Birgit Kelle: „Hört auf, uns Mütter „befreien“ zu wollen!“ – Buch: Muttertier

Man muss nicht in allem mit Birgit Kelle übereinstimmen, um sagen zu können, dass sie wirklich wichtige Dinge beim Namen nennt. Ihre Texte polarisieren sehr, aber ich möchte deshalb trotzdem nicht die wichtigen Botschaften von ihr missen.

Danke, Birgit Kelle, dass Sie immer wieder das Wort für die Frauen ergreifen, die regelrecht „mundtot“ gemacht werden, weil sie „nur Mütter“ oder „nur Teilzeit arbeitende Mütter“ sind. Weil diese Frauen alle so still geworden sind (obwohl sie genauso wie jeder andere ein Recht auf ihr persönliches Lebensmodell haben), wissen sie gar nicht, wie viele sie eigentlich sind, dass sie nur gemeinsam den Mund aufmachen müssten und eine Menge ändern könnten.

„Ihr wollt uns also befreien? Sehr gerne. Der beste Weg dazu wäre, mal die Luft anzuhalten und zuzuhören. Wir sind alles große Mädchen, und was gut für uns ist, mit Verlaub, das entscheiden wir ganz alleine.

Wir sind Mütter. Wir tragen Verantwortung. Wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir hüten das Leben, wir hüten die Zeit. Wir hüten die Brut. Wir verteidigen sie wie Löwinnen. Wir geben ihr Wurzeln und Flügel. Wir lieben sie. Es ist nicht rational, es ist. Wir sind Muttertiere bis zum letzten Atemzug. Und das machen wir gut so.“

Dies war ein Zitat aus dem Auszug aus Birgit Kelles neuem Buch „Muttertier“ auf Welt Online. Sie hat aber noch mehr zu sagen. Hier der ganze Artikel:

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article166632672/Hoert-auf-uns-Muetter-befreien-zu-wollen.html

Auch wenn ich mich selbst nicht als klassisches Muttertier bezeichnen würde, werde ich mir dieses Buch zulegen, denn ich finde, dass Birgit Kelle als eine der ganz Wenigen den Mut hat, sich dazu zu äußern, dass Mütter in einer unerträglichen Weise bevormundet werden.

Ich möchte als Mutter Vollzeit arbeiten können, Teilzeit arbeiten können oder zuhause bleiben können, ohne dass ich diskriminiert werde. Ich möchte, dass diese Entscheidung als die Entscheidung einer Frau und ihrer Familie gesehen wird und keine gesellschaftliche Entscheidung ist, die auf meine/unsere Meinung keine Rücksicht nimmt.

Ich möchte mit der Geburt meines Kindes nicht um meine Freiheit gebracht werden, die Freiheit, selbst zu entscheiden, was mir und den Menschen um mich herum gut tut.

 

 

 

 

Schrecksekunde

Kennt Ihr sie, diese kleinen Schrecksekunden?

Wenn Ihr gerade dafür gesorgt habt, dass Euer Kind und sein Besuch einen schönen Nachmittag hatten, Ihr Pfannkuchen gebacken und Obstteller gereicht, mit den Kindern den Spielplatz besucht und den Inhalt Eurer Malkiste in der ganzen Küche verteilt habt …

und das Besucherkind beim Abholen vor seiner Mutter (die übrigens eine ganz reizende Person ist) davonrennt und sich in Eurem Ehebett versteckt …

Ihr selbst habt die letzte Stunde nur so gut überstanden, weil Ihr wusstet: Um 19 Uhr ist Feierabend mit der quietschvergnügten Zwei-Mädchenparty. Ihr habt schon überschlagen, dass es wohl ca. eine Stunde dauern wird, die Wohnung wieder in einen akzeptablen Zustand zu bringen und Euch auf das Lesen Eurer Frauenzeitschrift kurz vor dem Zubettgehen gefreut …

und dann passiert es.

Folgender Satz des Besucherkinds ertönt unter Eurer Bettdecke, gut hörbar für Euch und die andere Mutter:

„Mama, ich will hier übernachten.“

In diesem Moment müsst Ihr ganz cool bleiben, wenn das überhaupt geht.

Zählt am Besten innerlich bis zwanzig und lächelt freundlich. Aber haltet auf jeden Fall den Mund.

Gebt der anderen Mutter genug Zeit, um ihrem Kind zu erklären, dass das heute nicht geht ;-).

Kindermund V – Kaubonbons oder Schokolinsen

Mein Kind durfte heute aussuchen, ob es ein paar Schokolinsen oder Kaubonbons haben möchte.

Es hat sich für Schokolinsen entschieden, sie auf das Sofa gelegt und wie ein Pferd mit dem Mund vorsichtig aufgenommen und verspeist.

Als es damit fertig war, kam es zu mir und sagte „Mama, eigentlich wollte ich gar keine Schokolinsen, sondern Kaubonbons.“

„Das geht aber jetzt nicht“ erwiderte ich.

