Warum ich gerade wieder selber putze

Nun hatte ich ein Jahr lang eine Reinigungshilfe, die sehr gut geputzt hat. Alle zwei Wochen kam sie für 2 1/2 Stunden und hat sich das Bad und einige Böden in der Wohnung vorgenommen. Es war immer sehr schön sauber, wenn sie ging und mit der Zeit sah unsere Wohnung immer besser aus, denn die Zeit, die ich für Bad und Böden sparte, investierte ich an anderen Stellen. Es fühlte sich sehr gut an. Das Einzige, was mich störte, war das Aufräumen und Vorbereiten vor ihrem Besuch und auch die Tatsache, dass ich mich an dem Nachmittag, wenn ich mal total K.O. war, eben nicht in unserer Wohnung aufhalten konnte bzw. wollte. Außerdem wollte ich keinen weiteren Kontakt und nur eine freundliche, faire Dienstleistungsbeziehung. Es störte mich ein wenig, dass unsere Reinigungshilfe gern mehr in die Familie eingebunden werden wollte und, um das elegant abzuwenden, bin ich möglichst immer erst nach Hause gekommen, wenn sie schon weg war. In den letzten Monaten blieb sie dann aber immer länger, damit sie mich noch sah. Dann wollte sie sich unterhalten und ich aber abends nur noch meine Ruhe haben. Mittlerweile weiß ich, weshalb sie mich vermutlich auch sprechen wollte. Sie war in einen „Verein“ geraten, der Lifestyle-Produkte verkauft und wollte mir genau diese überteuerten Produkte verkaufen. Sie suchte also Anknüpfungspunkte für ein Verkaufsgespräch. Irgendwann war es so weit und sie ließ nicht locker. Ich sagte ihr, dass ich an solche Dinge nicht so glaube und nicht die richtige Kundin wäre. Da sagte sie in einem sehr bösen Ton „Selber Schuld“ und es war vorbei mit meinem Vertrauen. Außerdem erfuhr ich an dem Tag, dass sie gar nicht krankenversichert war. Eine Bedingung, die mir sehr wichtig war. Nun bin ich erst einmal bedient und putze lieber wieder selber.  Aber ich habe auch etwas gelernt: Das nächste Mal nehme ich eine teurere Agentur und lasse mir noch einmal schriftlich bestätigen, dass die Person wirklich versichert ist. Auch wenn ich immer Trinkgeld gegeben habe und den Eindruck hatte, dass sie mit ihrem Job bei uns sehr zufrieden war (da auch in den 2 1/2 Stunden nicht erwartet wurde, dass die ganze Wohnung blitzte und blinkte), war das vielleicht für unsere Reinigungshilfe aus Osteuropa immer noch zu wenig, um sich selbst zu versichern. Man muss sich genau ansehen, wieviel wirklich für die Menschen übrig bleibt, wenn man sie über eine Agentur bucht.

Mittlerweile sieht unsere Wohnung nicht mehr ganz so gut geputzt aus, aber damit kann ich momentan leben. Ich mache immer mal hier etwas und mal dort. Aber, über kurz oder lang werde ich mich wohl doch mal wieder an eine Reinigungshilfe trauen, dann über eine teurere Agentur. Das Geld und der Mensch sind es wert.

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Ich kann nicht so weitermachen wie bisher ;-)

„Mama, der Schokokuchen gestern war sooo lecker. Und wir haben ja noch.“

Ich: „Jaaa?“

„Ja, Du hast doch gestern den halben Kuchen ins Tiefkühlfach getan.“

„Ach so. Ja, stimmt.“ (Ich muss wohl ganz schnell einen Kuchen nachkaufen und zumindest eine Hälfte wieder einfrieren … Gestern nach dem Aufräumen (es sind nur drei kleine Kinder durch unsere Wohnung getobt und hatten viel Spaß) brauchte ich noch ein wenig zu Naschen.)

Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – XI

Es wird alles leichter, wenn man systematisch vereinfacht, sich auf das Wesentliche reduziert und zwar in den verschiedensten Lebensbereichen.

Je länger ich nach einem Ausweg aus der Erschöpfung durch die Mehrfachbelastung suche, desto häufiger stoße ich auf „Minimalismus“ und „Downsizing“.

Ich mache das schon an vielen Stellen, aber ich glaube, das lässt sich noch deutlich ausbauen.

Das fängt damit an, dass man die Wohnung mal ordentlich auf den Kopf stellt und aussortiert, verkauft, spendet, verschenkt,  alle unnötigen Abos und Mitgliedschaften beendet (spart eine Menge Papierkram und auch Geld), in den sozialen Netzwerken und auch sonst nicht permanent erreichbar ist (spart eine Menge Nerven)  … und auch sieht, dass zu viel Besitz auch Ballast sein kann (er muss unterhalten, instandgehalten und gepflegt werden) …

Das Alte kehrt zurück und das Neue entfaltet seinen Zauber

Nach der Geburt meines Kindes blieb in meinem Leben kein Stein auf dem anderen. Oder nur ganz Wenige.

Da ich mich mit Veränderungen in meinem Leben generell schwer tue, haben mich die letzten Jahre unglaublich viel Kraft gekostet.

Nun kehrt das Alte zurück.

Dinge, die ich lange Zeit nicht mehr machen konnte oder vor lauter Müdigkeit nicht machen wollte, sind nun wieder möglich.

Und zusätzlich entfaltet das Neue immer mehr seinen Zauber.

Oft kann ich mich nicht satt sehen an der Lebensfreude, Neugierde und Aufgeschlossenheit meines Kindes. Seiner Mimik. Seiner Energie.

Seine Worte überraschen mich immer wieder aufs Neue. Es ist noch so klein und stellt wichtige Fragen. Fragen, die ich mir auch mal (wieder) stellen sollte.

Es ist außerdem so kontaktfreudig, dass mein Tag ebenfalls immer lebendig wird.

Die letzten Jahre haben mein Leben auch ein ganzes Stück bereinigt. Beziehungen haben sich verändert, sind ganz auseinander gegangen oder haben sich geklärt. Menschen haben sich entfernt und genähert. Ich habe mich entzogen und gesucht. Diese Suche ist noch lange nicht zu Ende.

Dinge mussten ausgesprochen werden, auch wenn es weh tat. Meine Sprache musste und muss immer noch klarer werden.

Um ein Kind zu erziehen, muss man für sich Dinge definieren und Standpunkte entwickeln, die man selbst vielleicht noch gar nicht für sich geklärt hatte oder um deren Klärung man sich bisher erfolgreich herumgemogelt hat.

Es ist auf jeden Fall befreiend, vom Alten möglichst nur das zurück kommen zu lassen, was einem gut tut und sich immer mehr von der Begeisterung seines Kindes für die Vielfalt des Lebens mitziehen zu lassen.

Und auch der schwere Schleier der Schlaflosigkeit hat sich gelichtet und gibt nun den Blick frei.

Mein Kind ist nun viereinhalb Jahre alt und es ist das Beste, was mir jemals passieren konnte.

 

Kleine Erkenntnisse

Als arbeitende Mutter befinde ich mich einen Großteil des Tages in Zeitkonflikten.

Es gibt immer viel mehr zu tun als Zeit vorhanden ist.

Ich muss mich also oft entscheiden, ob ich Zeit mit meinem Kind verbringe oder alles andere drum herum erledige.

Das Groteske jedoch ist, dass, je weniger Zeit ich mit meinem Kind verbringe, es z.B. vor dem Fernseher oder anderswo „parke“, um Überweisungen zu tätigen, das Auto zu staubsaugen, Elternabende zu besuchen, Kleidung zur Reinigung zu bringen, Termine zu koordinieren, die Wohnung in Schuss zu halten, Kuchen für die Kollegen zu backen, zum Friseur zu gehen, einer Bekannten lange am Telefon zuzuhören, das Geburtstagsgeschenk für Tante Gisela zu organisieren, mich zu pflegen, desto mehr wirke ich nach außen als Mutter, die ihren Familienalltag vollkommen im Griff hat, als Mutter aus der „Rama-Werbung“.

