Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – IV (Mutterschutz)

„Ach, das kann ich doch noch alles in den sechs Wochen Mutterschutz erledigen.“

Ja, so habe ich gedacht und am letzten Tag vor Beginn der sechs Wochen Mutterschutz am Freitag Abend um 20:30 Uhr das Büro verlassen.

Schon mal was von Frühgeburten gehört?

Ja, hatte ich natürlich. Aber ich habe mich in der Schwangerschaft immer wieder übernommen. „Schwangerschaft ist ja keine Krankheit“. Ich kann diesen Satz nicht leiden, denn er verleitet viele Frauen dazu, in der Schwangerschaft nicht genug auf sich zu hören.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich in der Schwangerschaft öfter gesagt: „Tut mir leid, da kann ich nicht. Ich muss mich ein wenig ausruhen.“ Dann hätte ich auch meinen ganzen Resturlaub vor dem Mutterschutz genommen und mir so noch einige Wochen mehr zur Vorbereitung und Erholung gegönnt.

Es ist ja auch nicht so, dass man in der Zeit kurz vor der Geburt beweglicher wird. Alles wird beschwerlicher.

Zwei Tage nach Beginn meines Mutterschutzes, meine To-Do-Liste für die Vorbereitung auf das Kind war noch ellenlang, lief mir schon das Fruchtwasser die Beine runter.

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Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – III (Elternzeitinanspruchnahme)

„Alles Gute für die Geburt. Wann sehen wir uns wieder?“

„In einem Jahr bin ich zurück!“

Ich kann immer noch schallend lachen, wenn ich daran zurückdenke. Ein verzweifeltes Lachen.

Wie uninformiert kann man sein?

Ich dachte damals sogar noch: Was man wohl die ganze Zeit in diesem Jahr macht? Wird das nicht langweilig?

Seit dem Tag der Geburt habe ich mich nie mehr gelangweilt.

Und ich habe erst viel später herausgefunden, dass nur ein Drittel der Mütter mit Kindern unter drei Jahren in Deutschland arbeitet.

Die anderen zwei Drittel wissen wohl ziemlich genau, warum sie noch zuhause sind, würde ich mal vermuten.

Aber uns wird etwas anderes vorgegaukelt, weil die Mütter so schnell wie möglich wieder berufstätig sein sollen.

In der Rückschau wäre es für mich das Beste gewesen, gleich die vollen drei Jahre Elternzeit für mich einzuplanen (mit den entsprechenden finanziellen Einschränkungen, die muss man natürlich bedenken). Aber hinterher ist man immer schlauer.

Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – II (Chronischer Schlafmangel)

Vor dem Muttersein habe ich zwar am Rande vom chronischen Schlafmangel mancher Mutter gehört, aber immer gedacht, dass man dann eben ein Mittagsschläfchen mehr zum Ausgleich macht.

Schlafmangel war nichts, wovor ich während der Schwangerschaft Angst hatte. Weshalb? Weil ich eben noch niemals solch extremen Schlafmangel in meinem Leben hatte. Wie soll man vor etwas Angst haben, das man in seinem vollen Ausmaß noch nicht kennt.

Mittlerweile kann ich sagen, dass das, was ich nicht kannte und vor dem ich keine Angst hatte und mich deshalb auch nicht ausreichend schützte, mich in den letzten Jahren komplett in die Knie gezwungen hat. Ich war auch eine der Mütter, die das Mittagsschläfchen des Babies dann doch lieber zum Aufräumen etc. genutzt und die monatelang Tag und Nacht Milch abgepumpt hat (Letzteres würde ich einer guten Freundin maximal für zwei Monate empfehlen, um sich nicht jeglicher Kraft zu berauben. Es sei denn, es sprechen handfeste medizinische Gründe für einen längeren Zeitraum.).

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann habe ich morgens um 6 Uhr schon eineinhalb Tafeln Schokolade gegessen, um den Tag zu überstehen.

Anstatt mein Umfeld zu bitten, auf mein Kind aufzupassen, weil der Schlafmangel mich fertig macht, habe ich gedacht, dass ich das alles allein schaffen muss.

Ich habe immer weiter gemacht und es hat mich immer tiefer sinken lassen. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, dass ich nicht einmal mehr weiß, wie ich heiße. Ich vergaß immer mehr, erkannte auf einmal Personen nicht, ließ regelmäßig Geschirr auf den Boden fallen, verlor Schlüssel, vertauschte Worte.

Heute weiß ich, dass der chronische Schlafmangel einer der größten Feinde einer Mutter ist. Und eine Mutter ist unverzichtbar für ihr Kind. Es ist ein großer Fehler, zu glauben, man könne über mehrere Jahre mit extrem wenig Schlaf auskommen ohne dass das eigene Leben langsam erodiert.

Komischerweise haben mich ein paar Frauen, die schon Kinder hatten, gleich nach der Geburt des Babies mehr oder weniger deutlich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe aber damals gedacht, ich müsse nicht auf sie hören. Sie hätten eben bedauerlicherweise ein Problem gehabt. Ich würde das schon schaffen. Was für eine Naivität. Erst ein bis zwei Jahre später habe ich begriffen, dass sie Recht hatten und dass mir genau das passiert war, was sie beschrieben haben. Aber da hatte ich schon massive Schlafstörungen.

Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – I (Kleidungsfragen ;-) )

Von Zeit zu Zeit möchte ich hier über einige meiner Irrtümer schreiben: Meine Annahmen über das Kinderhaben bevor ich überhaupt ein Kind hatte.

Dass man mit seinen Vorstellungen vom Kinderhaben oft meilenweit von der Realität entfernt liegt, weiß man ja erst, wenn man selbst so einen kleinen Schatz hat.

Man könnte auch freundlicher sagen: Unwissenheit einer Kinderlosen, denn woher soll man es denn wissen.

Früher dachte ich, bzw. ich weiß gar nicht, ob ich es ganz bewusst dachte, es war eher so ein zwangsläufiger Zusammenhang für mich:

„Mütter, deren kleine Kinder wie aus dem Ei gepellt aussehen, sind die besten Mütter.“

Heute würde ich es anders formulieren: Eine Mutter, deren Kind wie aus dem Ei gepellt aussieht, kann eine sehr gute Mutter sein. Natürlich.

Aber ich weiß nun eines ganz genau: Kinder sind keine Anziehpuppen. Sie haben ihren eigenen Willen. Man kann ihnen morgens kein Designeroutfit zusammenstellen und einfach überziehen. Sie wollen sich nicht in zu enge Jeans quetschen lassen. Sie wollen sich einbringen. Sie wollen die Farben und die Zusammenstellung wählen. Sie wollen auch mal komplett ungekämmt aus dem Haus gehen oder Haarreifen mit monströsen Glitzeraufbauten spazieren tragen.

Und somit kann das auf den ersten Blick am unordentlichsten und geschmacklosesten angezogene Kind das liebevollste Elternhaus haben, Eltern die es ausprobieren lassen, die es nicht nur über sein Äußeres und seine Vorzeigbarkeit definieren, Eltern, die warten bis es seinen Geschmack entwickelt hat und Eltern, die es einfach nur sein lassen.