Ich bin so unglaublich froh

Es ist bei uns kalt und nass.

Gerade, als ich mein Kind von der Kita abgeholt habe, ist direkt vor meinem Auto ein junger Mann mit seinem Motorrad gerutscht.

Es war direkt nach einer Kurve.

Es ging so schnell.

Gerade fuhr er noch vor mir. Dann lag er schon auf dem Boden und die Maschine auch, die Räder drehten sich in der Luft.

Ich bin überglücklich, dass ich das rechtzeitig gesehen habe und einige Meter davor bremsen konnte.

Es waren hilfsbereite Menschen drum herum. Ein Polizist kam gerade zufällig vorbei und half. Dem  jungen Mann tat sein Bein weh, aber ansonsten war er ansprechbar.

Der ruhige Sanitäter des herbeigerufenen Krankenwagens und auch der Polizist, der vorbeikam und sofort alles in die Hand nahm, haben mich sehr beeindruckt. In so einer Situation sind solche Menschen wie Engel.

Ich werde jetzt noch mehr daran denken, immer genug Abstand zu halten und mein Fahrverhalten an die Witterungsverhältnisse anzupassen und mich mal wieder für einen Erste-Hilfe-Kurs anmelden. Mein Letzter ist so lange her. Ich hätte mich schrecklich gefühlt, wenn ich im Ernstfall nicht hätte helfen können.

Auch wenn der junge Mann jetzt sicher Schmerzen hat. Er hatte großes Glück.

Nachtrag: Und ich werde jetzt sofort einen Termin machen, um die Winterreifen aufziehen zu lassen.

 

Der Typ vom Paketdienst

Der Typ vom Paketdienst wurde von mir erst richtig wahrgenommen, nachdem ich Mutter geworden bin. Auf einmal war ich die Postannahmestelle unseres Miethauses und ich beschloss, die Post immer anzunehmen, egal für wen. Es sei denn, mein Kind schlief. Dann habe ich unsere Klingel abgestellt. Ich wollte meine wohlverdiente Ruhe im stressigen Babyalltag nicht abrupt beendet wissen. Mütter werden das verstehen ;-).

Es kam immer irgendein Mann die Treppe hochgehetzt, der in Sekundenschnelle seine Päckchen loswerden wollte und sehr dankbar war, wenn man ihm auch mal ein Päckchen für das Nachbarhaus abnahm. Auffallend war die hohe Fluktuation der Angestellten. Teilweise waren die Lieferwagen auch in keinem so guten Zustand.

Einmal kam ein Bote, den ich schon ein wenig kannte und während unseres kurzen Gespräches ließ er fallen, dass er beim Arzt war, weil es ihm so schlecht ging und sie ihn jetzt komplett durchchecken würden. Ich dachte nur: Das wundert mich nicht bei diesem Job. Zwei Wochen später sagte er mir, es gäbe Entwarnung. Ein Glück. Aber den Job hat er anscheinend auch nicht mehr lange gemacht, zumindest nicht in unserer Straße.

Heute sah ich, wie ein Lieferbote einer Einzelhandelskette gerade mehrere Tüten aus seinem Lieferwagen heraushievte. Er stand auf einem Anwohnerparkplatz. Und natürlich kam der Anwohner gerade in dem Moment nach Hause und hupte laut.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Menschen den Blick für die Lieferboten nicht verlieren. Sie hetzen durch die Gegend, überall wo sie parken (teilweise parken müssen!) stören sie. Irgendjemand ärgert sich immer über sie. Ich auch manchmal, aber ich versuche, mich dann wieder darauf zu besinnen, was ihr Job bedeutet. Klar kann ich es auch nicht leiden, wenn mein Parkplatz blockiert wird, aber für ein paar Minuten, das kann ich schon noch aushalten und im Notfall eine kleine Runde drehen, sofern das nicht permanent passiert.

Ich persönlich möchte niemals mit ihnen tauschen. Schon beim Beobachten ihrer atemlosen Tätigkeit wird mir schwindelig. Vor Weihnachten vertraute mir ein Bote an, dass er einen großen Internethändler nicht ausstehen könne, weil die Leute vor Weihnachten wie wild bestellten. An diesem Tag musste er noch vierhundert Pakete ausliefern. Ich konnte ihn verstehen … den Typen vom Paketdienst.