Aktueller Spiegel-Online-Artikel: Tabuthema Depressive Eltern

Als ich diesen Artikel las, konnte ich den Tenor nur unterschreiben: Kinder depressiver oder anderweitig psychisch kranker Eltern benötigen dringend Hilfe, sofern diese nicht mehr adäquat für ihre Kinder da sein und sorgen können.

Eine Sache kam mir in diesem Artikel jedoch gänzlich zu kurz:

Es wurde an keiner Stelle die Frage aufgeworfen, wieso so viele Eltern von Kindern unter drei Jahren unter Depressionen leiden.

Es wird nur nach Hilfe für Kinder depressiver Eltern geguckt, aber nicht, wie man einen Teil dieser Depressionen ganz verhindern könnte und die Kinder erst gar nicht leiden lassen müsste.

Ich habe eine Bitte an alle Journalisten, die dies lesen: Recherchieren Sie doch einmal über Depressionen bei frisch gebackenen Eltern und sehen Sie sich die widersprüchlichen und teilweise schier unerfüllbaren gesellschaftlichen Anforderungen an diese an. Untersuchen Sie bitte auch genau den Zusammenhang von Schlafmangel und Depressionen oder anderen psychischen Störungen. Das könnte Ansatzpunkte dafür geben, weshalb so viele Kinder mit depressiven Eltern aufwachsen müssen.

Wenn Sie noch Anregungen in Bezug darauf brauchen, was die Eltern heutzutage im Alltag zerreißt: Ich habe es hier in meinem Blog an vielen Stellen deutlich benannt.

Hier ein kleiner Auszug:

https://marasgedanken.wordpress.com/2016/07/20/schizophren-die-anforderungen-an-muetter-und-das-mutterleben-an-sich/

Ich bin der Meinung, dass wir unserer Gesellschaft ganz viele Folgekosten ersparen könnten, wirtschaftliche und emotionale, wenn wir Müttern bzw. Vätern (je nach Familienmodell) ermöglichen würden, in den ersten drei Jahren nach der Geburt zuhause bleiben zu können, sofern sie es denn möchten.

In diesen ersten drei Jahren eines Kindes haben Eltern viele schlaflose Nächte und viele von ihnen deshalb chronischen Schlafmangel. Während man „normale“ Arbeitnehmer mit monatelang anhaltenden Schlafstörungen und daraus resultierenden Erschöpfungsdepressionen für krank befindet und irgendwann aus dem Verkehr zieht, sieht man es bei Müttern als ganz normal an, dass sie nachts für ihre Kind sorgen und tagsüber in Jobs arbeiten, in denen mittlerweile ein Arbeitnehmer die Arbeit von ehemals Dreien macht.

Advertisements

„Es wird nicht nur anders, sondern in manchen Dingen auch leichter“ oder „Ein Blick sagt manchmal alles“

Gestern schlenderten wir gut gelaunt durch den Park und um uns herum fuhr unser sehr lebendiges und vergnügtes Kind mit seinem Roller.

Die Leute kamen uns entgegen und die Blicke begegneten sich.

Ein Blick, der mir begegnete, war mir nicht fremd.

Eine Mutter schob ihren Kinderwagen langsam vor sich her. Sie hatte sehr müde Augen. Ihr Blick kam mir deshalb so bekannt vor, weil dieser Blick auch schon oft mein Blick war. Er sagte: „Was könnt Ihr so vergnügt sein, wenn man doch kaum noch schläft mit Kind?“

Dieser Blick machte mich nachdenklich und als wir weiter im Park unterwegs waren, dachte ich immer wieder kurz darüber nach.

Als ich ein paar Monate nach der Geburt einen Bekannten fragte, wann es endlich leichter wird, antwortete er mir „Es wird nicht leichter, nur anders“.

Dieser Satz ist sicher richtig, denn es gibt immer neue Herausforderungen für Eltern, in jedem Lebensalter eines Kindes. An diesen kann man persönlich aber auch sehr wachsen.

Eines möchte ich jedoch trotzdem für die Mütter schreiben, deren aktuell größtes – und aus meiner Sicht auch wirklich ernstzunehmendes – Problem der Schlafmangel ist.

