Buchtipp: „Unter Palmen aus Stahl“ von Dominik Bloh – Die Geschichte eines Strassenjungen

Heute erreichte mich die Buchsendung, die ich schon erwartete: Das Buch „Unter Palmen aus Stahl“ von Dominik Bloh.

Ein paar Stunden später habe ich das Buch gelesen und bin eingetaucht in eine Welt, in die man eigentlich nicht eintauchen möchte.

Dominik Bloh hat elf Jahre lang immer wieder auf der Straße gelebt, nachdem ihn seine Mutter mit 16 Jahren an einem verschneiten Februartag vor die Tür setzte. Mit zwei Koffern in der Hand stand er dort, es schloss sich die Tür hinter ihm und wurde nie wieder geöffnet. Seitdem musste er sich allein auf den Straßen der Stadt Hamburg durchschlagen.

Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Insbesondere die Tatsache, dass Dominik Bloh im Zustand der Obdachlosigkeit lebend das Abitur gemacht hat, finde ich mehr als bemerkenswert. Der Autor nimmt einen im wahrsten Sinne des Wortes mit auf die Straße, man fühlt die Einsamkeit und spürt den Überlebenskampf auf jeder Seite, insbesondere dann, wenn er beschreibt was Kälte, Regen und Wind mit den Menschen machen, die nicht mehr besitzen als die Kleider am Leib, und welche Strategien sie entwickeln, um die nächste Nacht zu überstehen.

Wenn man dieses Buch gelesen hat, wird man nicht mehr an einem obdachlosen Menschen vorbeigehen können ohne ihn zu bemerken und ohne daran zu denken, was Dominik Bloh geschrieben hat. Er hat so viel geschrieben, er hat den Alltag und die Gefühlswelt eines Obdachlosen dargelegt, seine Einsamkeit, seine Scham, seine Verzweiflung, seine Überlebensstrategien und auch die Fähigkeit vieler Menschen, diese Not einfach auszublenden.

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Da war auf einmal jemand …

  • den ihr Kind im Park kennengelernt hatte als sie bis spät nachmittags arbeitete
  • der ihrem Kind ein Lächeln auf das Gesicht zauberte, wenn sie nur müde da saß
  • der mit ihm herumtollte und Späße machte, während sie im Kopf ausrechnete, ob sie sich das nächste Paar Schuhe für ihr Kind leisten konnte
  • der sich die Zeit nahm, um mit ihrem Kind schöne Dinge zu unternehmen, wenn sie am Wochenende versuchte, irgendwie Grund in den Haushalt zu bringen
  • der ihr sagte, sie könne mal in Ruhe einen Kaffee trinken gehen und ihr Geld für einen Friseurbesuch schenkte
  • der sich um sie bemühte
  • der ihr Kind erst so fröhlich wie nie und dann immer stiller machte
  • der sich ein klein wenig mehr für ihr Kind als für sie interessierte

 

Sie hat nichts gemerkt, nichts gespürt.

So wie sie sich selbst seit Jahren nicht gespürt hat, spüren konnte.

 

Zu diesem Text hat mich inspiriert, dass ich vor kurzem wieder über eine Information gestolpert bin, die ich schon mal gelesen habe. Es ging darum, dass es bekannt sei, dass Männer mit Neigungen zu Kindern Ausschau nach alleinerziehenden Müttern halten.

Und so hart dieses Thema ist, es muss angesprochen werden: Zum Schutz der Kinder und ihrer Mütter.

Und bezogen auf alle Mütter möchte ich schreiben: Nur wer sich selbst spürt und überhaupt noch Zeit hat, zu spüren, kann spüren, wenn etwas mit seinem Kind los ist oder auch, wenn sich ein anderer Erwachsener ungewöhnlich verhält.

Zum Schutz der Kinder muss die Gesellschaft Müttern Zeit und Kraft geben. Ihr Alltag darf kein Überlebenskampf sein. Wer um sein Überleben kämpfen muss, ist darauf fokussiert und verliert eventuell andere Dinge aus dem Blick.

 

Mütterentlastung ist Kinderschutz

Ich habe nicht selten gehört, dass sich alleinerziehende Mütter kleiner Kinder aufgrund der extremen Belastung von Haushalt, Job und Kind dafür entscheiden, lieber von Hartz IV zu leben als einen Job anzunehmen.

Ich persönlich kann das voll und ganz nachvollziehen. Aus meiner eigenen Erfahrung finde ich das nur rational. Kinder großzuziehen erfordert sehr viel Kraft, besonders wenn man keine Unterstützung hat.

Nur was bedeutet das? Für die Mütter und für die Kinder?