Es wird von unserer Gesellschaft implizit honoriert, wenn ich wenig Zeit mit meinem Kind verbringe, beziehungsweise wenig Zeit mit meinen Gedanken wirklich beim Kind bin. Auch, wenn nach außen hin genau das Gegenteil propagiert wird.

Man fährt gut auf dieser Schiene. Alle um einen herum denken: Die hat endlich wieder Tritt gefasst. Sie vergisst nicht, das Geld für den Kita-Schwimmbadbesuch zu bezahlen und auch nicht, zum Laternenbasteltermin zu kommen, im Job erscheint sie zur Firmenweihnachtsfeier und auch im Bekannten- und Verwandtenkreis ist sie wieder gern gesehen, da sie nicht dauernd Veranstaltungen absagt.

Zu der Zeit, als sie ihr kleines, zu früh geborenes Baby stundenlang in Ruhe auf ihrem Bauch hat schlafen lassen und das Telefon und die Klingel abgestellt sowie Familienfeiertermine in entfernten Städten abgesagt hat, da war sie Ziel ständiger Kritik.

Ich frage mich, wann war sie (also ich) die bessere Mutter?

Und ich frage mich …

Was, wenn ich diesen Balanceakt ausreize? Dann wird mein Kind Probleme bekommen. Und auch ich.

Denn merke: Unsere Gesellschaft honoriert es nur bis zu einem bestimmten Punkt, wenn ich Zeit von meinem Kind stehle. Nur solange mein Kind noch „funktioniert“.

Und genau deshalb geht es heute mit meinem Kind in die Natur. Ich kann es sowieso niemandem um unsere kleine Familie herum wirklich Recht machen.

Mein Kind wurde in diese Gesellschaft voller Widersprüche hineingeboren. Es soll nicht schon als Kind davon zerrissen werden. Es braucht meine Zeit. Sonst ist es auf einmal, wenn ich mich kurz umgedreht habe, groß, und ich frage mich, ob ich wirklich keine andere Wahl hatte als diesen Weg der nach außen hin möglichst halbwegs perfekten Mutter zu gehen.

Als Mutter zählt am Ende für mich nur Eines: Das Urteil meines Kindes.

„Das Angebot“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – X“

Eine Person, die mir sehr nahe steht, hat mir ein wunderbares Angebot gemacht: Sie passt drei Wochen auf mein Kind auf, holt es morgens ab (mit meinem Mann ist bereits abgesprochen, dass er unser Kind morgens fertig macht), bringt es zur Kita, sammelt es am frühen Nachmittag dort ein, bespaßt es bei sich zu Hause und bringt es nach dem Abendessen zu mir zurück. Am Wochenende nimmt sie mein Kind auch noch einen ganzen Tag.

Ich schwebe auf Wolke sieben. In der Zeit möchte ich dann Urlaub nehmen. Das müsste gehen.

Was kann ich in diesen drei Wochen alles machen?

Erst einmal werde ich eine Woche lang gar keinen Plan haben. Ich werde ohne den Wecker leben und nach dem Aufstehen stundenlang fernsehen. Dann werde ich den ganzen Tag nichts machen oder mich bei Lust und Laune im Café oder zum Kino verabreden. Ich werde mir vielleicht neue Bücher kaufen und sie bei Tee und Schokolade lesen. Ich werde vielleicht ausgiebig baden oder vielleicht mal in Ruhe nach einem neuen Kleid gucken oder stundenlang im Spa-Bereich eines exklusiven Fitness-Centers schlafen oder Zeitschriften durchblättern. Ich werde ausufernd telefonieren, wenn mir danach ist, und stundenlang schweigen und in den Himmel gucken, wenn ich das möchte.