Es wird irgendwann wirklich besser. Irgendwann werdet Ihr nicht mehr wie Schlafwandlerinnen, halb betäubt durch den Tag wandeln.

Ihr werdet, wie ich gestern, endlich Euer Kind mit Energie und Freude zu den Spielgeräten auf dem Spielplatz begleiten.

Gestern sagte ich zu meinem Mann: „Unsere Ausflüge genießen, das kann ich jetzt erst richtig. Ich gehe jetzt sehr gern mit Euch in den Park, in den Zoo, auf ein Kinderfest. Die letzten Jahre habe ich dabei ganz oft nur gedacht: „Wo kann ich mich hinlegen und schlafen? Und wer gibt mir endlich einmal die Gelegenheit dazu?““

Wenn Ihr etwas schlauer als ich seid, dann sorgt Ihr dafür, dass Ihr früher als ich wieder viel mehr Energie habt. Dann macht Ihr Eurem Umfeld früher klar, dass der Mensch auch schlafen muss und bittet um Hilfe, um ein paar Stunden Ruhe für Euch.

Aber es werden mit dem zunehmenden Alter des Kindes auch andere Dinge leichter. Für mich z.B. ist es eine große Erleichterung, dass mein Kind mir nun genau sagen kann, was es möchte. Manchmal kann einen dieser Umstand auch ganz schön nerven, besonders wenn die Wünsche in einem Affentempo ungefähr zehnmal wiederholt werden ;-), aber man weiß nun genau, woran man ist.

Man kann seinem Kind außerdem viel mehr Dinge erklären, weil es sie nun auch versteht, und damit auch den ein oder anderen Schreianfall vermeiden, wenn man ein wenig empathisch ist.

Auch die zunehmende Selbständigkeit meines Kindes erleichtert mir den Alltag sehr. So habe ich mir in letzter Zeit auch einfach mal ab und zu ein Entspannungsbad am Nachmittag gegönnt. Mein Kind spielte währenddessen im Wohnzimmer.

Ja, so etwas wird wieder möglich sein. Freut Euch darauf!

(P.S.: Für Mütter, die unter großem Schlafmangel leiden, hier noch ein Video, das sehr gut über die Wichtigkeit von Schlaf aufklärt:

Und die Bitte, Schlafmangel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und zu versuchen, Lösungen durch Hilfe von außen zu finden oder auch dadurch, dass man ein älteres Kind von der Flasche nachts entwöhnt (Das muss natürlich zum Entwicklungs- und Gesundheitszustand des Kindes passen. Dazu kann der Kinderarzt aber sicher auch etwas sagen). Ich selbst hätte meinem Kind in der Rückschau nicht zweieinhalb Jahre lang nachts die Flasche geben müssen. Da es ein Frühchen war, brauchte es lange Zeit Flaschenfütterung in der Nacht, aber so lange wäre es nicht nötig gewesen. Bei mir hat sich in der langen Zeit des Nachts-Aufstehens eine richtige Schlafstörung entwickelt, die auch weiter angehalten hat, als mein Kind nachts schon wie ein Murmeltier schlief und mich gar nicht mehr brauchte. Hinterher ist man immer schlauer.)

Realitätsferne bzw. Unwissenheit einer Kinderlosen – II (Chronischer Schlafmangel)

Vor dem Muttersein habe ich zwar am Rande vom chronischen Schlafmangel mancher Mutter gehört, aber immer gedacht, dass man dann eben ein Mittagsschläfchen mehr zum Ausgleich macht.

Schlafmangel war nichts, wovor ich während der Schwangerschaft Angst hatte. Weshalb? Weil ich eben noch niemals solch extremen Schlafmangel in meinem Leben hatte. Wie soll man vor etwas Angst haben, das man in seinem vollen Ausmaß noch nicht kennt.