Sie können sich nur noch in ganz bestimmten Gegenden Wohnungen leisten. Sie müssen sich massiv einschränken und es fehlt an allen Ecken und Enden. Darunter leiden die Mütter und die Kinder.

Wollen wir das?

Irgendetwas läuft schief …

wenn Frauen nur die Wahl haben, ob sie sich in den Burnout schuften oder in prekären Verhältnissen leben.

Unter beiden Situationen leiden auch die Kinder sehr.

Hierfür mache ich das Unterhaltsrecht verantwortlich, das ich sogar als frauenfeindlich und damit gleichzeitig als kinderfeindlich bezeichnen würde.

Es geht an der Realität vorbei.

Ganz im Reinen …

mit meinen Entscheidungen der letzten Jahre war ich vor ein paar Tagen. Da bin ich an meinem freien Tag mit meinem Kind in aller Ruhe bei einer U-Untersuchung gewesen und es war alles in bester Ordnung, der Arzt mit der Entwicklung meines Kindes sehr zufrieden. Ich bin es auch und mir ist bewusst, dass diese Entwicklung Zeit und Kraft gekostet hat. Diese Zeit und Kraft konnte ich nur aufbringen, weil ich mich dafür entschieden habe, weniger zu arbeiten. Anders hätte ich das nicht geschafft.

Diese gute Entwicklung stand schon einmal ziemlich auf der Kippe, als ich mehr arbeitete und die „Bezugs-„Erzieherin in unserer alten Kita jeglichen Bezug zu meinem Kind vermeiden wollte. Damals habe ich nach deutlichen Verhaltensänderungen meines Kindes und einem ziemlich frechen Therapievorschlag derselben Erzieherin die Notbremse gezogen und die Kita gewechselt, unter Aufgebot meiner letzten Kräfte. In der neuen Kita fühlte sich mein Kind auf Anhieb wohl und tut das bis heute. Einen Therapievorschlag habe ich in der neuen Kita bisher komischerweise nicht bekommen ;-). Das alles hat sich gelohnt.

Das „System Kind“ ist sehr sensibel. Es bedarf aus meiner Sicht einer ständigen Aufmerksamkeit in Bezug auf Verhaltensänderungen. Kinder erzählen bei weitem nicht alles, was sie belastet, manchmal erst Monate später und dann auch nur, wenn die Mutter den Eindruck macht, dass sie zugänglich dafür ist. Das fällt umso schwerer, je mehr eine Mutter belastet ist.  Wenn wir wollen, dass unsere Kinder sich gut entwickeln, sollten wir die Mütter endlich mehr entlasten.

 

To-Do-Liste

In den letzten Tagen las ich, dass To-Do-Listen sehr hilfreich sein können, weil Dinge, die erst einmal irgendwo niedergeschrieben wurden, einen nicht mehr so belasten. Das Gehirn akzeptiere die niedergeschriebenen Dinge als erledigt und beschäftige sich nicht mehr damit. Danach würde man besser schlafen.

Als ich so unglaublich erschöpft war, habe ich To-Do-Listen erst einmal ganz aus meinem Leben verbannt.

Heute führe ich sie wieder.

Der Trick ist aus meiner Sicht aber, ganz genau auszuwählen, was es überhaupt auf meine To-Do-Liste schafft.

Wenn man schreibt „Den Garten umgraben, den Keller aufräumen, den Dachboden entrümpeln, für sechs Wochenendseminare anmelden, Samba lernen“, dann geht man es aus meiner Sicht ganz falsch an.

Meine To-Do-Listen waren früher ellenlang. Ich habe mich damit selbst drangsaliert. Und sie waren schon so angelegt, dass ich sie nicht schaffen konnte.

Heute schaffen es nur die wirklich wichtigen und dringlichen Dinge auf meine To-Do-Liste und sie ist relativ kurz 😉

 

 

„Die unsichtbare Arbeit in Deutschland ist eine Billion Euro wert“ – Welt-Online Artikel von Gabriele Voßkühler vom 22.1.2018

Im Anschluss an diese kleine Einleitung findet Ihr den Link zum Artikel, in dem Ihr nachlesen könnt, was Ihr eigentlich schon alle wisst. Trotzdem ist er sehr interessant, er unterfüttert unser mütterliches Unbehagen mit ein paar eindrucksvollen Zahlen.

Und er sollte uns dazu motivieren, Claire zu unterstützen, von

https://mamastreikt.wordpress.com/

Sie kämpft jede Woche dafür, dass Carearbeit sichtbar wird: https://mamastreikt.wordpress.com/2018/01/21/9-netzprotestsonntag-zu-carearbeitmusssichtbarwerden/

https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article172615427/Wichtig-fuer-die-Gesellschaft-fuehrt-aber-zu-Altersarmut.html