nach einem neuen Kleid gucken oder stundenlang im Spa-Bereich eines exklusiven Fitness-Centers schlafen oder Zeitschriften durchblättern. Ich werde ausufernd telefonieren, wenn mir danach ist, und stundenlang schweigen und in den Himmel gucken, wenn ich das möchte.

Die zweite Woche werde ich ganz gemütlich wieder Grund in unseren Haushalt bringen. Ich werde die Dinge in den Schränken sortieren, aussortieren und ordnen. Ich werde Entscheidungen treffen. Ich werde Ballast abwerfen.

Die dritte Woche sieht dann wieder aus wie die erste.

Und danach wird mich mit Sicherheit niemand wiedererkennen.

Irgendwie habe ich diesen Beitrag falsch betitelt. Er müsste eigentlich „Man darf doch mal träumen – II“ heißen. Denn solch ein Angebot, so umsetzbar es theoretisch auch ist, bekommen vermutlich die wenigsten Mütter.

Hier der Beitrag „Man darf doch mal träumen“ – I:

https://marasgedanken.wordpress.com/2015/08/20/man-darf-doch-mal-traeumen/

 

„Parallelen“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – IX“

Die Mutter beschließt spontan, Raum 1 der Wohnung einer kleinen Generalüberholung zu unterziehen. Dort gibt es eine Menge zu tun. Ihr Kind spielt gerade so friedlich in Raum 2. Die Gelegenheit ist günstig.

Während sie in Raum 1 die wild durcheinandergewürfelten Spielsachen sortiert und die Memory-Karten von den Fotos und den Spielfigürchen trennt, kippt ihr Kind in Raum 2 gerade die Lego-Steine und das Eisenbahnset zusammen auf den Boden.

Während sie in Raum 1 ungelenk unter den Sessel und das Kinderbett kriecht, um dort ein paar verstaubte Plastikbälle und das lange vermisste Pixie-Buch hervorzuangeln, rollen ihrem Kind in Raum 2 gerade 76 Perlen unter die Kommode.

Während sie die auf den Möbeln in Raum 1 nach keinem erkennbaren Prinzip verteilen Aufkleber abkratzt, kippt ihrem Kind in Raum 2 gerade der Orangensaft über das Sofa.

Während sie den kleinen Spieltisch in Raum 1 mit Glasreiniger reinigt, bemalt ihr Kind in Raum 2 gerade die Tür mit Bleistift.

Während sie in Raum 1 gerade ein paar vertrocknete Weintrauben aus dem Kinderkochtopf holt und über den Einfallsreichtum ihres Kindes schmunzelt, bringt ihr Kind in Raum 2 gerade die Apfelscheiben in der Sofaritze unter.

Während sie in Raum 1 gerade die Haarbürsten von den Haaren des Teddys befreit, werden in Raum 2 Mund und Nase ans Fenster gedrückt. Nur so aus Spaß und weil es so lustige Flecken auf dem Fenster gibt. Oder vielleicht doch, weil draußen ein Nachbarkind rief.

Es ist so ruhig drüben, ihr Kind plappert vor sich hin und spielt. „Wunderbar“ denkt sie, und fährt selig mit ihrer Tätigkeit fort. Wie schön es doch wäre, wenn die Wohnung bald mal wieder so richtig in Schuss wäre. Den Anfang machte sie gerade. Ihr Kind war schließlich nun schon größer.

Da kann dann ja auch alles mal wieder in einen gewissen Normalzustand zurückkehren.

Sie beschließt, noch schnell eine Maschine Wäsche anzuschmeißen. Sie räumt den Wäscheständer frei. Und während sie die frische Wäsche in Raum 1 in den Schrank sortiert, hat ihr – nun wieder in Raum 2 befindliches Kind – den Joghurt vom Küchentisch seelenruhig auf seinem T-Shirt und sonst wo verteilt. Es spielte „Katze, die aus dem Schälchen trinkt“.

Was macht eine Mutter eigentlich so den ganzen Tag?

Nachtrag: Das alles passiert natürlich normalerweise nicht alles an einem Tag, aber Vieles davon … 😉

 

 

„Dein Kind, der Zeitmanagement-Coach“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – VIII“

Nach dem Jobwiedereinstieg habe ich etwas für mich Interessantes beobachtet: Ich arbeite anders als früher. Mein Gedächtnis ist ein Sieb und ich muss mir jede, wirklich jede Kleinigkeit aufschreiben (Der jahrelange Schlafmangel lässt grüßen). Das ist erst mal schlecht.