Die zweite Woche werde ich ganz gemütlich wieder Grund in unseren Haushalt bringen. Ich werde die Dinge in den Schränken sortieren, aussortieren und ordnen. Ich werde Entscheidungen treffen. Ich werde Ballast abwerfen.

Die dritte Woche sieht dann wieder aus wie die erste.

Und danach wird mich mit Sicherheit niemand wiedererkennen.

Irgendwie habe ich diesen Beitrag falsch betitelt. Er müsste eigentlich „Man darf doch mal träumen – II“ heißen. Denn solch ein Angebot, so umsetzbar es theoretisch auch ist, bekommen vermutlich die wenigsten Mütter.

Hier der Beitrag „Man darf doch mal träumen“ – I:

https://marasgedanken.wordpress.com/2015/08/20/man-darf-doch-mal-traeumen/

 

„Parallelen“ oder „Kleine Erkenntnisse aus dem Mutterdasein – IX“

Die Mutter beschließt spontan, Raum 1 der Wohnung einer kleinen Generalüberholung zu unterziehen. Dort gibt es eine Menge zu tun. Ihr Kind spielt gerade so friedlich in Raum 2. Die Gelegenheit ist günstig.

Während sie in Raum 1 die wild durcheinandergewürfelten Spielsachen sortiert und die Memory-Karten von den Fotos und den Spielfigürchen trennt, kippt ihr Kind in Raum 2 gerade die Lego-Steine und das Eisenbahnset zusammen auf den Boden.

Während sie in Raum 1 ungelenk unter den Sessel und das Kinderbett kriecht, um dort ein paar verstaubte Plastikbälle und das lange vermisste Pixie-Buch hervorzuangeln, rollen ihrem Kind in Raum 2 gerade 76 Perlen unter die Kommode.

Während sie die auf den Möbeln in Raum 1 nach keinem erkennbaren Prinzip verteilen Aufkleber abkratzt, kippt ihrem Kind in Raum 2 gerade der Orangensaft über das Sofa.

Während sie den kleinen Spieltisch in Raum 1 mit Glasreiniger reinigt, bemalt ihr Kind in Raum 2 gerade die Tür mit Bleistift.

Während sie in Raum 1 gerade ein paar vertrocknete Weintrauben aus dem Kinderkochtopf holt und über den Einfallsreichtum ihres Kindes schmunzelt, bringt ihr Kind in Raum 2 gerade die Apfelscheiben in der Sofaritze unter.

Während sie in Raum 1 gerade die Haarbürsten von den Haaren des Teddys befreit, werden in Raum 2 Mund und Nase ans Fenster gedrückt. Nur so aus Spaß und weil es so lustige Flecken auf dem Fenster gibt. Oder vielleicht doch, weil draußen ein Nachbarkind rief.

Es ist so ruhig drüben, ihr Kind plappert vor sich hin und spielt. „Wunderbar“ denkt sie, und fährt selig mit ihrer Tätigkeit fort. Wie schön es doch wäre, wenn die Wohnung bald mal wieder so richtig in Schuss wäre. Den Anfang machte sie gerade. Ihr Kind war schließlich nun schon größer.

Da kann dann ja auch alles mal wieder in einen gewissen Normalzustand zurückkehren.

Sie beschließt, noch schnell eine Maschine Wäsche anzuschmeißen. Sie räumt den Wäscheständer frei. Und während sie die frische Wäsche in Raum 1 in den Schrank sortiert, hat ihr – nun wieder in Raum 2 befindliches Kind – den Joghurt vom Küchentisch seelenruhig auf seinem T-Shirt und sonst wo verteilt. Es spielte „Katze, die aus dem Schälchen trinkt“.

Was macht eine Mutter eigentlich so den ganzen Tag?

Nachtrag: Das alles passiert natürlich normalerweise nicht alles an einem Tag, aber Vieles davon … 😉