„Du hast mir ja gar nicht genug Zeit gelassen“. (Anm. der. Verf.: „um nachzudenken“ meint es vermutlich)

Ich sagte etwas verdutzt: „Das ist aber jetzt nicht ganz fair.“

Mein Kind mit tief betroffenem Ton: „Mama, so behandelt man kein Kind“.

Vielleicht hätte ich mit meinem kleinen Schatz doch nicht so ausgiebig die Kinderrechte im UNICEF-Buch durchgehen sollen.

Ich warte nur darauf, dass es demnächst entsprechende Paragrafen zitiert. 😉

Warum ich Regentage mag …

Sie ermöglichen mir eine Ruhepause.

Sie entschleunigen das Leben um mich herum ein wenig.

Ich fühle mich weniger unter Druck, nun noch nachmittags nach der Arbeit und dem Abholen meines Kindes vom Kindergarten etwas Spannendes zu machen.

Wir können gemütlich auf dem Sofa liegen und Bücher lesen.

Wir lauschen dem an die Fensterscheiben prasselnden Regen und beobachten die vorüberziehenden Wolken.

Ich mag Regen oder vermutlich Wasser einfach.

Als es mir sehr schlecht ging, weil ich so erschöpft war, habe ich mir immer gewünscht, mich einfach in den Regen auf eine Wiese im Park zu legen, damit ich mich wieder lebendiger fühle.

Und die morgendliche Dusche mit einem duftenden Duschgel war in den vergangenen Jahren mein kleiner Wellness-Ersatz.

Verdrehte Augen

Normalerweise bin ich mit meinem Kind mit dem Auto unterwegs.

Gestern haben wir jedoch eine Spielkameradin mitgenommen, weshalb ich mit den beiden Kleinen Bahn und Bus fuhr.

Es sind zwei lebhafte kleine Mädchen, die viele Fragen haben, sich gern bewegen und auch kundtun, dass sie gern am Fenster sitzen möchten (was natürlich nicht immer machbar ist … z.B., wenn dort schon jemand sitzt 😉 ). Zwei ganz normale kleine Mädchen also.

Es gibt im öffentlichen Nahverkehr viele Menschen, die daran keinen Anstoß nehmen oder sogar mal einen Sitz für die kleinen Damen freimachen.

Aber es gibt auch häufig insbesondere Frauen mittleren Alters, die heftig die Augen verdrehen, einfach weil die beiden Mädchen Lebensäußerungen von sich geben.

Gestern habe ich noch besser verstanden, weshalb ich öfter in Blogs lese, dass unsere Gesellschaft nicht besonders kinderfreundlich ist.

Gestern hatte ich das Gefühl, ich habe mit zwei Aliens die Bahn betreten.

Aber wir haben uns glücklicherweise den Rest das Tages davon nicht den Spaß verderben lassen.

Das Alte kehrt zurück und das Neue entfaltet seinen Zauber

Nach der Geburt meines Kindes blieb in meinem Leben kein Stein auf dem anderen. Oder nur ganz Wenige.

Da ich mich mit Veränderungen in meinem Leben generell schwer tue, haben mich die letzten Jahre unglaublich viel Kraft gekostet.

Nun kehrt das Alte zurück.

Dinge, die ich lange Zeit nicht mehr machen konnte oder vor lauter Müdigkeit nicht machen wollte, sind nun wieder möglich.

Und zusätzlich entfaltet das Neue immer mehr seinen Zauber.

Oft kann ich mich nicht satt sehen an der Lebensfreude, Neugierde und Aufgeschlossenheit meines Kindes. Seiner Mimik. Seiner Energie.

Seine Worte überraschen mich immer wieder aufs Neue. Es ist noch so klein und stellt wichtige Fragen. Fragen, die ich mir auch mal (wieder) stellen sollte.

Es ist außerdem so kontaktfreudig, dass mein Tag ebenfalls immer lebendig wird.

Die letzten Jahre haben mein Leben auch ein ganzes Stück bereinigt. Beziehungen haben sich verändert, sind ganz auseinander gegangen oder haben sich geklärt. Menschen haben sich entfernt und genähert. Ich habe mich entzogen und gesucht. Diese Suche ist noch lange nicht zu Ende.

Dinge mussten ausgesprochen werden, auch wenn es weh tat. Meine Sprache musste und muss immer noch klarer werden.

Um ein Kind zu erziehen, muss man für sich Dinge definieren und Standpunkte entwickeln, die man selbst vielleicht noch gar nicht für sich geklärt hatte oder um deren Klärung man sich bisher erfolgreich herumgemogelt hat.

Es ist auf jeden Fall befreiend, vom Alten möglichst nur das zurück kommen zu lassen, was einem gut tut und sich immer mehr von der Begeisterung seines Kindes für die Vielfalt des Lebens mitziehen zu lassen.

Und auch der schwere Schleier der Schlaflosigkeit hat sich gelichtet und gibt nun den Blick frei.

Mein Kind ist nun viereinhalb Jahre alt und es ist das Beste, was mir jemals passieren konnte.