Aber es gibt auch gute Dinge. Und zwar arbeite ich, für mich selbst eindeutig merkbar, viel effizienter und strukturierter als früher. Ich gucke immer genau, was zuerst gemacht werden muss und bereite alles vor, was vorbereitet werden kann, um bloß keine bösen Überraschungen zu erleben.

Kommt Euch das bekannt vor? Ist das nicht auch Euer Alltag als Mutter?

Also, wenn Ihr noch Zuhause seid, was ich Euch von ganzem Herzen gönne, dann macht Euch keine großen Sorgen, ob Ihr nach einer längeren Auszeit als Arbeitnehmerin nicht mehr taugt. Eure Leistungsfähigkeit an sich muss nicht gelitten haben. Im Gegenteil. Ihr habt durch Euer neues Leben viele neue Dinge gelernt, die Euch auch irgendwann, wenn Ihr wieder im Job seid, helfen werden.

Ich habe gerade vor ein paar Tagen so ein Erlebnis gehabt. Als ich morgens um 10 vor 9 ins Büro kam, war mein Vorgesetzter in Aufregung, weil gleich ein Termin begann, für den ich etwas vorbereiten sollte. Ich war davon ausgegangen, dass der Termin eine Stunde später beginnt, was sich als falsch herausstellte. Man hatte den Termin vorgezogen, nur vergessen, es mir zu sagen. Dank meinem Kind, meinem kleinen Zeitmanagement-Coach, war ich aber auch für 9 Uhr schon perfekt vorbereitet ;-).

„Erkenntnis beim heutigen angetäuschten Putzen“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein VII“

Hier in unserer Wohnung muss dringend mal viele Stunden geputzt werden. Müsste dringend mal viele Stunden geputzt werden …

Meine tolle Idee des „angetäuschten Putzens“ wird immer weniger tragfähig, je länger ich wieder arbeite. Irgendwann muss auch mal richtig sauber gemacht werden. Ja, Ihr Prioritäten-Gurus, ich kann nicht immer Prioritäten setzen. Irgendwann fällt auch mal etwas hinten über.

Eine Putzfrau? Das wäre eine Idee. Haben meine Bekannten nicht gerade innerhalb von 5 Monaten 4 Reinigungskräfte kennengelernt und aus verschiedensten Gründen wieder verabschiedet oder diese haben sich von selbst verabschiedet? Möchte ich in einem Haushalt mit Kind putzen? Nein. Möchte ich angeklebte Milch wegschrubben oder angenagte Traubenzuckerlollies entsorgen? Die Suche nach einer geeigneten Reinigungskraft … Das ist ja fast so schlimm wie eine Kita-Suche.

Will ich das jetzt? Nein. Außerdem spielt es schon eine Rolle, ob ich der Person vertrauen kann. Was ist, wenn sie mich nicht mag und mit dem Toilettenlappen unseren Nachttisch abwischt? (Dann ist es vielleicht immer noch sauberer als jetzt 😉 ). Ach quatsch. Paranoia. Man muss den Menschen schon vertrauen. Sonst könnte man ja auch nicht ins Lokal gehen.

Und wenn ich eine Reinigungskraft beschäftige, dann kostet es mich wieder mein hart verdientes Geld. (Nachtrag: Insbesondere weil ich es nicht mit mir vereinbaren kann, jemanden nach dem Motto „Sie haben eine Stunde Zeit, um das Bad zu putzen, die Wohnung zu staubsaugen, die Böden zu wischen, die Küche in Ordnung zu bringen, alle Fenster zu wienern und den Meerschweinchenkäfig sauberzumachen“ auszubeuten.) Es beschleicht mich mal wieder der Gedanke, dass ich einen Großteil des Geldes, das ich nun verdiene, dafür aufwenden muss, um die Nachteile auszugleichen, die mir dadurch entstehen, dass ich wieder arbeite. Das ist doch grotesk oder?

Nachtrag II: Dieses als arbeitende Mutter zwanghaft überall entspannt sein müssen (auch in Bezug auf die Sauberkeit im Haushalt) verspannt mich zusehends, weshalb ich jetzt gerade in den exzessiven Putzmodus wechsele. Ja, ich habe auch meine Standards und die sind sogar schon deutlich abgesenkt … aber irgendwann ist Schluss.

Mein Kind schläft gerade und wenn ich ihm später, nach getaner Arbeit, schweißüberströmt gegenübertrete, wird es fragen: „Und, was machen wir jetzt?“

„Nichts!“ Da muss ich dann mal entspannt sein ;-).