Mittlerweile kann ich sagen, dass das, was ich nicht kannte und vor dem ich keine Angst hatte und mich deshalb auch nicht ausreichend schützte, mich in den letzten Jahren komplett in die Knie gezwungen hat. Ich war auch eine der Mütter, die das Mittagsschläfchen des Babies dann doch lieber zum Aufräumen etc. genutzt und die monatelang Tag und Nacht Milch abgepumpt hat (Letzteres würde ich einer guten Freundin maximal für zwei Monate empfehlen, um sich nicht jeglicher Kraft zu berauben. Es sei denn, es sprechen handfeste medizinische Gründe für einen längeren Zeitraum.).

Ich hatte keine Ahnung.

Irgendwann habe ich morgens um 6 Uhr schon eineinhalb Tafeln Schokolade gegessen, um den Tag zu überstehen.

Anstatt mein Umfeld zu bitten, auf mein Kind aufzupassen, weil der Schlafmangel mich fertig macht, habe ich gedacht, dass ich das alles allein schaffen muss.

Ich habe immer weiter gemacht und es hat mich immer tiefer sinken lassen. An manchen Tagen hatte ich das Gefühl, dass ich nicht einmal mehr weiß, wie ich heiße. Ich vergaß immer mehr, erkannte auf einmal Personen nicht, ließ regelmäßig Geschirr auf den Boden fallen, verlor Schlüssel, vertauschte Worte.

Heute weiß ich, dass der chronische Schlafmangel einer der größten Feinde einer Mutter ist. Und eine Mutter ist unverzichtbar für ihr Kind. Es ist ein großer Fehler, zu glauben, man könne über mehrere Jahre mit extrem wenig Schlaf auskommen ohne dass das eigene Leben langsam erodiert.

Komischerweise haben mich ein paar Frauen, die schon Kinder hatten, gleich nach der Geburt des Babies mehr oder weniger deutlich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe aber damals gedacht, ich müsse nicht auf sie hören. Sie hätten eben bedauerlicherweise ein Problem gehabt. Ich würde das schon schaffen. Was für eine Naivität. Erst ein bis zwei Jahre später habe ich begriffen, dass sie Recht hatten und dass mir genau das passiert war, was sie beschrieben haben. Aber da hatte ich schon massive Schlafstörungen.

Nächtliche Ausrufe

Manchmal (oder auch öfter) wache ich nachts auf.

Aufgrund der nächtlichen Ausrufe meines Kindes in seinem Bettchen.

„Der Jonas hat meine Goldmünze geklaut.“ oder

„Da hinten gehört aber noch eine Mutter hin.“ (anscheinend wird die Rollenspielaufstellung in der Kita noch einmal traummäßig verarbeitet)

Ich gehe dann ans Bett, frage nach, besänftige und mein Kind schläft nach zwei Minuten wieder.

Und ich?

Was mache ich?

Ich grüße meine altbekannte Schlafstörung, die sich in den letzten vier Jahren manifestiert hat und schreibe einfach mal wieder einen Beitrag.

Und ich freue mich, wenn ich sehe, dass mich mal wieder nachts eine neue Mutter auf dem Blog besucht hat, mit der Suche „Milch abpumpen müde“ oder so. Denn deshalb ist mein Blog entstanden. Genau für Euch! Und wenn Ihr Euch ein klein wenig schlauer anstellt als ich, dann werdet Ihr in ein paar Jahren nicht nachts vor dem PC sitzen anstatt zu schlafen.

Und nun „Gute Nacht“.

Vor 6 Uhr morgens schafft man eine Menge

… wenn man Schlafstörungen hat.

Ich habe bereits die Toilette geputzt, die Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Altpapier aussortiert und in der Küche die Ablagen gewischt sowie …

An Tagen, an denen ich morgens vor dem Wecker aufwache, bin ich dem Bild von einer „perfekten Mutter“ näher als sonst.

Das kann mir nun zweierlei zeigen:

  1. Dass ich einfach unfähig bin und der Tag für meine normale Leistungsfähigkeit zu wenig Stunden hat oder
  2. Dass man das Bild einer perfekten Mutter gar nicht erfüllen kann.

Was sollte ich mich fragen?

Bin ich wieder fit oder ist das nur die Burnout-Phase der vermehrten Anstrengung?

Was sollte ich mir immer vor Augen halten?

Warum wir schlafen müssen …